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Buchvorderansicht: Rohlfs - 'Nie wieder!'? Was geschieht eigentlich hinter der Mauer in Palästina?

Was geschieht eigentlich hinter der Mauer in Palästina?

Eine Dokumentation von Ellen-Ruth Rohlfs
3. erweiterte Auflage

"Nur" Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder schleichender Völkermord

Selbstverlag - Preis 12.- € - Zu beziehen über: ellen.rohlfs(at)freenet.de
 

 

Felicia Langer
Um Hoffnung kämpfen

Kein Frieden in Nahost: Sie möchte jedoch dem Hass eine Kraft entgegensetzen, die Liebe, die sie selbst erfahren hat. Sie ist erfüllt von Hoffnung. Einer Hoffnung, für die gestritten werden muss, gegen das Unrecht. In diesem sehr persönlichen Buch schildert Felicia Langer, was sie bestärkt, sich für Versöhnung und Frieden einzusetzen. >>>

Larnuv Taschenbuch 345 Originalausgabe mit Abbildungen ca. 144 Seiten
ca. 9,90 € [D], 1
ISBN 978-3-88977-688-4

Um Hoffnung kämpfen - Dr. Ludwig Watzal  >>

Unteilbarer Humanismus - Felicia Langer hat ein eindringliches Buch zum israelisch-palästinensischen Konflikt geschrieben - Von Werner Ruf  >>>

 


 

Diejenigen, die nun laut schreiend und keifend sich getroffen fühlen, sollten darüber nachdenken, wie es zu schaffen ist, diese in der Tat schockierenden Urteile obsolet werden zu lassen. Noch ist es dafür nicht zu spät

Günter Schenk

Sehr geehrte Frau Karas,  

 

mit Interesse las ich die von Ihnen weiterverbreitete Mitteilung des Thomas-Immanuel Steinberg (www.steinbergRecherche.com). Natürlich hat SteinbergRecherche Recht, legt seine Finger auf die Wunden eines Staates, der einst gegründet wurde um verfolgten Juden der Welt einen sicheren Hafen zu geben. 

Das aber ist lange Geschichte und Sie sollten doch wissen, dass schon die Gründung dieses "sicheren" Hafens auf Terror gebaut war. Zahlreiche Empfänger Ihrer Mail wissen dies vielleicht nicht. Die Berichte über jüdische Terroraktionen sind Legion und in der Bibliothek jedes Institutes für neuere Geschichte nachzulesen. (z.B. bei Simcha Flapan,  Die Entstehung Israels)


 

Der Terror richtete sich aber im Falle Israels nicht, wie das bedauerlicherweise, ja oft wohl notwendigerweise, in fast allen kolonisierten Staaten zur Zeit der Entkolonisierung üblich war, allein gegen die damalige britische Mandatsmacht für Palästina. Anders, als man ihnen versprochen hatte, fanden die einwandernden Menschen nämlich kein menschenleeres Land vor.  Nein, der wirkliche Terror von für den Nahen Osten historischer Dimension fand seinen ersten Höhepunkt in der Ermordung der Einwohner ganzer palästinensischer Ortschaften und der daraus folgenden Massenflucht.  Deir Yassin steht hier stellvertretend für zahlreiche andere... Wie so oft, führte aber die Gründung, erbaut auf Terror, nicht zur gewünschten Sicherheit sondern ist der Grund für den Scherbenhaufen, den dieser Staat im ganzen Nahen und Mittleren Osten seitdem geschaffen hat. 


 

Damals schon schaute die durch den grausamen europäischen Judenmord gelähmte Welt untätig zu. Später dann, nach mehreren Angriffskriegen (siehe Forschungsergebnisse der angesehenen "Neuen Historiker" in Israel)  gegen seine Nachbarn, nach ungezählten Nichtbeachtungen von UNO-Resolutionen wurde der auf Gewalt gegründete letzte Kolonialstaat des 20. Jahrhunderts hoffähig, ungeachtet seines notorischen Zuwiederhandelns gegen immer mehr Resolutionen der UNO. Es war ja allzu verständlich: das schlechte Gewissen war in vielen Ländern allgegenwärtig. 


