Liebe Leute,.....Heute bittet Dorothy um unser
Mitgefühl für die armen, armen Siedler aus Gaza, die sich heftig
beklagen darüber, dass sie nun die vollen Kosten für ihr Wasser und
Strom zahlen müssen, wie andere Israelis auch. Auch Kinderbetreuung,
für die sie bisher 390 NIS pro Jahr bezahlt haben (knapp 100€),
statt die 890 NIS pro Monat, die andere aufbringen müssen.
Offensichtlich geben die Politiker ständig
gegenüber den Siedlern nach, dass erstreckt sich auf alle möglichen
Kompensationen für die Übergangsbehausung, die sie ertragen müssen -
z.B. verlangen die, die als Protest in Zelten wohnen, die Kosten der
Hotelzimmer, die sie hätten bewohnen können, ausbezahlt zu bekommen.
Insgesamt hat die Umsiedlung von 1700 Familien laut Haaretz den
israelischen Staat bisher zwischen 5 und 6 Milliarden Shekel
gekostet, ohne das ein Ende abzusehen ist. Und das in einem Land, in
dem ein erschreckend großer Teil der Bevölkerung inzwischen unter
der Armutsgrenze lebt.
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Avigail Abarbanel, eine Israelin, die vor 13
Jahren nach Australien ausgewandert ist, beschreibt ihren
Eindruck nach einem Besuch bei ihrem Bruder in Tel Aviv. Unter
anderem bemerkt sie: Das offensichtlichste an der israelischen
Gesellschaft ist die tiefe Unsicherheit, die alle empfinden. Die
Nervosität ist nicht neu, hat aber eine neue Qualität... Heutzutage
werden sogar in kleinen Restaurants und Geschäften Taschen am
Eingang kontrolliert... Israelis sehnen sich nach Frieden, sie
meinen aber damit, einfach in Ruhe gelassen zu werden. Es ist
traurig zu sehen, wie verzweifelt sie sich an das klammern, was sie
für "Normalität" halten... Sie fühlen Zorn und Verzweiflung wenn
militante Palästinenser ihre Routine stören...
Wenn das Leben so schwierig ist, ist es wohl
menschlich, die Schwierigkeiten weg zu wünschen. Aber das ist gerade
das Problem. Wenn eine Person, eine Gruppe oder eine ganze
Gesellschaft mit einem dunklen Geheimnis leben oder etwas wichtiges
aus der Vergangenheit negieren, können sie keinen Frieden erfahren.
Es ist einfach unmöglich, ein 'normales' oder friedliches Leben zu
führen auf der Basis von Lügen und Geheimnissen. Die Negierung der
ethnischen Säuberung der Palästinenser 1948, der Versuch, über die
Konsequenzen der langen Jahre der brutalen Besetzung und der Wunsch,
all dies möge einfach verschwinden, sind nichts als Phantasie.
In der Familientherapie ist es akzeptiert, dass,
wenn gravierende Ungerechtigkeiten nicht angesprochen wird, es
keinen Frieden geben kann... Ich habe israelische Intellektuelle im
Fernsehen in einer Diskussion beobachtet. Sie versuchten, zu
analysieren, warum es Israel so schlecht geht. Sie haben jeden
möglichen Grund erwähnt außer dem offensichtlichsten - die
Geschichte Israels. Es war unerträglich, aber auch vertraut. Ich
habe noch nie ein Gesellschaft gesehen die so tief in der Negation
verwurzelt ist wie Israel...
Wenn Israelis sich an "Friedensgeprächen"
beteiligen, ist es wichtig ihre Grundposition zu verstehen. Sie
haben kein Interesse an einer wirklichen Lösung, die den Kern des
Problems erfasst. Sie sind wie jemand, der möchte, dass seine
Symptome verschwinden, ohne die Ursachen zu behandeln...
Nur ein binationaler Staat und ein Rückkehrrecht
für palästinensische Flüchtlinge wird auch nur annähernd die
Ungerechtigkeiten, die seit 1948 begangen wurden, berichtigen....
Das könnte Israels Buße sein. Es wäre auch die Möglichkeit für
Israel, sich von der Last der Schuld zu befreien, von der ich
glaube, dass sie ihr Leben und das Leben der Palästinenser zu einem
Alptraum machen.
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In dieser Einschätzung ist Abarbanel nicht völlig
allein. Immerhin fand gestern in der Ben-Gurion Universität der
Negev ein Vortrag statt durch eine amerikanische Professorin zum
Thema "Ein Staat für Israel/Palästina? Einen neuen Pfad zum Frieden
entwerfen".
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Amira Hass berichtet von einem 14jährigen
Palästinenser, der von der Armee in die Beine geschossen wurde und
anschließend im Krankenhaus an Arme und Beine gefesselt gehalten
wurde, auf Befehl des jungen Soldaten, der ihn zu bewachen hatte.
Die Armee behauptet, er hatte einen Molotovcocktail gegen Soldaten
werfen wollen, er würde im Krankenhaus wie ein 'normaler Gefangener'
behandelt. Dass irgendjemand noch unschuldig ist, bis seine Schuld
bewiesen wird, ist offenbar der Armee unbekannt. Der Junge
widerspricht der Armeeversion aufs heftigste, er habe seinem Vater
dabei geholfen, Propangasflaschen auszuliefern.
Nach drei Tagen wurde der Junge, wie
normalerweise verfahren wird, in eine militärische Krankenanstalt
gebracht. Das militär-juristisches System hält alle Festgenommenen,
auch Kinder, in Gewahrsam bis die juristischen Schritte zuende sind
- auch Kinder, die Steine werfen.
Versucht ein Rechtsanwalt eine legales Verfahren
durchzusetzen, kann der Gewahrsam viel länger als die schließlich
verhängte Strafe dauern. Die Anwälte stehen daher unter starkem
Druck, vor allem wenn ein Festgenommener verletzt ist, sich mit dem
Gericht zu einigen, d.h. dass der Beschuldigte seine Schuld zugibt.
Aber diesmal hat das so nicht funktioniert. Der
Vater des Jungen hat eine Aktivistin von Machsom Watch erreicht und
sich darüber beschwert, wie der Junge wegtransportiert wurde ohne
einen älteren Verwandten und ohne Hebräischkenntnisse. Die
Aktivistin hat Physicians for Human Rights kontaktiert, die seit
Jahren gegen das Vorgehen des Militärs protestieren. Langsam
scheinen ihre Proteste und die Argumente der Krankenhausärzte zu
wirken. Mitglieder von PHR haben den Patienten besucht - gegen die
Militärpolizei - und einen Anwalt mitgebracht. Kurz danach wurde der
Junge, der so gefährlich war, dass er trotz seiner Lage gefesselt
werden musste, freigelassen.
Gruß,
Anka