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ief-aus-Israel]


 

 From: "Angelika Schneider" <anka.sch(at)gmx.net To: <Brief-aus-Israel(at)yahoogroups.de Subject: [Brief-aus-Israel] Aktuelles aus den besetzten Gebieten  

 

Brief aus Israel 24.2.2007
 

Liebe LeserInnen,

(...) In mehreren Einzelberichten macht Dorothy aufmerksam auf die Bemühungen Israels, neue Einwanderer anzulocken. In Kalifornien prangt ein großes Plakat mit 5 lachenden jungen Frauen auf einer schönen Wohnstraße (vermutlich in einer Siedlung) an der Wand eines kleinen Lebensmittelladen dessen Besitzer, ironischerweise, aus dem Nahen Osten stammt.

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Die Frauen von Machsomwatch berichten von den üblichen Übergriffen gegen Palästinenser an verschiedenen Checkpoints. Nachdem eine lange Schlange stundenlang im Regen verharren musste, verwandeln sich diese 'gefährlichen' Menschen, die aus 'Sicherheitsgründen' unbedingt untersucht und geprüft werden müssen, plötzlich in völlig ungefährliche Menschen, die mit einemmal einfach durchgeschleust werden, bevor der Checkpoint geschlossen wird. An einer anderen Stelle oder einem anderen Tag wird ein Mann, dem es gelungen ist, einen Passierschein für Israel zu erhalten und dort zu arbeiten, aus dem Taxi gezerrt, in dem er nach Hause fährt. Ihm werden - in strömendem Regen - seine Jacke mit 1700 NIS Monatslohn in der Tasche und sämtliche Papiere abgenommen. Nach längerer Zeit erhält er die Jacke - ohne Geld - zurück. Sein Passierschein wird vor seinen Augen zerrissen und weggeworfen. Dann darf er nach Hause. Bei der Anfrage nach einem neuen Passierschein wird ihm gesagt, er sei auf einer 'wanted'-Liste, hätte daher keine Aussicht.

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Vor wenigen Tagen rückten Traktoren der Regierung an, um die Feldfrüchte von Bedouinen im östlichen Negev kurz vor der Ernte unterzupflügen in einer weiteren Bemühung, sie von ihrem traditionellen Land zu vertreiben. 50 Hektar Land von Halil al-Zarqan wurden am Mittwoch im kleinen Dorf Al-Mazraa umgepflügt. Die Bedouinen bauen Weizen an und beten um Regen - oft wächst der Weizen nur hoch genug, um als Weide zu dienen, dieses Jahr hätte der Regen vielleicht für eine Ernte gereicht.

Die nächste Wasserstelle ist mehrere Kilometer von Halils Blechhütte entfernt. Weitere 30% des Weidelandes wurde gesperrt, angeblich brauche die Armee das Gebiet zum Training. So können die Bedouinen zusehen wie ihre Schafe - ihre einzige Einkommensquelle - verhungern.

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Amos Gvirtz schickt regelmäßig kurze Berichte aus über Einzelschicksale unter der Rubrik "Sag nicht, wir hätten es nicht gewusst": Mahmud 'Ali wurde östlich von Ramallah vor 70 Jahren geboren. Er heiratete 1957. In den Sechzigerjahren zog er nach USA und wurde dort eingebürgert. Seine Frau und seine Kinder holte er nach, in den Siebzigerjahren kehrten sie in ihr Dorf zurück. Mahmud besuchte sie jedes Jahr 1-2 Monate. Seit seinem Ruhestand versucht er, seine Besuche auszudehnen. Die Behörden zwangen ihn, alle 3 Monate auszureisen und ein neues Visum zu beantragen. Seine Frau ist Krank und auf seine Hilfe angewiesen. Vor einem Jahr wurde ihm gesagt, er müsse ein Jahr auf ein neues Visum warten. Am 20.1.07 wurde ihm diese abermals verweigert.

Am 12. Februar ist eine Siedler Frau mit 8 Kindern durch einen Zaun, den sie aufbrachen, auf das Land der Abu haykalfamilie in Tel Rumeida eingebrochen. Ein Soldat kam herbei, tat aber nichts. Die Polizei, die nach 40 Minuten erschien, überredete die Leute nach langer Diskussion zu gehen. Sie ging dann in dine Straße im palästinensisch kontrollierten Bereich Hebrons, wo andere junge Siedler einen palästinensischen Laden mit Steinen bewarfen. Die Siedler behaupteten, palästinensische Kinder hätten Steine auf sie geworfen. Die Kinder wurden sofort festgenommen.