 

Kriege gegen die schwachen Nachbarn wurden vom Zaun gebrochen, die ohne erhebliche materielle Hilfe des Westens, dabei nicht unwesentlich durch die deutsche Rüstungswirtschaft, die jedes Mal  mit einer Erweiterung des vorher geflissentlich nie abgesteckten Staatsgebietes dieses auf fremdem Boden, nach Vertreibungen und fortgesetztem Landraub endeten. 


 

All dies weiß natürlich jeder Kenner der neueren Geschichte (ich hoffe, Sie entschuldigen mir die Nichterwähnung uralter historischer oder ahistorischer Mythen). Allein, es gehört sich offensichtlich  einfach nicht, dies zu benennen. Genauso wenig, wie es sich zu gehören scheint, auf die fortwährende schleichende Vernichtung aller gewachsenen Kultur und gesellschaftlichen Lebens im besetzten Palästina hinzuweisen. 


 

Wer in Deutschland weiß schon, wie die Welt für deutsche Juden von der Zeit der Naziherrschaft bis zum Beginn des 2. Weltkrieges aussah? Wer will wissen, wie das Leben für Juden in Deutschland aussah, in den dunklen Jahren bevor deutscher Rassewahn auch vor der letzten Schranke, dem Massenmord, irgendwo im Fernen Polen, dort, wo niemand so recht hinschauen konnte oder wollte,  oder hinter Stacheldrahtzäunen von Lagern, in die man lieber nicht hineinschaute, nicht mehr zurückschreckte? Verbot des Zuganges zu Gymnasien, zu Hochschulen und Universitäten, zumindest Behinderung, wo immer das möglich war, das war Realität für deutsche Juden bis zum Kriegsbeginn. Auch war erzwungene Auswanderung aus der geliebten und angestammten Heimat in Deutschland an der Tagesordnung. 


 

Waren all dies keine Verbrechen gegen die Menschlichkeit? frage ich Sie. Und nun, welche Parallelen gibt es zwischen diesen barbarischen Methoden und jenen, unter denen das palästinensische Volk nun schon im 40. Jahr (sic!)  der Besatzung leidet? Das alles sahen auch die Bischöfe aus Deutschland. Und sie sahen es nicht nur, nein sie benannten es auch, genauso, wie es ist. Ohne den allzuoft in der Vergangenheit geübten "Schönsprech". Mit klaren, jedermann verständlichen Worten. 


 

Der Beweis? Die vor Wut schäumende Reaktion der verantwortlichen Täter und jener, die die Täter und ihre schändlichen Untaten decken oder die mit relativierendem Ja/Aber 

mehr zur Vernebelung als zur Klärung beitragen.  Lassen Sie es mich deutlich ausdrücken: nicht Juden sind die neuen Täter, es ist der Staat Israel, der das Leben der Palästinenser nun schon im 40. Jahr dem langsamen Erstickungstod zutreibt. Wenn aber Juden in unserem Land und anderswo meinen, diese "langsame Vernichtung eines Volkes" (*) als Rechtens vertreten zu müssen, "entschuldigt" von einem absurden Sicherheitsargument, so machen sie sich ebenso mitschuldig wie all jene unter uns, Juden und Nichtjuden, Christen und Nichtchristen, die tatenlos zuschauen beim fortlaufenden Vernichtungswerk Palästinas. Ist es nicht gerade dies, das Vermächtnis aus der Geschichte, gerade für uns Deutsche, dass nie wieder Menschen wegen ihrer Herkunft, Zugehörigkeit, Religion oder Rasse bedrängt und gefährdet werden dürfen? 


