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30.12. 2010 -
1.1.2011 -
Wer verschanzt sich
eigentlich hinter dogmatischen Barrieren? -
Attia und Verena Rajab -
Palästinakomitee Stuttgart - (…) Ein Wort in eigener Sache:
Die OrganisatorInnen der Stuttgarter Konferenz haben einen
von sehr vielen als positiv empfundenen Beitrag zur
Solidaritätsbewegung geleistet. Auch die Stuttgarter
Erklärung ist inzwischen von 850 UnterstützerInnen
unterzeichnet worden, unter ihnen ist Richard Falk, der die
Erklärung sogar auf seiner Website veröffentlicht hat
(http://richardfalk.wordpress.com/). Jeder kann sich
vorstellen, dass die Konferenz eine lange und intensive
Vorbereitung erforderte. Umso enttäuschter sind alle
OrganistorInnen nun über eine wochenlang andauernde Debatte
mit schweren Vorwürfen, die von Personen geführt wird, die
nicht an der Konferenz teilgenommen haben. Dies hält die
Solidaritätsbewegung von wichtigen zukünftigen Aufgaben ab,
für die unter anderem auch die Konferenz Impulse gegeben
hat. Wir sollten nun endlich nach vorne schauen.Wir sind
davon überzeugt, dass die Stuttgarter Konferenz und
Erklärung mit ihren neuen Perspektiven sich auch in der BRD
durchsetzen werden, wenn dies auch mit langen und schweren
Geburtswehen verbunden ist. >>>
24.12.2010 -
Zu einer
typisch deutschen Diskussion um Palästina
-
Attia und Verena Rajab -
Palästinakomitee Stuttgart -
Die Stuttgarter Palästina
Solidaritätskonferenz vom 26. bis 28. November 2010 hat in
erfolgreicher Weise Wege für die zukünftige
Solidaritätsarbeit beleuchtet. Unter dem Titel „Getrennte
Vergangenheit – Gemeinsame Zukunft, Hindernisse und
Perspektiven für eine gerechte Lösung“ referierten und
diskutierten PalästinenserInnen, Israelis, Deutsche und
AktivistInnen aus vielen anderen Ländern über die Frage
Rassismus und Apartheid, Unterstützung des palästinensischen
zivilen Widerstandes durch BDS und die Perspektive der
Ein-Staat-Lösung. Die Konferenz wurde von der Mehrheit der
TeilnehmerInnen als positiv empfunden, das
Abschlussdokument, die Stuttgarter Erklärung, haben eine
Woche nach ihrem Erscheinen 475 UnterstützerInnen aus der
Bundesrepublik und vielen weiteren Ländern unterzeichnet und
die Zahl wächst rasch. Trotzdem ist um die Stuttgarter
Erklärung eine Debatte entstanden, die kontraproduktiv für
die Bewegung werden kann. Zwar melden sich nur wenige
KritikerInnen zu Wort, doch sie führen die Diskussion umso
schärfer und mit diffamierenden Argumenten. >>>
Ein
Staat, zwei Völker - Der israelisch-palästinensische
Antagonismus kann nur in einem gemeinsamen demokratischen
Staat aufgehoben werden
- Werner Pirker - In Haifa, der stark
arabisch geprägten israelischen Hafenstadt, fand vom 28. bis
30. Mai die »Zweite Konferenz für einen säkularen,
demokratischen Staat im historischen Palästina und das Recht
auf Rückkehr« statt. Initiiert von der jüdisch-arabischen
Organisation »Abnaa el Balad« (Kinder des Landes) zog die
Veranstaltung, auf die drei Tage verteilt, mehr als tausend
Teilnehmer von allen fünf Kontinenten an. Auf der
Eröffnungsveranstaltung sprachen unter anderen Omar
Barghuti, Koordinator der internationalen Kampagne für
Investitionsstopp, Boykott und Sanktionen (BDS), Jamal Jumaa
von Stop the Wall, per Videoübertragung aus Gaza Haidar Eid,
Koordinator der Bewegung gegen die Blockade, Abd el Latif
Gheit, Vorsitzender der Gefangenenhilfsorganisation
»Adameer«, sowie der in London lebende israelische
Historiker Ilan Pappe. Ihnen ist die Einsicht gemeinsam, daß
die Möglichkeit einer Zweistaatenlösung, sofern sie
überhaupt erstrebenswert ist, von den zionistischen Eliten
vertan wurde und man deshalb auf die einfachere,
selbstverständlichere, nachhaltigere, vor allem aber
gerechtere unter den beiden Lösungen orientieren sollte: auf
die Schaffung eines demokratischen Staates für alle Bürger
auf dem Boden des historischen Palästina. >>>
Arbeiterfotografie zur
Erklärung von Norman Paech - 20.12.2010
-
Lieber Norman,
wir verstehen Dich nicht. Es ist zwar richtig, daß Du auf
der Konferenz von der Unrealisierbarkeit der Ein- als auch
der Zwei-Staaten-Lösung gesprochen hast. Du hast dies aber
auf die Gegenwart bezogen, indem Du gesagt hast: "Alle
beiden - ob Ein- oder Zwei-Staaten-Lösung - halte ich im
Augenblick für gleich unrealistisch." Das sehen wir ähnlich.
