Liebe FreundInnen,dass das Fest
des Friedens regelmäßig in unser Leben zunächst mal Hektik bringt
wird ebenso regelmäßig bedauert. Nun ist der Heilige Abend vorbei
und Ruhe kann (zumindest bei mir) einkehren und ich kann die letzten
Posteingange bearbeiten.
Als erstes eine schlimme Nachricht: die
Lärmbomben mit denen Israel seit dem Rückzug die Bevölkerung von
Gaza terrorisiert traumatisieren nicht nur die Kinder, Alte und
Kranke, sie haben inzwischen etliche Todesfälle verursacht. Offenbar
lösen diese Bomben einen derart lauten Knall aus, dass er zu
Gehirnblutungen und -schädigungen führen kann außerdem bereits fünf
Fälle von Fehlgeburten. Normalerweise werden solche Todesfälle, wie
auch Schädigung von nichtmilitärischen Objekten, im unmenschlichen
modernen Kriegsjargon als bedauerliche aber unvermeidliche "Kollateralschäden"
abgetan. Nun ist offenbar die Tötung und Schädigung von Unschuldigen
- und nur von diesen - das Ziel der Maßnahmen. WAS FÜR MENSCHEN SIND
ES, DIE SO ETWAS ERSINNEN KÖNNEN?
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In verschiedenen Dörfern in der Gegend um Nablus
versammeln sich PalästinenserInnen mit Israelis und Internationalen,
um neue Bäume zu pflanzen, um einen Teil der vielen hunderten zu
ersetzen, die radikalen Siedlern zum Opfer fielen. Und das, obwohl
sie damit rechnen müssen, dass auch die neuen Bäumchen nicht lange
überleben werden. Aber der Wille zum Überleben von Bäumen, Menschen
und der Hoffnung auf Frieden und Freiheit bleibt ungebrochen.
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In Bil'in haben Protestler sich ein Blatt von den
Siedlern geholt und nun auch "illegale Außenposten" auf den zum Dorf
gehörenden Länder, die nun hinter dem Trennungszaun leigen, zu
gründen. Das heißt, formal war dieser Außenposten sogar legal, da er
auf Gemeindeland aufgestellt wurde, mit Genehmigung der Geimeinde.
Es überrascht nicht, dass die Armee diese allerdings sofort entfernt
hat, natürlich nicht ohne Einsatz von Gewalt, sowohl gegen den
Wohnwagen, in dem sich vier Aktivisten verbarrikadiert hatten, wie
auch gegen diesen, den sie mittels eines Krans einfach in die Luft
hoben, damit er nicht wieder besetze werden konnte. Die
(israelische) Ziviladministration (der Westbank) müsste eigentlich
ein Problem haben, da sie, zugegeben hat, 750 Wohnungen in der
Gegend von Bil'in ohne irgendwelche Genehmigung gebaut zu haben, und
sich nun auch noch der Diskriminierung schuldig macht, wenn sie den
Wohnwagen der "Gegensiedler" entfernt, nicht aber die eigenen,
ebenso illegalen. Das hat sie allerdings nicht daran gehindert, mit
dem palästinensischen Außenposten kurzen Prozess zu machen .
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Die israelischen Behörde haben offenbar längst
selbst erkannt, dass ihre Politik nicht Sicherheit für Israel,
sondern ständig erhöhte Gefahr von Terrorangriffen bewirkt. Dies
wird zum Beispiel deutlich im Fall von Abu Daoud, ein 40jähriger
Palästinenser, der früher in Israel gearbeitet und seit der Intifada
am Qalandiya checkpoint ein mageres Auskommen zusammengekratzt hat,
indem er Gepäck und Waren auf einer Karre transportierte für seine
Landsleute, die gezwungen wurden, das Checkpoint zu Fuß zu passieren
und in einem anderen Fahrzeug auf der anderen Seite weiterzufahren,
wie es schon lange für die meisten Palästinenser üblich geworden
ist.
Abu Daoud hat einen Sohn, Khaled. 2001 wurde
dieser, damals 8, von scharfer Munition in den Kopf getroffen, als
er mit anderen Jungen demonstrierte. Er überlebte mit Gehirnschäden
und ständigen Schmerzen.
Als "good people" 2002 eine medizinische
Untersuchung für den Knaben arrangierten, durfte sein Vater aber
nicht mitfahren und ihn betreuen. Ihm wurde gesagt dass er
"verhindert" sei, ein Ausdruck für Personen, die der
Sicherheitsdienst als sicherheitsrisiko eingestuft wurde. Warum
gehört Abu Daoud dieser Gruppe an? Sein Vater wurde 1982 von einer
Siedlerin überfahren. Sie hat Fahrerflucht begangen, später
behauptet, man hätte mit Steinen auf sie geworfen. 1992 erstickte
seine Mutter an Tränengas, als sie rausrannte um einen jüngeren
Bruder von Abu Daoud bei einer Demonstration ins Haus zu holen. Und
nun sein Sohn. Den Behörden ist klar, dass ein Mensch, der solch ein
schicksal erlebt, irgendwann einmal selbst zur Gewalt greifen
könnte. So musste sein verletzter und behinderter Sohn ohne ihn ins
Krankenhaus. Und täglich produziert die Armee weitere
Sicherheitsrisikos.
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Am vergangenen Sonntag sind in dem
christlich-muslimischen Dorf Aboud tausend Menschen zur Baustelle
für die Sicherheitsbarriere gezogen, wo Michael Sabbah, der
lateinische Patriarch von Jerusalem, eine kurze Andacht hielt und
einen Baum pflanzte. Er rief beide Seiten dazu auf, in ihrem Glaube
und Liebe die Orientierung für die Politik zu finden.
"Liebe ist möglich trotz allem Übel, den wir
erleben, wir werden es möglich machen!"
Nachdem der Patriarch gegangen war, blieben etwa
hundert Leute vor den Soldaten und sangen gegen die Mauer. Ein
Israeli wurde festgenommen, als er versuchte, einen Olivenbaum zu
pflanzen.
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In Jayyous hat die Regierung begonnen, eine neue
Siedlung zu bauen auf palästinensischem Land, das durch den Bau der
Barriere konfisziert wurde. Außerdem wurde der Bürgermeister des
Ortes, Issam Muhammad Shbaita, inhaftiert. Er hatte sich dafür
eingesetzt, dass die Widerstandsgruppen gegen die Mauer einen
starken gemeinsamen Aufruf für die Befreiung der in Irak
gekidnappten CPT-Mitglieder lancieren. Er hat bereits früher immer
wieder mit internationalen Organisationen den Widerstand gegen die
Besetzung koordiniert. Die BewohnerInnen von Jayyous lassen sich
auch dadurch nicht einschüchtern in ihrem Widerstand,
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Ein kurzer Film über die Mauer, der im November
2002 gedreht wurde, kann
unter
www.archive.org/details/thewall_nov02 gefunden
werden.
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Immer mehr Dörfer greifen zu gewaltfreien
Aktionen gegen die Mauer. In Rantis hat am Donnerstag eine Demo
stattgefunden gegen die Weiterführung des Zaunes, der bereits zur
Hälfte das Dorf umzingelt. Wenn er fertig gestellt ist, wird das
Dorf nur durch den Zaun erreichbar oder zu verlassen sein. wie es
bereits für den Geburtsort Jesu der Fall ist.
Und dennoch ist Weihnachten ...
Gruß, Anka