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ief-aus-Israel]


 

 From: "Angelika Schneider" <anka.sch(at)gmx.net To: <Brief-aus-Israel(at)yahoogroups.de Subject: [Brief-aus-Israel] Aktuelles aus
den besetzten Gebieten

Liebe LeserInnen,

Wir werden gebeten, durch Klick auf http://web.amnesty.org/pages/isr-action-POCs  zu helfen, zwei Palästinenser zu befreien, die bei der Demo in Bil'in festgenommen wurden. Unter http://gush-shalom.org/video/bilin--4-5-05-html  kann man ein Video der Demo sehen, das Dorothy sehr empfiehlt.

Von New Profile kommt außerdem die Beschreibung eines Ausflugs nach Hebron. Es ist kein Wunder, allerdings umso erschreckender, dass Israelis immer häufiger ihre Situation mit der Deutschlands in der
Weimarzeit vergleichen.



NOTIZEN VOM FRIEDENSCAMP
"Ein Tag im Leben eines unschuldigen Besuchers nach Tel-Rumeida, Palästina"


Es klang unschuldig genug: wir sollten einen Solidaritätsbesuch an die BewohnerInnen von Tel-Rumeida abstatten.

In fröhlicher Verfassung gingen wir los von Jerusalem zu unserem gewöhnlichen Treffplatz im Bell-Park, mit Sonnenhüten, Wasserflaschen und guten Laufschuhen ausgerüstet. Da wurden wir - vierzig wohlmeinende BürgerInnen - in Transitvans geladen um unser Ziel zu erreichen. Tel-Rumeida ist ein Vorort von Hebron, die Stadt unserer Väter, und liegt auf einem Hügel oberhalb der Stadt.

Mit ihrem angeborenen Eifer zur Landgewinnung haben unsere unermüdlichen Siedler ein Caravancamp oben auf dem Hügel eingerichtet, in der Mitte eine rein arabischen Viertels. Die Siedler laufen betend und schwer bewaffnet herum.

Die Straßen um das Camp herum sind für Palästinenser gesperrt. Haltet diese wichtige Tatsache parat für künftige Bezugnahme, da das Resultat eine Katastrophe für die palästinensischen Nachbarn ist. Wie ihr vielleicht alle wisst, sind diese Ausflüge des Friedenscamps im Internet bekannt gegeben.

Treue Leser dieser Mitteilungen sind die Polizei und der Geheimdienst. Es sollte daher keine Überraschung sein dass, bevor wir überhaupt die Außenbezirke von Jerusalem verließen, wir von zwei Polizeijeeps und eine nichtgekennzeichnete Limousine mit vier Gorillas drin begleitet wurden.

Es ist völlig legitime, einen Ausflug in der Umgegend von Jerusalem mit vier Transitvans zu unternehmen, aber Hebron ist etwas anderes: es ist in Zone A, unter palästinensischer Verwaltung und israelischen BürgerInnen streng verboten. So begleitet uns die Polizei bis es deutlich wird, dass ein Vergehen bevorsteht und greift dann zu.

Unsere Organisatore, die sich auskennen, verließen bei Halhul (auf der Straße nach Hebron) die Hauptstraße. Dort verließen wir schnell die Vans, klettern über einen Erdwall und siehe da, wir waren in Zone A. schlau, was? Dort charterten wir eineige palästinensische Taxis und sammelten einige Mitglieder der Vermittlungsorganisation, Christian Peacemakers Team, CPT, und betraten Hebron in feierlicher Stimmung.

Jetzt habt ihr hoffentlich nicht wirklich gedacht, dass der israelische Geheimdienst so dumm ist. Bei unsere Ankunft war ein Willkommenskomitee zu unserem Empfang bereit und 24 Demonstranten wurden sofort festgenommen (nach Israel in Polizeiwagen zurück transportiert, befragt, Fingerabdrucke und Leibvisite unterzogen, verurteilt und bis zum Abend festgehalten, nach vielem Hin und ).

Unser Taxi und ein anderes, zufälligerweise von der Polizei unbeobachtet, ließ uns mitten im Suk [Markt] aussteigen um die letzten 500m bergauf nach Tel-Rumeida zufuß zurückzulegen. Wir konnten nicht mit dem Taxi weiterfahren, weil die Straßensperre auf dem Weg nach Tel-Rumeida am Sabbat geschossen auf Bitte der Siedler hin, die an dem Tag sowieso nicht Auto fahren, und das einen Ruhetag für die moslemischen und christlichen Bewohner Tel-Rumeidas auch sichert, da sie sowieso nicht zählen.

Nun könnt ihr euch vorstellen, dass Israelis mitten im Suk von Hebron ziemlich hervorstechen und binnen Kürze wurden zwei Mitglieder unserer Gruppe durch eine israelische Militärpatrouille festgenommen. Wir verstanden, dass wir lieber das Weite suchen sollten.