Eines der Kinder bei der Siedlerin fing an, einen Menschenrechtsaktivisten anzugreifen, der das ganze filmte. Ein in der Nähe stehender Polizist tat nichts. Ein palästinensisches Kind versuchte in der Nähe vorbeizugehen. Ein Siedlerkind wies auf ihm und beschuldigt ihn, Steine geworfen zu haben. Das Kind wurde sofort festgenommen. Der Aktivist bezeugt, dass das Kind überhaupt nicht mit Steinen geworfen hatte. Kein Siedler wurde festgenommen. Die palästinensischen Kinder wurden nach 5 Stunden freigelassen.

Seit Anfang dieses Jahres hat die Stadt Jerusalem 9 palästinensische Häuser zerstört. Das Haus von Hamed El Amas in Sur Baher, ein vierstöckiges Gebäude das für 8 Familien gedacht war, war sogar von dem örtlichen Ausschuss bewilligt worden, wurde aber dennoch zerstört.

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Die US-Organisation Jewish Voice for Peace macht darauf aufmerksam, dass zu dem israelischen Verteidigungshaushalt regelmäßig mehrere Milliarden hinzukommen, die alle Haushaltsreserven aufsaugen. Natürlich werden andere notwendige Ausgaben - für Erziehung z.B. - vernachlässigt. Ein Knessetmitglied, Avshalom Vilan, mahnt die Notwendigkeit eines offenen, längerwährenden Dialogs über die Ziele des Staates Israel an.

Untersuchungen zeigen, dass ärmere Bevölkerungsteile den Staat nicht mehr voll hinter ihm stehen und sich immer mehr vor dem Wehrdienst drücken. Gegenwärtig werde Israel zu einer Armee mit eigenem Staat, eine Entwicklung, die auch die künftige Fähigkeit, sich gegen Feinde zu schützen, beeinträchtigen kann.

Die Organisation prangert auch die Tatsache an, dass die Palästinenser fast vollständig für ihr Lebensunterhalt auf Israel angewiesen sind.

Zollschranken verhindern, dass die billigere Waren aus Ägypten oder Jordanien importiert werden. So werden Finanzhilfen aus dem Ausland indirekt zu einer Unterstützung der israelischen Wirtschaft. Auch Zahlungen für Strom und Wasser, die z.B. in den Flüchtlingslagern von der UN getragen werden, gehen an Israel. Zugleich wird ein Großteil der Kosten für die Besatzung, die durch die Zerstörung der palästinensischen Wirtschaft entstehen, auf dieser Weise statt von Israel von der internationalen Gemeinschaft getragen.

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Mehrere reiche SpenderInnen (bzw. auch 'potentielle' SpenderInnen) an die Brandeis Universität in USA haben künftige Spenden verweigert weil die Institution Jimmy Carter im Januar zu einer Veranstaltung eingeladen hat. Streitpunkt ist Carters kontrovers aufgenommenes Buch "Palestine: Peace not Apartheid". Die Universität wurde von dem Richter des Obersten Gerichtes, Louis Brandeis gegründet, der auch den Zionismus in Amerika eingeführt hat und ein verbissener Verfechter der freien Rede war Schon seit längerer Zeit haben viele Lehrkräfte an der Universität das Gefühl, sehr vorsichtig bei ihren Äußerungen zum Nahen Osten sein zu müssen. Die Politik der Universität ist natürlich, dass freie Rede und freier Meinungsaustausch aufrecht erhalten werden müssen. Sie ist allerdings auch von ihren Spendern abhängig. Mich erinnert das ganze auf erschreckende Weise an meine eigenen Erfahrungen als Studentin, als Ehemalige in der McCarthy-Ära versuchten, Druck auf mein College auszuüben weil sie einige Lehrkräfte (völlig unbegründet, wie es damals vielen geschah) kommunistischer Sympathien bezichtigten.

Carters Rede wurde von den Studenten freundlich, teils begeistert aufgenommen. Ihm wurden aber auch schwierige und kritische Fragen gestellt. Ein Holocaustforscher, der nicht in Brandeis tätig ist, meinte, "die jüdische Gemeinschaft ist vielleicht mit einer größeren Spaltung zwischen den Generationen konfrontiert als ihr bewusst ist."

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Ich grüße euch, bis zum nächsten Mal,

Anka

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