Samstag, 24. Oktober 2020  -  15:13

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Was trägt Israel durch seine Politik zum Judenhass bei?

Die deutsche Antisemitismus-Forschung befindet sich in einem großen Dilemma /
Mehr Geld vom Staat wird nicht helfen

Arn Strohmeyer

Corona macht es möglich: Die Bundesregierung legt noch ein paar Millionen Euro für die Antisemitismus-Forschung drauf (insgesamt 12 Millionen Euro). Von dem Geld soll die interdisziplinäre Forschung profitieren und damit der Kampf gegen den Judenhass intensiviert werden. Der Antisemitismus-Beauftrage Felix Klein jubelt. Aber ob das Geld aber wirklich sinnvoll angelegt wird, daran muss man große Zweifel äußern. In einem Punkt muss man der Wissenschaftsministerin Anja Karlizcek aber sogar Recht geben: Die Corona-Krise produziert gerade auf dem Gebiet des Antisemitismus schlimme Blüten, einen unglaublichen und hanebüchenen Irrationalismus. Wer die Erkenntnisse der Virenforscher nicht zur Kenntnis nehmen will, der sucht die Ursache für den Antisemitismus in der jüdischen Weltverschwörung oder bei den „Weisen von Zion“ und glaubt, auf der richtigen Seite der Geschichte zu sein. Dümmer geht es nicht!

Aber der Antisemitismus ist eine zu ernste Sache, als dass man darüber in Irrationalismus machen sollte. Es gibt den Judenhass leider noch immer in großer Verbreitung. Nur ob gerade die deutsche Forschung, so wie sie hierzulande betrieben wird, da weiterführt, ist wohl kaum anzunehmen. Da stehen als Hindernisse zu große Denkverbote im Wege – vor allem das ganz große Tabu Israel. Es ist ein gesichertes empirisches Faktum, dass die brutale Politik dieses Staates gegenüber den Palästinensern, seine Verachtung des Völkerrechts und der Menschenrechte diesem Volk gegenüber, heute eine der Hauptursachen für Antisemitismus in der Welt ist. Da es für die deutsche Politik und auch die Wissenschaft ein ungeschriebenes Dogma ist, dass Juden nur Opfer sein können und Israel der Staat der Opfer ist, haben sie sich selbst die Hände gebunden, die Realität dieses Staates und seiner Politik zu erkennen.

 

 

Woher der heutige Antisemitismus vorrangig kommt, wissen aufgeklärte Geister auch in Israel. So schrieb der Politiker Roman Bronfman von der Meretz-Partei schon vor Jahren in der Tageszeitung Haaretz: „Es ist an der Zeit, den Tatsachen nicht länger auszuweichen und sich die einfache bittere Wahrheit einzugestehen: In den Augen der Welt hat Israel seine Legitimation verloren, und dass es so gekommen ist, haben wir uns selbst zuzuschreiben. War der Antisemitismus bisher ausschließlich unter politischen Extremisten anzutreffen, so sorgt Israel mit seiner fortgesetzten Politik seiner grausamen Besatzung dafür, dass sich die antisemitische Stimmung ausbreitet und dass sie auch noch weiter angefacht wird.“ (Haaretz, 3. 11. 2003)

Israel liefert den echten Antisemiten also selbst die besten Argumente für ihren Judenhass. Sie können die israelische Unterdrückungspolitik zum willkommenen Vorwand nehmen, um Juden zu verteufeln. Würde Israel die Besatzung und die Unterdrückung der Palästinenser beenden, würde es diese Leute ihrer Argumente berauben und ihr wirkliches Weltbild bloßlegen. Israel selbst hat es also in der Hand, etwas gegen den Antisemitismus zu tun, hat aber offenbar gar kein Interesse daran.

 

 

Einer, der dieses Interesse Israels schonungslos offengelegt hat, ist der israelische Historiker Daniel Blatman von der Universität Jerusalem, der auch Direktor des Warschauer Ghetto-Museums ist, ein Mann, den man nun wirklich nicht in den Verdacht des Judenhasses bringen kann. Er lehnt den Begriff eines „neuen Antisemitismus“ ab und spricht von einem neuen „funktionalen Antisemitismus“, für den Israel nicht nur verantwortlich ist, sondern den es ganz bewusst selbst produziert: „Der traditionelle, vertraute Antisemitismus war gekennzeichnet durch eine vielfältige Feindseligkeit gegenüber Juden und Judentum, die Dämonisierung der Juden, die Beschäftigung mit ihren kollektiven Eigenschaften und ihren Geschäftsbeziehungen sowie Mythen und Stereotypen, die den Juden als inkarnierten Teufel darstellten. Der neue Antisemitismus der heutigen europäischen nationalistischen Populisten, deren Definition Deutschland übernommen hat, könnte als funktionaler Antisemitismus definiert werden. Er basiert auf dem Prinzip, dass jeder, den bestimmte Juden als antisemitisch definieren wollen, als solcher definiert wird.

 

 

Mit anderen Worten, es handelt sich nicht mehr um einen Antisemitismus, der zwischen Juden und Nichtjuden nach Kriterien wie Religion, Kultur, Nationalität oder Rasse unterscheidet, sondern um einen, der zwischen Antisemiten und Nicht-Antisemiten unterscheidet, nach Kriterien, die von der israelischen Regierung und von Juden und Nichtjuden, die ihn unterstützen, in Deutschland und anderen Ländern aufgestellt werden.

Was hier geschieht, ist nicht weniger als eine historische Revolution im Verständnis des Antisemitismus: Antisemitische Deutsche definieren nicht mehr, wer Jude ist, der aus der Gesellschaft verbannt werden muss, sondern bestimmte Juden definieren, wer ein Antisemit oder ein Philosemit ist, und die Deutschen nehmen ihre Meinung an. Funktionaler Antisemitismus definiert Juden und Nichtjuden gleichermaßen als Antisemiten, basierend auf einer Reihe von Eigenschaften, die dem aktuellen Nationalismus Israels entsprechen.“

 

 

