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Lage im Libanon

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

zunächst möchten wir uns noch einmal herzlich für euer Engagement für die Flüchtlinge und das Dar Assalam sowie für das in uns gesetzte Vertrauen bedanken.

Ich war vom 11.09.-23.09.06 im Libanon und möchte euch einen Überblick über die Lage im Libanon geben, wie sie sich mir während meines 12-tägigen Aufenthaltes bot.

Ich habe Beirut und den Süden des Landes besucht. In die Beka´a-Ebene und zu den dort betroffenen Dörfer konnte ich aus zeitlichen Gründen nicht fahren.

So paradox es klingen mag, man spürt zunächst nichts von der Zerstörung des Krieges. Der Alltag scheint die Leute wieder eingeholt zu haben, die vom Krieg nicht „direkt“ durch die Zerstörung ihrer Häuser oder Todesfälle betroffen sind.

Die Straßenverhältnisse zwischen Beirut und dem Süden sind einigermaßen in Ordnung mit Ausnahme der zerstörten Brücken. Die Franzosen haben begonnen, an einigen Stellen Behelfsbrücken zu errichten. Der Großteil der Trümmer auf den Straßen (mit Ausnahme der zerstörten Vororte von Beirut) ist bereits fortgeräumt.

Die Not und das Elend der Bevölkerung in den zerstörten Vororten Beiruts und Dörfern im Südlibanon dagegen sind groß.

Die Preise sind zwar deutlich gefallen liegen aber um einiges höher als vor dem Krieg, dies gilt insbesondere für Benzin und Diesel.

Ich habe sowohl mit dem Bürgermeister von Wardaniyéh „Abu Mustafa“ als auch mit Gemeinderäten über das von ihm ins Leben gerufenen Hilfskomitees gesprochen, um mich über die geleistete Hilfe zu informieren. Das Komitee bestand aus ehrenamtlichen Helfern und Gemeinderäten. Unsere Spendengelder waren eine große Hilfe. Es konnte prompt und zuverlässig geholfen werden. Auch die medizinische Versorgung war gut. Einige übersetzte Passagen aus dem Dankesbrief von Abu Mustafa vom 18.09.06 befinden sich am Ende dieses Schreibens.

In Sibline bei Wardaniyéh wurde ein staatliches Krankenhaus errichtet, dass wegen des dringenden medizinischen Bedarfes schon vor seiner Fertigstellung während des Krieges eröffnet wurde. Die Anschaffung eines Rettungswagens für Wardaniyéh, wie wir sie zunächst geplant hatten, ist daher überflüssig geworden.

Während meines Aufenthaltes wurde ein Fest in Wardaniyéh organisiert, um die Rückkehr aller Flüchtlinge aus Wardaniyéh in ihre Heimatdörfer zu feiern. Die letzten Flüchtlinge hatten am 07.09.06 das Dar Assalam verlassen. Fast das ganze Dorf war auf den Beinen und es wurde noch einmal ausdrücklich allen Helfern gedankt.

Des Weiteren hatte ich ein Treffen mit dem Vorsitzenden der NGO`s in Saida Herrn „Majed Hamtou“. Auch dieser hat sich herzlich für unsere Hilfe bedankt und mich über den Verlauf der stattgehabten und noch stattfindenden Hilfe informiert. Unsere Unterstützung ging u.a. an die 700 Flüchtlinge, die in der Schule für Behinderte „Tadamun wa Tanmia“ bzw. „Garten des Friedens“ untergebracht waren. Auch diese sind bereits alle in ihre Dörfer zurückgekehrt. Laut Auskunft der Vorsitzenden Frau „Jamal Choaib“ wurden diese so gut als irgend möglich versorgt. Einige Sozialarbeiter dieser Institution sind nun im Südlibanon, um den dortigen Bewohnern zu helfen.

Der schwerste Teil meiner Reise, war der Weg in den Süden. Man „härtet“ auf der Reise langsam ab, da die Zerstörung immer weiter zunimmt, je näher man der israelischen Grenze kommt. Sind zu Beginn nur einige Häuser zerstört, so gibt es in den weiteren Ortschaften und Dörfern wie z.B. in „Aitroun“, „Ainata“, „Maroun Arras“ und „Bint Jbeil“ kaum ein unversehrtes Haus, dies ist ähnlich in den Ortschaften „Sfryfah“, „Ghandourieh“ und „Froun“ östlich von Tyros. Immer wieder sieht man verzweifelte Menschen, die versuchen mit den Händen noch irgendetwas Brauchbares aus den Trümmern ihrer Häuser zu buddeln.

Die Not dort ist so groß und der Hilfebedarf so immens, dass es unsere Möglichkeiten sprengt dort mittels der bei uns eingegangenen Spenden effektiv zu helfen. Mehrere regierungsamtliche Hilfsorganisationen aus verschiedenen arabischen Ländern (Qatar, Saudiarabien...) sind vor Ort, so sah ich z.B. den Bau einiger provisorischer Häuser.

