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ief-aus-Israel]


 

 From: "Angelika Schneider" <anka.sch(at)gmx.net To: <Brief-aus-Israel(at)yahoogroups.de Subject: [Brief-aus-Israel] Aktuelles aus den besetzten Gebieten  

 

Brief aus Israel 12.12.05
 

Zwar weit weg von Palästina, aber nahe in seiner Auswirkung: die Demokratische Partei in USA hat bei seinem nationalen Parteitag alle Schritte in Richtung auf Boykott oder Disinvestment gegen Israel verurteilt. Die Resolution hat betont, "dass Israel weiterhin ein naher strategischer Verbündeter der USA bleibt und zu loben ist für den mutigen und erfolgreichen Rückzug aus Gaza unter schmerzhaften Opfern".

Druck aus USA, immer wieder hervorgehoben als das einzige Mittel, das Israel zu einem wirklichen Frieden bewegen kann, ist weiterhin von keiner Seite zu erwarten.

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Gideon Levy schreibt über ein Ereignis, bei dem einem die Haare zu Berge stehen: ein 12jähriger Junge, der an Epilepsie leidet, wird mitten in der Nacht von einem riesigen, kräftigen Kampfhund, wie sie von der israelischen Armee in der Suche nach 'Terroristen' häufig eingesetzt werden, für einen solchen gehalten. Der Hund versenkt seine Zähne im Bein des aus dem Schlaf gerissenen Jungen und schleppt ihn die Treppe runter auf die Straße. Seine Mutter versucht vergeblich, den Hund zu vertreiben - sie kann lediglich den Kopf des Jungen halten, damit er nicht auf jeder der 20 Stufen aufschlägt. "Ich habe mehr als einen Palästinenser sagen gehört, dass Männer zwischen 18 und 28 entweder im Gefängnis, verletzt oder Tod sind. Es ist eine Übertreibung, aber keine sehr große. ... Das Überraschende ist nicht, dass einige es tun, sondern dass so viele Palästinenser an die gewaltfreie Opposition gegen die Besatzung.

Ein Armeesprecher erläutert: "Während einer Operation ... wurde ein Hund geschickt, den gesuchten Man zu finden. Der Hund ging durch das Gebäude und fand auf dem Weg nach draußen eine halboffene Tür. Er ging in ein Nebengebäude, wo der Junge war. Der Junge wurde leicht an der Hüfte verletzt und erhielt erste Hilfe durch die Soldaten. Die IDF bedauert die Verletzung de Jungen. Es muss bemerkt werden, dass Hunde der Armee sich an Tausende von Operationen beteiligt haben und dies nur der dritte Fall ist, in dem eine unschuldige Person gebissen wurde."

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Die seit vielen Jahrhunderten von Bedouinen im Negev bewohnten  Dörfer sind von Israel nicht anerkannt und erhalten daher keinerlei Infrastruktur, weder Strom noch Wasser, Straßen noch Schulen. Ein kleines Mädchen in einem Dorf leidet an einem Krebstumor und erhält Chemotherapie. Wie allgemein bekannt ist, setzte die Chemotherapie das Immunsystem außer Gefecht, so dass jede Infektion tödlich sein kann.

Die täglich notwendigen Injektionen werden in Eiswürfeln kühl gehalten. Aber trotz der Bemühungen von Ärzten und Krankenhaus um einen Stromanschluss für die Familie, damit eine Klimaanlage die Luft einigermaßen rein halten kann, bleibt die Regierung, bis hin zum Obersten Gericht, stur. Die israelische Regierung sagt schlicht, die Familie kann doch wegziehen - der ganze Sinn des Vorenthaltens der Infrastruktur ist, die Beduinen (israelische Staatsbürger!) dazu zu zwingen, ihre Heimat und Lebensweise aufzugeben und in von Israel gegründete Orte zu ziehen. Als die Familie sich schließlich, um das Leben der Tochter nicht aufs Spiel zu setzen, beschließt umzuziehen, ist keine Wohnung zu finden, auch nicht für den als Arzt gut verdienenden Vater des Mädchens. Ein Grundstück zu kaufen und die Genehmigung zu erhalten, ein Haus zu bauen, würden mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen. Und ein Psychologe, der das Kind untersucht hat, betont, dass es seine ganze Kraft braucht um mit der Krankheit fertig zu werden. Die Strapazen eines Umzugs und der Orientierung in fremder Umgebung, weit weg von der Großfamilie, die die anderen 5 Kinder versorgt, wenn die Mutter mit der Kleinen ins Krankenhaus fährt, würde die Heilung gefährden - "Das Kind braucht all seine Kräfte für den Kampf gegen die Krankheit."

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Die Mauer um Bethlehem ist nun fertiggestellt und schneidet die Stadt völlig von der Umgebung ab. Touristen werden in großen Bussen durch ein Eingang geschleust, können die heiligen Stätten besuchen und fahren direkt wieder hinaus - in der eingemauerten Stadt kann keiner mehr vom Tourismus leben.

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In Kafr Qara, in Israel, gibt es eine Grundschule mit 90 jüdischen und 90 arabischen Kindern, die dritte ihrer Art und die erste in einem Arabischen Ort. Die Kinder lernen in beiden Sprachen und es ist in jedem Klassenzimmer eine jüdische und eine arabische Lehrkraft. Ein Dokumentarfilm für das israelische Fernsehen soll das Leben in der Schule zeigen. Im dritten Schuljahr wird von der Landnahme durch die Juden gesprochen. Die israelische Lehrerin erklärt dass im Jahr 1947 die Juden erklärten, dass sie einen Staat in Israel bilden würden. Die Araber waren nicht einverstanden und es gab ..." "Krieg," rufen die Kinder. "Viele arabische Dörfer wurden verlassen."

