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"Keinen vernünftigen Menschen wird es einfallen Tinte mit Tinte wegzuwischen aber Blut versucht man noch immer mit Blut zu entfernen." - B. v. Suttner |
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Update: 17-02-12 |
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Brief an Broder Sehr geehrter Herr Broder, zu Ihrem Artikel vom 26.03.04 in "Spiegel Online" : "Der Türsteher der Hölle" möchte ich einiges anmerken. Sowohl die palästinensischen Funktionäre als auch die israelische Regierung haben stets eine Klischee-Antwort für ihre gewaltsamen Aktivitäten. Die Palästinenser verweisen auf die strukturelle Gewalt einer Besatzungsmacht, die nun für viele staatsterroristische Ausmaße angenommen hat. Die Regierung Scharon begründet ihre "Vergeltungsanschläge" und "gezielten Tötungen" bzw. "Liquidierung" der palästinensischen Terroristenführer mit Selbstverteidigung und schließlich mit der Wahrung der Existenz Israels. Die israelische Regierung wird nie müde zu versuchen, die Emotionen der Weltöffentlichkeit mit solchen tatsächlichen Argumenten für sich zu gewinnen: brutalen menschenverachtenden Anschlägen in Cafes, Supermärkten, Bussen und Fußgängerzonen. Jene Argumente, die offenbar auch Ihnen, sehr verehrter Herr Broder, genügen, um solchen Artikel zu schreiben. Politiker wollen i. d. R. kurzsichtig sein. Sie wollen nicht wissen, was sie gestern gesagt haben. Gewissenhafte und seriöse Journalisten jedoch haben die Aufgabe, ihre Leser möglichst objektiv und wahrheitsgemäß zu informieren. Dem werden Sie in Ihrem Beitrag nicht gerecht. Sie sprechen zwar zu Recht von "israelischer Besatzung" und von "israelischer Propaganda". In einem Punkt jedoch kommen Sie auf einen gemeinsamen Nenner mit der politisch-militärischen Führung in Jerusalem: das kurze Gedächtnis! Leider hier immens zu Ungunsten der Palästinenser. Derzeit fürchten die Israelis zu Recht Terroranschläge auf zivile Personen und es dient der Administration Scharons, um nahezu uneingeschränkte gewaltsame Aktionen in den palästinensischen Gebieten durchzuführen. Sie gehen aber einen Schritt weiter und wollen mit Zitaten von Abdel Azis Rantisi belegen, dass auch ein Rückzug aus Gaza und Westjordanland den Israelis nichts nutzen würde. Denn Jassin und Rantisi wollten ja das ganz Palästina befreien. Sehr geehrter Herr Broder, Sie wären ein schlechter Journalist, wenn Sie nicht wüssten, dass die arabische Welt ohne ihre Rhetorik nicht existieren kann. Der Spruch, "die Juden ins Meer werfen", stammt nicht von Jassin, Rantisi oder Chaled Maschal. Er stammte aus dem Munde Ahmad Schukairis, Arafats Vorgänger und erster PLO-Vorsitzende. Jenseits aller propagandistischen radikalen Sprüche, die Jassin spuckte, war er doch der Garant für temporäre Feuerpausen, und es ist Tatsache, dass israelische Interessen und Zivilisten außerhalb Israels und den besetzen Gebieten nicht angegriffen wurden. Der Waffenstillstand vom vergangenen Sommer kam mit seinem Segen zustande. Nun möchte ich wieder auf Ihr Kurzzeitgedächtnis zurückkommen. Die brutalen menschenverachtenden Anschläge auf israelische Bürger verabscheuen Sie zu Recht, ohne jedoch annähernd auf die vielleicht in Frage kommenden Ursachen hinzu deuten. Sie liefern dennoch unbeabsichtigt die Antwort. Sie schreiben: "Die Palästinenser haben eine Form des Menschenopfers entwickelt, die in der jüngeren Geschichte einmalig ist...