Blatman spricht von „Hexenjagd“ in Deutschland auf Kritiker der israelischen Politik und schließt seine Ausführungen mit einer wenig schmeichelhaften Feststellung über die deutsche Politik in Bezug auf Israel – aufgehängt an dem BDS-Beschluss des Bundestages: „Es gibt eine bittere historische Ironie, jeden in Deutschland, der die gegenwärtige Politik Israels kritisiert, unterschiedslos als antisemitisch zu bezeichnen. So dient Deutschland dem brutalen rassistischen Konzept des Zionismus im heutigen Israel, so wie Deutschland früher [in der NS-Zeit] den Bedürfnissen des Zionismus diente, um den jüdischen Isolationismus zu fördern und zugleich so weit wie möglich auch die jüdische Auswanderung. [Er meint hier das Ha‘awara-Abkommen, das die Nazis 1933 mit den Zionisten geschlossen haben. Es sah vor, dass Juden, die auswandern wollten, ihr Vermögen zum Teil mitnehmen konnten.] Die Abgeordneten des Bundestages sind offenbar blind für den gewaltigen Unterschied zwischen der verzweifelten Situation der deutschen Juden in den 1930er Jahren und dem heutigen jüdischen Staat Israel.“ (Daniel Blatman: Vielleicht existiert, wenn es um Antisemitismus geht, kein anderes Deutschland? erschienen im Palästina-Portal am 3.07.2019)

 


 

Das sind Argumente, die deutsche Antisemitismusforscher (von Ausnahmen abgesehen) nicht einmal zu denken wagen. Sie kommen meistens nur zu dem Ergebnis, „dass die frühere Dämonisierung von Juden jetzt auf den Staat Israel übertragen wird.“ Eine wirkliche Antisemitismusforschung müsste also Tabus und Denkverbote überwinden, was heißt, klar zwischen Judentum, Zionismus und Israel (und in der Umkehrung zwischen Antisemitismus, Antizionismus und Kritik an Israel) zu unterscheiden. Aber dass sie dazu den Mut aufbringt, ist nicht nur sehr unwahrscheinlich, es ist ganz ausgeschlossen. Man wird also weiter in der Tabu-Dunkelheit herumtappen und Scholastik betreiben. Das Geld für eine solche Forschung wäre an anderer Stelle sicher besser angelegt. 7.4.2020
 

 

Ruth Dreifuss jetzt «unmoralisch»
 Ex-Bundesrätin Ruth Dreifuss hat einen Aufruf gegen Trumps Nahost-«Peace Plan» mitunterschrieben.
Christian Müller - 29. Mär 2020

US-Präsident Donald Trump veröffentlichte Ende Januar 2020 seinen lange davor schon angekündigten «Peace Plan» für Israel und Palästina. Dieser sieht vor, alle von Israel besetzten und illegal besiedelten und weitere für Israel wichtige Gebiete im heutigen Palästina einseitig Israel zuzuschlagen, den Palästinensern aber gerade noch einen Reststaat zu überlassen, der einem «Flickenteppich» gleichsieht, wie es etwa die Nahost-Spezialistin der «Frankfurter Rundschau» Inge Günther bezeichnete. Palästina bestünde dann aus vielen wirtschaftlich wertlosen Landstücken, die nur noch durch Brücken und Tunnels miteinander verbunden wären.

Dieser sogenannte «Friedensplan» wurde wenigstens in Europa fast durchwegs kritisiert. Jetzt haben auch 50 ehemalige europäische Spitzenpolitiker, die meisten von ihnen ehemalige Aussenminister, aber auch einige ehemalige Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, einen Aufruf mit nochmals vernichtender Kritik des «Peace Plan» veröffentlicht, unter ihnen etwa Gro Harlem Brundtland, ehemalige norwegische Ministerpräsidentin, Dominique de Villepin, ehemaliger Aussen- und später Innenminister Frankreichs, Massimo d’Alema, ehemaliger italienischer Ministerpräsident, Sigmar Gabriel, ehemaliger deutscher Aussenminister und Vize-Kanzler, Benita Ferrero-Waldner, ehemalige österreichische Aussenministerin, Karel Schwarzenberg, ehemaliger Stellvertretender Ministerpräsident der Tschechischen Republik, aber auch zum Beispiel Javier Solana, ehemaliger Aussenminister und NATO-Generalsekretär aus Spanien. Und auch aus der Schweiz – auch die Schweiz gehört bekanntlich zu Europa – haben die beiden ehemaligen Bundesrätinnen und Bundespräsidentinnen Ruth Dreifuss und Micheline Calmy-Rey unterschrieben.  >>>

Presseerklärung des Kairos Palästina Solidaritätsnetzes in Deutschland
zur Stellungnahme des Rates der EKD zu BDS

,,Der Stellungnahme des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angesichts der De¬batte um die 'Boycott, Divestment and Sanctions'-Bewegung (BDS) vom 29.2.2020 muss widersprochen werden", sagt die Erwiderung des Kairos Palästina Solidaritätsnetzes in Deutschland, die am 23.3.2019 an den Rat der EKD gesandt wurde. Gegen die 10 Punkte des Rates wird festgestellt:

1. Die propagierte Zweistaatenlösung wird vom Staat Israel und den USA durch Kolonisierung und Annexionen der besetzten palästinensischen Gebiete unmöglich gemacht. Die EKD hält sich weder an das Völkerrecht noch an die Menschenrechte, auf die sie sich beruft.

2. Der Rat wirft im Sinn der Propagandaoffensive der Regierung Netanyahu dem gewaltfreien Widerstand der BDS-Bewegung gegen die Besatzung weiterhin Antisemitismus vor, obwohl alle bis-herigen Gerichtsbeschlüsse in Deutschland, 200 europäische Juristinnen, 240 israelische und jüdische Wissenschaftlerinnen sowie fünf Sonderbeauftragte des Hohen Kommissars der UNO für Menschenrechte BDS durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit geschützt sehen. Damit verstößt die EKD gegen Art. 5 des Grundgesetzes und setzt Gandhi- mit NS-Methoden gleich.

3. Der Rat beruft sich auf „besondere historische Verantwortung Deutschlands" für den Staat Israel, unterschlägt dabei aber, dass Deutschland auch indirekt für das Unrecht an den Palästinensern mit-verantwortlich ist. Denn ohne das schlechte Gewissen des Westens wegen des historischen Antisemitismus und dessen Höhepunkt im Menschheitsverbrechen des Holocaust würde Israel wie alle an-deren Staaten wegen seiner Völker- und Menschenrechtsverbrechen an den Palästinenserinnen sanktioniert werden. Dies zu erkennen, wäre „doppelte Solidarität", auf die sich die EKD beruft, nicht aber das, was sie faktisch tut: Israel gegenüber anderen Staaten mit doppeltem Standard messen.

