Liebe Leute,nach längerer Abwesenheit hat sich nun
doch wieder eine lange Liste auf meinem Monitor angesammelt. Ich
versuche, in mehreren Mails (es kommen jeden Tag natürlich neue
hinzu) mich durchzuarbeiten.
Bereits im März erhielt ich einen Artikel über Übergriffe,
diesmal nicht in den besetzten Gebieten, sondern gegen arabische
Israelis, die zum Teil in eigenen Dörfern und Städten, zum Teil mit
jüdischen Israelis gemischt leben. Erschreckend sind Berichte über
Gewalt gegen einzelne Araber. 2005 wurden von einem Juden, der sich
neu seiner Religion zugewendet hat, 4 Araber kaltblutig erschossen.
Nicht-tödliche Angriffe geschehen allerdings häufig, vor allem am
Strand und in öffentlichen Bereichen. Bei einem Angriff Mitte März
wurde ein Araber (so werden Palästinenser generell in Israel
bezeichnet), der auch noch in der israelischen Armee dient, so
schwer verletzt, dass er mehrere Operationen am Kopf durchstehen
müsste und ein Auge beschädigt wurde.
Ein Freund, der ihm zu Hilfe kam, wurde ebenfalls schwer
verletzt. Erst als eine Anwohnerin in der Nähe die Angreifer
anschrie und die Polizei alarmierte, machten sich die Angreifer aus
dem Staub.
Auch durch Landkonfiszierungen - für den Straßenbau, oder auch
Naturschutzgebieten - und Häuserzerstörungen wird die
Palästinensische Bevölkerung traktiert. Die Stadt Qaransawe soll von
einer Straße umringt werden, so dass kein Zugang für Fahrzeuge in
die Stadt bleibt.
Dies wird als Teil eines Trends gesehen, die beiden Volksgruppen
innerhalb Israels zu trennen.
Palästinensische Familien klagen, dass ihren Kindern die Aufnahme
in örtlichen Kindergärten verweigert wird, obwohl das Gesetz ihnen
den Zugang zu Bildungseinrichtungen sichert. Kinder wurden deshalb
in benachbarten, palätinensischen Dörfern angemeldet, aber auch das
wird inzwischen verweigert.
Der (verhinderte) Versuch, vor einer Kirche durch
Feuerwerkskörper, Lärmbomben und explosive Gasbehälter die
Aufmerksamkeit der Regierung auf ihre Lage zu erreichen wurde als
Versuch, die Kirche abzubrennen, gewertet - entgegen Aussagen von
Beamten und Presseberichte. Er führte zu einer Reihe von Festnahmen.
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Im Umland von Bethlehem wehren sich die EinwohnerInnen von 6
Dörfern dagegen, dass weiteres Land konfisziert wird, nachdem diese
Dörfer bereits jetzt in einem Getto liegen, zwischen der
Trennungsmauer und einer zweiten, die in und um Bethlehem liegt.
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In vielen Dörfern haben am 'Land Day', dem 30. März,
Baumpflanzaktionen und Demonstrationen durchgeführt. Auch im
Jordantal wehrt sich die Bevölkerung immer heftiger gegen die
schleichende Annektion des gesamten Tals an Israel.
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Im Hebrongebiet haben etwa 20 Siedler einen Menschrechtsarbeiter
geschlagen, getreten und mit Steinen beworfen. Ein in der Nähe
stehender Soldat ignorierte seine Bitten um Hilfe, da er die
Situation als 'nicht lebensbedrohlich' betrachtete.
Ende März drangen Grenzpolizisten in eine Wohnung ein und
schlugen 2 Palästinenser und eine 75jährige australischen
Freiwillige. Sie ging dennoch mit, als 2 Palästinenser nach jeder
Menge Schläge, Tritte, Bespucken usw. festgenommen wurde. Vermutlich
wegen ihrer Intervention wurden alle drei um Mitternacht
freigelassen.
Mit Hilfe der Menschenrechtsorganisation B'tselem haben der
angegriffene Amerikaner und mehrere Palästinenser eine Beschwerde
gegen die Polizei eingereicht. Die Association for Civil Rights in
Israel hat die Staatsanwaltschaft gebeten, zu intervenieren, wie
Haaretz berichtet.
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Ein Bericht einer Freiwilligen über einen gewaltsamen Angriff
gegen einen Palästinenser, der ruhig an einem Checkpoint wartete,
und dann mit blutendem Kopf von Soldaten abgeführt wurde, und der
ständigen Siedlergewalt, auch gegen palästinensische Kinder,
schließt mit den Worten, "Es ist unglaublich traurig, zu sehen wie
kleine israelische Kinder, manche erst 4 oder 5, Steine auf kleine
palästinensische Kinder werfen, während Erwachsene ihrer Gemeinden
hinter ihnen stehen."
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Am 25. März wurde am Qalandia Checkpoint zwischen Ramallah und
Jerusalem eine Bekanntmachung angebracht, dass nur noch Personen,
die die Erlaubnis haben, nach Israel zu betreten, Zugang zum
Westbankdorf Ar-Ram erhalten. Damit ist das Dorf effektiv von der
restlichen Westbank abgeschnitten und - ohne seine palästinensische
BewohnerInnen - an Israel annektiert. "Die Bevölkerung steht unter
Schock und die Verwirrung ist allgemein... Die neuen Maßnahmen
machen alle existierenden Passierscheine ungültig ... die neue
Straße von Ramallah nach Jerusalem ist nur für BewohnerInnen
Jerusalems geöffnet, und nur für den Fahrer - Passagiere müssen
durch den Checkpoint zu Fuß gehen.
