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Texte von Arn Strohmeyer

Omri Boehm ein antisemitisches Buch?
Zionistenschreiben vor, wie an Holocaust zu erinnern.
Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE  


 

Zerbricht der Zionismus an seinen Widersprüchen?

Petra Wild hat eine brillante Analyse des israelischen Siedlerkolonialismus vorgelegt

Arn Strohmeyer


 

Die Islamwissenschaftlerin und Publizistin Petra Wild hat sich mit ihrem Erstling „Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina“ gleich in die erste Reihe der Nahost-Kenner geschrieben. Ihr ist es vor allem zu danken, den Begriff des „Siedlerkolonialismus“ in Deutschland in Umlauf gebracht zu haben, der erhebliche analytische Qualitäten besitzt, um den Zionismus und seine Politik zu verstehen. An diesem zentralen Begriff knüpft Petra Wild auch in ihrem neuen Buch „Die Krise des Zionismus und die Ein-Staat-Lösung. Zur Zukunft eines demokratischen Palästina“ an. Dieser Ansatz ist äußerst fruchtbar und aus ihm drängen sich Schlussfolgerungen für eine Lösung des nun schon über 120 Jahre alten Konflikts geradezu auf.

Die Autorin geht noch einmal ausführlich und im Detail auf das Faktum Siedlerkolonialismus ein, wobei sie sich auf umfangreiche wissenschaftliche Arbeiten aus Staaten berufen kann, die wie Israel auch aus dem Siedlerkolonialismus hervorgegangen sind – etwa die USA, Kanada, Australien und Südafrika. Solche Staaten habeb sich nicht irgendwie entwickelt, sondern ihrem Entstehungsprozess liegt eine Gesetzmäßigkeit zu Grunde, die sich an den genannten Staaten exakt konstatieren lässt. Alle Siedlerstaaten gehen durch den massiven Einsatz von Gewalt gegen die indigene Bevölkerung hervor und versuchen nach der Eroberung des Territoriums diese Gewalt vergessen zu machen. Siedlerkolonialistische Gesellschaften sind ethnokratisch, das heißt, die eingewanderten Siedler haben einen anderen ethnischen Ursprung oder eine andere Religion und sie herrschen mit Repression und Unterdrückung über die indigenen Bewohner.

Aus dem Überlegenheitsgefühl der Siedler ergibt sich automatisch ein ausgeprägter Rassismus gegenüber den Unterworfenen, der die Verdrängung bzw. Vertreibung der ursprünglichen Bevölkerung zur Folge hat. Dieser Prozess wird auch durch den Expansionsdrang siedlerkolonialistischer Gesellschaften forciert, denn es muss ständig zusätzliches Land für die neu ankommenden Einwanderer geraubt werden. Der australische Kolonialismus-Forscher Patrick Wolfe führt in diesem Zusammenhang noch den Begriff der „Eliminierung“ ein. Er versteht darunter „die Entfernung oder Zerstörung der einheimischen Bevölkerung, ihrer Identität und Zusammengehörigkeit, ihrer Kultur und Lebensgrundlagen mit verschiedenen Methoden.“ Dieser gewaltsame Vorgang findet erst dann sein Ende, wenn die einheimische Bevölkerung völlig verdrängt ist oder wenn es ihr gelingt, den Prozess zu stoppen und die Dynamik umzukehren. Das zionistische Israel weist alle diese für den Siedlerkolonialismus typischen Charakteristika auf.

