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From:
"Angelika Schneider" <anka.sch(at)gmx.net
To: <Brief-aus-Israel(at)yahoogroups.de
Subject: [Brief-aus-Israel] Aktuelles aus
den besetzten Gebieten
"Brief aus Israel" vom 18.02.05
Liebe Leute,
tatsächlich scheint Mahmoud Abbas es meisterhaft zu verstehen,
eine
Sprache zu sprechen, die es ermöglicht, keine Faktion zu
verprellen. Er
betont und begrüßt stets die positive Seite der Entwicklungen,
ohne sich
auf irgendeine Position so fest einzulassen, das es ein anderer
als
Opposition verstehen könnte.
Ich versuche, die wichtigsten punkte
aus
einem Interview, das am 14. Feb in der NY Times erschienen ist,
zusammenzufassen, bzw. herauszupicken:
- Ariel Sharon spreche jetzt "eine andere Sprache" den
Palästinensern
gegenüber und erkennt den Druck an, dem Sharon von der Rechten
ausgesetzt ist.
- Mit Stolz erwähnt er die Einwilligen von Hamas und Jihad in die
Waffenruhe: "Ich glaube, wir beginnen eine neue Ära."
- Die Erklärung ihrer Bereitschaft, sich an den Wahlen einer
Legislative
im Juli zu beteiligen, zeigt, dass Hamas dabei sei, sich in eine
Partei
zu verwandeln.
- Er habe neun obere Polizeibeamte gefeuert und würde weitere
feuern,
wenn sie noch nicht eingesehen haben, dass sie die Waffenruhe
durchsetzten müssten.
- Oberste Priorität ist die Freilassung von Gefangenen als Maß
der
Entspannung in der Westbank und Gaza.
- Jegliche Form eines souveränen Palästinenserstaates innerhalb
vorläufiger Grenzen lehnte er ab.
- Die Amerikaner äußerten sich "auf hilfreiche Weise" und er
hoffe sie
würden die versprochene politische und wirtschaftliche Hilfe auch
bringen.
- Er hoffe auf baldigen Fortschritt in der Implementierung der Roadmap
und einem Prozess, der zur Lösung der schwierigsten Fragen führen
würden: endgültige Grenzen, Flüchtlinge, Jerusalem und einen
demokratischen Palästinenserstaat.
- Sharon habe auch von der Beendigung der Besatzung gesprochen,
so sei
er "bei allem positiv gewesen, nun wollen wir die Implementierung
sehen." Der Rückzug aus Gaza sei ein erster Schritt, es müssten
aber
bald weitere folgen.
- Er habe Sharon deutlich gesagt, dass Verhandlungen direkt zu
einer
endgültigen Lösung führen müssten. Gefragt, wie Sharon reagiert
habe,
lachte er und sagte, "Er hat nicht geantwortet, aber wir werden
weiter
darüber reden. Vielleicht gefiel es ihm nicht. Wir müssen es bei
den
weiteren Verhandlungen immer wieder vorbringen.
- Er betonte die Notwendigkeit von baldigen, spürbaren
Veränderungen für
die Palästinenser: "Sie brauchen Arbeit, Essen und Sicherheit."
- Er sei überrascht dass die bewaffneten Kämpfer, viele von
Israel
gesucht, seine Kandidatur unterstützt hätten. "Alle Flüchtigen
aus
allen Faktionen sind zu mir gekommen und haben gesagt, 'Wir sind
für
dich. Du warst bei uns und wir wollen dass du unsere Probleme
löst.'
Sie wollen Stellen bei den Sicherheitskräften der
Palästinenserautorität
und sicher sein vor Mord durch Israel. Ich habe es ihnen
versprochen,
und nun ist es verwirklicht."
- Ob die Intifada der letzten 4 Jahre ein Fehler gewesen sei? Es
war
kein Fehler, aber jeder Krieg muss ein Ende haben, indem man sich
um
einen Tisch setzt und redet.
- Gefragt, ob hamas und Jihad die gleichen Ziele verfolge wie er,
meinte
er, natürlich nicht, sie wollen an die Macht. Dafür werden sie an
Wahlen teilnehmen. Und das sei ihr Recht, es ist die Konkurrenz
der
Demokratie. Der Erfolg von Hamas bei den lokalen Wahlen sei "eine
gute
Lektion für Fatah, ihre Position zu erkennen und sich auf die
Parlamentswahl im Juli vorzubereiten". Die Demokratie würde
helfen,
die Radikalen zu zähmen.
-Ob Hamas ihr Ziel, Israel zu eliminieren, nicht wieder
aufgreifen
werden? "Ob sie [die Anerkennung Israels] als eine Phase sehen
oder
nicht, werden sie einen israelischen Staat in den Grenzen von
1967
akzeptieren, das sagen sie. "Für mich ist es nicht eine Phase;
für sie
ist es eine Phase - o.k."
