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Liebe Leute,
heute habe ich zwei recht ausführliche Berichte, der erste ist schon
10 Tage alt, die ich euch gerne zukommen lassen möchte, und zwar in
voller Länge, wenn ichs zeitlich schaffe.
Der erste kommt von Joe Carr aus Hebron:
Die Tel Rumeide Gegend in Hebron ist ein besonderer Brennpunkt der
Spannung zwischen PalästinenserInnen und israelischen Kolonisatoren.
Etwa 40 israelische Soldaten schützen über 60 der rassistischsten
und gewalttätigsten der israelischen Siedlern, die mehr als tausend
PalästinenserInnen (deren Familien bereits seit Jahrhunderten in Tel
Rumeida leben) zwingen, in was einem Gefängnis gleichkommt zu leben.
Zäune, Mauern und Checkpoints blockieren jeden Eingan nach Tel
Rumeida, und es gibt israelische Militärposten überall. Die
Ausgangssperren machen jeden Handeln praktisch unmöglich und es ist
schwierig für nicht-BewohnerInnen, ihre Freunde und Familien in Tel
Rumeida zu besuchen. Viele Familien sind allein schon aus diesem
Grund ausgezogen.
Noch ärgerlicher als die dauernden Bedingungen eines
Gefangenenlagers sind die fanatischen Siedler, die regelmäßig ihre
palästinensischen NachbarInnen belästigen und angreifen. Die
PalästinenserInnen leben in einem Dauerzustand der Furcht vor
Schlägen, Steinen, Raub und Bedrohung durch Gewehre aber sie weigern
sich, sich von ihren Häusern vertreiben zu lassen, oder ihr
Alltagsleben zerstören zu lassen.
Mehrere internationale AktivistInnen des Tel Rumeida Projekts leben
dauern im Ort. Sie arbeiten mit Freiwilligen der ISM, des EAP (ÖRK
Programm), Christian Peacemaker Teams und eine Anzahl israelischer
Gruppen um zu begleiten, zu dokumentieren und physisch zu
intervenieren um israelische Angriffe vorzubeugen und die Machthaber
unter Druck zu setzen um PalästinenserInnen besser zu schützen und
kriminelle Siedler strafrechtlich zu verfolgen. Israelische Soldaten
und Siedler belästigen, bedrohen einschüchtern und steinigen die
internationale und israelisch AktivistInnen regelmäßig, aber
palästinensische Kinder sagen, dass sie sich jetzt sicherer fühlen,
wenn sie im Freien spielen.
Noch ermutigender ist das Potential für fortschrittliche
Veränderungen der Atmosphäre. Im Gegensatz zu anderen
Begleitergruppen ist das Ziel des Tel Rumeida Projektes, die
PalästinenserInnen zu unterstützen und zu stärken bei ihrem
Widerstand gegen diese kolonialistische Unterdrückung.
Zum Beispiel: am vorigen Samstag erhielten wir einen Anruf, dass
Siedler Kinder Steine gegen vorübergehende PalästinenserInnen
warfen. Als wir ankamen fanden wir 5 9-13-jährige Siedlerjungen, die
sich um den israelischen Mililitäposten rumtrieben.
PalästinenserInnen kamen sofort aus ihren Häusern, um uns zu sagen,
wie die Siedlerjungen gerade Steine auf sie geworfen hatten und die
Soldaten dabei zugeschaut hatten. Die Jungen fingen an, mehr STeine
zu werfen, manche von innerhalb des Militärpostens, und wir fingen
an mit den Soldaten zu diskutieren, dass sie die PalästinenserInnen
beschützen sollten (ein Teil ihrer Aufgabe). PalästinenserInnen
brüllten die Siedler und die Soldaten an, dafür dass ihnen dieses
angetan wurden, und die Israelis waren deutlich eingeschüchtert.
Mehr Siedlerkinder kamen heraus und fingen an, mit Steinen zu
werfen, so stellten wir uns vor die PalästinenserInnen. Ich wurde
recht hart am Bein getroffen, aber die Soldaten fingen an, zu
versuchen, die Siedlerjungen zu stoppen, was sie aber selbst zur
Zielscheibe für die Stein machte. Die Situation eskalierte, aber
unsere Gegenwart unterstützte die PalästinenserInnen beim Ausdruck
ihres Entsetzens und hinderte die israelischen Soldaten daran,
diesen Widerstand der PalästinenserInnen zu unterdrücken.
Die Cordova School ist eine palästinensische Mädchenschule und liegt
einigen Siedlerwohnungen und einer Siedlerschule direkt gegenüber.
Siedlerkinder belästigen häufig palästinensische Schülerinnen und
Lehrerin nen beim Vorbeigehen. Gestern war der erste Schultag für
die PalästinenserInnen, so brachten wir einen Team Internationaler
und Medienleute, um die Kinder zu begleiten. Zwei israelische jeeps
und ein Polizeijeep kamen kurz nach uns hinzu. Insgesamt gab es 25
Internationale, 12 Soldaten und 4 Polizisten, um etwa 100
palästinensische Mädels in die Schule zu bringen.