4. und 6. Die EKD benutzt weiterhin die „Arbeitsdefinition Antisemitismus" der Holocaust Remem-brance Alliance (IHRA). Sie ignoriert damit die wissenschaftlichen Nachweise, dass diese entwickelt wurde, um Kritik an den Rechtsverletzungen des Staates Israel als antisemitisch zu verleumden.

5. Der Rat beklagt zu Recht, dass die Auseinandersetzungen um das Thema Palästina-Israel immer vergifteter werden. Sie trägt aber selbst dazu bei, indem sie die gewaltfreie Position von BDS als antisemitisch verleumdet. Sie merkt nicht, wie sie sich damit durch die rechtsextreme israelische Regierung instrumentalisieren lässt, die 34 Millionen Euro jährlich für derartige Propaganda ausgibt.

7. Der Rat der EKD mahnt differenzierten, sachlichen und sensiblen Umgang mit dem Thema Palästina-Israel an, lässt aber jeden sachlichen und differenzierten Umgang mit dem Recht vermissen und erwähnt mit keinem mitfühlenden Wort die Leiden der Palästinenserinnen.

8. Der Rat ruft die Gemeinden zu konstruktivem Dialog mit allen Seiten auf, schließt aber eine Po-sition von vornherein aus - die Position des Rechtes.

9. Die EKD weiß, dass die Mehrheit in der ökumenischen Gemeinschaft der Kirchen auf der Seite des Rechts steht. Z.B. alle großen Kirchen in den USA, darunter die lutherischen, reformierten und unierten Partnerkirchen der EKD, unterstützen BDS. Ihnen gegenüber will sie ihren deutschen Son-derweg gegen BDS „ins Gespräch bringen". Dabei bleibt sie die Antwort schuldig auf die Frage der Kirchen in Palästina, die lautet: "Welchen anderen Weg würden unsere deutschen Brüder und Schwestern von uns verlangen, um diese historische Ungerechtigkeit zu überwinden, die Entwurzelung unserer Bäume, die Beschlagnahmung unseres Landes, die Zwangsumsiedlung unseres Volkes, die Verleugnung unserer Menschenrechte, die willkürliche Tötung und die Verweigerung der Selbst-bestimmung für die Palästinenser und ihr Recht, in Freiheit und Würde, frei von ausländischer Kon-trolle und Besatzung zu leben ... "?

10. Projekte vor Ort ersetzen nicht politische und kirchliche Solidarität für Wahrheit und Recht.
Es bleibt zu hoffen, dass die EKD sich in der Palästina-Israel-Frage nicht wieder wie in den 1970/80er Jahren beim ökumenischen "Antirassismusprogramm" vom Völkerrecht und aus der öku¬menischen Gemeinschaft der Kirchen verabschiedet.
Vi.S.d.P Gesine Janssen    ( 'gesine-anna.j anssen@t-online.de)

 

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Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e.V.
DPG-Rundbrief - April I 2020


Liebe DPG-Mitglieder, liebe Leserin, lieber Leser,

die so genannte Corona-Pandemie beherrscht unseren Alltag und macht keinen Unterschied zwischen reich und arm oder Alt und Jung. Vor allem nehmen wir deutlich war, dass sie auch keine Grenzen kennt. Reiche Länder wie Deutschland oder die USA können ihre Bevölkerung schützen und unterstützen. Arme Länder ringen um das überleben.
Umso schwieriger ist die Situation im besetzten Palästina und im Gazastreifen. Nach internationalem Völkerrecht ist ausschließlich Israel als Besatzungsmacht für das Wohlergehen der Bevölkerung zuständig. Was im Jordan-Tal passiert ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wenn Behelfseinrichtigungen für Corona-Erkrankte und Kliniken einfach zerstört werden.
Wer hilft der notleidenden Bevölkerung?

Unsere Solidarität ist jetzt mehr gefordert als je zuvor.
Helfen Sie uns, damit wir innerhalb unserer begrenzten Möglichkeiten weiterhelfen können.

Viele Grüße und beste Gesundheit.
Für das Präsidium  Nazih Musharbash, Präsident - 05.04.2020

 


Hilfspakete für die Menschen in Gaza
Eine jährliche Hilfe der Palästinensischen Stimme e.V.:

 
Mittlerweile sind die ersten zwei Coronafälle in Gaza bekannt geworden: Pakistan-Rückkehrer, die über den Rafah¬Grenzübergang von Ägypten in den Gazastreifen einreisten, sind positiv getestet worden. Seitdem ist die Angst groß. Märkte, Restaurants, Cafes und Moscheen sind geschlossen, auch die Freitagsgebete sind abgesagt. Die Straßen sind wie leergefegt. Seit dem 15. März müssen sich Personen, die einen der beiden Grenzübergänge passieren, in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Insgesamt befinden sich rund 1.300 Menschen in Quarantäneunterkünften, einige von ihnen in Rafah, andere in zu Quarantänestationen umfunktionierten Schulen oder Hotels, die über den Gazastreifen verteilt sind.

Weitere rund 2.100 Personen in dem Gebiet sind in häuslicher Quarantäne. Sollte es in dem eng besiedelten Gazastreifen zu einer Verbreitung des Coronavirus wie in Italien oder Spanien kommen, wären die Auswirkungen fatal. ,,Die Lebensbedingungen sind ohnehin schon hart, Gaza ist ein Freiluftgefängnis, umgeben von Mauern und Stacheldraht. 2 Millionen Palästinenser leben in einem Gebiet, das nicht einmal so groß ist wie Köln, es fehlt an den einfachsten Dingen.

Bethlehem leidet unter der Ausgangssperre, weil der Tourismus ausbleibt.

Im Flüchtlingslager Dschabalia am Rande von Gaza-Stadt leben mehr als 100.000 Menschen hier auf engem Raum in unverputzten kleinen grauen Häusern. Sie haben nichts. Manchmal gibt es Hilfspakete, aber Arbeit gibt es nicht. Um zu überleben, müssen viele Kinder vor und nach der Schule Süßigkeiten auf der Straße verkaufen. Die Menschen im Gazastreifen wissen, wie schlecht das Land medizinisch versorgt ist. Seit Jahren warnen Hilfsorganisationen, dass das Gesundheitssystem des Gazastreifens am Rande des Zusammenbruchs steht.