Und nachdem Du die unterschiedlichen Positionen von Uri
Avnery und Moshe Zuckermann auf der einen und Ilan Pappe und
Ali Abunimah auf der anderen Seite angesprochen hast, hast
Du selber ganz klar mit folgenden Worten Stellung bezogen:
"Ich will ein Argument
hinzufügen, warum die Ein-Staaten-Lösung letzten Endes
überzeugend ist... für die jüdische Gesellschaft
selber... Der Staat Israel ist als kolonialer
Fremdkörper in eine Umgebung eingepflanzt worden - mit
keiner Bemühung, sich irgendwie zu integrieren. Wer sich
in eine fremde Umgebung hineinbegibt, der kann dort nur
friedlich und gleichberechtigt leben, wenn er bereit
ist, sich in diese Umgebung zu integrieren." Die
arabischen Nachbarn - hast Du gesagt - seien "nicht
genetische Ungeheuer und genetische Feinde, sondern
[sind] nur deswegen Feinde, weil hier ein Fremdkörper
sich nicht intergrieren will. Israel wird nur dann eine
friedliche Zukunft haben, wenn es bereit ist, sich dort
zu intergrieren."
Und das war noch nicht alles, was Du zu diesem Thema gesagt
hast. Wir haben aus Deinem Munde folgendes gehört:
"Die jüdische Gesellschaft
wird nie Frieden haben, wenn sie sich als eine
ausschließlich jüdische Gesellschaft versucht dort
festzusetzen und sich nicht zu intergrieren. (Applaus)
Die Gefahr ist, wenn man die Zwei-Staaten-Lösung als die
endgültige und einzige Lösung anerkennt, wie das so
allgemein von Merkel bis Gysi jetzt ist, daß dieses es
der jüdischen Gesellschaft nicht ermöglicht, sich
wirklich zu integrieren, wirklich gleichberechtigter,
friedlicher Partner mit der arabischen Gesellschaft zu
sein."
Nun heißt es in der Stuttgarter Erklärung zum Themenkomplex
Ein- bzw. Zwei-Staaten-Lösung:
"Die große Mehrheit stellte
fest, dass das dogmatische Festhalten an der
Zwei-Staaten-Lösung die tatsächlichen Realitäten
ignoriert... Das Festhalten an der Zwei-Staaten-Lösung
verurteilt die PalästinenserInnen mit israelischer
Staatsangehörigkeit dazu, als Bürger zweiter Klasse in
ihrem angestammten Land zu leben, in einem rassistischen
Staat, der ihnen nicht dieselben Rechte wie den
jüdischen BürgerInnen gewährt. Außerdem würde das
Fortbestehen eines zionistischen Staates den
palästinensischen Flüchtlingen aus dessen Territorium
das international anerkannte Recht auf Rückkehr
verwehren. Die Zwei-Staaten-Lösung kann zu nichts
anderem führen als der Vertiefung und Zementierung der
Ungleichheit. Das Modell zweier nach Ethnien oder
Religionszugehörigkeiten getrennter Staaten bedeutet
ethnische Separation oder fundamentale Ungleichheit
innerhalb dieser Staaten... Am Ende der Diskussion
bestand weit gehendes Einvernehmen darüber, dass nur die
Schaffung eines gemeinsamen, säkularen und
demokratischen Staates auf dem historischen Palästina
mit gleichen Rechten für alle Frieden und Gerechtigkeit
für PalästinenserInnen und Israelis bringen kann - ein
Staat, in dem alle Menschen, gleich welcher Religion und
Herkunft, gleichberechtigt zusammenleben..."