Nachmittags gab es weniger Internationale und Soldaten als die
Mädchen nach Hause gingen, und die Siedler eskalierten ihre
Angriffe. Sie warfen Steine und Eier aus Wohnungsfenstern, während
andere Beleidigungen riefen und uns bedrohten. Die israelisch
Polizei (dessen Aufgabe es ist, Siedler, die Gesetze brechen,
festzunehmen) wurden auch zum Ziel der Siedlergewalt, machten aber
keinen Versuch, sie zu verhindern. Wir patrouillierten in der Gegend
den Rest des Tages und versuchten in allen Gebieten gegenwäretig zu
sein, in denen Siedler und PalästinenserInnen zusammenkommen. "Wir
sind wie menschliche Sicherheitskameras," bemerkte ein Aktivist,
"wir lassen die Siedler nie außer Sicht bis wir wissen, dass ein/e
andere/r Internationale sie sehen kann."
Kurz vor 14 Uhr mussten einige Internationale weg und wir gingen
heraus, um ihre Ersatzleute zu treffen. Auf dem Weg zurück wurden
wir an einem Tel Rumeida Checkpoint angehalten, der vor kurzem
aufgemöbelt wurde. Wo früher ein grüner Turm mit Betonblockaden
stand gibt es jetzt einen befestigten Angänger mit Metaldetektoren
und electronischen Schiebetüren. Sie haben sogar versucht, ihn zu
verschönern durch einen weißen Anstrich, wie der Stein der
umgebeneden alten Häusern. Ein israelischer Soldat am Checkpoint
sagte, sie würden keine Internationale mehr hineinlassen, die
Organisationen angehören. "Nur TouristInnen und BewohnerInnen",
sagte er. Wir versuchten zu erklären, dass wir BewohnerInnen sind
und ein Haus in Tel Rumeida haben, aber, da er uns bei der
Begleitarbeit und Dokumentation gesehen hatte, verweigerte er uns
den Zugang. Um den Checkpoint zu umgehen mussten wir durch
rückwärtige Gassen gehen, über eine Mauer steigen und unter Reben
kriechen.
Während dieser Zeit profitierten eine Gruppe Siedler von unserer
Abwesenheit und griffen mehrere PalästinenserInnen an. Wir fanden
einen 13-jährigen palästinensischen Jungen mit Schnittwunden und
Prellugen an den Armen und am Bauch. Er sagte etwa 20
Siedlerjungendliche hätten ihn umzingelt und mit Stöcken etwa 10
Minuten lang geschlagen. Andere Siedlerjungendliche warfen große
Steine auf eine Gruppe PalästinenserInnen und verletzten eine ältere
Frau am Bein. Wir begleiteten die PalästinenserInnen um Beschwerde
einzulegen bei der Polizei und wurden dann fleißiger bei unseren
Rundgängen.
Die Sache spitzte sich gegen 17Uhr zu als eine große Gruppe
Siedlerkinder, manche mit Masken (von einem Hügel aus durch ihre
Eltern und andere erwachsenen Siedler beobachtet) anfingen, große
Steine und anderen Schutt gegen PalästinenserInnen, Internationale
und israelische Soldaten in der Gegend. Eine Internationale wurde an
der Hand verletzt als sie ihren Kopf vor einem scharfen Stein
beschützte. Als die Polizei kam liefen die Siedler kurz auseinander
aber kamen schnell wieder zusammen. Sie fingen an, die Polizei
intensiv zu bewerfen, die nichts machten außer Videoaufnahmen, und
im Schutz ihrer befestigten Jeeps blieben. Mehr Polizei kam und fuhr
in den Siedlungsbereich und schließlich ergriff ein Polizist einen
Siedlerjungen. Es gab einen kleinen Tumult, und Siedler griffen die
Polizisten an.
Später am Abend berichteten PalästinenserInnen dass Siedlerjungen
zwei
palästinensische Häuser intensiv beworfen hatten. Der Samstag, der
jüdische Sabbat Feiertag, ist ein sehr beschäftigter Tag für
religionsfanatische Siedler.
Insgesamt hoffen wir, dass die Siedler jetzt wissen dass die Tage
gezählt sind, an denen sie Palästinenser ungestraft terrorisieren
können.. Obwohl die israelisch Gewalt weitergeht, sind die
Palästinensernun mit internationalen und israelischen Aktivisten,
mit Kameras und Videogeräten, möglichen Gerichtsprozessen und
Kontakte mit der internationale Gemeinschaft bewaffnet sind. Für
mich ist es eine Privileg, neben den PalästinenserInnen in ihrem
Kampf zu stehen, und es ist eine Ehre, mit ihnen zusammen mit
Steinen beworfen zu werden.
Joes Blog mit Berichten aus Palästina und Irak sind unter
www.loveinrevolution.org zu lesen...."
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