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ief-aus-Israel]


 

 From: "Angelika Schneider" <anka.sch(at)gmx.net To: <Brief-aus-Israel(at)yahoogroups.de Subject: [Brief-aus-Israel] Aktuelles aus den besetzten Gebieten  

 

Brief aus Israel 25.5.2007
 

Liebe FreundInnen,

vor Ort Berichte aus Palästina kommen zur Zeit nur von ISM und die stellen sie in einer wöchentlichen Email zusammen, die dann entsprechen lang ist.  Das macht es mir in letzter Zeit etwas schwieriger, mit den Berichten umzugehen - ich möchte sie eigentlich schnell vom Tisch haben, dafür sind sie aber viel zu lang.  Also gibt's Stückwerk.


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In Hebron wurden drei Israelis und zwei Internationale festgenommen, die eine Straßensperre zu entfernen versuchten, da diese die Fahrt von dem Dorf Dhahariya z.B. zum nächsten Krankenhaus um fast eine Stunde verlängerte.  (Ich hatte darüber berichtet).  Die drei Israelis wurden nach einer Nacht freigelassen, den Internationalen droht die Ausweisung.

Die Weltbank hat kürzlich in einem Bericht festgestellt, dass die zugesagte Bewegungsfreiheit eher die Ausnahme als die Regel ist, entgegen den international anerkannten Abmachungen (Oslo, Road Map).  Ob das was nützt?


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Vorige Woche wurde eine Gruppe von palästinensischen Kindern und zwei AktivistInnen, ein Grieche und eine Deutsche, von jungen Siedlern attackiert.  Diese fingen zunächst an, die Kinder rumzuschubsen, warfen dann mit Steinen auf die Ausländer.  Als der Grieche anfing, zu filmen, schlugen sie ihm von hinten auf dem Kopf bis er hinfiel, traten ihn und zerstörten die Kamera.  Ein Soldat, der daneben stand, schimpfte mit den Siedlern, versuchte aber nicht sie daran zu hindern.  Als die Deutsche ihrem Kollegen zu Hilfe ging, wurde sie in den Bauch getreten.  Sie fing an zu schreien, die Jungen entfernten sich aber erst als sie die Polizei sahen.  Die Polizisten nahmen die beide zur Polizeistation, weigerten sich aber, sie ins Krankenhaus zu begleiten, wo der Grieche wegen Kopfverletzungen behandelt wird.


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Vier Häuser im "nicht-anerkannten" Bedouinendorf Attir im Negev wurden zerstört, fast 40 Kinder obdachlos gemacht.  Die Bewohner des Dorfes wurden 1950 dahin versetzt, vorher hatten sie als Nomaden gelebt.  Ahmad hatte sein Haus in den 90iger Jahren gebaut, nun sollte er und seine Familie in das Städtchen Hura ziehen.  Das heißt, sie mussten ihre Viehzucht aufgeben, aber da ihre Häuser zerstört werden sollen, erklärte sich die ganze Großfamilie, mehrere Brüder, bereit nach Hura zu ziehen.  Ahmad sollte für sein großes, massiv gebautes Haus $25 000 Kompensation erhalten - ein neues Grundstück in Hura kostet bereits die Hälfte. 
Während aber noch darüber verhandelt wurde, und über die Frage, ob junge Männer  Grundstücke in Hura bereits ab 18 oder erst ab 23 kaufen dürften -  die Familie bestand auf 18, da es sehr unsicher war, ob künftig noch Land zum Kauf zur Verfügung stehen würde - kamen die Israels mit einem Hubschrauber, 8 Busse und mehrere große Autos voll Polizeikräfte und 5 Bulldozer, die Häuser zu zerstören.  Ob die Aktion weniger gekostet hat, als die zusätzliche Kompensation, die die Familie verlangt hatte?  Ob sie für das zerstörte Haus überhaupt noch etwas erhalten?  Und ob wohl in Zukunft Bedouinenfamilien eher bereit sein werden, dahin zu ziehen, wo die Behörden sie haben wollen?


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Aber auch an anderen Stellen geht die Häuserzerstörung weiter.  Eine Familie, die bereits im Februar eine Zerstörungsorder erhielt und inzwischen über $3000 an Anwaltskosten bezahlt hat, um die Demolition zu verhindern, hat nun den dritten Ausweisungsbefehl erhalten.  Sie versuchen weiter, ihn anzufechten.


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Am 18. Mai gab es viele Demonstrationen im Palästinensergebiet zur Erinnerung an die Nakba, die 'Katastrophe' der Gründung Israels (die sich eigentlich am 15. jährt, aber Demos finden am Freitag statt, wenn die Leute Zeit dafür haben).  Nicht nur an den Orten, wo regelmäßig gegen den Trennungszaun demonstriert wird, sondern auch z.B. mitten in Ramallah.  Zugleich hat eine Gruppe 'arabischer Israelis' eine 'Haifa Erklärung' publiziert, in der sie endlich die Anerkennung der Nakba von Israel verlangen und gleiche Rechte wie jüdische Staatsbürger einklagen.  Sie erhoffen sich davon zumindest bessere Kenntnisse ihrer Geschichte und ihrer Situation seitens der Israelis, die zum großen Teil heute nur noch ein 'Großisrael' vom Mittelmeer zum Jordan kennen, das dauernd von gewalttätigen Palästinensern gefährdet wird.


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In Bil'in trug jede/r Demonstrant/in ein kleines Plakat mit dem Namen eines der 500 Dörfer, die die israelische Armee 1948 zerstört hat.  Diesmal wurde der Demonstrationszug bereits auf halbem Weg zur Zauntrasse durch Stacheldraht aufgehalten.  Als einige versuchten, daran vorbei zu gehen,  kam ihnen ein solcher Tränengasschauer entgegen, dass sie zurückweichen mussten.   2 Stunden lang versuchten sie immer wieder, vorzudringen und wurden von Tränengas zurückgetrieben, bis sogar Olivenbäume von den  Tränengaskanistern Feuer fingen.


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Auf dem Umland des wunderschönen alten Dorf Artas in der Nähe von Bethlehem, das ich auf meiner Reise im vorigen Herbst besucht habe und in dem es einen Garten gibt, von dem bereits im Hohelied Salomons gesungen wurde, wird nun ein Feld von Aprikosenbäumen enteignet und die Bulldozer rücken an, um für die illegale israelische Siedlung Efrat eine neue Abwasserleitung zu legen.  Der erste Versuch wurde von geduldigen 'Besetzern' und schließlich vom Regen verhindert, aber in der Nähe ist bereits Land aufgerissen worden für neue Siedlerstraßen und einen Wachposten.  Vier Tage später, am vergangenen Sonntag, kamen Soldaten um 5 Uhr früh und trugen etwa 60 palästinensische, israelische und internationale AktivistInnen fort, die auf dem Land während der Zwischenzeit ausgeharrt hatten und rissen28 Bäume aus.   Einige, die sich an Bäume angekettet haben, wurden geschlagen und getreten, andere über einen Steinwall geworfen, auch ältere Palästinenserinnen.  Zwei neue Siedlungen sollen auf den Ländereien des Dorfes entstehen.  Später hat Dr. Mustafa Barghouti, palästinensischer Informationsminister, eine Pressekonferenz auf dem Land abgehalten, während der er von hinten von einem Soldat einen Schlag auf den Kopf erhielt.  Eine Diashow von der
Aktion unter:

http://flickr.com/photos/joeskillet/sets/72157600239235836/


Die Bäume, und 30 neue dazu, werden von den PalästinenserInnen wieder
eingepflanzt.

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Gruß, Anka

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