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ief-aus-Israel]


 

 From: "Angelika Schneider" <anka.sch(at)gmx.net To: <Brief-aus-Israel(at)yahoogroups.de Subject: [Brief-aus-Israel] Aktuelles aus den besetzten Gebieten  

 

Brief aus Israel 18.5.06
 

Liebe Leute,

immer weiter eskaliert die Siedlergewalt gegen PalästinenserInnen in Hebron. Zusätzlich zu den körperlichen Angriffen sind vor ein paar Tagen z.B.drei Autos in Brand gesetzt worden. Der Sohn eines der Besitzer (dessen Auto nicht versichert war) stürzte als er vor Siedlerkinder, die ihn schlagen wollten, weg lief, und brach sich die Hand. Und so weiter. Was die Menschenrechtsarbeiter dort ertragen spottet auch jeder Beschreibung. Viel wird es nicht nutzen, aber es scheint mir geboten, den Versuch zu machen, und an den neuen Verteidigungsminister Amir Peretz zu schreiben und die Diskrepanz zwischen den Reaktionen der Armee auf steinewerfenden palästinensischen Kindern und steinewerfenden Israelischen Kindern anprangern. Ein Textvorschlag:

Children living in the Tel Rumeida area of Hebron are daily subject to violence (stone-throwing and beating) by settler children. Their elders apparantly approve of this practice. Israeli soldiers stand by and watch. It cannot be considered an acceptable practice that Israeli soldiers respond to stone-throwing Palestinian children with live ammunition, whereas when confronted with stone-throwing Israeli children in Hebron, they simply say they are unable to do anything. While I understand that it is not the task of the army to control civilians, the soldiers - who are always present - could certainly admonish the children. Since they are continually present, this would exercise a certain amount of deterrence. If this does not help, it is imperative that the children of Hebron be protected by police on their way to and from school wherever they are endangered! Do you really need foreign human rights workers to do your police work for you?

Peretz ist zu erreichen unter der Fax-Nr 00972-2-6954156, email (weniger wirkungsvoll, m.E., sar@mod.gov.il. Justiz und Inneres wären vielleicht auch eine Kopie wert, ich kann die Namen und Daten aber nicht finden, versuche sie nachzureichen.

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Ein/e Student/in in Jenin schreibt, wie das Studentenleben fast unmöglich gemacht wird durch eine ständige Zunahme der Checkpoints, die sie daran hindern, rechtzeitig zur Uni zu gelangen, sowie nächtliche Eingriffe in Studentenwohnheime, bei denen StudentInnen raus geholt und befragt werden, während innerhalb des Hauses rumgeschossen wird.

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Die AktivistInnen von New Profile und anderen Organisationen haben den Tag der Nakba (ein Tag nach dem Unabhängigkeitstag für Israel) genutzt um durch verschiedene Aktionen Israelis zu informieren über das, was damals wirklich passiert ist - das PalästinenserInnen vertrieben, ihre Häuser enteignet und Dörfer zerstört wurden. Sie werden natürlich auch beschimpft und räumen ein, dass Bewusstseinsveränderung ein sehr langsamer Prozess ist. Das Projekt, das Flugblätter verteilt und Diavorstellungen organisiert, z.B. am Eingang zu einem Kino, wird von dem Bund Protestantischer Kirchen der Schweiz finanziert.

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Die größte britische Gewerkschaft von Schul- und UniversitätslehrerInnen, das 40 000 Mitglieder zählt, erwägt einen Boykott israelischer Dozenten, die sich nicht öffentlich von der "Apartheidpolitik" der israelischen Regierung distanzieren. Die diskutierte Resolution appelliert an die Gewerkschaftsmitglieder, "die eigene Verantwortung für die Geltung von Gleichheit und Nicht-diskriminierung auch bei Kontakten zu Kolleginnen und Institutionen zu bedenken". "Ein akademischer Boykott ist eine persönliche und Kollektive Handlung in Solidarität mit unseren palästinensischen Kollegen, deren akademische Freiheit gegenwärtig verweigert wird." ------------------------.