 


Es fehlt an medizinischem Personal und Ausrüstung. Der Verein Palästinensische Stimme, der von der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft e.V. unterstützt wird, organisiert jedes Jahr Hilfspakete für Gaza:

Hilfspaket für Familien:
· Reis, Nudeln, Öl, Kichererbsen, Mehl, Linsen, Humus, Zucker, Babynahrung, verschiedene Konserven Dosen.
· Hygiene Artikel,
· Seife, Shampoo, Windeln, Creme,
· Medizinische Hilfe, Schmerzmittel, Salben, Bandagen.



Die Verteilung der Hilfspakete in Gaza ist gewährleistet. Der Verein bekommt Bilder und Rückmeldungen über die Verteilung in Gaza. Mehr unter www.palaestinensischestimme.com/projekte/spenden/.
 


Weitere Möglichkeiten, Palästina zu unterstützen gibt es beim Kauf von Produkten aus Palästina. Unter anderem ist das möglich über www.nabalifairkost.com, aber auch über www.madeinpalestine.de


Bei nabalifairkost gibt es neben der Kaktusfeigenlimonade (Sahber, ein Projekt mit Unterstützung der DPG und der palästinensischen Stimme e.V.) auch Gewürze aus Gaza. Das ist ganz neu, wir sind sehr stolz auf diese Kooperation und bieten so eine wichtige Perspektive für die Menschen in Gaza. Die Limonade Sahber ist jetzt wieder erhältlich. Da die Messen ausfallen, die Restaurants geschlossen haben und Tagungen verschoben wurden, fehlen uns hier viele Abnehmer. Mit Unterstützung für diese Produkte können alle helfen. In der jetzigen Zeit zu Spenden auf zu rufen ist nicht einfach. Alles ist anders als vorher. Deshalb freuen sich alle ganz besonders, wenn geholfen wird.
 

 


Spende für Gaza -
Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e.V.
IBAN: DE90 3706 0590 0000 3392 10
BIC: GENODEDlSPK

Bei Rückfragen:
Ursula Mindermann, DPG-Vizepräsidentin - mindermann@dpg-netz.de

 


SPIEGEL-Online
Benjamin Netanyahu Errichtet er die „erste Coronavirus-Diktatur"?
Israels Regierungschef Netanyahu regiert in der Coronakrise per Notdekret, stärkt den Geheimdienst und greift massiv in die Persönlichkeitsrechte der Bürger ein - ohne Kontrolle des Parlaments.
Von Christoph Sydow 20.03.2020, 21 :48 Uhr

Das Coronavirus hat in Israel ein erstes Opfer gefordert: die parlamentarische Demokratie. Am Mittwoch verhinderte Yuli Edelstein, Parlamentschef und Parteifreund von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, dass die Anfang März gewählten Abgeordneten ihren Job machen können.

Er riegelte kurzerhand die Knesset ab und verhinderte damit nicht nur die Wahl seines eigenen Nachfolgers sondern auch, dass sich Parlamentskomitees konstituieren konnten - etwa ein Ausschuss, der den Umgang der Regierung mit der Coronakrise überwachen könnte. Edelstein vertagte die nächste Parlamentssitzung auf Montag. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wegen der fortschreitenden Corona-Pandemie auch dieser Termin entfällt.    mehr >>>

Das Coronavirus gab der Welt endlich die Chance, das zu fühlen, was wir Gazaner schon immer gefühlt haben".

Drei junge Gazaer erzählen Haaretz von ihren turbulenten Reisen aus der Enklave und wie es ein nie endender bürokratischer Alptraum ist, aus dem Streifen zu kommen, egal wo man landet.
Hiba M. Yazbek -  Apr 07, 2020 -  Übersetzt mit DeepL

Das Verlassen des Gazastreifens war das Einzige, woran Randa ein ganzes Jahr lang nach Abschluss der Universität denken konnte. Monatelange erfolglose Jobsuche bedrückte die 23-jährige Absolventin der englischen Literatur, deren Bachelor-Abschluss auf Kosten der Ersparnisse ihrer Familie erreicht worden war. Sie verbrachte die meiste Zeit in ihrem Zimmer und suchte nach einem Ausweg aus der belagerten palästinensischen Enklave. Jetzt, da die Länder die COVID-19-Pandemie mit den drakonischsten Maßnahmen bekämpfen, sehen Gazaner wie Randa zu, wie sich die Menschen in der ganzen Welt in einem Zustand der Abriegelung befinden. Oder, wie die Gazaer es nennen, die Realität.

"Das Coronavirus hat der Welt endlich die Chance gegeben, das zu fühlen, was wir schon immer gefühlt haben", sagt Randa, selbstisolierend in ihrem neuen Zuhause im Vereinigten Königreich. Für Randa und viele andere junge Gazaer war es ein lebenslanger Traum, den Zustand der "Abriegelung" zu verlassen. Anstatt jedoch auf Anordnungen der Regierung zu warten, die es ihnen ermöglichen würden, zur Normalität zurückzukehren, mussten diese Jugendlichen ihren eigenen Weg gehen und gegen eine labyrinthische Bürokratie ankämpfen, die oft noch mehr Unsicherheit mit sich bringt. "Ich konnte nicht schlafen, ich konnte nicht essen. Alles, was ich getan habe, war, mich bei Universitäten im Ausland zu bewerben, Stipendien, Stipendien ... alles, was mir ein Visum verschaffen und mir die Ausreise aus Gaza ermöglichen könnte", erzählt Randa, deren Nachname - wie der der anderen hier befragten Jugendlichen - zurückgehalten wurde, um ihre Identität zu schützen.

Die Entscheidung, das Heimatland zu verlassen, ist selten einfach. Aber für die Gazaer, die oft von Verzweiflung, finanziellen Schwierigkeiten und mangelnder Hoffnung auf eine lebensfähige Zukunft getrieben sind, ist sie zu einer immer häufigeren Entscheidung geworden. Die Entscheidung, Gaza zu verlassen, ist eigentlich der einfache Teil: Die Navigation durch ein kompliziertes, bürokratisches Auswanderungssystem kann Jahre dauern, und es besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass am Ende nichts vorzuweisen ist. Für junge Gazaer, die anderswo nach einer Ausbildung und einer besseren Zukunft suchen, sind die Chancen noch geringer.

