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Zweierlei Maß in Nahost
Abraham Melzer

 Zum Beitrag von Robert B. Goldmann in der FAZ vom 19. Juli 2010

 

Herr Goldmann aus New York hat vollkommen Recht. Die Welt misst Israel tatsächlich mit zweierlei Maß. Einerseits behauptet Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten zu sein, andererseits beschwert sich Israel und in diesem Fall Herr Goldmann, wenn man Israel mit demokratischen Maßstäben misst und nicht so wie Darfur, Sudan oder Kongo, die alles andere als westliche Demokratien sind.

Herr Goldmann sollte Israel an dem messen, was es tut bzw. nicht tut und nicht jammern, dass man Israel kritisiert und Darfur nicht. Diese Tatsache taugt nicht als Entschuldigung für die israelischen Verbrechen gegen die Menschenrechte, gegen UN-Resolutionen und gegen das elementare Völkerrecht.

Herr Goldmann sollte sich lieber Sorgen darüber machen, was in israelischen Schulen und Universitäten gelehrt wird und weniger um das, was in der arabischen Welt geschieht. Diese einfache moralische Ansicht und Einsicht hat mir schon mein Vater beigebracht, als ich noch Kind war: Die anderen stehen im Stall, pflegte er zu sagen.

Es ist in der Tat „gleichgültig welche Regierung in Jerusalem gerade am Ruder ist“, denn wenn es um das Verhältnis zu den Palästinensern ging, waren sie alle gleich und die linken Regierungen waren dabei noch die schlimmsten, weil sie auch die verlogensten und heuchlerischsten waren.

Warum fragt Goldmann nicht nach dem Grund, weshalb israelische Bürger bedroht sind?

Herr Goldmann bedauert es offensichtlich, dass eineinhalb Millionen (nicht zweieinhalb) Palästinenser, die in Israel leben, „anscheinend“ nicht auswandern wollen. Warum sollten Sie? Schließlich wohnen sie seit vielen Jahrhunderten dort im Gegensatz zu den russischen Einwanderern, die erst 10 Jahre dort leben und schon behaupten, es sei ihr Land und die Palästinenser hätten in Israel nichts zu suchen.

Goldmann braucht nicht daran zu erinnern, dass jordanische Soldaten eine Synagoge in Jerusalem zu einer Latrine umgebaut haben, was eine dumme und gelogene Behauptung ist. Wahr hingegen ist, dass Israel mehr als 450 palästinensische Städte und Dörfer dem Boden gleich gemacht hat, nachdem die Israelis 1948 mehr als 800 000 Palästinenser vertrieben haben.

Absurd, lächerlich und unverschämt wird dieser Goldmann, wenn er einerseits zugibt, dass Siedlungen auf geraubtem Grund und Boden gebaut wurden und zwar mit Billigung der jeweiligen israelischen Regfierung und das gleich relativiert in dem er sich beklagt, dass bei der Räumung Gazas „die dortigen israelischen Siedler gewaltsam entfernt werden“ mussten. Vergessen hat er hinzuzufügen, dass auch diese Siedler auf geraubten Boden hausten, das nicht ihnen gehörte.

Den Gipfel der Absurdität und Unverschämtheit, die gar naiv und dümmlich daherkommt, präsentiert uns Goldmann mit der rhetorischen Frage, ob man die Siedlungen im Westjordanland nicht stehen lassen könnte, um das Westjordanland nicht „judenfrei“ zu machen, wo doch eine „gemäßigte israelische Regierung weitere Siedlungen unterbindet“ und gar bereit ist „Ungerechtigkeiten gegenüber den Palästinensern ´wieder gutzumachen`“? Das nenne ich jüdische Chuzpeh. Was hält wohl dieser Goldmann von den FAZ Lesern? Glaubt er wir sind alle so bescheuert und naiv uns mit solch lächerlichen Absurditäten zufrieden zu geben? Wo ist denn hier bitte eine „gemäßigte israelische Regierung“? Und wo, wie und wann möchte Israel gegenüber den Palästinensern irgendetwas „wiedergutmachen“? Genau das Gegenteil ist der Fall. Die neuen geplanten Gesetze von „Israel Beiteinu“ können schon eher mit den „Nürnberger Gesetzen“ verglichen werden und ich nehme mir das Recht einen solchen Vergleich zu machen, wie Herr Goldmann sich das Recht nimmt von „judenfrei“ zu sprechen.

Und last not least, und dabei könnte ich noch dutzende weitere Beispiele bringen, wie kommt Herr Goldmann dazu wieder zu behaupten, dass die Massenmedien in Deutschland „tägliche Sympathiebezeigungen gegenüber den Palästinensern“ bringen und Israel „unverhältnismäßig“ kritisieren? Welche deutschen Massenmedien liest er denn?

Herr Goldmann fragt wieder ob man es Juden im Westen verdenken kann, dass sie do denken. Ja, man kann, man muss! Man kann ihnen verdenken, dass sie blind sind gegenüber dem tagtäglichen Unrecht, das Israel heute noch begeht und man kann ihnen und besonders Herrn Goldmann verdenken, dass sie immer nur ihr eigenes Leid sehen, nie aber das Leid der anderen, zum Beispiel das Leid ihrer Opfer, der Palästinenser.

Wenn es nach Auschwitz hieß: Nie wieder! So interpretieren das viele Juden leider in: Nie wieder für Juden. Was mit anderen Völkern passiert ist ihnen gleichgültig.

Solche Heuchler wie Goldmann sind schon lange nicht mehr die Vertreter „der“ Juden. Es gibt inzwischen schon sehr viele andere Juden, die anders denken und „zweierlei Maß“ ganz anders meinen.

 

Abraham Melzer, Verleger

Neu Isenburg, Bermondstr.

 

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