Die arabische Lehrerin unterbricht, "Vernichtet, nicht verlassen." Sie erklärt dass viele BewohnerInnen der arabischen Dörfer in Lastwagen zur Grenze gefahren und ausgewiesen wurden.

"Also," fährt die jüdische Lehrerin weiter, ist der Unabhängigkeitstag für die Juden ein glücklicher Tag ..., aber für die Palästinenser ist es ein trauriger Tag, weil sie dies Land verloren haben." Der Schulleiter liest den Kindern eine Erklärung: "Wir wollten keinen Krieg. Wir wollten nicht dass Leute verletzt und getötet wurden. Wir wollten alle ruhig leben, in Frieden und Freiheit in diesem schönen Land. Dann singen beide Gruppen patriotische Lieder.

Dann spricht die arabische Lehrerin über Land Day: der Staat hat ein Gesetz gemacht, dass man jemandem eine Brief schreiben konnte und ihm sein Land wegnehmen. "Können Araber den Juden Land wegnehmen?" Die Kinder, "Nein." "Ich habe eine Aufgabe für euch. Schreibt einen Brief an die, die für den Land Day oder für die Enteignung von Land verantwortlich sind." Die jüdische Lehrerin sieht unglücklich aus.

Nachdem einige Kinder ihre Beiträge vorgelesen haben, fragt sie, "Fühlt sich irgendjemand schuldig oder traurig, dass das Land den Arabern weggenommen wurde?" Einige Hände gehen hoch. Ein Mädchen sagt, "Ich fühle mich nicht persönlich schuldig, aber ich bin Teil des jüdischen Volkes und ich schäme mich, dass es etwas getan hat, das ich nicht gut finde." [So klar können Kinderaugen sehen!] Nach mehreren ähnlichen Beiträgen sagt die Lehrerin: "Es gibt keinen Grund, sich schuldig zu fühle. Schaut mal, wenn es Krieg gibt zwischen Nationen und eine Nation gewinnt, dann fängt es an zu regieren. Vielleicht ist das traurig für die, die verloren haben, aber so ist es halt."

Eine Mutter kommt in dem Film zu Wort: "Ich will nicht dass die Kinder in der Schule mit dem Gefühl leben, dass wir uns entschuldigen müssen weil wir hier sind, weil wir Juden sind, weil wir eine Armee haben. Nein. Die Wirklichkeit ist nicht fair... Was dann? Ich lehre meine Kinder dass wir mit "fair" nicht weit kommen werden."

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Die BewohnerInnen des Dorfes Aboud haben zum dritten Mal gewaltfrei gegen den Mauerbau demonstriert. Sie gingen friedlich auf die Soldaten zu, die sie nicht aufhielten, bis sie an eine Barriere aus Natodraht kamen. Binnen 10 Minuten fingen sie dann an, die Menschen mit Knallgranaten, 'Gummikugeln' (mit Stahlkern, aus nächster Nähe abgefeuert) und Schlagstöcken anzugreifen. Etliche wurden verletzt und die Menge stieb auseinander, blieb aber noch einige Stunden auf dem Gelände, m ihren Protest zu untermauern. Ein ISM Mitarbeiter bezeugt die Verletzung von Israelis, Internationale und Journalisten durch Soldaten und Polizei, die Festnahme von zwei Israelis und dass keine Steine geworfen wurden.

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Der schottische Menschenrechtsaktivist Andrew MacDonald ist seit 10 Tagen in Haft und verweigert die Deportation. Ihm wird jetzt mit Drogen gedroht. Die Armee und Polizei versuchen, alle Menschenrechtsaktivisten aus Tel Rumeida in Hebron festzunehmen, die sich darum Bemühen, die palästinensischen Bewohner vor Siedlerangriffen zu schützen. Andrew, der eigentlich Muncie mit Nachnahmen heißt, wurde bereits im August 2003 abgeschoben, konnte aber mit einem neuen Pass und verändertem Namen wieder einreisen. Die israelische Botschaft in London hatte kein Kommentar.

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Ferner wird von Ausschreitungen berichtet anlässlich eines jüdischen Fest in Tel Rumeida, zur Erinnerung an das Begräbnis von Sara durch ihren Mann Abraham. Etwa 3000 Siedler und andere Israelis kamen nach Hebron um ihre Unterstützung für die "Pioniere von Hebron" auszudrücken. Am Nachmittag haben einige fanatische Siedler einen Straßenkampf begonnen, bei dem die Palästinenser mit Steinen beworfen, geprügelt und getreten und, wie immer, aufs übelste beschimpft und mit Todesdrohungen bedacht wurden, während die Polizei tatenlos zuschaute und andere Israelis applaudierten und lachten.

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Ein Menschenrechtsaktivist wurde festgenommen, als er Soldaten fragte, warum sie einen palästinensischen Fußweg mit Stacheldraht blockiert hätten, der vor 4 Monaten durch Order eine israelischen Gerichts geöffnet worden war. Die Soldaten griffen die Aktivisten körperlich an, nahmen ihre Pässe und Videogeräte, mit denen sie illegale Übergriffe der Soldaten an dem Weg dokumentierten. Die Aktivisten riefen die Polizei, die den einen prompt festnahmen. Der anderen gelang es, später die Videogeräte, mit gelöschtem Film, wiederzubekommen.

Gruß, Anka

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