Die Bewohner des Gazastreifens müssen eine Reihe von Verfahren durchlaufen, um aus der Küstenenklave (im Norden und Osten von Israel und im Süden von Ägypten umgeben) herauszukommen. Israel regelt die Bewegungsfreiheit für die 1,9 Millionen Palästinenser im Gazastreifen, indem es die Kriterien für die Ein- und Ausreise aus dem Streifen festlegt und sie auf sehr spezifische und besondere Umstände beschränkt.

Die strengen Beschränkungen des Gazastreifens begannen 1991 nach der ersten Intifada, als Israel begann, die Reisen der Gazaer nach Israel und ins Westjordanland zu beschränken. Die Politik wurde im Laufe der Jahre immer restriktiver, insbesondere nachdem Israel 2005 alle Siedler und Truppen aus dem Inneren des Streifens abgezogen hatte. Die Belagerung erreichte ihren Höhepunkt 2007, als die Hamas in der Enklave an die Macht kam und Israel die Beschränkungen für den Personen- und Warenverkehr strengstens verschärfte. Diese Beschränkungen sind seitdem im Wesentlichen gleich geblieben.

Jugendliche aus dem Gazastreifen, die im Ausland studieren wollen, müssen die Genehmigung von nicht weniger als vier Behörden einholen: Israels Koordinator für Regierungsaktivitäten in den Gebieten, dem Palästinensischen Ausschuss für Zivilangelegenheiten, der Hamas und, je nachdem, von wo aus sie schließlich abreisen, Jordanien oder Ägypten. Wird eine Genehmigung nicht erteilt, wird der gesamte Antrag disqualifiziert, so dass die Antragsteller keine andere Wahl haben, als sich erneut zu bewerben und auf ein anderes Ergebnis zu hoffen.

Randas durchdringendes Gefühl der Hoffnungslosigkeit über ihre Situation manifestierte sich in Form von Schlaflosigkeit: Sie verbrachte die meisten Nächte damit, über die Ungewissheit ihrer Zukunft nachzudenken, sagt sie. "Ich wusste, dass sich die Situation in Gaza nicht so bald ändern würde - das wissen wir alle. Gaza ist dem Untergang geweiht."

Es gibt einen gravierenden Mangel an Daten über die Zahl der Gazaer, die den Streifen verlassen konnten. Gisha, eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Bewegungsfreiheit einsetzt, erklärt, dass seit der Inbetriebnahme des Rafah-Übergangs mit Ägypten im Mai 2018 an fünf Tagen in der Woche die Zahl der Gazaer, die den Streifen verlassen haben, deutlich gestiegen ist.

Es ist jedoch nach wie vor schwierig, eine genaue Zahl zu nennen, vor allem bei denjenigen, die mit dem Plan, nie wieder zurückzukehren, abreisen, da ihre Absichten in der Regel verschwiegen werden. Jugendliche, die im Ausland eine Ausbildung suchen, sind die Minderheit der Ausreisenden, da Israel die größten Einschränkungen bei der Beschaffung von Studentenvisa durchsetzt. Gisha schätzt die Zahl der monatlichen Ein- und Ausreisen über die Grenzübergänge Erez und Rafah auf durchschnittlich 23.000. "Die systematischen und pauschalen Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der Palästinenser, die Israel seit Jahrzehnten verhängt, haben wesentlich zu der astronomischen Arbeitslosigkeit und Armut in dem Streifen beigetragen, insbesondere unter jungen Menschen", sagt ein Sprecher von Gisha gegenüber Haaretz.

"Israel muss aufhören, sich der Verantwortung zu entziehen, die mit der weitreichenden Kontrolle über Millionen von Palästinensern einhergeht, und substanzielle politische Veränderungen vornehmen, um jungen Menschen in Gaza die Chancen zu geben, die sie verdienen, um ihre Träume, ihr Potenzial und ihre Grundrechte zu verwirklichen", fügte der Sprecher hinzu.

Psychologisches Trauma
- "Ich lebte in einem großen Gefängnis. Ich war deprimiert und riskierte, schwere psychische Probleme zu entwickeln, wenn ich dort bleiben würde. Heute, zwei Jahre nach meiner Entlassung, leide ich immer noch: Ich leide unter dem Trauma all der Kriege, die ich durchlebt habe; ich leide darunter, dass ich von meiner Familie getrennt bin; ich bin immer noch emotional instabil", sagt Sara, als sie gefragt wird, ob sie die Ausreise aus dem Gazastreifen bedauert. Die 25-jährige Künstlerin erklärt, dass ihr Mangel an Hoffnung sie damals daran hinderte, überhaupt Kunst zu schaffen und ihr Potenzial zu entfalten.

Sara ist nicht allein. Psychologische Traumata sind in Gaza ein zunehmendes Problem, da PTBS bei der Jugend immer häufiger auftritt, so das Al Mezan Center for Human Rights in Gaza. Die posttraumatische Belastungsstörung ist bei der Generation, die während der ersten Intifada (1987-1993) geboren wurde, in der zweiten Intifada (2000-2005) aufwuchs und drei Kriege in sechs Jahren erlebte, besonders deutlich. Auch diese Generation leidet am meisten unter Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Verzweiflung. Als Künstlerin und aufstrebende Journalistin wusste Sara, dass sie Gaza verlassen musste, um ihre Träume zu verwirklichen. Vor zwei Jahren wurde sie für ein Sommerprogramm in den Vereinigten Staaten aufgenommen und erhielt ein Stipendium für einen Master-Abschluss an einer Universität in einem Golfstaat. Sara blickt mit einem Gefühl der Entfremdung auf diese Zeit zurück. Sie erklärt, wie hoffnungsvoll sie in den Wochen vor ihrer Abreise war, wie befreit sie sich fühlte, als sie sich gerade im "Land der Freien" vorstellte, und wie schnell sich dieses Gefühl verflüchtigte, als sie versuchte, sich im Golfstaat niederzulassen. "Als ich Gaza verließ, wusste ich, dass ich nie wieder zurückkommen würde", sagt Sara. "Zu wissen, dass Sie gehen und nie mehr zurückkommen werden, ist schwer genug. Ich musste meine Erinnerungen, mein Zuhause, meine Familie zurücklassen, und obendrein konnte ich nicht viel von meinen persönlichen Dingen mitnehmen. Nicht einmal meine Kunst konnte ich legal mitnehmen. Ich musste meine Gemälde zwischen meinen Kleidern verstecken, die von ihren Holzrahmen befreit waren.

