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Wer ist der wirkliche Clown
hier?
Gideon
Levy
Wer sagt denn, dass der
jüdische Humor aus Israel verschwunden ist? Wer
sagt denn, dass
Die undurchsichtigsten
Organisationen des Staates sich nicht gelegentlicher
Momente der Leichtfertigkeit erfreuen - so zwischen
dem Durchführen von Morden und dem misslungenen
Versuch von Verschwörungen . Israels weitergehende
Faschistizierung, Isolierung, Nationalismus und
Militarismus sorgen nicht viel für komische
Abwechslung. Man höre also Barak Ravid zu, was er am
Donnerstag zu erzählen hatte.
Ein spanischer Clown –
es beginnt wie ein Witz – landet in Israel. Nicht
nur irgend ein Clown. Es ist Spaniens größter Clown,
Ivan Prado. Er rechnete damit, problemlos durch die
Passkontrolle gehen zu können – ein spanischer
Bürger, eben ein Clown braucht keine
Sicherheitsbevollmächtigung, um den demokratischen
Staat Israel zu betreten, nimmt sein Gepäck volle
Tricks und fährt weiter nach Ramallah.
Er, der Witzbold, hatte
geplant, ausgerechnet in Ramallah ein
internationales Clown-Festival auszurichten. Es war
der Fehler seines Lebens, eine wirklich verrückte
Idee. Zunächst welchen Nutzen hat es für
Palästinenser Clowns aus andern Ländern zu haben.
Sie haben genug eigene, danke. Auf jeden Fall, haben
sie in Ramallah denn etwas zu lachen?
Im Nu erschien einer
der trefflichsten vom Shin Bet, ein wahrer Wächter
Israels, um diesen Narren zu fragen, welche
Verbindungen er zu „Terrorgruppen“ hat. Prado, der
dumme Clown weigerte sich, eine Antwort zu geben.
Der Shin Bet-Agent ( eine weniger bekannter Clown)
glaubte anscheinend, er hätte den Tag gerettet.
Um eine lange
Geschichte kurz zu machen: nach sechs Stunden
elendiglichen Wartens am Ben-Gurion-Flughafen wurde
Prado von einem Angestellten des Innenministeriums
informiert: Sie werden ausgewiesen. Sie fliegen mit
dem nächsten Flug nach Madrid zurück, dort ist Platz
für Witzbolde wie Sie!“ Damit verwandelte sich Prado
in einen Propheten der Apokalypse. Nachdem er in
Spanien gelandet war, begann er Israel in der
lokalen Presse zu denunzieren und verglich den Kampf
der Palästinenser mit dem der Juden in Polen im
Krieg. Genau das ist es, was wir brauchen – noch
mehr polnische Witze.
Der israelische
Botschafter in Madrid sandte ein dringendes
Kommunique nach Jerusalem und fragte: Was habt Ihr
getan? Das Außenministerium antworte kurz: „Aus
Sicherheitsgründen.“ In der Botschaft war man
wütend. Dort wartete man auf eine inhaltsreichere
Antwort, um den Fragen der spanischen Medien
begegnen zu können; den die Ausweisung eines Clowns
aus „Sicherheitsgründen“ muss wohl eine Art Witz
sein. Aber der Shin Bet-Sicherheitsdienst und das
Verteidigungsministerium hatten keine Lust zu
antworten. „ Der Mann gab den Sicherheitsleuten
keine richtige Antwort, besonders nicht über seine
Verbindungen zu palästinensischen
Terrororganisationen,“ sagte der Shin Bet zu Haaretz
auf dessen Frage.
Eine Interpretation im
Kontext: Prado, wie vom allwissenden Shin Bet
verstanden, hat klar Verbindungen mit Terrorgruppen,
sonst würde er kein Clown-Festival in Ramallah
ausführen wollen. Noch schlimmer: erweigerte sich,
über diese Verbindungen zu sprechen. Welche
„Terrorgruppen“? Islamischer Jihad oder die Al
Aqsa-Märtyrerbrigaden vielleicht? Al-Qaida? Irans
Quds-Kräfte? Was für Verbindungen. Dachte der Clown
daran , die großen Vorräte von Gelächter an
feindliche Elemente weiterzugeben? Witzbomben an die
Jihadisten? Eine Pointe an die Hamas? „Ihr mögt
lachen“, sagte ein Angestellter des
Außenministeriums danach, „Aber der Vorfall hat
Image Israels im Ausland schon ernsthaften Schaden
zugefügt, wenn Israel nicht eine ernsthafte
Erklärung liefert.“
Prado ist nicht allein.
Wäre die Geschichte nicht so dumm, grotesk und
ärgerlich, könnten wir darüber lachen. Aber Dutzende
ausländischer Besucher wurden in der Vergangenheit
auf ähnliche Weise ausgewiesen, weil sie verdächtigt
wurden, mit den Palästinensern zu sympathisieren –
wirklich ein schweres Verbrechen. Es sind Leute mit
Gewissen, die hierher kommen, um ihre Unterstützung
für die Palästinenser auszudrücken; denen wird von
der Polizei des Flughafens ein Strich durch die
Rechnung gemacht. Der jüdisch-amerikanische
Historiker Norman Finkelstein wurde ausgewiesen,
weil er einen Ein-Staatenlösung im Nahostkonflikt
unterstützt und glaubt, dass Israel den Holocaust in
eine Industrie verwandelt hat. Aber wenn er ein
neues Einwanderungsdokument beantragt hätte, dann
hätte er sie sofort bekommen – nach dem
Rückkehrgesetz. Aber zu Besuch zu kommen und zu
kritisieren? Schick ihn zurück nach Amerika.
Genauso wurden vor
kurzem drei schwedische Aktivisten einer
jüdisch-palästinensischen Bildungsgruppe ausgewiesen
und ein amerikanischer Journalist, der jahrlang für
die palästinensische Nachrichten Agentur Maan
gearbeitet hatte. Hat jemals jemand gehört, dass
eine Unterstützer oder Wohltäter der
extremistischsten Siedlergruppe ausgewiesen wurde?
Bitte – bringt den Shin
Bet und das Innenministerium nicht zum Lachen.
(dt. Ellen Rohlfs)
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