|
Das „Nakba-Gesetz ist am Dienstag 16.3.20109 durch die erste Lesung
in der Knesset gegangen. Das Gesetz verbietet (den Palästinensern),
dass sie am israelischen Unabhängigkeitstag ihren Nakbatag trauernd
begehen. Wer das Gesetz bricht, muss ein hohes Strafgeld bezahlen ….
Ich werde am Nakba-Tag trauern
Nurit Peled-Elhanan, 18.März 2010
Preisträgerin des Sacharov-Preises, Mitglied der trauernden Familien
( Bereaved Parents) und Co-Initiatorin des Russel-Tribunals über
Palästina.
Ich werde am Nakba-Tag trauern. Ich werde um das verschwundene
Palästina trauern, dessen größten Teil ich nie kennen gelernt habe.
Ich will trauern um das heilige Land, das seine Menschlichkeit,
seine Landschaft, seine Schönheit und seine Kinder auf dem Altar von
Rassismus und Bosheit verloren hat. Ich will trauern um die
jüdischen Jugendlichen, die die Häuser von Familien in Sheik Jarach
überfallen und schänden, ihre Bewohner auf die Straße werfen, und im
Gedenken an Baruch Goldstone, dem Mörder palästinensischer Kinder,
singen und tanzen. Unterdessen schlafen die Besitzer der
geschändeten Häuser mit ihren Kindern und Alten im Regen auf der
Straße vor ihren Häusern. Ich will trauern um die gewissenlosen
Soldaten und Polizisten, die jene verrückten jüdisch orthodoxen
Eindringlinge schützen.
Ich will trauern um das Land von Bilin und Nilin und um die Helden
von Bilin und Nilin, von denen viele noch Kinder zwischen 10 und 12
Jahren sind und die furchtlos für ihr Recht kämpfen, in Würde im
Lande ihrer Vorfahren zu leben.
Ich will trauern um die Menschenrechte, die seit langer Zeit in
diesem Land begraben wurden, um das Blut, das straflos vergossen
wurde, um das Töten, das mit dem Segen (der Rabbiner) geschieht;
ich traure um die verlogenen zionistischen Mythen, nach denen ich
erzogen wurde, und um das zerstoßene palästinensische Narrativ, das
verboten wird, ausgedrückt zu werden. Aber die Wahrheit wird
zurückkehren wie grüne Sprösslinge, die durch das Unkraut der
rassistischen Gesetze hindurchsprießen.
Ich will trauern um die frühere Ministerin für Bildung und
Erziehung, Livnat, die das Gesetz gegen die Trauer am Nakbatag
verteidigte: „ Wenn sie nichts haben, worüber sie trauern können,
werden sie auch keinen Grund zum Rebellieren haben.“ Es sind
Worte, die unsern schlimmsten Feinden und den bösartigsten
Kolonialisten würdig wären.
Ich will trauern um alle von uns, die
nicht wissen, was man angesichts eines Gesetzes tut, das von purer
Gefühllosigkeit zeugt, ein weiteres von Dutzenden rassistischer
Gesetze, die im Begriff sind, die Ehrenplätze – wenn nicht gar alle
Plätze – im Gesetzbuch des demokratischen jüdischen Staates
einzunehmen. Ich will trauern um die Demokratie in diesem Land,
dessen eine Hälfte der Untertanen unter Bedingungen lebt, die in
anderen Demokratien selbst für Tiere unwürdig wären.
Ich will trauern um die Kinder. Um jene die gestorben sind. um jene,
die morgen sterben werden; um jene, die nicht länger hier leben
können und um jene, die hier wie monströse Golems leben, die sich
gegen ihre Eltern wenden, deren Identität bestimmt ist von Furcht,
Bosheit, Rassismus, von verkehrter Liebe zu einem Land, das ihnen
nicht gehört, von Hass gegen alles, das nicht zu ihrer Vorstellung
passt und einen Rausch des Tötens leben.
Ich werde am Nakbatag trauern. Und auch am Tag danach, den wir
Tag der Erinnerung nennen und der nichts anderes ist als ein
Tag, der dem Totenkult gilt und anschließend geht jeder zum Grillen
… singt und tanzt, überisst und betrinkt sich. Ich will trauern um
unsern Unabhängigkeitstag, der nichts anderes ist als eine Feier des
Triumphes von Absperrung und Unterwerfung.
Um
all diese Dinge werde ich am Nakbatag trauern, um ihrer Wert zu
sein, damit meine Kinder wissen, zu welcher Seite ich gehöre, so
dass auch sie glauben können, dass es ein Chance für Hoffnung und
eine Zukunft gibt, in der Gerechtigkeit sich durchsetzt.
Prof. Nurit Peled-Elhanan, 5b Hamitnahalim Bahar St.Ramat
Motza Jerusalem,Israel 96771
00972 2 5700112
(Aus dem Hebräischen: George Malent. ( dt zuweilen etwas freier
übersetzt: Ellen Rohlfs)
|