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From:
"Angelika Schneider" <anka.sch(at)gmx.net
To: <Brief-aus-Israel(at)yahoogroups.de
Subject: [Brief-aus-Israel] Aktuelles aus
den besetzten Gebieten
Liebe Leute,
teilweise wegen der USReise von Dorothy, teilweise wahrscheinlich
weil wir z.Zt. in den Nachrichten reichlich versorgt werden mit
Nachrichten aus Is/Pal, kommt wenig auf meinem Computer an. Dafür
kann ich die Zeit nehmen, die Stellungnahme eines jungen KDVler -
der erste, der seit längerer Zeit inhaftiert wurde, da die Regierung
es offensichtlich zu vermeiden versucht, vermutlich um nicht durch
die Öffentlichkeit noch mehr Verweigerungen zu provozieren - voll zu
übersetzen. Er sitzt vermutlich - zum zweiten Mal - 28 Tage in Haft,
und weitere Verurteilungen sind ihm bereits vom hilfreichen Richter
vorangekündigt, weil er erst nach Antreten des Militärdienstes
verweigert hat. Aus solchen Zeugnissen junger Leute erwächst immer
wieder Hoffnung für unseren Planeten. Er schreibt:
Brief eines Kriegsdienstverweigerers -
03.03.05
Die Schritte, die meine Entlassung aus
der Armee hätten bewirken können, sind erschöpft. Obwohl ich meine
Absichten deutlich gemacht habe und ihre Aufrichtigkeit bewiesen,
ist mein Anrecht auf Entlassung nicht anerkannt worden. Das einzige,
das mir bleibt, ist, Befehle zu verweigern und Zeit im Gefängnis zu
verbingen, bis das militärische System einsieht, dass es
unvernünftig ist, meine Gefangenschaft zu verlängern. Ich glaube,
dass in jeder Person das Potential erhalten ist, ein Leben des
Friedens und der Liebe zu anderen und zu sich selbst zu leben; das
Potential, die grundliegende Identität zwischen sich und jedem
anderen Menschen zu verstehen - denn wir werden alle geboren, atmen
und sterben. Jeder Mensch hat das Potential zu verstehen, dass man
Teil eines riesigen, verbundenen Systems sind, all dessen
Komponenten im Wesentlichen gleich sind, und dass sie Offenbarungen
des Lebens sind. Ich sehe, wie wir von diesem Vertändnis weggezogen
werden durch Grenzen und Barrieren zwischen uns und 'dem anderen',
indem wir glauben dass wir anders sind als die anderen und ihnen
sogar feindschaftlich gegenüber stehen. Ich sehe wie die Menschheit
sich so verhält, dass diese Wahrnehmung sich immer mehr verfestigt.
Kriege und Grenzen zwischen Staaten, Entfremdung zwischen
Sozialklaasen, die Umwelt nur als Ressource betrachten, die ich für
den eigenen Nutzen ausbeuten soll - das sind einige der Anzeichen
dieser Wahrnehmung, und sie werden stärker. Heute gibt es keinen
Zweifel dass dieser Weg zur Zerstörung der menschlichen Spezies und
vielleicht der ganzen Welt führt. Massenvernichtungswaffen in den
Händen von tausender Menschen die bereit sind alles zu zerstören im
Namen dieser Wahrnehmung, ein zusammenbrechendes ökosystem, das wir
alle im Namen dieser Wahrnehmung konsumieren, führt uns zum sicheren
Tod. Gewalt wird von dieser Wahrnehmung genährt, die mich als anders
als den anderen erscheinen lässt. Die Bereitschaft, ein Geschöpf zu
schädigen, das mit einem selbst identisch ist, kann nur aus der
Verleugnung dieser grundliegenden Identität springen, und aus dem
Glauben dass es einen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden
gibt. So verschließt der Einsatz der Gewalt unsere Augen zur Sicht
des anderen und nährt dieses falsche und zerstörerische System.
Gewalt dehnt sich noch weiter aus. Ein Mensch, der Opfer von Gewalt
wurde, internalisiert diese und richtet sie gegen einen anderen.
Eine Person, die Gewalt eingesetzt hat, internalisiert die
Entfremdung von anderen und die Bereitschaft, Gewalt gegen ihn
einzusetzen. Der Einsatz von Gewalt bringt nur weitere Gewalt. Eine
Lösung für Gewalt kann nur aus der Gewaltfreiheit kommen. Nur die
völlige Ausrottung der Gewalt und ihr Ersatz durch ein Gefühl der
Gleichheit, durch Zuhören, Empathie und Liebe als die Mächte, die
meinen Geist bestimmen, können der Gewalt ein Ende bereiten und uns
erlauben in Frieden zu leben, uns und die anderen. Nur ein Versuch
das zu erfüllen, was offensichtlich der Erfüllung bedarf, nur die
Befreiung von der Wahnehmung, die einen Menschen gegen den anderen
stellt, kann uns umdrehen und uns vom Rand des Abgrundes
zurückführen. Im Namen dieses Glaubens habe ich beschlossen, mich
nicht der Armee anzuschließen. Ich liebe viele Menschen, meine
Familie, meine Freundin, meine Freunde .... meine Lehrer. Sie alle
haben mir beigebracht, alles zu lieben, mich selbst zu lieben, jeden
Menschen zu lieben.
Das ist alles was ich will. Das ist
meine ganze Aussage. Das ist der einzige Grund für das was ich tue.
Ich liebe euch alle sehr.
Yahel Avigur
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