Der Zionismus hat sein wesentliches Ziel bisher nicht erreicht, die reine „jüdische Ethnokratie“ zu schaffen, weshalb sich in diesem Projekt die Krisen-Symptome mehren. So ist es Israel auch nicht gelungen, wie ursprünglich geplant, alle Juden in diesem Staat zu versammeln und den dort lebenden Juden ein sicheres Leben zu geben. Israel ist heute – auch fast 70 Jahre nach seiner Gründung – ein für Juden gefährliches Land, weil der koloniale Konflikt schwer auf dem Staat lastet. Der Satz von Karl Marx „Ein Volk, das ein anderes unterdrückt, ist selbst nicht frei“ bewahrheitet sich im Fall Israel. Petra Wild bringt es auf die Formel: „Keine Gesellschaft kann auf Dauer ein Land kolonisieren und seine einheimische Bevölkerung mit Gewalt unter Kontrolle halten, ohne dafür einen Preis zahlen zu müssen.“ Sie verweist auf den Kolonialismus-Forscher Albert Memmi, der schon vor Jahrzehnten konstatiert hatte, „dass der Kolonialismus nicht nur die Kolonisierten zerstört, sondern auch die Kolonialisten.“

Die Israelis machen gerade diese bittere Erfahrung, auch wenn sie mehrheitlich diese Wahrheit nicht anerkennen wollen, sondern sie ideologisch verbrämen: dass die Palästinenser die „neuen Nazis“ sind und sie [die Israelis] gegen den „Terrorismus“ kämpfen usw. Die israelischen Juden verweigern sich der Einsicht, dass das gewaltsam durchgesetzte zionistische Projekt, einen jüdischen Nationalstaat auf Kosten eines anderen Volkes zu schaffen, zwangsläufig dazu führen muss, in einem permanenten Konflikt leben zu müssen. In immer sich wiederholenden grausamen Kriegen müssen die Israelis ihre überlegene Abschreckungskraft über die unterworfenen Palästinenser und andere Nachbarn beweisen, was Israel zu einem martialischen und aggressiven Militärstaat gemacht hat. Der Preis dafür ist aber ein Leben voller Hass auf die Beherrschten und ein Leben in ständiger Angst. Petra Wild schreibt: „In die aus der Verfolgungsgeschichte resultierende Angst mischt sich die Angst, die wie ein Schatten über jeder Kolonialgesellschaft liegt, weil sie weiß, dass ihr Projekt unrechtmäßig ist und sie irgendwann den Preis dafür bezahlen muss.“ Ein Preis macht sich jetzt schon bemerkbar: Die ständige Gewalt bei der Unterdrückung der Palästinenser bleibt nicht ohne Folgen – sie brutalisiert auch die israelische Gesellschaft selbst.

Als weitere Symptome für die Krise des Zionismus listet die Autorin auf: Schwere militärische Schlappen, die man als Niederlagen bezeichnen muss, gegen die arabische Widerstandsbewegungen (Libanon 2006 und Gaza-Krieg 2014); der Verlust der jüdischen Bevölkerungsmehrheit auf dem Boden des historischen Palästina; der wachsende Druck von außen – vor allem durch die Boykott-De-Investment-Sanktionen-Kampagne; Risse und Brüche im zionistischen Konsens der jüdisch-israelischen Bevölkerung; die Auswanderung von immer mehr Juden aus Israel; die Abwendung vieler US-amerikanischer und europäischer Juden vom Zionismus sowie die Schwächung der Weltmachtstellung der USA, des größten Verbündeten Israels. Zudem treten immer mehr Staaten in kritische Distanz zu Israel und erkennen einen Staat Palästina an.

Die offizielle israelische Politik weigert sich mit allen Mitteln, diese Krisensymptome anzuerkennen und wehrt sie mit dem „Antisemitismus“-Vorwurf ab. Die Autorin erkennt auch in solchen ideologischen Abwehrschlachten ein typisches Krisensymptom: „Siedlerkolonialistische Gesellschaften sind geprägt von der Ersetzung der Realität durch die Fiktion. Um ihre Selbstlegitimierung und ihr positives Selbstbild aufrechterhalten zu können, sind sie auf eine ständige Verdrehung und Ausblendung der Realität angewiesen. Niemand glaubt die Propaganda so sehr wie der Propagandist selbst. Das erzeugt nicht nur falsches Bewusstsein und falsche, manipulierte Gefühle, es beschädigt die Art des Denkens selbst.“ Diesen Sachverhalt bestätig der israelische Psychologe Daniel Bar-Tal, der festgestellt hat, dass es in der jüdisch-israelischen Bevölkerung einen Mangel an kritischem Denken gibt und dass Engstirnigkeit und der Wunsch, die Realität auszublenden, weit verbreitet sind.