Für Mohammed, 27, war es nicht möglich, seine Familie zu versorgen, was ihn aus dem Gazastreifen vertrieb. Mit arbeitslosen Eltern und sieben jüngeren Geschwistern fiel ihm die Last auf die Schultern. Mit einem Bachelor-Abschluss in Englisch hatte Mohammed jahrelang Mühe, Arbeit zu finden, obwohl er bereit war, eine Vielzahl von Jobs in Betracht zu ziehen. "Alle meine Freunde fanden ebenfalls keine Arbeit, also auf eine Art und Weise, die mich tröstete", sagt er von seinem neuen Zuhause in Maryland aus. Aber dennoch, fügt er hinzu, je länger er arbeitslos war, desto größer war sein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Schließlich, ein Jahr nach seinem Abschluss, erkannte er, dass seine einzige Option darin bestand, Gaza zu verlassen. "Es war die größte Entscheidung, die ich je getroffen habe. Wir Palästinenser sind sehr familienorientiert, und ein Leben fernab von unseren Familien ist normalerweise unser letzter Ausweg", sagt er.

Gaza ist vielleicht einer der wenigen Orte in der Welt, an denen eine Hochschulausbildung die Fähigkeit, Arbeit zu finden, tatsächlich beeinträchtigt: Die Arbeitslosenquote der jungen Gazaer, die über 70 Prozent der lokalen Bevölkerung ausmachen, ist im vergangenen Jahr auf 69 Prozent gestiegen und damit die höchste der Welt. Bei den Hochschulabsolventen war die Zahl sogar noch höher - 78 Prozent - nach Angaben des palästinensischen Zentralamts für Statistik. Die Kluft zwischen der allgemeinen Arbeitslosigkeit in Gaza und der Westbank im Jahr 2019 ist erschütternd: Mit 45 Prozent ist die Zahl der Arbeitslosen in Gaza dreimal so hoch wie im Westjordanland mit 15 Prozent.

Auf unterschiedliche Weise kompliziert
- Für Fußgänger gibt es zwei Ein- und Ausstiegspunkte in den Gazastreifen: den Grenzübergang Erez, der Gaza und Israel verbindet, und den Grenzübergang Rafah an der Grenze zu Ägypten. Jeder Kontrollpunkt funktioniert anders, aber beide sind gleich kompliziert.

Angesichts der häufig angespannten Beziehungen zwischen der Hamas und Ägypten ist der Rafah-Übergang für die meisten Gazaer, die den Streifen verlassen wollen, in der Regel die zweite Option, was sich im Vergleich der dokumentierten Zahl der Ein- und Ausreisen von beiden Grenzen zeigt. Erez ist ihr Tor zu Israel, zum Westjordanland und schließlich zu Amman in Jordanien, dem nächstgelegenen Flughafen, von dem aus sie fliegen dürfen.

Randa erzählt von dem angespannten Rennen, das sie nach der Annahme eines Stipendiums im Vereinigten Königreich im vergangenen September durchmachte, und sie begann den Prozess des Versuchs, Gaza zu verlassen. Zuerst beantragte sie eine Einreiseerlaubnis für Jordanien, gefolgt von der Sicherstellung des "widerspruchsfreien" Transitvisums, das Jordanien für Gazaer ausstellte, die beabsichtigen, über Jordanien auszureisen. Diese beiden Dokumente schließen sich gegenseitig ein, und wenn sie nicht erteilt werden, wird der gesamte Prozess sofort gestoppt. "Der Prozess war sehr stressig. Diese Genehmigungen sind alle zeitkritisch - und wenn eine davon mitten im Prozess abläuft, muss man wieder ganz von vorne anfangen", erklärt Randa. In ihrem Fall führte die langwierige Prozedur dazu, dass sie die ersten zwei Monate der Universität verpasste. "Als ich den Anruf erhielt, dass mein Visum angekommen war, konnte ich endlich zum ersten Mal seit langem wieder atmen", erzählt sie. "Ich packte meine Sachen zusammen und war am nächsten Tag auf dem Weg nach Jordanien, um ein Flugzeug zu besteigen. Ich hatte nicht einmal Zeit, mich zu verabschieden. Und ich ging mit dem Wissen, dass ich nie mehr zurückkehren würde." Randa verbrachte Monate mit dem Versuch, die Genehmigung und den erforderlichen Papierkram von COGAT, der Palästinensischen Autonomiebehörde, der Hamas und Jordanien zu erhalten, um überhaupt ein britisches Visum zu beantragen, das als letztes in diesem Prozess kam.

Für Mohammed war der Prozess ein andauernder Albtraum, der mehrere Jahre dauerte und ihn drei Stipendien kostete. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, über Jordanien auszureisen, begann er, den Gazastreifen über Ägypten zu verlassen. "Um über Ägypten ausreisen zu können, muss man Geld haben - das funktioniert fast nur durch Bestechungsgelder für beide Seiten", sagt er und erklärt seine anfängliche Ablehnung. Nachdem er den Trick erkannt hatte, erhielt er schließlich die Erlaubnis, den Gazastreifen zu verlassen. Er fand Zuflucht in Chile, dem Land mit der größten palästinensischen Diaspora außerhalb der Region, wo er zwei Jahre blieb, bevor er in die Vereinigten Staaten abreiste.

Ausgestoßene und Rebellen".
- Wenn und sobald die erstickende Bürokratie überwunden ist und alle Genehmigungen nach monatelangem nervenaufreibendem Warten erteilt wurden, kann die eigentliche physische Reise endlich beginnen. "Zuerst kam ich auf die Hamas-Seite der Erez-Kreuzung. Ihre Verhöre dauerten am längsten und hatten einen wertenden Ton - als ob sie mich beschämen, dass ich mich entschlossen habe, zu gehen. Sie sehen [die Jugendlichen, die gehen] als Ausgestoßene und Rebellen an, und das gefällt ihnen nicht", sagt Randa.

Nach der Freigabe durch die Hamas gehen die Auswanderer in den zweiten Teil des Kontrollpunktes, der von der PA kontrolliert wird. Und dann schließlich auf die israelische Seite, wo sie mit ihrem gesamten Hab und Gut durch einen Sicherheitscheck gehen. "Ich erinnere mich, dass sie uns gezwungen haben, ein Papier auf Hebräisch zu unterschreiben - aber ich kann kein Hebräisch. Bis zum heutigen Tag habe ich keine Ahnung, was ich unterschrieben habe", sagt Sara.

