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From:
"Angelika Schneider" <anka.sch(at)gmx.net
To: <Brief-aus-Israel(at)yahoogroups.de
Subject: [Brief-aus-Israel] Aktuelles aus
den besetzten Gebieten
Brief aus Israel
9.5.2005
Die Frauen in Schwarz veranstalten eine internationale Konferenz in Jerusalem
vom 12-16 August 2005. Auch ein Versuch, das Wunder zu bewirken, dass Reuven
Moskowitz als einzige Möglichkeit sieht, noch Gerechtigkeit für Palästina zu
bewirken. Info unter
www.caolitionofwomen.org.
Das thema eines Boykotts gegen israelische Produkte nimmt international immer
weiteren Raum ein. Das es schwierig ist, so etwas in Deutschland zu lancieren
("Kauf nicht bei Juden"), können wir uns durchaus einer internationalen Kampagne
anschließen. Infos auf stopthewall.org, nächstens auch auf deutsch.
Am 3. mai wurden zwei Jugendliche, die Cousins Jamal jaber, 15 und
Aday Mofeed, 14, durch gezielte Schüsse getötet. Sie waren durch die Gummigeschosse
schwer verwundet und verbluteten während der Krankenwagen am Checkpoint untersucht
wurde. Eine israelische Zeitung hat einen erschütternden Bericht von dem Soldat,
der die Schüsse abgefeuert hat, veröffentlicht. Er hält seine Handlungsweise für
notwendig und berechtigt - "Steinewerfer muss man erschießen" - obwohl er weiß,
dass die Mauer den Palästinensern ihr Land wegnimmt und dass sie unter extrem schwierigen
und ungerechten Bedingungen leben. Aber die Mauer muss sein, weil sie das Leben
von Juden schützt. Auch die sorgfältige Untersuchung des Krankenwagens, "nachdem
sie eine Qassamrakete in einem Krankenwagen versteckt haben. Am Anfang seines Berichts
schreibt er, "Ich werde nie wieder wie ein Lamm zur Schlachtbank gehen." und am
Ende, "Danach hab ich die TVberichte zum Holocaust Tag gesehen und war vollkommen
schockiert bis ich einschlief." Sah er sich wohl selbst als Holocaust opfer? Zum
Werfen von Steinen schreibt Dorothy, "Das erinnert mich an ein Erlebnis von dem
mir mein Schwiegervater erzählt hat. Im Jahr 1938 kam ein Photograph in den Park
"nur für Juden" in Wien. Er wollte 'typische' jüdische Kinder photographieren. Mein
blonder, blauäugiger Mann, damals 10, rannte in seiner Lederhose auf den Photographen
zu und rief, "Photographieren Sie mich!" So reagieren Kinder auf Unterdrückung und
Ungerechtigkeit - indem sie den Unterdrücker verspotten. Was sind den Steine für
die gut gerüsteten und geschützen Goliaths der IOF, die Tränengas und andere Methoden
einsetzen können um Menschenmengen zu vertreiben. Warum schießen? Warum töten? Warum
unterdrücken?"
Liebe Leute,
heute komme ich endlich dazu, Euch ueber die Leute von Quawiz zu berichten.
Quawiz erreicht man ueber Hebron, Jatta, Karmel und das letzte Stueck zu
Fuss, weil die letzten 3-4 Kilometer Strasse fuer Autos kaum noch zu
passieren ist . Quawiz liegt also sehr weit im Sueden von Palaestina und
nach Aussagen der Bewohner|innen soll es 1980 ca. 1000 Einwohner gehabt
haben. 1990 waren es dann noch 300 und bis vor kurzem keine mehr. Die
Einwohner wurden durch Siedler und die israelische Armee dazu gezwungen, ihr
Land zu verlassen. In unmittelbarer Naehe liegen zwei Aussenposten
israelischer Siedler und die Siedlung Suzia. Vor ca. zwei Monaten
beschlossen vier Brueder zusammen mit ihren Familien wiede! r auf ihr Land
zu gehen. Sie leben Bauern, haben vor allem Schafe und Ziegen, bauen
Getreide an, ernten die Mandeln ihrer Baeume. Sie zogen zurueck auf ihr
Land. Ein gefaehrliches Unterfangen, denn die Siedler in dieser Gegend sind
als besonders fanatisch und gewalttaetig bekannt und von Polizei und
Militaer ist keine Unterstuetzung zu erwarten, eher das Gegenteil. Seit zwei
Monaten leben abwechselnd immer 2 bis 3 Internationals der verschiedenen
Organisationen bei den Familien, um durch die Anwesenheit von Auslaendern
einen gewissen Schutz und eine Oeffentlichkeit sicher zu stellen. Bei
Attacken der Siedler versuchen die internationalen Aktivisten mit den
Siedlern zu sprechen, beobachten, filmen und fotografieren und rufen Polizei
und Militaer, die auf Anrufe von Auslaendern eher reagieren.
Uebergriffe auf die Bewohner von Quawiz finden regelmaessig statt, doch die
drei Tage, die ich mit den Familien verbringen durfte, hatten wir eine
wunderbare Ruhe. Die ca. 30 Men! schen leben dort ohne Strom, ohne
fliessendes Wasser, ohne Bad oder To ilette. Drei der Familien wohnen in
Hoehlen, die unter der Erde in den Stein gehauen wurden. Das Wasser wird
taeglich mit Eimern aus dem Brunnen geschoepft. Den Tagesablauf bestimmen
die Beduerfnisse der Tiere. Taeglich ziehen die Maenner und Jungens mit den
Herden ueber das Land. Die Frauen waschen Waesche in der Schuessel, backen
Brot im Steinofen in der Erde, melken die Tiere, gehen auf die Felder. Sie
arbeiten den ganzen Tag. Die Kinder gehen taeglich die 5 Kilometer bis zur
naechsten Schule, aber Zeit spielt hier keine Rolle. Fuer einen Tee mit sehr
viel Zucker und ein kleines Schwaetzchen reicht es immer.
Das Leben koennte so friedlich sein, wenn wir nicht immer Obacht geben
muessten. Die Siedler benutzen die sehr nahe liegende Siedlerstrasse und oft
kommen sie von dort. Also, ich weiss jetzt, was "Wache halten" ist.
Dieser gewaltlose Widerstand der vier Familien ist bewundernswert und mutig.
Ich hoffe von ganzem Herzen, dass er erfolgreich ist.
! Eure S.
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