Es steht also nicht gut um den Zionismus, der sich durch seine Eroberungs- und Landraubpolitik und die Verweigerung der Zwei-Staaten-Lösung selbst in eine äußerst missliche Lage manövriert hat, aus der nun kein Ausweg zu erkennen ist. Durch die Annexion der besetzten Gebiete und durch die Abwanderung vieler jüdischer Israelis werden die Juden in naher Zukunft auf dem Boden des historischen Palästina in der Minderheit sein. Damit wäre der zionistische Traum von einem rein „jüdisch-ethnischen Staat“ ausgeträumt. Da die Zionisten die Macht aber nicht freiwillig abgeben werden, droht die Möglichkeit eines diktatorischen Apartheidstaates, der aber wie das südafrikanische Beispiel gezeigt hat, auch keine Zukunft hätte. Ein realer Ausweg wäre die Ein-Staaten-Lösung – also ein säkularer Staat mit gleichen Rechten für alle seine Bürger.

Für dieses Modell hat sich Edward Said schon vor fast zwanzig Jahren stark gemacht. Er schrieb in einem Artikel in der „New York Times“, dass ein gemeinsamer Staat auf dem Boden des historischen Palästina der einzig konstruktive Ausweg aus dem seit über 100 Jahren andauernden blutigen Konflikt sei. Die Zwei-Staaten-Lösung habe in die Apartheid geführt, und in dem winzig kleinen Land Palästina lebten jüdische Israelis und Palästinenser räumlich so eng beieinander, dass der Versuch, die beiden Bevölkerungen komplett voneinander zu trennen, kaum realisierbar sei. Anstatt darüber nachzudenken, wie die Segregation effektiver erreicht werden könne, sollte über ein Zusammenleben in einer Demokratie nachgedacht werden: Ein Mann/ eine Frau – eine Stimme, wie in Südafrika.“

In der Tat ist die Zwei-Staaten-Lösung durch die Fakten, die Israel mit seinem Siedlungsbau im Westjordanland geschaffen hat, kaum noch realisierbar. Die Siedlungen mit annähernd 600 000 Bewohnern müssten geräumt werden, ein Vorgang, der Bürgerkrieg unter Juden bedeuten kann. Außerdem wären die 1,6 Millionen Palästinenser, die israelische Staatsbürger sind, der Gefahr einer ethnischen Säuberung ausgesetzt. Die Ein-Staaten-Lösung ist so gesehen eine Reaktion auf das Scheitern der Zwei-Staaten-Lösung. Dieses Modell bietet sich, so die Autorin, auch deshalb an, weil auf dem Boden des historischen Palästina auf Grund der fortschreitenden israelischen Kolonisierungspolitik bereits ein einheitlicher Staat entstanden ist, in dem jetzt schon – wenn auch unter sehr unterschiedlichen Bedingungen – Palästinenser und Israelis leben.

Die Autorin, die sich engagiert für dieses Modell einsetzt, kann sich dabei auf viele palästinensische Stimmen berufen, die in dieser Lösung den „moralischsten Weg für die Verwirklichung eines gerechten und dauerhaften Friedens in der Region sehen, da sie auf gleicher Humanität und gleichen Rechten basiert“, so Omar Barghouti. Die Ein-Staaten-Lösung wäre ein Angebot der Palästinenser zu einem historischen Kompromiss, denn sie wären bereit, das Land mit den jüdischen Israelis zu teilen – also den Eroberern und Besatzern. Die Palästinenser wären bereit, den Zionisten die Verbrechen an ihrem Volk zu verzeihen und mit ihnen in einem Staat zusammen zu leben.