Das widerspricht doch in keiner
Weise Deinen Ausführungen. Im Gegenteil: Du siehst - wie
auch die Stuttgarter Erklärung - im (dogmatischen)
Festhalten am Zwei-Staaten-Modell als der endgültigen und
einzigen Lösung eine Gefahr. Und noch mehr: Deine auf der
Konferenz vorgetragenen Argumente orientieren ganz klar auf
die Ein-Staaten-Lösung.
Nach Deinen Worten müsse zudem folgendes für uns im
Vordergrund stehen: "Beseitigung der Besatzung, vollkommene
Gleichstellung der Palästinenser und die Anerkennung des
Rückkehrrechts derjenigen, die vertrieben sind." Auch das
entspricht doch genau dem, was in der Stuttgarter Erklärung
zu lesen ist. Die liest sich so, als seien Deine Äußerungen
fast 1:1 übernommen. Dort werden die Ziele wie folgt
formuliert:
-
Das Ende der israelischen
Besatzung und der Kolonialisierung allen arabischen
Landes wie auch der Abbau der Apartheid-Mauer
-
Israels Anerkennung der
fundamentalen Rechte der arabisch-palästinensischen
Bürger Israels zu voller Gleichberechtigung und
-
Israels Respekt, Schutz und
die Unterstützung der Rechte der palästinensischen
Flüchtlinge, in ihre Häuser und zu ihrem Eigentum
zurückzukehren, wie es in der UN Resolution 194
vorgesehen ist“
Eine größere Deckungsgleichheit
der Forderungen kann es doch fast nicht geben. Und deshalb
verstehen wir Deine Distanzierung von der Stuttgarter
Erklärung ("Sie ist nutzlos, da sie nicht auf der
Tagesordnung steht... Unterschriften... bewegen nichts")
überhaupt nicht. Was ist passiert?
Und dann hast Du noch gesagt - bezugnehmend auf den Umstand,
daß Du nicht mehr der Bundestagsfraktion der Partei DIE
LINKE angehörst: "Jetzt bin ich befreit von dem politischen
Gefängnis." Das würden wir uns wirklich wünschen. Es geht um
den Entwurf einer Vision - unabhängig von ihrer momentanen
Realisierbarkeit. Das leistet die Stuttgarter Erklärung ganz
vorzüglich. Du hast bewiesen, daß Du die gleiche Vision
hast. Und wir sehen keinen Grund, warum wir uns nicht alle
diesbezüglich einig sein sollten...
Mit besten Grüßen
Anneliese und Andreas
Leserzuschriften zum kurzen Mailwechsel -
Thomas Immanuel Steinberg - „Schafft zwei, einen oder gar
keinen Staat...“
vom 19. Dezember 2010 - Auswahl von Auszügen, .doc-Datei.
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21.1.2011 -
Die
Mär vom „Paradigmenwechsel“ im
Nahostkonflikt
- Dr. Ludwig Watzal - Die Debatte um
Sinn oder Unsinn einer Einstaatenlösung
als „Königsweg“ zur Lösung des
Nahostkonflikts, wie sie von der so
genannten Stuttgarter Erklärung
vertreten worden ist, geht in die
nächste Runde. Kein geringerer als der
Historiker und Politikwissenschaftler
Ilan Pappé ist der deutschen Szene
intellektuell beigesprungen, um zu
retten, was noch zu retten ist. Die
Kritik an der so genannten Stuttgarter
Erklärung, in der eine Einstaatenlösung
als Ziel für die Lösung des
Nahostkonflikts angestrebt und dafür die
BDS-Kampagne als Vehikel in Anspruch
genommen wird, wurde als unredlich und
dogmatisch kritisiert sowie als „Utopie“
be
zeichnet, die nicht Grundlage einer
aktuellen und notwendigen Kampagne sein
kann, die den zionistischen Staat Israel
unter Druck setzen und das
Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser
befördern möchte. Den Vertretern einer
Zweistaatenlösung wurde im Gegenzug ein
dogmatisches Festhalten an der
Zweistaatenlösung von den
Verfassern/Innen attestiert, was auch
vonseiten Ilan Pappés wiederholt wird,
indem er deren Befürwortern ein
„orthodoxes Herangehen“ attestiert. Die
Utopie einer Einstaatenlösung wird jetzt
wissenschaftlich überhöht, indem man sie
in den Status eines „Paradigmenwechsels“
erhebt, sie quasi damit gegen Kritik
„immunisiert“ und als nicht mehr
hinterfragbar erklärt. Dabei ist die
Idee der Einstaatenlösung ein uralter
Hut und historisch gescheitert. >>>
Es ist nicht unsere Debatte.