Der Rest unserer Gruppe rannte durch die Gassen in Richtung auf Tel-Rumeida. nach ein paar Worte der Erklärung auf arabisch wurde es uns sofort erlaubt, die Höfe und Häuser der Palästinenser zu betreten, damit wir für die Polizei unsichtbar wurden.

Wir mussten unsere kleine Gruppe mit Hilfe unserer Handys wieder sammeln. Das war nicht so einfach, da es in diesen Gebieten keinen Empfang gibt außer für eine Handyfirma. Aber am Ende konnten wir uns wiederfinden und wurden durch hilfreiche Menschen über Höfe, Müllhaufen, Mauern zurück zu einem 'sicheren Haus' gebracht.

Es stellte sich heraus, dass dieses Haus, das gerade unter israelische Verwaltung fällt, einem Arzt gehörte, der uns freundlich mit Tee und Limonade bewirtete, bis die Luft rein schien. Er nutzte die Gelegenheit, seinem Herzen Luft zu machen über die Leiden, die ihm und seiner Familie aufgebürdet wurden. Sein Haus liegt auf der 'jüdischen Anfahrtsstraße' zur Enklave der Siedler. Diese Straße wird oft zum Sperrgebiet für Palästinenser erklärt, so dass die Siedler sich sicher bewegen können, mit dem Ergebnis dass die Bewohner häufig unter Hauarrest stehen; die Kinder können nicht zur Schule, man kann nicht einkaufen. Seine Vordertüre ist eingetreten worden, seine Fenster durch Steine zerschlagen.

Er hat häufig Schläge erhalten oder ist mit Steinen beworfen worden. Beschwerden an die Polizei bleiben ohne Antwort. Die Armee ist den Siedlern vollkommen hörig. Wenn ein Gerät in seinem Haus kaputt geht, wagt kein Monteur zu kommen und es zu reparieren.

Nach diesen fröhlichen Berichten konnten wir unseren Weg weitergehen; zu dritt rannten wir über die Straße, die häufig patrouilliert wird, und wieder durch Hintergassen, manchmal durch Häuser, um unseren vorgesehenen Gastgeber in Tel-Rumeida zu erreichen.

Er lebt dem Karavan-Lager der Siedler genau gegenüber. Sein Vordereingang liegt niedriger als die Straße, und dieser Zugang ist völlig durch Müll von den Siedlern blockiert. Sollte er oder ein Familienmitglied sich auf dieser Straße zeigen, würden sie gesteinigt oder beschossen werden, und sie lernen schnell.

Der 'normale' Zugang zu seinem Haus ist genau der Weg, den wir gegangen sind. Die Siedler kommen ohne Zögern in sein Garten und fällen all seine Bäume. Das Haus des Nachbarn ist praktisch zerstört, mit vandalisierten Fenstern und Einschüssen in allen Wänden. Sein Leben ist so elend geworden, dass er 'freiwillig' wegging. Das ist die unverhohlenen Absicht der Siedler.

Hier erhielten wir abermals eine lange Liste der Untaten der Siedler, die von der Armee offen unterstützt werden. Sein Strom ist unzählige Male abgeschnitten worden, der Wassertank auf seinem Dach ist eine Zielscheibe für Schießübungen von oben (immer Volltreffer). Seine Kinder werden auf dem Schulweg angegriffen durch die Kinder der Siedler, immer mit der Billigung ihrer Ältern und der Beamten. Die Polizei will mit solchen Bagatellen nichts zu tun haben.

Als es Zeit wurde, den Rückweg anzutreten, ergab es sich, dass zwei Siedler im Garten des Nachbarn sonnten. Ob durch Zufall oder um ein Auge auf die Aktivitäten im Hinterhof zu halten, war nicht klar. Unser Gastgeber wurde sehr nervös: "Ihr könnt da nicht durchgehen." Die Herren könnten beim geringsten Anlass schießen, und keiner wird sich einmischen.

So mussten wir einen Alternativweg nehmen, wieder in kleinen Gruppen, und mit Leitern über Mauern klettern, den Hügel runter durch Hinterhöfe, Müllhaufen und Privathäusern zurück zum Suk, wo ein Minibus mit verdunkelten Fenstern darauf wartete, uns aus Hebron raus zu schmuggeln.

Wir haben einen Staat im Staat gesehen. Und das war am Sabbat, an dem die Siedler meist zuhause bleiben. Unter der Woche laufen sie frei herum und tun was sie wollen. Systematische Belästigung heißt das Spiel.

Ich werde Hebron nicht so schnell wieder besuchen.

Copyright Eldad Kisch 2005





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