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Liebe Leute,
in Ergänzung zum
Artikel von Amira Hass, den Ellen Rohlfs
übersetzt hat, übersetze ich ein Aufschrei der Verzweiflung
aus Rafah vom 21. August, von Yassmin Moor:
*Zusehen, wie Gaza
zusammenbricht*
Heute ging ich mit der
Frau meines Cousins und ihren Kindern zum Sozialamt um ihren
Monatlichen Lohn von der Regierung abzuholen. Mein Cousin
wurde vorigen September von einem israelischen
Scharfschützen getötet als er vor seinem Haus stand. Über
Nacht waren seine Kinder und seine Frau berechtigt, 375 NIS
/ Monat von der palästinensischen REgierung zu erhalten, da
ihr Vater nun ein Märtyrer ist.
Dies ist das dritte Mal, dass wir in diesem Monat zum Amt
gehen, weil es jedes Mal geschlossen ist. Das Tor ist
geöffnet und vorne stehen Wachen aber das Amt arbeitet nicht
und es gab keine Angestellten, die uns helfen konnten.
"Warum geschlossen?" fragte ich einen der Wachen. "Streik,"
antwortete er. "Also was sollen wir nun tun?" fragte ich.
"Hoffen, dass wir bezahlt werden, so dass wir wieder
arbeiten können," antwortete er. Ich blickte ihn verärgert
an, wusste aber, dass ich eigentlich weder ihn noch die
Angestellten des Büros anklagen konnte. Er war wie jeder
andere Angestellte in Gaza. Ich denke, den öffentlichen
Angestellten reichts; sie haben schließlich seit Januar 2006
kein Gehalt bekommen und trotzdem gearbeitet. ich habe
Leute getroffen, die Geld von Nachbarn geliehen haben um das
Taxi zur Arbeit zu bezahlen, für die sie nicht einmal Lohn
erhalten.
Jeder Versuch, über Gaza zu schreiben, um der Welt eine
Ahnung zu vermitteln von dem was die Leute hier mitmachen,
überwältigt mich. Ich weiß nie wo ich anfangen soll, um
Lesern eine Ahnung vom Leben in Gaza und die sich
beschleunigenden humanitären und wirtschaftlichen Krisen zu
vermitteln. Fang ich an mit den Auswirkungen der
Grenzschließungen, die nach der UN Organisation für
palästinensische Flüchtling, UNRWA der Grund dafür sind dass
Gaza am Rande eines wirtschaftlichen Kollapses steht, und
wenn es in den kommenden Wochen keine Änderung gibt die
gesamte Bevölkerung von Hilfe abhängig sein wird? Wir
können alle mit Sicherheit die Auswirkungen der Schließung
spüren, da das einzige was wir kaufen können aus etwas
Gemüse besteht und wir gezwungen sind, von den Essenspaketen
der UNRWA mit Mehl, Reis und Speiseöl abhängig zu sein. Wir
können nicht mal unsere eigene Nahrung züchten wenn wir das
wollen weil die Bauern keine Vorräte mehr haben, auch keinen
Dünger. Israel lässt zwar Obst und Gemüse nach Gaza rein
wenn es will. Wir sind dazu gezwungen, aus der Hand unseres
Besatzers zu kaufen und zu essen und ihre Wirtschaft zu
unterstützen während unsere zusammenbricht.
Divestment ist in Gaza keine Option.
Oder vielleicht sollte ich von den 1 000 PalästinenserInnen
schreiben, die immer noch an der Grenze in Rafah gestrandet
und von ihren Familien getrennt sind und bald ohne Geld
sitzen und warten bis die Grenze geöffnet wird. Vielleicht
sollte ich die unhygienische Lage beschreiben, die zur Folge
hat dass die Kranken kränker werden und die Gesunden krank.
Die Nachrichten erwähnen nicht, dass den Leuten die Haut
sich wegen des dauernden Aufenthalts in der Sonne abpellt,
dass ihnen trinkbares Wasser und Wasser zum Baden fehlt.
Wie soll ich die Auswirkungen des Streiks der öffentlichen
Angestellten beschreiben, darunter die der Müllabfuhr,
nämlich dass der Müll seit zwei Wochen nicht mehr
eingesammelt wird und Fliegen, Kakerlaken und Ratten in den
Straßen und unseren Wohnungen rumlaufen? Wir müssen alles
im Kühlschrank halten, auch Zucker, wegen der Ratten. Nicht
einmal Rattengift gibt es mehr in Gaza. Wie kann ich
beschreiben, wie den Apotheken bestimmte Medikamente
ausgegangen sind, was man ja gar nicht richtig würdigen kann
bis man zusehen muss, wie der Onkel im Bett liegt und nach
Atem ringt weil ihm seine Herzmedizin fehlt, oder das
6-monatige Baby des Nachbarn ins Krankenhaus muss wegen
eines normalerweise behandelbaren Durchfalls?