 

Wer da aufschreit ist kein Antisemit, er ist ganz gewiss auch kein Judenhasser, sondern er folgt jenen universalen Werten, die gerade das humanistische Judentum unserer 

Welt geschenkt hat, Werte so schamlos von Israel mit Füßen getreten, Werte, die sich nicht ernähren aus Nationalismus, Militarismus, Abgrenzung, Ablehnung alles Fremden, sondern auf Humanitas gegründet sind. Wie ich Ihnen, liebe Frau Karas, oben schrieb, kann man offensichtlich all dies in unserem Land denken, aber, sagen, es beim Namen nennen, das gehört sich scheinbar einfach nicht, folgt man der erhitzten öffentlichen Diskussion um die Berichte der katholischen Bischöfe, am Ende ihrer Reise nach Israel, dem 1948 in Palästina errichteten Staat um dessen Existenz es natürlich nicht geht, es sei denn, man meine einen kolonialen, sicher kaum  in unsere Zeit gehörenden  Apartheidstaat, der die im Lande heimische und mit der angestammten Heimat in Liebe verbunde Bevölkerung aus Gründen von Zugehörigkeit  ausschließt. 


 

Erlauben Sie mir bitte, liebe Frau Karas, eine Vermutung: könnte es sein, dass es die gleiche Feigheit ist, damals und heute, die nicht hinschauen wollte und will, die die Greueltaten nicht beim Namen nennen wollte und will, die lieber mit "Schönsprech" die Verbrechen verharmlosten und nun erneut verharmlosen? Das, was dann aber später geschah, als die Schranken der Moralesetze der zivilisierten Menschheit außer Kraft gesetzt und  mit Füßen getreten wurde, im Weltkrieg, das wissen wir und es gilt natürlich nicht, dies und jenes miteinander gleichzusetzen. Schließlich gilt der Vergleich der Vorsorge, Gleichsetzung ist eine unerlaubte Instrumentalisierung und führt nicht weiter. Die Verbrechen sind ungleich, wiewohl es gerade jetzt wieder gilt, den Anfängen zu wehren. Wer weiß schon, wohin es den Staat Israel noch treibt, wenn einmal die Welt woanders hinschaut? Wie schrieb dazu Frau Hecht-Galinski, gestern wiedergegeben in einer Depesche einer großen Presseagentur "die Verbrechen der Vergangenheit sind nicht mehr rückgängig zu machen, aber die jetzigen in Palästina". Dem ist kaum etwas  hinzuzufügen.  


 

Dann aber wird niemand mehr sagen können "wir haben es nicht gewusst". Die Bischöfe aus Deutschland haben berichtet, wo anderen Berichten kein oder kaum Gehör geschenkt wurde. Darum ist es auch so wichtig, dass die katholischen Bischöfe nicht, wie allzuoft  in der Vergangenheit, eine verbrämende Sprache der "politischen Korrektheit" gewählt haben, sondern ihren Gefühlen und ihrem Denken mit aller Betroffenheit, jedoch mit Verantwortung für die Menschen in Israel und Palästina Ausdruck verliehen haben. Diejenigen, die nun laut schreiend und keifend sich getroffen fühlen, sollten darüber nachdenken, wie es zu schaffen ist, diese in der Tat schockierenden Urteile obsolet werden zu lassen. Noch ist es dafür nicht zu spät. Noch ist es Zeit, die seit fast 40 Jahren andauernde Besatzung über ein gequältes Volk zu beenden. Dann wird auch das, was die einen Widerstand, die anderen Terror nennen, ein Ende finden, zum Wohle aller Menschen, nenne man das dann Palästina oder Israel, das Land wird aufblühen als gemeinsame demokratische Errungenschaft nach langen, zerstörerischen Bruderkämpfen. 


