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ief-aus-Israel]


 

 From: "Angelika Schneider" <anka.sch(at)gmx.net To: <Brief-aus-Israel(at)yahoogroups.de Subject: [Brief-aus-Israel] Aktuelles aus den besetzten Gebieten  

 

Brief aus Israel 20.9.05
 

Liebe Leute,

heute habe ich zwei recht ausführliche Berichte, der erste ist schon 10 Tage alt, die ich euch gerne zukommen lassen möchte, und zwar in voller Länge, wenn ichs zeitlich schaffe.

Der erste kommt von Joe Carr aus Hebron:

Die Tel Rumeide Gegend in Hebron ist ein besonderer Brennpunkt der Spannung zwischen PalästinenserInnen und israelischen Kolonisatoren. Etwa 40 israelische Soldaten schützen über 60 der rassistischsten und gewalttätigsten der israelischen Siedlern, die mehr als tausend PalästinenserInnen (deren Familien bereits seit Jahrhunderten in Tel Rumeida leben) zwingen, in was einem Gefängnis gleichkommt zu leben. Zäune, Mauern und Checkpoints blockieren jeden Eingan nach Tel Rumeida, und es gibt israelische Militärposten überall. Die Ausgangssperren machen jeden Handeln praktisch unmöglich und es ist schwierig für nicht-BewohnerInnen, ihre Freunde und Familien in Tel Rumeida zu besuchen. Viele Familien sind allein schon aus diesem Grund ausgezogen.

Noch ärgerlicher als die dauernden Bedingungen eines Gefangenenlagers sind die fanatischen Siedler, die regelmäßig ihre palästinensischen NachbarInnen belästigen und angreifen. Die PalästinenserInnen leben in einem Dauerzustand der Furcht vor Schlägen, Steinen, Raub und Bedrohung durch Gewehre aber sie weigern sich, sich von ihren Häusern vertreiben zu lassen, oder ihr Alltagsleben zerstören zu lassen.

Mehrere internationale AktivistInnen des Tel Rumeida Projekts leben dauern im Ort. Sie arbeiten mit Freiwilligen der ISM, des EAP (ÖRK Programm), Christian Peacemaker Teams und eine Anzahl israelischer Gruppen um zu begleiten, zu dokumentieren und physisch zu intervenieren um israelische Angriffe vorzubeugen und die Machthaber unter Druck zu setzen um PalästinenserInnen besser zu schützen und kriminelle Siedler strafrechtlich zu verfolgen. Israelische Soldaten und Siedler belästigen, bedrohen einschüchtern und steinigen die internationale und israelisch AktivistInnen regelmäßig, aber palästinensische Kinder sagen, dass sie sich jetzt sicherer fühlen, wenn sie im Freien spielen.

Noch ermutigender ist das Potential für fortschrittliche Veränderungen der Atmosphäre. Im Gegensatz zu anderen Begleitergruppen ist das Ziel des Tel Rumeida Projektes, die PalästinenserInnen zu unterstützen und zu stärken bei ihrem Widerstand gegen diese kolonialistische Unterdrückung.

Zum Beispiel: am vorigen Samstag erhielten wir einen Anruf, dass Siedler Kinder Steine gegen vorübergehende PalästinenserInnen warfen. Als wir ankamen fanden wir 5 9-13-jährige Siedlerjungen, die sich um den israelischen Mililitäposten rumtrieben. PalästinenserInnen kamen sofort aus ihren Häusern, um uns zu sagen, wie die Siedlerjungen gerade Steine auf sie geworfen hatten und die Soldaten dabei zugeschaut hatten. Die Jungen fingen an, mehr STeine zu werfen, manche von innerhalb des Militärpostens, und wir fingen an mit den Soldaten zu diskutieren, dass sie die PalästinenserInnen beschützen sollten (ein Teil ihrer Aufgabe). PalästinenserInnen brüllten die Siedler und die Soldaten an, dafür dass ihnen dieses angetan wurden, und die Israelis waren deutlich eingeschüchtert. Mehr Siedlerkinder kamen heraus und fingen an, mit Steinen zu werfen, so stellten wir uns vor die PalästinenserInnen. Ich wurde recht hart am Bein getroffen, aber die Soldaten fingen an, zu versuchen, die Siedlerjungen zu stoppen, was sie aber selbst zur Zielscheibe für die Stein machte. Die Situation eskalierte, aber unsere Gegenwart unterstützte die PalästinenserInnen beim Ausdruck ihres Entsetzens und hinderte die israelischen Soldaten daran, diesen Widerstand der PalästinenserInnen zu unterdrücken.

Die Cordova School ist eine palästinensische Mädchenschule und liegt einigen Siedlerwohnungen und einer Siedlerschule direkt gegenüber. Siedlerkinder belästigen häufig palästinensische Schülerinnen und Lehrerin nen beim Vorbeigehen. Gestern war der erste Schultag für die PalästinenserInnen, so brachten wir einen Team Internationaler und Medienleute, um die Kinder zu begleiten. Zwei israelische jeeps und ein Polizeijeep kamen kurz nach uns hinzu. Insgesamt gab es 25 Internationale, 12 Soldaten und 4 Polizisten, um etwa 100 palästinensische Mädels in die Schule zu bringen.