Und Gott helfe denen, die keine Flüchtlinge sind, Gazaner
die auch vor 1948 dort lebten. Den Flüchtlingen stehen
zumindest Nahrung und medizinische Hilfe der UNRWA zu -
Nicht-Flüchtlingen nicht. Stattdessen müssen sie sich auf
die Regierung verlassen, und da die staatlichen
Krankenhäuser geschlossen sind deswegen viele überhaupt
keinen Zugang zu medizinischer Hilfe haben. So sitzen
Frauen mit ihren Kindern am Tor der staatlichen Kliniken und
hoffen dass die Ärzte heute beschließen werden zu kommen aus
der Liebe ihrer Herzen, da auch sie seit dem vorigen Jahr
nicht bezahlt wurden.
Oder aber, wie soll ich erklären dass die Regierung von
Präsident Mahmoud Abbas sich weigert, alle Dokumente aus
Gaza anzuerkennen, inklusive Pässe, Führerscheine und
Diplome? Vor wenigen Tagen haben 1000 StudentInnen ihren
Abschluss von den zwei Universitäten in Gaza gemacht, ihre
Diplome werden aber international nicht anerkannt und nicht
einmal im eigenen Land, dem Rest des besetzten Palästinas.
Abbas stellt sich auf die Seite Israels und der USA und
verkauft Gaza und das palästinensische Volk für seinen
eigenen politischen Profit. Er hat persönlich angeordnet,
dass der Rafah Grenzübergang geschlossen bleiben soll, trotz
des Aufschreis von 4000 PalästinenserInnen, und damit Gaza
vom restlichen Palästina abgeschnitten bleibt. Er ignoriert
die Menschen die er behauptet zu repräsentieren.
Den Menschen hier ist das Geld ausgegangen. Auch wenn sie
Grundnahrungsmittel haben, haben sie kein Geld für Kleider
oder Schulsachen für ihre Kinder oder Schulgeld oder Miete.
Sie haben keine Arbeit und kein Geld und so gehen sie hin
und her zum Strand weil es nichts zu tun gibt in Gaza.
Den Gazanern wird jedes Menschenrecht vorenthalten - das
Recht frei zu leben, nicht unter Besatzung, ohne Furcht; das
Recht auf Bildung; das Recht zu arbeiten und ihre Familien
zu ernähren; selbst das Recht über sich und ihr Leben zu
bestimmen. Währenddessen werden Beit Hanoun und Beit Lahiya
weggebaggert und wir werden durch die Panzer die an unsern
Grenzen sitzen und den F-16 die unseren Himmel durchfliegen
terrorisiert. Wie kann ich die Flieger beschreiben die zu
jeglicher Nachtzeit tieffleigen um unsere Kinder zu
erschrecken, die dann die ganze Nacht schreien?
Alles ist den Menschen von Gaza weggenommen worden, bis
dahen, dass ein junger Mann, der als Taxifahrer arbeiten
will weil es keine andere Arbeit gibt, nicht einmal eine
Lizenz erhalten kann, weil sie nicht mehr in Gaza
ausgestellt werden können. US Außenministerin Condoleeza
Rice traf sich mit den selbsternannten palästinensischen
Führern, hat aber den abgesetzten Premier Israeli Haniyeh
oder Hamas nicht in die Verandlungen einbezogen. Gazaner
waren nicht repräsentiert oder einbezogen in die
Verhandlungen. Wir hatten keine Stimme. Unsere Bedürfnisse
werden nicht gehört, nicht mal in Betracht gezogen. Wir
konnten uns nicht mal auf unseren Präsidenten verlassen, uns
das Recht der Repräsentanz zu gewähren. So frage ich Abbas,
Rice, Fayyad, Bush, Blair und den Rest der Welt:
Was ist mit den 1,4 millionen PalästinenserInnen in Gaza?
/Yassmin Moor ist eine Palästinensisch-AmerikanerIn, die aus
Rafah schreibt. Sie arbeitet zur Zeit daran, ein
Gartenprojekt zu organisieren, durch eine Organisation die
sie mit gegründet hat , Save Gaza. Sie ist zu erreichen
unter
yasminemoor@gmail.com
Die Organisation und Hilfsmöglichkeiten sind zu finden unter
http;//savegaza.org
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/Gruß,
Anka |