Laut Gisha hat Israel seit 2017 Gepäckbeschränkungen am Übergang von Erez verhängt. Palästinenser dürfen nur mit einem Seesack ausreisen. Israel verbietet auch alle elektronischen Geräte außer Mobiltelefonen. Auch Lebensmittel sind verboten - sogar Snacks und Wasser in Flaschen, um sie während der langen Reise zu erhalten. Der Prozess kann bis zu einem ganzen Tag dauern und wird normalerweise in Gruppen mit speziellen Shuttles transportiert. "Ich habe den Großteil meiner Sachen zurückgelassen und musste in Großbritannien wieder anfangen, was finanziell sehr anstrengend war", sagt Randa.

Nach der erfolgreichen Überfahrt nach Jordanien über die Allenby-Kreuzung, wo sie erneut kontrolliert werden, begeben sie sich zum Flughafen, wo die Verhöre wieder aufgenommen werden, bis sie schließlich ihr endgültiges Ziel erreichen.

Heute lebt Randa im Vereinigten Königreich, mit einem Studentenvisum für das nächste Jahr. Es ist erst ein paar Monate her, dass sie den Strip verlassen hat, doch selbst am Telefon ist ihr Optimismus spürbar, wenn sie ihr neues Leben beschreibt. "Der schwierigste Teil dieses ganzen Prozesses war das Leben in Gaza", sagt Randa. "Nicht nur die Möglichkeit zu finden, den Gazastreifen zu verlassen, sondern vor allem in Gaza zu überleben, bis diese Gelegenheit kam. Randa plant, nach Abschluss ihres Studiums in Großbritannien zu bleiben. Sie spricht hoffnungsvoll von der Zukunft, aber sie muss sich noch mit dem Geschmack der Freiheit abfinden, den ihr neues Leben mit sich bringt, was sich in ihrem Zögern zeigt, ihre Aufregung vollständig auszudrücken, während sie sich mit der Schuld auseinandersetzt, ihre Familie in Gaza zurückzulassen. "Ich weiß, dass ich, wenn ich jemals nach Gaza zurückkomme, von der Hamas befragt werden werde", sagt sie. "Sie sind sehr skeptisch gegenüber Menschen wie uns, die auf der Suche nach besseren Möglichkeiten gehen. Sie betrachten es als einen Akt des Trotzes" gegen sie. Randa sagt, eine ihrer größten Ängste sei die Rückkehr nach Gaza und die Rückkehr in eine ungewisse Zukunft. Fast zwei Jahre nach dem Verlassen des Landes steht Sara kurz vor dem Abschluss ihres Studiums. Wenn dies geschieht, wird ihr Studentenvisum in dem Golfstaat, in dem sie studiert hat (und um dessen Geheimhaltung sie Haaretz gebeten hat), ablaufen. Ihre Universität hat ihr kürzlich mitgeteilt, dass sie ihr Visum nicht verlängern kann und entweder nach Gaza zurückkehren oder ein anderes Land finden muss. Saras Zukunft ist wieder einmal ungewiss. "In Gaza hatte ich keine Stabilität. Ich habe Gaza verlassen, um Stabilität zu finden, und das habe ich nie getan", sagt sie.

Die Rückkehr nach Gaza ist keine Option. "Eine Rückkehr ist für mich fast unmöglich - und das tut weh. Ich sehne mich nach meiner Familie, nach meinen Freunden, nach dem Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Ich sehne mich danach, Gaza einfach wieder zu riechen. Aber ich weiß, dass ich mich selbst in Gefahr bringe, wenn ich zurückkehre", sagt Sara. "Ich war in der Zeit, in der ich weg war, politisch aktiv, und ich habe in den sozialen Medien darüber berichtet. Es ist bekannt, dass ich dadurch Gefahr laufe, festgehalten und verhört zu werden, und das kann zu einer Gefängnisstrafe führen. Ich möchte mich nicht auf diese Weise in Gefahr bringen. "Aber der Hauptgrund, der mir eine Rückkehr unmöglich macht", fährt sie fort, "ist, dass ich weiß, dass ich, wenn ich es tue, wahrscheinlich nie wieder gehen kann. Ich will dort nicht für immer festsitzen."

Kein Ort wie die Heimat
- "Das Coronavirus hat so viele dunkle Erinnerungen zurückgebracht", erklärt Sara, die sich derzeit in ihrem Atelierwohnheim selbst isoliert. Freiheit ist alles, was sie sich seit vielen Jahren wünschte, doch jetzt hat eine globale Gesundheitskrise emotionale Rückblenden der militärischen Belagerung ausgelöst. "Angst zu haben, das Haus zu verlassen, nicht reisen zu können, sich ständig Sorgen zu machen und sich unsicher zu fühlen; so habe ich mich in Gaza immer gefühlt. Und jetzt fühle ich mich während der Coronavirus-Krise wieder so, selbst nachdem ich so viel durchgemacht habe, um wegzugehen", sagt Sara.

Alle drei Befragten sind sich einig, dass die Trennung von ihren Familien, insbesondere während der Coronavirus-Krise, der schwierigste Teil ihres neuen Lebens ist. Experten warnen vor dem möglichen Ernst der Situation, falls die Krankheit den Gazastreifen befallen sollte (bis Montag wurden nur 12 Fälle diagnostiziert). "Ich mache mir Sorgen um meine Familie und Freunde zu Hause, wenn sich das Virus ausbreitet", sagt Mohammed. "Es wird eine Katastrophe sein, wie sie Gaza noch nie gesehen hat, eine neue Art von Krieg.

In der Überzeugung, dass das Verlassen des Streifens die bestmögliche Option für ihre Kinder war, haben ihre Familien in Gaza keine andere Wahl, als sich damit abzufinden, dass sie ihre Kinder möglicherweise nie wieder sehen werden. "Eine bessere Zukunft für mich bedeutet eine bessere Zukunft für meine Familie. Sie verstehen das, und deshalb haben sie meine Entscheidung unterstützt", sagt Mohammed. Er beantragt derzeit politisches Asyl in den Vereinigten Staaten. Da er aus den gleichen Sicherheitsbedenken, die Sara anführt, nicht nach Gaza zurückkehren konnte, fand Mohammed keinen anderen Weg, als sein US-Visum zu verlängern und dann um Asyl zu bitten. Es erwartet ihn ein langer und komplizierter Prozess, ohne Garantie oder Versprechen für Stabilität. "Als ich das US-Visum beantragte, war ich sicher, dass ich es nicht bekommen würde", erzählt er. "Als junger Mann aus dem Gazastreifen werde ich gewöhnlich als eine Bedrohung angesehen. Aber als ich es letzten Sommer bekam, änderten sich meine ganzen Pläne und ich bekam eine zweite Gelegenheit, mich niederzulassen."

