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ief-aus-Israel]


 

 From: "Angelika Schneider" <anka.sch(at)gmx.net To: <Brief-aus-Israel(at)yahoogroups.de Subject: [Brief-aus-Israel] Aktuelles aus den besetzten Gebieten  

 

Brief aus Israel 23.11.06
 

Liebe Leute,

hier eine erste Auswahl aus den aufgelaufenen Mails. Wünsche gute Lektüre.

Die israelisch Armee verteilt jetzt Fragebogen an SchülerInnen des 11. Schuljahrs über ihre Bereitschaft, in der Armee zu dienen und die Einstellungen ihrer Familien dazu. Verständlicherweise haben sich viele Eltern empört. Inzwischen hat die Armee beschlossen, die Befragungen anonym zu halten, sich dann aber auf Schulklassen zu konzentrieren, in denen negativ gestimmte SchülerInnen sitzen. Es geht darum, die Anzahl dienstbereiter Rekruten zu erhöhen. Klingt aber nach Gesinnungsschnüffelei bei LehrerInnen.

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In einem Artikel in Haaretz vom 16.11. schreibt der Israeli Baruch Kimmerling sorgenvoll darüber, dass Israel zur Zeit von zwei "Cliquen" regiert wird, die mangels einer klaren Regierungspolitik völlig frei handeln, eine davon im Finanz- die andere im Verteidigungsministerium. Die gegenwärtigen andauernden, mordenden und zerstörenden Angriffe im Gazastreifen werden allein von der Armee bestimmt und verantwortet. Ein Armeesprecher betont seine Überzeugung, dass nur so der Widerstand der Palästinenser zu brechen sei. Wie blind muss man sein, um nicht zu erkennen, dass nur immer mehr Gegengewalt provoziert wird? Inzwischen haben - nach zahllosen toten palästinensischen ZivilistInnen - die Qassamraketen auch einen Tod verursacht, mit Sicherheit einer zuviel, dass aber als eine direkte Antwort an das Massaker an ZivilistInnen in Bet Hanun zu sehen ist.

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Spanien, Italien und Frankreich werden einen neuen Friedensplan an den EU Gipfel nächsten Monat vorlegen. Sie hoffen auch deutsche und britische Unterstützung zu gewinnen. Der Plan hat fünf Komponenten: ein sofortiger Waffenstillstand, die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit durch die Palästinenser, die international anerkannt werden kann, ein Gefangenenaustausch, inklusive der israelischen Soldaten, die im Sommer gefangen genommen wurden, Gespräche zwischen Olmert und der Palästinenserautorität und eine international Mission nach Gaza um den Waffenstillstand zu beobachten. Es muss unbedingt Druck auf unsere Politiker ausgeübt werden, dass sie auf den Plan eingehen.

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Ein geplanter Besuch des israelischen Botschafters nach Großbritannien, Zvi Heifetz, wurde zurückgezogen auf Grund von Reaktionen aus der Palästinasolidaritätsbewegung, die den Besuch als "Schändung" der Synagoge brandmarkten und umfangreiche Protestaktionen ankündigten.

"Jahrelang haben wir geschwiegen während die abstossendsten Lügen vom "Israelischen Informationsbüro" verbreitet wurden... Jetzt schreien die beraubten und gefolterten Opfer der Verbrechen Israels zum Himmel um Gerechtigkeit und rufen anständige Menschen weltweit an um Aktionen um die endlose ethnische Säuberung durch Israel zu beenden."

Zur Nachahmung empfohlen?

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Auch in der Westbank geht das Töten weiter: in Qalqilya wurden vor wenigen Tagen zwei Palästinenser getötet und 31 verletzt als die Armee ein Haus umstellten in dem sie glaubten, der Leiter des militärischen Flügels der Hamas sich versteckt hätte.

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Gideon Spiro zieht in der Zeitschrift Hagada Hasmalit eine Parallele zwischen der Pogromnacht des 9. Nov. 38 und der Aktionen der israelischen Armee in Gaza. Der 17-jährige Jude Herzel Greensspan hat einen Sekretär der deutschen Botschaft in Paris am 7. Nov. erschossen, als Rache für die Vertreibung seiner Familie nach Polen. Dies gab den Vorwand für den am 9. Nov. begonnene Pogrom gegen die Juden. Ähnlich sieht er die Funktion der Gefangennahme von Gilad Shalit als Vorwand für die Militäraktionen in Gaza.

Solche Vergleiche, in Deutschland wohl zurecht verpönt, gelten in Israel häufig als evident.

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Bei einer Untersuchung über die Aktivitäten der jüdischen Lobbyorganisation AIPAC (American Israel Public Affairs Committee) hat eine Umfrage gezeigt, dass etwa die Hälfte der Amerikaner (ein anderer Bericht sagt 39%) diese Lobby als ein entscheidendes Element betrachten bei der Entscheidung der Bushregierung, Irak anzugreifen und sich so unbeugsam gegen das Atomprogramm Irans zu stellen. Nach einer anderen Studie, die die Enstellung von DozentInnen in amerikanischen Universitäten untersuchte, hat ein "bedeutender Prozentsatz" (anderswo "etwa ein Drittel") Israel und die USA als "Bedrohungen der globalen Stabilität" bezeichnet.

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AktivistInnen der "Anarchists against the Wall" haben sich Panzern und Bulldozer zwischen den Erez und Karni Übergängen nach Gaza. Sie haben nachgemachte Körperteile herumgestreut, während überraschte Soldaten zuschauten. Zugleich fuhr eine Prozession von etwa 40 Peace Now Aktivisten durch Sderot (wo die meisten Qassamraketen landen) auf dem Weg zum Erezübergang mit einem Transparent auf dem stand "nur politische Gespräche können die Qassams anhalten".

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Etwa 50 erwachsenen, männliche Siedler, manche mit Gewehren, sind auf das Dorf Tuba zugelaufen. Eine Gruppe Schulkinder, die unter Militäreskorte auf dem Weg in die Schule waren, sind in Panik nach Hause gelaufen. Die Siedler, die zunächst behaupteten, sie gingen nur spazieren, sind in das Dorf eingedrungen, haben mit Steinen geworfen und einen Behälter mit (kostbaren) Wasser geleert. Die herbeigerufene Polizei sah keinerlei Beweise, die ein Einschreiten rechtfertigten.

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Eine militärische Order ist angekündigt worden, die es Israelis offiziell verbieten soll, PalästinenserInnen in den besetzten Gebieten in ihren Autos zu transportieren. Ein früherer Verbotsversuch konnte mangels offizieller, schriftlicher Niederlegung nicht durchgesetzt werden.

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Ich grüße euch,

Anka

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