Das klingt gut, aber dem steht der Zionismus wie ein Bollwerk aus Beton gegenüber. Der zionistische Siedlerkolonialismus ist eine ausschließende Ideologie, die Versöhnung und Friedensbereitschaft nicht kennt. Sie versteht sich als Antithese zur einheimischen palästinensischen Bevölkerung,  das Verschwinden dieser Menschen ist ihr vorrangiges Ziel. Das zionistische Israel würde die sich selbst zugesprochene Legitimität und die sich selbst verordnete historische (Opfer-)Rolle (also sein Narrativ) in Frage stellen, wenn es den Palästinensern nationale und politische Rechte zugestehen würde – ein Schritt, der zur Zeit völlig undenkbar ist, denn die Ein-Staat-Lösung setzt die Entkolonisierung und Entzionisierung Israels voraus. Die Palästinenser haben es da leichter, denn die Ein-Staaten-Lösung wäre für sie ein „Befreiungsprojekt“ für sie selbst und auch für die Juden. Denn „die Befreiung der Palästinenser ist die Bedingung für die Befreiung der Juden in Palästina, schreibt Petra Wild. Der Palästinenser Anwar Ben Badis formuliert es so: „Die Ironie ist, dass das Opfer [die Palästinenser] sich in einer ungewöhnlichen Position wiederfindet, dem Täter zu helfen, sich selbst des Mythos zu entledigen, um Befreiung für beide möglich zu machen; ersterem von der Bitterkeit der Enteignung und letzterem von der Bitterkeit der Sünde. In unserem Land kann Befreiung nicht partiell sein.“

Das ist schlüssig und äußerst human gedacht, dagegen aber steht der zionistische Koloss, der seine Zukunft ganz auf seine siedlerkolonialistische Ideologie und seine überlegenen Waffen baut – mit Europa und den USA als Schutzmächten im Rücken. Humane Ansätze sind da nicht zu erkennen. Petra Wilds Buch haftet so gesehen ein Hauch von Vision und Utopie an. Sie vertraut darauf, dass sich das Kräfteverhältnis zuungunsten Israels verändern wird und sich die Israelis dann immer weniger gegen den Einbruch der Realität wehren können. Sie müssten dann begreifen, was ihr Siedlerprojekt an Unmenschlichkeiten angerichtet hat und die Schlussfolgerungen. Der Leser von Petra Wilds brillant geschriebenen Buch möchte sich nach der Lektüre dem Prinzip Hoffnung anschließen, dass die Geschichte den von ihr vorgezeichneten Verlauf nimmt und in dem so Leid geprüften Palästina eines Tages Frieden und Gerechtigkeit herrschen werden.

Aber die Geschichte kann künftig auch ganz andere Wege gehen – etwa den, den Ilan Pappe auch für möglich hält: „Wenn uns in den nächsten 20 Jahren keine alternative Lösung einfällt und das Kräfteverhältnis zugunsten Israels eine Situation stabilisieren wird, in der die Hälfte der Westbank annektiert wird und die Menschen in der anderen Hälfte sich selbst nicht mehr erhalten können, dann ist es durchaus möglich, dass wir die Palästinenser aus der Geschichte tilgen werden. Es ist möglich, dass wir sie aus jedem Bewusstsein tilgen – aber dann werden uns die arabische und muslimische Welt tilgen, selbst wenn es 100 oder 200 Jahre dauert. Wir müssen über eine langfristige Lösung nachdenken, nicht nur um die Besatzung zu beenden, nicht nur um eine Lösung für Juden und Araber in diesem Land zu finden, sondern weil die gesamte Zukunft der Juden in Gefahr sein wird, wenn es dem zionistischen Projekt gelingt, sich zu vollenden.“

Aber dies ist kein Einwand gegen Petra Wilds sehr gelungenes Buch.

 





Petra Wild
Die Krise des Zionismus und die Ein-Staat-Lösung.

Zur Zukunft eine demokratischen Palästina

Promedia Verlag Wien

ISBN978-3-85371-386-0, 17,90 Euro

4.12.2015

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