Auf die Frage, ob sich all ihre Bemühungen, den Gazastreifen zu verlassen, letztlich gelohnt haben, sagt Sara, dass sie, egal wo sie landet, "niemals einen Ort wie ihre Heimat finden wird". Und ja, das Leben im Ausland ist sehr hart. Von meiner Familie getrennt zu sein, ist ein täglicher Kampf. Und zu wissen, dass ich sie nicht wiedersehen kann, ist verheerend. Aber letztendlich ist all dies einfacher, als in einem ständigen Kriegsgebiet zu leben, in nie endender Angst, Tod und Elend zu sehen und für den Rest meines Lebens geistig und emotional zu leiden. Sie räumt ein, dass es ihr noch immer unmöglich ist, nach vorne zu schauen. "Ich hasse es, über die Zukunft nachzudenken, sie ist fast nicht existent", sagt Sara. "Selbst nachdem ich Gaza verlassen habe, weiß ich immer noch nicht, wie meine Zukunft aussieht. Nachdem mein Visum abgelaufen ist, bin ich wieder auf dem Nullpunkt angelangt."

"Wir sitzen im Inneren von Gaza fest. Und wenn wir ausreisen, bleiben wir in Verfahren und Bürokratien stecken. Indem wir in Gaza geboren sind, erhalten wir alle automatisch eine lebenslange Haftstrafe", schließt Sara.
 - Hiba M. Yazbek     Quelle

 

 

 

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7. 4. 2020

 

 

Außenministerium: 433 bestätigte Coronavirus-Fälle, 19 Todesfälle in der Diaspora
 Montag, 6. April 2020 -  (WAFA)

Das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und Expatriates gab am Montagabend bekannt, dass es 433 bestätigte Coronavirus-Fälle und 19 Todesfälle unter Palästinensern in der Diaspora gab.

Das Ministerium sagte in einer Erklärung, dass die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle in den arabischen Ländern 14, in Lateinamerika 6, in Europa 110 und in den USA 303 beträgt.

Es führte aus, dass sich die Zahl der bestätigten Fälle wie folgt verteilte: Katar 4, Algerien 2, Jordanien 2, Vereinigte Arabische Emirate 6, Chile 1, Brasilien 5, Norwegen 6, Türkei 2, Niederlande 1, Schweden 2, Großbritannien 2, Österreich 3, Griechenland 3, Frankreich 8, Spanien 8, Deutschland 9, Italien 14, Belgien 52 und die USA 303.

Hinsichtlich der Todesfälle aufgrund von COVID-19 gab das Ministerium an, dass sich die Todesfälle wie folgt verteilen: Algerien 1, Niederlande 1, Schweden 1, Österreich 1, Spanien 2 und die USA 13.

Das Ministerium wies auf die Situation in der Türkei hin und sagte, dass ein zweiter palästinensischer Arzt positiv auf das Virus getestet wurde. Sein Zustand sei stabil.

In Belgien teilte das Ministerium mit, dass vier palästinensische Auswanderer positiv auf das Virus getestet wurden, wodurch sich die Zahl der bestätigten Fälle auf 52 erhöhte, darunter ein Kleinkind, das mit seiner Mutter in Quarantäne gehalten wird. Alle sechs seit dem Ausbruch der Pandemie in Krankenhäuser eingewiesenen Fälle wurden bis auf einen entlassen.

Nach Angaben des Ministeriums gibt es einen bestätigten Fall eines Expatriates. Sie befindet sich in häuslicher Quarantäne und es geht ihr gut. Eine Chilenin palästinensischer Herkunft starb, aber es war nicht klar, ob ihr Tod auf das Coronavirus zurückzuführen war.

In der Zwischenzeit stimmte Kanada nach einem Schreiben des Außen- und Auslandsministers Riyad al-Malki an den kanadischen Premierminister Justin Trudeau zu, Palästina über internationale Organisationen 4 Millionen Dollar und 1 Million Dollar für palästinensische Sicherheitsdienste zur Verfügung zu stellen. - K.F.   Quelle

 

Während die Palästinenser gegen die Korona kämpfen, spucken israelische Soldaten auf die Türen von Fahrzeugen und Häusern im Dorf
6. April 2020 (WAFA) - Übersetzt mit DeepL

Israelische Soldaten haben heute verseuchten Müll ausgekippt und auf Türen von Fahrzeugen und Häusern in der Stadt Beit Ummar im südlichen Westjordanland gespuckt, zu einer Zeit, in der die Palästinenser versuchen, die Ausbreitung der tödlichen Coronavirus-Pandemie zu bekämpfen, so der örtliche Aktivist Muhammad Awad.

Er berichtete der WAFA, dass eine große Armeeeinheit in einen Abschnitt von Beit Ummar in der Nähe des illegalen Siedlungsblocks von Gush Etzion eingebrochen sei und mit einer unbekannten Substanz verseuchte Brillen sowie Müll, Nadeln und gebrauchte Handschuhe zwischen die Häuser der Dörfer geworfen habe.

Die Soldaten spuckten auch auf die Türen von Fahrzeugen und Häusern und beleidigten die Bewohner mit rassistischen Ausdrücken, sagte er und äußerte die Besorgnis, dass die Soldaten absichtlich das Coronavirus unter der palästinensischen Zivilbevölkerung in diesem Gebiet verbreiten wollen.

Die Soldaten taten dasselbe in der Nähe des Hauses des befreiten Gefangenen Fida Ikhlil in der Stadt, wo sie die Menschen in diesem Gebiet bespuckten und beleidigten.

Nachdem die Soldaten die Stadt verlassen hatten, sterilisierten örtliche Freiwillige des Beit-Ummar-Notfallkomitees die beiden Gebiete und zerstörten und verbrannten alle Materialien, die die Soldaten geworfen hatten. - T.R./M.K.   Quelle

 

 

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