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ief-aus-Israel]


 

 From: "Angelika Schneider" <anka.sch(at)gmx.net To: <Brief-aus-Israel(at)yahoogroups.de Subject: [Brief-aus-Israel] Aktuelles aus den besetzten Gebieten  

 

Brief aus Israel 10.10.06
 

Liebe FreundInnen,

vor ein paar Tagen wurde in Bremen ein Film gezeigt, der den Titel trägt "Die eiserne Mauer" - eine Anspielung an den Satz des Dichters und wichtigsten "Vater des Zionismus", Wladimir Jabotinsky, der gesagt hat, die Errichtung eines jüdischen Staates in Palestina würde nur im Schutze einer "eisernen Mauer" möglich sein. Diese Feststellung macht der Staat Israel nun in Beton wahr. Obwohl mir die Tatsachen nicht neu waren, war ich zutiefst erschüttert: zum ersten Mal konnte ich jüdische Siedlungen aus der Luft in ihrer "ganzen Pracht" sehen - grüne Bäume, in sanften Kurven verlaufende Straßen, hübsche Einfamilien- und Reihenhäuser, Kinder, die sich in einem großen Schwimmbad tümmeln, während in den besetzten Gebieten außerste Wasserknappheit herrscht. Und Szenen der Gewalt - ein älterer Mann, der sich auf den Boden wirft und "Meine Mutter, meine Mutter" schreit während junge Soldaten in aller Ruhe seine Olivenbäume mit der Kettensäge zerkleinern; junge Siedlermädchen, die sich daran beteiligen, einen Kameramann zu bedrängen und zu versuchen, ihm die schwere Filmkamera zu entreißen. Alles Dinge, die in Worten viel nüchterner klingen, und die ich wohl auch nächste Woche nicht zu sehen bekommen werde. Dafür aber hautnah die persönlichen Erfahrungen der Menschen, die in dieser Situation um ihr Überleben kämpfen...

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In Toronto hat am Wochenende eine Konferenz stattgefunden zum Thema Boykott der israeli Apartheid.

Ferner hat Ilan Pappe, Politikwissenschaftler von der Universität Haifa erneut aufgerufen nach einem akademischen Boykott israelischer Universitäten.

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In Tel Aviv hat eine Gruppe Frauen Oliven geerntet auf einem zentralen Platz der Stadt. Große, fruchttragende Olivenbäume - angeblich "ordnungsgemäß gekauft", sicherlich aber nicht von ihren rechtmäßigen Besitzern - begrünen immer mehr israelische Städt. Ordnungshüter versuchten sie zu vertreiben, obwohl sie keinen triftigeren Grund als Verschmutzung der Straße anführen konnten. Die Frauen erwiderten freundlich "keine Sorge, wir haben Besen dabei. Es wird alles blitzsauber zurückgelassen" und setzten die Arbeit fort.

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Nach dem jüngsten Bericht sind in diesem Jahr bisher Genehmigungen für den Bau von 952 Wohneinheiten erteilt worden - viermal soviel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Generell ist der Häuser- und Straßenbau überall beschleunigt worden.

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Seit der Festnahme von Gilat Shalit wind 300 Menschen in Gaza umgebracht worden, viele von ihnen Kinder. Darüber war in den Nachrichten nichts zu sehen/lesen. Im Moment wo verzweifelte junge Menschen in Gaza anfangen, gegeneinander zu kämpfen, wird es plötzlich breit in der Tagesschau gezeigt. Woher dieser Doppelstandard? Wer schaltet die Medien in diesem Land?

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Ein Bericht von einer ISM Mitarbeiterin: Eine Familie in der Westbank bat um Schutz, um ihre Oliven zu ernten, da sie im Vorjahr von Siedlern angegriffen worden seien. Sie wollten jetzt - verfrüht - anfangen, trotz der Belastung, während Ramadan ohne zu trinken die Hitze des Tages zu ertragen, weil man in vergangenen Jahren häufig Oliven vor der Ernte gestohlen hatte. Alle Beteiligten trafen sich am Huwarra Checkpoint, Nablus, um 6 Uhr früh. Nach 3-4 Stunden Arbeit kamen Soldaten und sagten, sie hätten vorher um Erlaubnis ersuchen müssen, jetzt müssten sie erstmal aufhören. Ihnen wurde erwidert, die Familie habe das Recht, die Oliven auf dem eigenen Land zu ernten, das Oberste Gericht habe vor kurzem geurteilt, dass alle Bauern Zugang zu ihrem Land zu gewähren sei und das die Armee sie vor den Siedlern zu schützen habe. Ein Soldat sagte, "nein, ich schütze immer den Juden". Die Freiwilligen fingen an, Menschenrechtsorganisationen, das Rote Kreuz und den DCO (District Commanding Officer) anzurufen.

Während dessen bestanden die Soldaten darauf, dass die Familie sich entfernte. Sie packten also die geernteten Oliven und zogen sich zurück. Als die Freiwilligen fragten, warum sie so schnell nachgegeben hatten, erzählte der Bauer, dass einmal, als er angefangen hatte, mit einem Siedler zu kämpfen während der Ernte, kamen Soldaten eine Woche lang jede Nacht um 2 Uhr in sein Haus. Zwei Stunden später wurde mitgeteilt, die Familie brauche keine Erlaubnis und könne morgen weiter arbeiten. Der DCO entschuldigte sich sogar. Aber ein halber Tag war verloren, und wer weiß, wie die Soldaten am nächsten Tag reagieren würden?

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Ich wünsche eine schöne Woche,

Anka

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