- Abraham Melzer - Es ist die Debatte
der Palästinenser und wir können und wollen
es ihnen auch nicht abnehmen. Und es ist
übrigens auch die Debatte der Israelis, denn
wir können auch nicht über deren Kopf hinweg
entscheiden und schon gar nicht
Entscheidungen durchsetzen. Also was soll
das Ganze? An wen soll diese sogenannte
Resolution, auch wenn sie inzwischen von 900
Menschen unterschrieben wurde, gesandt >>>
Zur
„Vision“ einer
Einstaatenlösung
- Dr.
Ludwig Watzal - Die
Stuttgarter-Konferenz von
Ende November und die
darauffolgende „Stuttgarter
Erklärung“
haben sich als das entpuppt,
was Kritiker befürchtet
haben, und zwar als Dokument
der Spaltung der
zivilgesellschaftlichen
Solidaritätsbewegung in so
genannte Visionäre und alte
„Experten“, die man hinter
sich lassen müsse. >>>
Stellungnahme zum
Text vom 24.12.2010 -
von Dr. Ludwig
Watzal: (...) Ich nehme kein einziges Wort
meiner sachlichen Bewertung dieses
Dokumentes zurück, weise aber die
zahlreichen falschen Behauptungen und
Unterstellungen in ihrem Beitrag zurück. So
findet sich in meinem Beitrag >>>
Wider die Einstaatenlösung als Dogma
- Dr. Ludwig Watzal Als ich am 24. Dezember 2010 die
emotionsgeladene Stellungnahme von Attia und
Verena Rajab gegen meinen Beitrag „Ein- oder
Zweistaatenlösung für Palästina?" auf der
Website „Palästina-Portal“ gelesen hatte,
habe ich eine kurze Erwiderung verfasst,
weil ich es unter meinem Niveau empfinde,
mich mit einem solch indiskutablen Text
auseinanderzusetzen. Dieser >>>
Ein- oder
Zweistaatenlösung für Palästina?
-
Dr. Ludwig Watzal - (...) Die Debatte
um eine Einstaatenlösung ist fast so alt wie
der Konflikt selber. Nicht erst die
Unterzeichner der „Stuttgarter Erklärung“
haben dies entdeckt >>>
Abstraktes Postulat
- Debatte. Die Forderung nach einem
gemeinsamen Staat für Israelis und
Palästinenser geht an der politischen
Realität des Nahen Ostens vorbei
- Moshe Zuckermann *Der
Rückzug aus den besetzten Gebieten, mithin
die Zweistaatenlösung, ist in der
gegenwärtigen geschichtlichen Phase - bei
allen damit einhergehenden Konflikten,
Zerrissenheiten und kollektiven
Verlustängsten - unabdingbar. Seine
Notwendigkeit liegt auf der Hand. Fraglich,
ob sich dafür eine genügend starke und
bewußt agierende israelische Führungsgestalt
finden läßt, die dies Notwendige rigoros zu
vollziehen vermöchte. Eine, die es war, hat
ihre Mission mit dem Leben bezahlt; eine
andere, die es hätte vielleicht werden
können, liegt seit vielen Monaten im Koma.
Aber selbst eine starke politische Führung
wird sich kaum zu bewegen wagen, wenn sich
die israelische Bevölkerung dem, was zur
Zeit noch den allermeisten in ihr als
bedrohliche Sackgasse anmutet und sie in
paralysierter Stagnation verharren läßt,
nicht stellt, um die Herstellung der
historisch möglichen Grundlagen für ihre
eigene staatliche Fortexistenz einzufordern
und diese zu garantieren. >>>
PR-Feldzug gegen Zwei-Staaten-Lösung
-Thomas Immanuel Steinberg - Eine Ha'aretz
zufolge geheime Depesche des israelischen
Außenministeriums weist alle Geschäftsträger
im Ausland an, mit Public-Relations-Mitteln
gegen eine drohende Proklamation Palästinas
als Staat vorzugehen. Zielpersonen seien
Regierungschefs, Außenminister und
Parlamente in der Welt. Die Kampagne habe
sich vornehmlich zu richten gegen das
palästinensische Streben >>>
Norman Paech -
Erklärung vom
20.12.2010
-
Liebe
Freundinnen und Freunde,
seit kurzem erhalte ich mails, die mich
auffordern, die Stuttgarter Erklärung zu
unterschreiben, andere warnen mich davor. Da
ich durch den wildwuchernden Mail-Verkehr
nicht mehr durchschaue, möchte ich noch
einmal meine Entscheidung kurz erklären,
warum ich die Stuttgarter Erklärung
angesichts dieser Diskussion nicht
unterschreibe.