BewohnerInnen von Bir Naballah und sein Umland müssen erst nach
ramallah und dann eine neue Straße nehmen, die die Länge der Fahrt
vervielfacht.
Ein Mann klagte dass er, bei einem Tageslohn von 50-60 Schekel,
nun 50 für die Fahrt brauche. Und nicht nur er. Hunderte von Kindern
können nicht mehr in die Schule, Menschen sind nicht nur von ihrer
Arbeit sondern auch von Familienmitgliedern, Krankenhäusern und so
weiter getrennt. Eine Mutter schildert wie ihr 6jähriger Sohn
alleine durch den Checkpoint zu einem Taxi laufen musste, der ihn in
die Schule brachte. Selbst die Soldaten verstehen nicht, warum sie
das durchsetzten und sich den ganzen Tag Geschichten von Leid,
Dilemmas, moralischen Konflikten anhören müssen. Der Besitzer eines
Cafes am Zaun sagt, er kann nun nicht mehr seinen Mülleimer auf der
anderen Straßenseite erreichen!
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An der wöchentlichen Demo in Bil'in haben am 1. April 15
europäische Diplomaten - aus Großbritannien, Frankreich, Spanien,
Deutschland, Österreich, Czechien, Polen, Dänemark und Schweden -
teilgenommen. Die Demonstranten haben ein Kind in einer Metallwanne
hochgehalten als Symbol der leeren Töpfe der Bil'inerinnen, die
ihren Lebensunterhalt durch die Mauer verloren haben. Sie haben
außerdem eine Brücke gebaut, die sie über den Zaun legen konnten.
Der Versuch, die Brücke zu überqueren, hat die dabeistehenden
Soldaten 'einen Schock versetzt' und hatte sofortige Schüsse und
Festnahmen zur Folge. Die Diplomaten beobachteten von einem Hügel
aus die weitere Demonstration und konnten bezeugen, dass die - unter
der Anschuldigung, Soldaten angegriffen zu haben - festgenommenen
Palästinenser völlig friedlich demonstriert haben.
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Der KDVler Aviv Sela wurde von einer Mahnwache zur
Einberufungsbasis und vermutlicher Festnahme begleitet. Aus seiner
Weigerungsserklärung:"Ich wurde dazu erzogen, den Staat Israel als
gutes Land zu betrachten, mit Werten, ein Land das keine Menschen
verletzt, ein land wo die Werte der Freiheit und der Gleichheit
fundamental sind, wo es keinen Platz gibt für Rassismus. Ich wurde
zu Stolz auf dieses Land und seine Fahne erzogen. Vor drei Jahren
fing ich an, die besetzten Gebiete regelmäßig zu besuchen und ich
sah, dass hinter der Grünen Linie alle Werte, auf die hin ich
erzogen wurde, hinter der Grünen Linien nicht existieren....
Ich bin ein gewöhnlicher Mensch, weder naiv noch böse, und habe
keine Absicht, ein Teil der israelischen Armee zu sein und
Kriegsverbrechen im Namen der Besetzungspolitik zu begehen..."
Er erhielt zunächst 21 Tage Haft.
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Die extremen Bewegungseinschränkungen machen es Studenten in der
Westbank zunehmend schwierig, ihre Studien fortzusetzen und
rechtzeitig zu den Examina zu erscheinen. "Du musst um 3 Uhr
losgehen um die Universität um 6 zu erreichen, bevor die Soldaten
ihre Stellungen an den "fliegenden Checkpoints" einnehmen, sonst
kannst du den ganzen Tag damit verbringen, durch Felder und kleine
Wege zu versuchen, sie zu umgehen."
Die Right to Education Campaign hat eine Fotoausstellung
zusammengestellt, die das Studentenleben und die Verhinderung der
Bildung durch die Besetzung dokumentiert.
Sie wird im Laufe des Jahres in Palästina und international
gezeigt und als Buch veröffentlicht. Auch ein Dokumentarfilm "Lied
eines Vogels im Käfig" bezeugt die Probleme der StudentInnen.
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Akaber, ein 8jähriges Mädchen war im Taxi ihres Onkels auf dem
Weg zum Arzt, um Fäden aus einem Schnitt am Kinn ziehen zu lassen,
als ein Soldat ihr durch das Autofenster, völlig unmotiviert in den
Kopf schoss. Die Behauptung, man habe erst auf die Räder geschossen,
wurde ohne weitere Untersuchung des Autos akzeptiert. Tatsächlich
ist der Wagen und das Fenster voller Einschüsse, die Räder
allerdings intakt.
Der Leiter von Akabers Schule wird bei der Beerdigung gefragt,
wie viele Kinder in Al Yamoun in den letzten paar Jahre getötet
wurden. Er fängt an, sie einzeln zu nennen, fragt aber plötzlich,
"Warum soll ich sie zählen? Hat man aufgehört, unsere Kinder zu
töten?"
Die Erschießung fand bei einer Aktion statt, bei der die Armee
ein 5-stöckiges Haus , in dem sich angeblich Verdächtige aufgehalten
hatten, teilweise zerstörten. Einer fragte einen Offizier "Dürfen
Sie das tun?" Er erwiderte "Beklag dich bei der UN." Bei seiner
Vernehmung sagte derselbe Mann, Mohammed, "Im Fernsehen wird
behauptet, ihr seid eine Demokratie." Sein Befrager: "Demokratie ist
nur fürs Fernsehen."
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Soweit der Rückstau - Aktuelles kommt morgen.
Gruß,
Anka