 

Sollten für Sie, sehr geehrte Frau Karas, Fragen offen geblieben sein, so stehe ich Ihnen selbstverständlich gern zu weiteren Erläuterungen bereit   


 

mit freundlichen Grüßen 


 

Günter Schenk 

- collectif judéo-arabe et citoyen pour la paix, Strasbourg

- Coordination de l'Appel de Strasbourg pour une paix juste au Proche Orient  


 

 

* ich erwähne hier die erst in diesen Tagen erschienene erschütternde  Veröffentlichung des Mitgliedes von Gush-Shalom und der Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande, Frau Ellen Rohlfs 

"Nie wieder!" ? - Was geschieht eigentlich hinter der Mauer in Palästina? "Nur" Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder schleichender Völkermord? 

- eine Dokumentation - für eine Schutzgebühr von 10 € zu beziehen bei der Autorin <Ellen.Rohlfs@freenet.de>


 

 

 

 

Am 07.03.2007 um 19:26 schrieb CLAUDIA KARAS:


 

Thomas Immanuel Steinberg 

In the ghetto 

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hatte auf seiner Pilgerreise durchs Heilige Land in der Schoa-Gedenkstätte Yad Vashem die Bilder aus dem Warschauer Ghetto gesehen. Das sind erschütternde Bilder. Selbst einen Bischof, menschlicher Regungen nicht grundsätzlich unfähig, dürften diese Bilder erschüttern; sie werden auch den Eichstätter Bischof erschüttert haben. 

Am gleichen Tag fuhr der – vermutlich erschütterte – Bischof durch meterhohe, meterdicke Sperranlagen aus Mauern und Stacheldraht auf völkerrechtswidrig besetztem Gebiet in das Palästinenserreservat Ramallah. Alle, die je die Ghettoisierung der Palästinenser auf deren eigenem Boden besichtigt haben, sind erschüttert. Erlaubt sie doch immer weitere rein jüdische Siedlungen auf palästinensischem Gebiet mit Verkehrsverbindungen nur für Juden; der Judenstaat kann sich ausweiten, und die Palästinenser werden verjagt. 

Vermutlich war auch der Bischof von dem Anblick erschüttert. 

Beides, Warschauer Ghetto-Bilder und Palästinenser-Ghetto an einem Tag: Das fand Bischof Hanke „schwer zu ertragen“. Jeder fände das schwer erträglich. Mauer und Stacheldraht hier, Mauer und Stacheldraht da; verbrecherische Besatzung und Freiheitsberaubung hier, verbrecherische Besatzung und Freiheitsberaubung da; Opfergruppe hier, Tätergruppe da – wem ginge da nicht der Deckel hoch. 

Bischof Hanke empfand genau das, oder er simulierte glaubhaft dieses Gefühl, denn er schimpfte: „Da geht einem ja der Deckel hoch.“ Der geht jedem hoch angesichts der himmelschreienden Gemeinheit, die jüdische Israelis mit Unterstützung der Zionisten in aller Welt jeden Tag aufs Neue den Palästinensern antun. 

Selbst der Zentralrat der Juden in Deutschland behauptet, er wisse, daß die Situation der Palästinenser nicht leicht sei.

Wer aber deren Lage mit dem Leiden der Juden in den Ghettos der Nazis gleichsetzt, der hat aus der Geschichte nichts gelernt. Diese Äußerung hat antisemitischen Charakter.

So der Zentralrat. Doch Hanke hat nicht gleichgesetzt. Keines der Pressezitate deutet darauf hin. Nur der Zentralrat behauptet es. Die – vom Zentralrat wahrheitswidrig behauptete – Gleichsetzung habe judäophoben Charakter. 

Der Zentralrat ist offenbar verstandlos, oder er simuliert Unverstand: Er kann einfache Sätze nicht lesen. Er ist womöglich auch gefühllos – er teilt keine menschliche Regung. 

Er lebt offenbar in einem Ghetto. 

Eines seiner Mitglieder, der Psychologie-Professor Rolf Verleger, hat auf ein Türchen in der Mauer gewiesen. Der Zentralrat könnte es öffnen. Draußen ist bald Frühling. 

T:I:S, 7. März 2007

 

 
 

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