Es gibt eine Grenze für das Schweigen!
Die von der Regierung Israels angeordneten und von
der israelischen Armee ausgeführten Zerstörungen in Rafah sind
kein Sonderfall. Sie sind seit langem Teil einer - trotz der
militärtechnologischen Überlegenheit und trotz bedingungslosen
US-amerikanischen Unterstützung Israels - ohnmächtigen Strategie,
die auf Selbstisolierung, wenn nicht Selbstzerstörung Israels
hinauslaufen wird.
Israelische Militäroperationen in Gaza versetzen Frauen, Kinder
und Männer in Angst und Schrecken. Sie zerstören Häuser und die
Lebensgrundlagen der Zivilbevölkerung. Diese Lektion werden die
palästinensischen Kinder und Jugendlichen nicht vergessen. Sie
werden sich an sie erinnern, wenn sie einst die Geschicke ihres
Volkes in politischen Ämtern und Verwaltungen steuern.
Bulldozer und Panzer gegen Wohnviertel. Solche Aktionen werden der
Weltöffentlichkeit als eine politische Form „präventiver“ Notwehr
erklärt.
Diese Argumentation soll nicht nur der Kritik der
Weltöffentlichkeit den Wind aus den Segeln nehmen, sondern auch
die Bevölkerung des eigenen Landes hinter die Regierungspolitik
und die Armee scharen und Juden in aller Welt sprachlos machen.
Kritik und Verurteilung der israelischen Angriffe auf
PalästinenserInnen werden in dieser Logik zum Verrat an Israel,
zur Verweigerung der ‚legitimen Verteidigung’ des Landes, der
‚Notwehr’ der Opfer gegen die Täter.
Die israelische Regierung missachtet die fundamentalen Rechte der
palästinensischen Bevölkerung auf Obdach, Sicherheit, Wasser und
Nahrung, auf Gesundheitsversorgung und Bildung. Generationen
junger israelischer Menschen, die auf Befehl morden und zerstören,
verlernen, worum es bei der Gründung des Staates Israel überhaupt
ging: verfolgten Menschen zu ermöglichen, in Freiheit, Gleichheit
und Frieden zu leben.
Als in Österreich lebende Jüdinnen und Juden verurteilen wir –
zusammen mit den Kräften in Israel, die der Politik der Regierung
öffentlich entgegentreten – in aller Deutlichkeit die Politik, die
den
Anspruch der israelischen Bevölkerung auf gesicherte
Lebensumstände als Legitimation für Zerstörung, Menschenverachtung
und Mord an Zivilpersonen missbraucht. Die Grenze des Schweigens
ist seit langem überschritten. Wir lassen uns nicht sprachlos
machen.
Jüdische Stimme
für einen gerechten Frieden in Nahost(Österreich) Wien,
Wien, 3.Juni 2004
EJJP und
EJJP-Mitgliedsgruppen
Quelle