Dennoch möchten wir weiterhin sinnvoll helfen. Im Gespräch mit Frau Jamal Choaib (s.o.) und Herrn Majed Hamtou (s.o.) sind wir zum Schluss gekommen, dass dies durch eine finanzielle Unterstützung bei den Schulkosten sinnvoll wäre. Durch die Art der Verwendung bzw. die Organisation der Hilfe wäre auch gewährleistet, dass die Spenden nicht in einem großen Topf landen und vor „Missbrauch“ geschützt sind.

Dazu einige Informationen:

Der alljährliche Schulbeginn stellt für einen Großteil der Bevölkerung eine harte finanzielle Probe dar. Auch die staatlichen Schulen erheben Schulgeld und die Schulbücher, -hefte etc. sind teuer. Gerade jetzt wo die astronomischen Preise während des Krieges und die immer noch erhöhten Preise die geringen Rücklagen aufgezehrt haben, ist der Hilfsbedarf sehr hoch. (Saudiarabien hat das Schulgeld für alle staatlichen Schulen im Libanon in diesem Sommer gestiftet.)

Wir haben einen kleinen Beitrag geleistet und dem Schuldirektor von Wardaniyéh 3.000 € übergeben, damit diese für den Kauf von Lehrmitteln für Kinder aus ca. 60 bedürftigen Familien in Wardaniyéh verwendet werden.

Das psychische Leid der Bevölkerung vor allem der Kinder ist groß. Immer wieder wurde mir von „bürgerkriegserfahren“ Menschen mitgeteilt, das der Schrecken und Terror noch nie so groß waren. Die Soziologin „Soray Hachen“, die zuständig für die Frauenvereinigung im Südlibanon ist, hat mit einigen Lehrern und Psychologen eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, um traumatisierte Kinder psychologisch zu betreuen. Auch diese Arbeit würden wir gern finanziell unterstützen.

Was die Situation im „Dar Assalam“ betrifft, so sind wir froh, dass unser Team nicht persönlich von Zerstörung oder Tod betroffen ist. Im Haus gibt es hier und da einige Defekte und Verluste, aber diese sind nicht wirklich gravierend. Der Garten hat unter dem Wassermangel sehr gelitten, aber das ist alles reparabel. (Die Kosten belaufen sich nach ersten Schätzungen des Handwerkers auf ca. 3000,00 €). Die Spendengelder, die ausdrücklich für das Dar-Assalam-Team bestimmt waren, haben wir an dieses weitergereicht.

Was die politische Situation angeht so hat sich das Land in zwei Lager gespalten. Die einen halten die Hisbollah bzw. Iran und Syrien für Schuld am Krieg und unterstützen die UNO-Resolution 1701, die den Waffenstillstand zwischen der Hisbollah und Israel sowie die Stationierung der UNO-Truppen im Südlibanon regelt, zu ihnen gehört der Premierminister „Fuad Siniora“ und der größte Teil seiner Regierung. Das andere Lager betrachtet die Hisbollah als Helden und als die wahren Verteidiger des libanesischen Staates und begrüßen die Unterstützung aus Syrien und dem Iran, zu ihnen gehört der Staatspräsident „Emil Lahoud“, dessen Amtszeit mit Hilfe Syriens bis September 2007 verlängert wurde.  

Latifé wird am 06.10.06 in den Libanon zurückfliegen und vor Ort die Hilfe weiter organisieren bzw. die Spenden weiterleiten.

Ich selbst werde Ende Oktober bis Anfang November in den Libanon reisen, um dort die Lage zu prüfen und weitere sinnvolle Hilfsmöglichkeiten zu suchen.

Nach Rücksprache mit Pfarrer Siggi Pick vom Ausländerpfarramt in Bad Kreuznach sammeln wir weiterhin Spenden auf dem bekannten Konto:

Stichwort: „Flüchtlingshilfe Libanon Nr. 40.1.330.00.72
Kontoinhaber: Evang. Verwaltungsamt
Sparkasse Rhein-Nahe
Kto#: 75
BLZ: 56050180

 

„Auszüge aus dem Brief des Vorsitzenden des Bürgermeisteramtes in Wardaniyéh Hussain Bayram (Abu Mustafa):

Im Namen des Bürgermeisteramtes von Wardaniyéh und im Namen der Flüchtlinge in Wardaniyéh richte ich an euch (= Dar Assalam) und alle lieben Freunde, die in Deutschland sind, unseren Dank für ihre Unterstützung, die sie während des Krieges im Libanon leisteten. Dadurch haben sie unsere Situation gelindert....

Unser Dank geht an das Dar Assalam, dass uns sein Haus kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Es ist für uns nichts Neues, dass das Haus für solche Fälle immer offen steht.

An alle (= unsere Freunde in Deutschland) unsere Liebe, unseren Dank und unseren Respekt, für das, was sie getan haben und tun.

der Vorsitzende des Bürgermeisteramtes in Wardaniyéh Hussain Bayram“

 Mit freundlichen Grüßen

Said Arnaout

 

Dar Assalam für Interkulturelle Reisen

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Tel.:009617/ 970410 Fax: 009617 / 970411 Mobile:00961/ 3701044

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