Nachmittags gab es weniger Internationale und Soldaten als die Mädchen nach Hause gingen, und die Siedler eskalierten ihre Angriffe. Sie warfen Steine und Eier aus Wohnungsfenstern, während andere Beleidigungen riefen und uns bedrohten. Die israelisch Polizei (dessen Aufgabe es ist, Siedler, die Gesetze brechen, festzunehmen) wurden auch zum Ziel der Siedlergewalt, machten aber keinen Versuch, sie zu verhindern. Wir patrouillierten in der Gegend den Rest des Tages und versuchten in allen Gebieten gegenwäretig zu sein, in denen Siedler und PalästinenserInnen zusammenkommen. "Wir sind wie menschliche Sicherheitskameras," bemerkte ein Aktivist, "wir lassen die Siedler nie außer Sicht bis wir wissen, dass ein/e andere/r Internationale sie sehen kann."

Kurz vor 14 Uhr mussten einige Internationale weg und wir gingen heraus, um ihre Ersatzleute zu treffen. Auf dem Weg zurück wurden wir an einem Tel Rumeida Checkpoint angehalten, der vor kurzem aufgemöbelt wurde. Wo früher ein grüner Turm mit Betonblockaden stand gibt es jetzt einen befestigten Angänger mit Metaldetektoren und electronischen Schiebetüren. Sie haben sogar versucht, ihn zu verschönern durch einen weißen Anstrich, wie der Stein der umgebeneden alten Häusern. Ein israelischer Soldat am Checkpoint sagte, sie würden keine Internationale mehr hineinlassen, die Organisationen angehören. "Nur TouristInnen und BewohnerInnen", sagte er. Wir versuchten zu erklären, dass wir BewohnerInnen sind und ein Haus in Tel Rumeida haben, aber, da er uns bei der Begleitarbeit und Dokumentation gesehen hatte, verweigerte er uns den Zugang. Um den Checkpoint zu umgehen mussten wir durch rückwärtige Gassen gehen, über eine Mauer steigen und unter Reben kriechen.

Während dieser Zeit profitierten eine Gruppe Siedler von unserer Abwesenheit und griffen mehrere PalästinenserInnen an. Wir fanden einen 13-jährigen palästinensischen Jungen mit Schnittwunden und Prellugen an den Armen und am Bauch. Er sagte etwa 20 Siedlerjungendliche hätten ihn umzingelt und mit Stöcken etwa 10 Minuten lang geschlagen. Andere Siedlerjungendliche warfen große Steine auf eine Gruppe PalästinenserInnen und verletzten eine ältere Frau am Bein. Wir begleiteten die PalästinenserInnen um Beschwerde einzulegen bei der Polizei und wurden dann fleißiger bei unseren Rundgängen.

Die Sache spitzte sich gegen 17Uhr zu als eine große Gruppe Siedlerkinder, manche mit Masken (von einem Hügel aus durch ihre Eltern und andere erwachsenen Siedler beobachtet) anfingen, große Steine und anderen Schutt gegen PalästinenserInnen, Internationale und israelische Soldaten in der Gegend. Eine Internationale wurde an der Hand verletzt als sie ihren Kopf vor einem scharfen Stein beschützte. Als die Polizei kam liefen die Siedler kurz auseinander aber kamen schnell wieder zusammen. Sie fingen an, die Polizei intensiv zu bewerfen, die nichts machten außer Videoaufnahmen, und im Schutz ihrer befestigten Jeeps blieben. Mehr Polizei kam und fuhr in den Siedlungsbereich und schließlich ergriff ein Polizist einen Siedlerjungen. Es gab einen kleinen Tumult, und Siedler griffen die Polizisten an.

Später am Abend berichteten PalästinenserInnen dass Siedlerjungen zwei
palästinensische Häuser intensiv beworfen hatten. Der Samstag, der
jüdische Sabbat Feiertag, ist ein sehr beschäftigter Tag für religionsfanatische Siedler.

Insgesamt hoffen wir, dass die Siedler jetzt wissen dass die Tage gezählt sind, an denen sie Palästinenser ungestraft terrorisieren können.. Obwohl die israelisch Gewalt weitergeht, sind die Palästinensernun mit internationalen und israelischen Aktivisten, mit Kameras und Videogeräten, möglichen Gerichtsprozessen und Kontakte mit der internationale Gemeinschaft bewaffnet sind. Für mich ist es eine Privileg, neben den PalästinenserInnen in ihrem Kampf zu stehen, und es ist eine Ehre, mit ihnen zusammen mit Steinen beworfen zu werden.

Joes Blog mit Berichten aus Palästina und Irak sind unter www.loveinrevolution.org zu lesen...."
 

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