"... Erschüttert war ich heute morgen in der Kirche
als die Pastorin für die Menschen in Israel und Libanon betete. Als
ich sie hinterher fragte, wie es möglich war, dass sie Palästina
ausgelassen habe schaute sie mich entgeistert an und sagte sie wisse
es nicht. Aber ich weiß es. Die Angriffe auf Gaza gehen völlig
unbemerkt weiter seitdem die Kämpfe in Libanon angefangen haben. Und
die einhellige Meinung westlicher Politiker scheint zu sein, dass
Israel ein Recht habe, sich zu verteidigen. Die Palästinenser
natürlich nicht, das versteht sich von selbst - sie sind ja
Terroristen.Gila Svirski von New Profile drückt es so aus:Die
Besatzung - Vergisses!
Welch ein Glück - 10 Tage bevor der Krieg im Libanon ausbricht,
kaufen wir eine Wohnung in Nahariya. Wir hatten schon ein Jahr lang
gesucht. Wir fuhren nach Zypern um die wunderschönen neuen
Siedlungen an der Nordkuste anzusehen - die sind ein Schnäppchen,
wenn es dir egal ist, in einem besetzten Territorium zu leben. Wir
dachten an Mauritius, aber die Ersparnisse würden von den Flugkosten
aufgefressen. So entschieden wir uns schließlich für eine Wohnung im
Bau im hübschesten Ort an der Mittelmeerküste Israels - gerade 5 km
südlich der libanesischen Grenze.""
Wir suchten einen Meeresblick. Wäre unser Balkon schon fertig,
hätten wir zuschauen können, wie die israelische Marine sich an der
Küste erstreckt um Libanon zu belagern. Wir wollten nahe beim
Kibbutz Sa'ar sein, wo eine meiner Töchter lebt, wenn sie sich nicht
gerade an sichere Orte südlich evakuiert. Und wir wollten weg kommen
vom turbulenten Jerusalem, lange ruhige Wochenenden und später einen
angenehmen Ruhestand genießen. Einige Dutzend Raketen fielen auf den
Kibbutz und unsere ruhige Gegend an diesem Wochenende.
Wenn ich den Medien, meinen NachbarInnen, dem Tankwart zuhöre,
wundert mich ihr Mangel an Verständnis: "Wir verlassen Gaza, sie
schießen Raketen von dort auf uns. Wir verlassen Libanon, sie
entführen unsere Jungs. Wie können sie erwarten, dass wir die
Westbank verlassen?
Vergisses!"
Diese Ansichten der meisten Israelis heute können mich nur mit
Ehrfurcht erfüllen darüber, wie die Groß Lüge funktioniert. Oft
genug, öffentlich genug von politischen und religiösen Führern
wiederholt, fängt das ganze Land/die ganze WElt an, zu glauben dass
Israel unschuldig an allem Unrecht ist und dass diese Angriffe aus
einem politischen Vakuum entspringen.
Als gäbe es keine Besatzung. Als gäbe es keine Belagerung Gazas.
Als gäbe es keine 39 Jahre (wir zählen weiter) militärischer und
politischer Unterdrückung mit all dem Töten, Verstümmeln, Zerstörung
von Wohnungen und Lebensunterhalt die sie mit sich bringt. Was ist
es an "einem Ende der Besatzung" das sie nicht verstehen?
Nein, ich rechtfertige keine Kassamraketen oder Katyusharaketen
auf israelische Städte abgeschossen oder die Entführung von
irgendwem (auch nicht Soldaten in Panzern). Ich rechtfertige keine
Angriffe durch Raketen oder Selbstmordattentätter oder
ferngesteuertem Apparat.
Ich rechtfertige auch nicht das endlose Beschießen von Gaza und
Libanon - von Land, See und Luft - aus irgendeinem Grund, geschweige
denn für Zwecke die mehr mit Posieren und mit der internen
öffentlichen Meinung zu tun haben als damit, irgendein politisches
Ziel zu erreichen. "Wie hätten wir nicht reagieren können, wenn sie
unsere Soldaten töten und entführen?" Fragt Yuli Tamir, unser
Bildungsminister (um Himmels willen!) und ein früherer Aktivist von
Peace Now. Als ob die Schießerei mit Sicherheit die Hisbollah
bereuen lassen und unsere Jungs nach Hause bringen werden.
Also, wie es bei Kriegen üblich ist, haben wir eine Allianz der
chauvinistischen Entscheidungsträger beider Seiten, die den
Patriotismus anfachen während sie dem Kämpfen zuschauen am
Bildschirm in Bunkern tief in der Erde. In Israel begeistert dieser
Krieg den rechten Flügel. Die Eskalation hält den militärischen
Zugang zur Problemlösung aufrecht, diskreditiert die Meinung, dass
Israel die besetzten Gebiete verlassen muss und distanziert die
gegenwärtige Kriegsführung von seinen Wurzeln in der Besatzung. Was
ist an diesem Krieg nicht liebenswert?
Wie in Israel üblich, verstärken ein paar zänkische
Friedensorganisation - die Koalition der Frauen für den Frieden,
Gush Shalom, Ta'ayush und ein paar andere - ihre Gegenwart auf den
Straßen. Bei den Frauen in Schwarz am letzten Freitag trugen wir
unsere üblichen "Ein Ende der Besatzung" Schilder und verstärkten
sie mit Plakaten "Stoppt das Töten - Verhandelt!". Aber wenn die
Kanonen brüllen, tun es auch die Passanten, und es waren ein Dutzend
Polizisten zugegen um alles, das schlimmer wäre als Worte und Gesten
zu unterbinden.
Es kommt ein Tag, an dem diese kleine Ecke des Mittelmeers wieder
Segelboote und Wasserskier tragen wird, und ich freue mich auf diese
Ansicht vom Balkon. Ich halte es immer noch für eine gute
Investition.
Shalom/Salaam aus Jerusalem.
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Die einzige Regierung, die offen ist für eine Debatte über die
Frage, die diplomatische Verbindung zu Israel zu kappen, scheint
Südafrika zu sein. Jedenfalls laut eines Ministers, der einen Appell
von moslemischen Gruppen und Gewerkschaften in diesem Sinn
kommentierte.
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(...)
Gruß, anka