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Liebe FreundInnen,
vor Ort Berichte aus Palästina kommen zur Zeit nur von ISM
und die stellen sie in einer wöchentlichen Email zusammen,
die dann entsprechen lang ist. Das macht es mir in letzter
Zeit etwas schwieriger, mit den Berichten umzugehen - ich
möchte sie eigentlich schnell vom Tisch haben, dafür sind
sie aber viel zu lang. Also gibt's Stückwerk.
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In Hebron wurden drei Israelis und zwei Internationale
festgenommen, die eine Straßensperre zu entfernen
versuchten, da diese die Fahrt von dem Dorf Dhahariya z.B.
zum nächsten Krankenhaus um fast eine Stunde verlängerte.
(Ich hatte darüber berichtet). Die drei Israelis wurden
nach einer Nacht freigelassen, den Internationalen droht die
Ausweisung.
Die Weltbank hat kürzlich in einem Bericht festgestellt,
dass die zugesagte Bewegungsfreiheit eher die Ausnahme als
die Regel ist, entgegen den international anerkannten
Abmachungen (Oslo, Road Map). Ob das was nützt?
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Vorige Woche wurde eine Gruppe von palästinensischen Kindern
und zwei AktivistInnen, ein Grieche und eine Deutsche, von
jungen Siedlern attackiert. Diese fingen zunächst an, die
Kinder rumzuschubsen, warfen dann mit Steinen auf die
Ausländer. Als der Grieche anfing, zu filmen, schlugen sie
ihm von hinten auf dem Kopf bis er hinfiel, traten ihn und
zerstörten die Kamera. Ein Soldat, der daneben stand,
schimpfte mit den Siedlern, versuchte aber nicht sie daran
zu hindern. Als die Deutsche ihrem Kollegen zu Hilfe ging,
wurde sie in den Bauch getreten. Sie fing an zu schreien,
die Jungen entfernten sich aber erst als sie die Polizei
sahen. Die Polizisten nahmen die beide zur Polizeistation,
weigerten sich aber, sie ins Krankenhaus zu begleiten, wo
der Grieche wegen Kopfverletzungen behandelt wird.
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Vier Häuser im "nicht-anerkannten" Bedouinendorf Attir im
Negev wurden zerstört, fast 40 Kinder obdachlos gemacht.
Die Bewohner des Dorfes wurden 1950 dahin versetzt, vorher
hatten sie als Nomaden gelebt. Ahmad hatte sein Haus in den
90iger Jahren gebaut, nun sollte er und seine Familie in das
Städtchen Hura ziehen. Das heißt, sie mussten ihre
Viehzucht aufgeben, aber da ihre Häuser zerstört werden
sollen, erklärte sich die ganze Großfamilie, mehrere Brüder,
bereit nach Hura zu ziehen. Ahmad sollte für sein großes,
massiv gebautes Haus $25 000 Kompensation erhalten - ein
neues Grundstück in Hura kostet bereits die Hälfte.
Während aber noch darüber verhandelt wurde, und über die
Frage, ob junge Männer Grundstücke in Hura bereits ab 18
oder erst ab 23 kaufen dürften - die Familie bestand auf
18, da es sehr unsicher war, ob künftig noch Land zum Kauf
zur Verfügung stehen würde - kamen die Israels mit einem
Hubschrauber, 8 Busse und mehrere große Autos voll
Polizeikräfte und 5 Bulldozer, die Häuser zu zerstören. Ob
die Aktion weniger gekostet hat, als die zusätzliche
Kompensation, die die Familie verlangt hatte? Ob sie für
das zerstörte Haus überhaupt noch etwas erhalten? Und ob
wohl in Zukunft Bedouinenfamilien eher bereit sein werden,
dahin zu ziehen, wo die Behörden sie haben wollen?
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Aber auch an anderen Stellen geht die Häuserzerstörung
weiter. Eine Familie, die bereits im Februar eine
Zerstörungsorder erhielt und inzwischen über $3000 an
Anwaltskosten bezahlt hat, um die Demolition zu verhindern,
hat nun den dritten Ausweisungsbefehl erhalten. Sie
versuchen weiter, ihn anzufechten.
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Am 18. Mai gab es viele Demonstrationen im
Palästinensergebiet zur Erinnerung an die Nakba, die
'Katastrophe' der Gründung Israels (die sich eigentlich am
15. jährt, aber Demos finden am Freitag statt, wenn die
Leute Zeit dafür haben). Nicht nur an den Orten, wo
regelmäßig gegen den Trennungszaun demonstriert wird,
sondern auch z.B. mitten in Ramallah. Zugleich hat eine
Gruppe 'arabischer Israelis' eine 'Haifa Erklärung'
publiziert, in der sie endlich die Anerkennung der Nakba von
Israel verlangen und gleiche Rechte wie jüdische
Staatsbürger einklagen. Sie erhoffen sich davon zumindest
bessere Kenntnisse ihrer Geschichte und ihrer Situation
seitens der Israelis, die zum großen Teil heute nur noch ein
'Großisrael' vom Mittelmeer zum Jordan kennen, das dauernd
von gewalttätigen Palästinensern gefährdet wird.
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In Bil'in trug jede/r Demonstrant/in ein kleines Plakat mit
dem Namen eines der 500 Dörfer, die die israelische Armee
1948 zerstört hat. Diesmal wurde der Demonstrationszug
bereits auf halbem Weg zur Zauntrasse durch Stacheldraht
aufgehalten. Als einige versuchten, daran vorbei zu gehen,
kam ihnen ein solcher Tränengasschauer entgegen, dass sie
zurückweichen mussten. 2 Stunden lang versuchten sie immer
wieder, vorzudringen und wurden von Tränengas
zurückgetrieben, bis sogar Olivenbäume von den
Tränengaskanistern Feuer fingen.
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Auf dem Umland des wunderschönen alten Dorf Artas in der
Nähe von Bethlehem, das ich auf meiner Reise im vorigen
Herbst besucht habe und in dem es einen Garten gibt, von dem
bereits im Hohelied Salomons gesungen wurde, wird nun ein
Feld von Aprikosenbäumen enteignet und die Bulldozer rücken
an, um für die illegale israelische Siedlung Efrat eine neue
Abwasserleitung zu legen. Der erste Versuch wurde von
geduldigen 'Besetzern' und schließlich vom Regen verhindert,
aber in der Nähe ist bereits Land aufgerissen worden für
neue Siedlerstraßen und einen Wachposten. Vier Tage später,
am vergangenen Sonntag, kamen Soldaten um 5 Uhr früh und
trugen etwa 60 palästinensische, israelische und
internationale AktivistInnen fort, die auf dem Land während
der Zwischenzeit ausgeharrt hatten und rissen28 Bäume aus.
Einige, die sich an Bäume angekettet haben, wurden
geschlagen und getreten, andere über einen Steinwall
geworfen, auch ältere Palästinenserinnen. Zwei neue
Siedlungen sollen auf den Ländereien des Dorfes entstehen.
Später hat Dr. Mustafa Barghouti, palästinensischer
Informationsminister, eine Pressekonferenz auf dem Land
abgehalten, während der er von hinten von einem Soldat einen
Schlag auf den Kopf erhielt. Eine Diashow von der
Aktion unter:
http://flickr.com/photos/joeskillet/sets/72157600239235836/
Die Bäume, und 30 neue dazu, werden von den
PalästinenserInnen wieder
eingepflanzt.
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Gruß, Anka
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