- Selbst Flüchtling, wird er auf das Recht palästinensischer
Flüchtlinge, unter der UNO Resolution 194 aus 1948,
zurückzukehren oder
Kompensation zu erhalten, bestehen. Aber er sagt, er sei bereit
diese
Frage, wie alle anderen, zu verhandeln. "Ich finde nicht, das die
Israelis das Recht haben, zu sagen 'Darüber reden wir nicht.' Wir
werden sie bitten, die Resolution zu besprechen und wenn wir eine
Einigung erzielen, werden wir diese akzeptieren."
In der gleichen Mail schickt Dorothy einen Artikel von Pat
O'Conner, ein
ISM Freiwilliger, der 14 Tage vorher festgenommen sei wegen der
Organisation und Teilnahme an "illegalen Demonstrationen".
Die israelischen Behörden verwenden oft den Ausdruck "illegale
Demonstrationen" für friedlichen Protest gegen die Verletzung des
Völkerrechts durch die israelische Regierung. Diese verdrehte
Logik
muss man offen legen und zurückweisen.
Warum ist es "illegal" wenn Hunderde palästinensischer Männer,
Frauen
und Kinder friedlich marschieren um ihr Recht auf ihr Land zu
behaupten
gegen israelische Soldaten, die eine Mauer verteidigen, die durch
die
höchste Rechtsbehörde der Welt, den Internationalen Gerichtshofs,
für
illegal erklärt wurde? Warum ist es "illegal", wenn Gemeinden
versuchen, das Urteil des IGH durchzusetzen indem sie zusammen zu
ihren
Feldern gehen und versuchen, die Bulldozer friedlich anzuhalten?
Scheinbar glauben die Israelis, dass es legal sei, wenn
israelische
Soldaten palästinensische Männer Frauen und Kinder niederschlagen,
scharfe Munition und Tränengas gegen sie einsetzen... Dieser
Einsatz von
Gewalt ist "legal", obwohl der IGH die Mauer für illegal erklärt
hat.
Die israelische Regierung erklärt die Gewalt der Soldaten als
"palästinensische Zusammenstöße mit Sicherheitskräften", obwohl
das
israelische Militär stets die Gewalt initiiert und die
palästinensischen
Männer nur hin und wieder mit Steinen antworten.
Der ISM hat dokumentiert, dass 68 Aktivisten deportiert worden
sind,
mehr als 100 ist die Einreise verwehrt worden... Dafür bin ich in
Haft
und erwarte die Abschiebung. Ich wurde festgenommen nachdem ich
im Dorf Biddu Olivensetzlinge gepflanzt hatte, zusammen mit
Palästinensern
Israelis und Internationalen, auf der Strecke, die nun
ausgebaggert wird
für den Mauerbau...
Ausländer und Israelis predigen den Palästinensern ständig, dass
sie
gewaltfreie Methoden einsetzen müssten, um ihre Freiheit von der
Besatzung zu erreichen. Dieselben Menschen haben aber nichts
getan, um
sich gegen die Kriminalisierung dieser gewaltfreien Mittel zu
wenden....
Israelis sollten genau überlegen, ob sie Gesetze, die der Moral
widersprechen, akzeptieren können, und ob sie die Bemühungen
ihrer
Regierung, gewaltfreien Protest zu kriminalisieren unterschreiben
wollen.
(Pat O'Conner ist ein irisch-amerkanischer Freiwilliger bei der
ISM. Er
hat 11 Jahre humanitäre Hilfsprogramme in Afrika und dem nahen
Osten
koordiniert und war 3 Jahre im Gazastreifen.)
Und die Mail schließt mit einem Bericht über die "kafka'schen"
Erfahrungen eines Herrn Eid, der tatenlos zusehen muss, wie
Siedler
seine Mandel- und Zitrusbäume ausreißen, während ihm ohne Angabe
von
Gründen die Erlaubnis, auf sein eigenes Land zu gehen, verwehrt
wird.
Nach einem unglaublichen Hin und Her zwischen verschiedenen, weit
auseinander liegenden Behörden (vermutlich ist jeder Besuch eine
Tagesreise), konnte er schließlich eine Beschwerde bei der
Polizei in
der Siedlung Ariel eingeben. Ein Knessetmitglied hat daraufhin
bei der
Polizei angefragt, ob irgendetwas gemacht wurde, um den Raub des
Landes
und der Bäume zu beenden. Ihm wurde gesagt, "wir sind dran".
Während sie "dran" sind, macht der Siedler weiter bei dem
Entwurzeln der
Bäume und dem Einebnen seines Landes.
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