“ Worauf ist diese "Entwicklung" zurückzuführen? Seit wann und wie lange gibt es das Phänomen des "Selbstmordattentäters"? Seit der Besatzung im Jahr 1967 oder erst seit Mitte der 90er Jahre? Sind nur israelische Zivilisten Opfer der Gewalt? Wie viele zahlreiche palästinensische Toten sind Terroristen oder Hamas-Funktionäre? Sie schreiben, "In einer Spiegel-TV- Dokumentation war vor kurzem eine palästinensische Mutter mit ihrem etwa zweijährigen Sohn auf dem Arm zu sehen, die sich jetzt schon darauf freute, dass der kleine mal ein Märtyrer werden würde." Welche Motive könnten diese Mutter zu dieser Freude bewegt haben? Welche Zukunft hätte dieser Junge zu erwarten? Erinnern Sie sich noch an die Bilder des 12jährigen Palästinenserjungen Mohammad, der im vergangenen Sommer in den Armen seines Vaters erschossen wurde? Hat sein Gesichtsausdruck den israelischen Soldaten nicht angefleht, "bitte, ich will leben". Sehr geehrter Herr Broder, für den palästinensisch-israelische Konflikt gibt es nur eine einzige Lösung: das endgültige Ende der Besatzung, Räumung der Siedlungen und die Entstehung eines palästinensischen Staates. Dieser Lösungsweg kann - das müssen auch Sie einräumen - zumindest den Konflikt enorm schwächen, denn der Vorwand der Besatzung würde nicht mehr gelten und die Intention eines "Großpalästinas" -, das Sie befürchten - würde von der Weltgemeinschaft entschieden zurückgewiesen. Auch Hamas denkt nicht irrational und weißt, dass sie nicht gegen die ganze Welt kämpfen kann. Gestandene israelische Historiker und Politiker wissen und schreiben, weshalb Scharon einem vollständigen Rückzug nicht zustimmt. Die Palästinenser müssen so geschwächt und an die Wand gedrückt werden, bis sie sich mit einem Minimum und den Siedlungen als vollendete Tatsachen abfinden. Jassins Tod soll die Palästinenser noch mehr demütigen und ihnen ihre absolute Ohnmacht einmal mehr vor Augen führen. Die Tötung Jassins sollte angeblich auch den Palästinensern diese Botschaft übermitteln: Denkt nicht an Südlibanon, denn wenn wir Gaza verlassen, dann ist das nicht aus einer Position der Schwäche. Vom Rückzug der IDF aus dem Südlibanon haben sowohl israelische Soldaten als auch Libanesen profitiert. Sie sind am Leben geblieben und seitdem ist bis auf ein paar beschränkte und unbedeutende Scharmützel an der Grenze nichts geschehen. Niemand liebt den Tod, auch nicht der vom Hals abwärts gelähmte Scheich Jassin. Der Scheich, der sicherlich Gewalt predigte, ließ zugleich auch wissen, dass Hamas sich an getroffene Vereinbarungen halten würde, sollte Israel dies auch tun. Er sagte kürzlich: die Palästinenser haben keine Panzer, keine Apache-Kampfhubschrauber, keine F-16-Kampfjets, sie sind alleine auf sich gestellt. Sehr geehrter Herr Broder, es gibt mehrere Gründe für die maßlose Arroganz und Frechheit Israels, als einziger Staat auf der Welt permanent völkerrechtliche Vereinbarungen und UNO-Resolutionen zu missachten. Ursächlich für das Verständnis dieser Arroganz seitens des Westens ist zweifellos die Geschichte in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Dabei habe ich meine Zweifel, ob die Holocaust-Opfer dieses Verbrechen an einem unbeteiligten Volk (Palästinenser) gewollt hätten. Journalisten wie Sie, die an einem Kurzzeitgedächtnis leiden und bei der Analyse eines solchen Weltkonfliktes nicht in die Tiefe gehen und nur an der Oberfläche bleiben, dienen nicht einer fairen Berichterstattung. mit freundlichen Grüßen Göttingen, Dr. Behrouz Khosrozadeh
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