Wie ich schon auf der Konferenz gesagt habe,
halte ich die Ein- wie auch die
Zweistaatenlösung derzeit gleichermaßen für
unrealistisch. Israel wird das
Besatzungsregime mit all seinen Verbrechen
und Zerstörungen weiterführen, geduldet von
den USA und den Staaten der EU. Unsere
Haupt- und dringendste Aufgabe ist es daher,
diese Besatzung, den Kern allen Übels, zu
beseitigen. Dieses haben wir vor allem
gegenüber unseren eigenen Regierungen
durchzusetzen. Dazu haben wir uns auf die
BDS-Kampagne zu konzentrieren, um den Druck
auf die israelische Regierung zu erhöhen.
Dies allein wird noch erhebliche
Aufklärungsarbeit und Anstrengung in unserer
Gesellschaft erfordern.
Erst wenn die Besatzung aufgehoben ist, wird
sich das Problem stellen, in welcher
staatlichen Organisation Juden und Araber in
Palästina miteinander leben wollen. Doch das
ist allein ihr Problem, welches wir jetzt
nicht mit dogmatischen Positionen zu
bestimmen haben. Wenn derzeit in der
israelischen wie palästinensischen
Diskussion die Ein- bzw. Zwei-Staaten-Lösung
erwogen wird, so haben wir ihr zunächst
aufmerksam zu folgen, mit mehr Sympathie für
die eine oder andere Lösung. Eine
Dogmatisierung eine der beiden Positionen,
wie sie in der jetzigen Diskussion erfolgt,
vermag allenfalls die Solidarität mit den
Palästinensern zu spalten und den primären
Kampf gegen die Besatzung zu schwächen -
trotz aller Freundschaftsbekundungen. Wer
der Meinung ist, dass der Kampf gegen die
Besatzung nur auf der Basis einer der beiden
Staatslösungen richtig und wirksam zu führen
ist, sollte sich ernsthaft fragen, ob er
damit nicht schon die Ohnmacht der Bewegung
durch ihre Spaltung hervorruft.
Ich weiß nicht, warum eine
Abschlusserklärung auf der Konferenz
versäumt worden ist. Der Versuch, sie jetzt
nachzuholen, hat sie vollkommen
verselbständigt und ganz unabhängig von der
Konferenz zum Forum eines allgemeinen
Glaubenskrieges gemacht. Sie ist nutzlos, da
sie nicht auf der Tagesordnung steht. Denn
das offizielle Bekenntnis zu einer
Zwei-Staaten-Lösung durch Israel, PLO, USA
und EU wird durch ihre Praxis forcierter
kriegerischer Besatzung ad absurdum geführt.
Und das Gegenbekenntnis zu einer Ein-Staaten
Lösung wird unter den Bedingungen
fortdauernder Besatzung nur noch schärfere
Apartheidsbedingungen herbeiführen.
Ich habe nichts dagegen, wenn die
gegenwärtige Version der sog. Stuttgarter
Erklärung so in die Medien eingeht, wie sie
dort schon zitiert wird. Aber verlangt bitte
keine Eidesleistung in Form von
Unterschriften. Sie bewegen nichts. Man wird
an ihnen höchstens später einmal erkennen,
wer nicht unterschrieben hat. Unsere Aufgabe
ist die Bewegung gegen die
völkerrechtswidrige und unmenschliche
Besatzung und dafür brauchen wir Einigkeit.