Für Samstag wird in England zu einer Großdemo im Trafalgar Square

aufgerufen: sie fordern Hilfe für verhungernde PalästinenserInnen, ein Ende der Besetzung Palästinas und einer Anerkennung der palästinensischen Demokratie.

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In Bil'in haben DemonstrantInnen Produkte der Besatzungsmacht verbrannt und damit ihre Unterstützung für einen internen Boykott bekundet. Sie werden nur örtlich hergestellte Waren benutzen und damit zeigen, wie die PalästinenserInnen ihre Abhängigkeit von der Besatzungswirtschaft beenden und die Strategien der ersten Intifada wieder aufgreifen können.

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Ein hochinteressanter Artikel in Haaretz befasst sich mit den Aussagen des israelischen Generals Ilan Paz, der sieben Jahre lang für die Westbank zuständig war und soeben zurückgetreten ist vom Militär.

Paz macht deutlich, dass ein in Chaos und Anarchie versinkendes Palästina auf keine Weise im Interesse Israels liegen könnte. "Der Konvergenzplan wird auch in 20 Jahren nicht implementiert werden. Die gefährliche Kombination einer humanitären Krise, Chaos zuhause, Massaker und Qassams wird Israel dazu zwingen, in die Westbank und vielleicht auch Gaza zurück zu kehren. Das bedeutet Krieg, eingezogene Reservisten, Tote und riesige wirtschaftliche Kosten." "Die Erfahrung zeigt, dass Krisen und Knappheit nicht eine Bevölkerung dazu bringen, einen Dialog mit dem Feind zu beginnen, der für das Leid verantwortlich gehalten wird; sie werden nur den Kampf gegen diesen Feind intensivieren."

"Wenn es kein Geld für das Schulsystem der PA gibt, wo wir einigen Erfolg gehabt haben, provozierendes Material aus dem Kurrikulum auszufiltern, werden die SchülerInnen in die Schulen der Hamas eintreten, die aus islamistischen Quellen finanziert werden."

Israel selbst habe die Wahl von Hamas zu verantworten, weil man allen unterlassen habe, was Abu Mazen verstärkt hätte. Der Abzug aus Gaza, bei dem Israel "die Schlüssel auf die Erde geworfen hat, anstatt sie an Abu Mazen auszuhändigen", hat es Hamas erlaubt, die Verantwortung dafür sich selbst zuzuschreiben und die Fatah weiter geschwächt. Paz räumt ein, dass Israel die PA daran gehindert habe, selbst in den angeblich von ihr kontrollierten Gebieten, die Ordnung aufrecht zu halten. "Während einer längeren Zeit haben wir es bewaffneten. palästinensischen Polizisten nicht erlaubt, Gerichte, Gefängnisse oder Banken zu schützen, nicht einmal in Dörfern bei Familienfehden einzuschreiten".

"Es gibt einen palästinensischen Partner für eine Vereinbarung, die dem Großteil der israelischen Öffentlichkeit annehmbar erscheinen würden.... Irgendwann werden wir eine Lösung find müssen, und sie wird mehr oder weniger identisch mit der von Clinton skizzierten oder dem Genfer Abkommen. Die Frage ist, wieviel Blut bis dahin vergossen wird.

Zu einigen besonders gewaltbereiten Siedlern in Hebron sagt Paz, "Ich glaube es gibt keine Wahl, außer die Siedler von dort zu entfernen... Seit anderthalb Jahren haben die Siedler auf der Maon Farm die Kinder von Umm Tuba daran gehindert in die Schule zu gehen, und attackiert sie selbst dann, wenn sie von der Armee begleitet werden. Wieviele BewohnerInnen gibt es auf der Maon Farm? Kann man sie nicht hindern?"

Tschüss für heute,

Anka

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