Mit solidarischen Grüßen Norman Paech
Knut Mellenthin -
Streit um den Jackpot - Anerkennung eines
palästinensischen Staates – oder Verewigung
der israelischen Besatzung und Annektion
Lieber Thomas, mit Schrecken habe ich sowohl
die Stuttgarter Erklärung als auch die
Auseinandersetzung darum zur Kenntnis
genommen. Um aber kein Missverständnis
zuzulassen, schicke ich als persönliche
Anmerkung voraus, dass der Kommunistische
Bund ("Arbeiterkampf") sich schon nach dem
Oktoberkrieg von 1973 in einer Art
programmatischer Erklärung für einen
einzigen multinationalen Staat im ehemaligen
britischen Mandatsgebiet ausgesprochen hat.
Verfasst war diese Stellungnahme von mir und
einem weiteren leitenden Genossen. Einiges
von unserer Position verdankten wir der
Gruppe Matzpen, für die sich damals meiner
Erinnerung nach auch Daniel Cohn-Bendit
einsetzte, und einer noch kleineren Gruppe,
die sich Ma'avak nannte, wenn ich nicht
irre. Sie stand in näherem Zusammenhang mit
der "Red Front", >>>
Leserzuschriften zum kurzen Mailwechsel -
Thomas Immanuel Steinberg - „Schafft zwei, einen oder gar
keinen Staat...“
vom 19. Dezember 2010 - Auswahl von Auszügen, .doc-Datei.
>>>
Stuttgarter Erklärung -
Viktoria Waltz
-
An die
Erklärer und Unterschreiber, warum
unterschreiben um jeden Preis nicht
gut ist: tut mir leid, ich finde die
Angelegenheit eine dumme Vermischung
von einer! Einstaatenlösung mit den
notwendigen Forderungen nach
Einhaltung der Beschlüsse und
Menschenrechte und des Boykotts etc.
. Dies bringt eine zusätzliche
Spaltung der Bewegung und ist
Bevormundung sowohl des
palästinensischen Widerstands als
auch der Solidaritätbewegung und das
finde ich nahezu kriminell - wo die
Bewegung sowieso schwach ist und der
Gegner so immens aktiv und stark und
sich gerade wieder neue Finanzen auf
seine Konten scheffelt um noch mehr
Propaganda für Israel machen zu
können. Ich bin echt sauer und hatte
schon ein merkwürdiges und nun
scheints richtiges Gefühl bei der
Stuttgarter Initiative, die sich
ziemlich plötzlich als nationale
Konferenz auszuwachsen schien mit
dieser Einbahnschiene - ein Coup.
Dabei
hätten wir wirklich nichts
dringenderes notwendig als eine
nationale Konferenz, die die
international anerkannten Rechte als
Basis geltend macht und unsereren
Machthabern vorhält. Ich kann mir
auch nicht denken, dass Ilan Pappe
damit so einverstanden sein kann,
der da im Textgemisch wie ein Zeuge
gehandelt wird, denn in München 2009
hat er noch etwa gesagt, ...welche
der Lösungen richtig ist sei nicht
die zentrale Frage und auch nicht
von hier aus entscheidbar - (man
kann sicher alles diskutieren, aber
sich festlegen?) - wichtig sei,,
dass Israel seinen Part mache,
zurückgehe auf vor 67, die eigene
Verantwortung an der Nakba und das
dadurch geschaffene
Flüchtlingsproblem anerkenne und
erst dann auf gleicher Augenhöhe
verhandeln könne... Ich kann mir
nicht vorstellen, dass Pappe jetzt
n u r die Einstaatenlösung als
Basis der Unterstützungsarbeit
propagiert hätte. Wer ist da denn
wirklich dahinter? Fraktionen? Das
ist doch tödlich. So viel Erfahrung
dürften Linke doch inzwischen haben,
dass sowas nur den Gegnern in die
Hände spielt.
Es wäre nicht schlecht gewesen, wenn
mehr Palästina-Freundinnen und
Freunde und die Linke Presse sich
Finkelstein in Berlin angehört
hätten - ein sachlicher Aufruf, sich
auf die Menschenrechtsverletzungen
Israels zu konzentrieren und deren
Einhaltung gegenüber den Regierenden
und Regierten ins Zentrum der
Forderungen und Beweismaterialien zu
rücken - Meinungen und Wünsche und
wie auch immer berechtigte
moralische Zurechtweisungen der
Palästinensischen Führung und aller
anderen bringen es nicht. Aber alle
wollen ja gern unterschrieben, weil
ja auch Richtiges drinsteckt - aber
es wirkt für einige andere
ausschließend und das kann sich die
Bewegung nun wirklich nicht leisten.
Gruß Viktoria Waltz
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