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Warum musste
Marwa
El-Sherbini
sterben?
Quelle:
www.freunde-palaestinas.de
Im
Dresdener Landgericht wurde Marwa, die ihre Herkunft in Ägypten hat,
am 2.Juli.2009, von einem 28-jährigen Deutschen, durch eine
Messerattacke getötet. Wie die “Welt-Online” berichtet, handelte es
sich um eine regelrechte “Niedermetzlung”. 18 mal stach der Täter
blutrünstig auf Marwa ein - vor den Augen ihres Mannes und ihres
dreijährigen Sohnes. Doch nicht nur das: Die Frau war im dritten
Monat Schwanger. Ein Polizist hat während der Attacke
fälschlicherweise das Feuer auf Marwas Mann eröffnet, der ihr zu
Hilfe gekommen war und traf ihm am Bein. Da er zudem auch von den
Messer-Attacken des Täters getroffen wurde, schwebt er in
Lebensgefahr.
http://www.welt.de/vermischtes/article4048694/Taeter-in-Dresdner-Gericht-stach-18-Mal-zu.html
Was war der Hintergrund?
Der Grund für die Verhandlung war, dass der Täter die zuvor auf
einem Spielplatz als „Terroristin“, „Islamistin“ und „Schlampe“
beleidigt, als sie für ihr Kind um den Platz auf einer Schaukel bat.
http://www.welt.de/vermischtes/article4042891/Rassismus-als-Motiv-fuer-Bluttat-im-Gericht-vermutet.html?page=1#article_readcomments
Daraufhin hat sie den Deutschen angezeigt, woraufhin es zu der
Verhandlung kam, in der es um die Höhe der Geldstrafe ging.
http://www.welt.de/vermischtes/article4042891/Rassismus-als-Motiv-fuer-Bluttat-im-Gericht-vermutet.html?page=1#article_readcomments
Konsequenzen?
Leider ist es so, dass viele Mainstream-Medien garnicht erwähnen,
dass der Täter die Zeugin mit islamfeindlichen Wörtern beschimpft
hat. Und obwohl die Medien die Religion konsequent bei Fällen
erwähnen, in denen der nicht praktizierende Muslim der Täter war,
erfährt man nun, wo es sich diesmal um ein Opfer handelt, in den
meisten Berichten nichts von der Religion. Dabei ist es doch gerade
so, dass der Täter ihre Religionszugehörigkeit angegriffen hat.
Stattdessen vermutet man, dass es sich um ein “ausländerfeindliches”
Motiv gehandelt hat. Nun sagen wir, dass Ausländerfeindlichkeit ganz
deutlich von der Islamophobie zu trennen ist, da es sich um völlig
unterschiedliche Hintergründe und Intentionen handelt. Jemand, der
ausländerfeindlich ist, kann ein Islamophob sein, andersherum muss
ein Islamophob aber kein Ausländerfeind sein, da sein Hass einzig
und allein den Muslimen und dem Islam gilt.
Wir können nur hoffen, dass man nicht den Fehler begeht und es dabei
belässt, indem man es als eine ausländerfeindliche Straftat
abstempelt und den absoluten Focus darauf richtet, über die
Sicherheit in Gerichtssälen zu diskutieren.
Der Hass der Islamophoben wird auch im Kommentarbereich der
“Welt-Online” sehr deutlich. Und wie immer ist es so, dass man gar
nicht auf den kaltblütigen Mord eingeht, sondern sich Gründe sucht,
um die Muslime pauschal als die Täter darzustellen.
Reaktionen auf
den Mord an Marwa El-Sherbini,
Der Mord an der 31-jährigen Marwa El-Sherbini am Mittwoch in Dresden
scheint die Sorgen vieler Muslime über eine zunehmend aggressivere
Stimmung gegenüber dem Islam und Muslimen in Deutschland zu
bestätigen. Entsprechend zahlreich sind die Reaktionen, die der Mord
im Dresdener Landgericht an der im dritten Monat schwangeren
Ägypterin, die durch ihr Kopftuch als Muslimin zu erkennen war,
ausgelöst hat. Für Sonntag ist nun eine Demonstration in
Berlin-Neukölln angekündigt, bei der Muslime aus dem salafitischen
Spektrum um den Kölner Prediger Pierre Vogel gegen die
„Diskriminierung muslimischer Frauen“ protestieren wollen.
Anlass des Gerichtsverfahrens, in dessen Verlaufe Sherbini ermordet
wurde, waren die Beschimpfungen als „Terroristin“ und „Islamistin“,
mit denen der 28-jährige Alexander W. die Apothekerin im vergangenen
Jahr auf einem Dresdener Spielplatz überzogen hatte. Während der
Gerichtsverhandlung hatte W. die Mutter eines dreijährigen Sohnes
erneut verbal angegriffen, bevor er schließlich unvermittelt mit
einem Messer auf sie losging und sie mit mehreren Messerstichen
tötete. Auch der Ehemann E.s wurde bei dem Angriff durch
Messerstiche schwer verletzt – wobei er zudem durch den Schuss eines
Polizisten, der ihn fälschlich für den Angreifer hielt, am Bein
getroffen wurde. (Über den Mord wurde auch in arabischen Medien
berichtet, zum Beispiel auf Al-Jazeera und in der ägyptischen
Zeitung Al-Masri al-Yawm)
Angesichts der Umstände des Mordes erscheint es aus Sicht mancher
Muslime umso unverständlicher, dass die rassistischen Motive des
Täters in der Berichterstattung über die Tat nur am Rande erwähnt
werden. Für Kathrin Klausing, eine deutsche Muslimin, die den Weblog
Musafira.de betreibt, ist der Mord Anlass, auf die Schwierigkeiten
hinzuweisen, mit denen Muslime zu kämpfen haben, wenn sie sich gegen
Diskriminierungen wehren. „Viele muslimische Frauen, die wegen ihrer
Kleidung angefeindet oder diskriminiert werden, trauen sich nicht,
sich damit an die zuständigen Stellen zu wenden“, schreibt sie.
„Deswegen versucht man in vielen Gemeinden, Ausländerbeiräten und
Antidiskriminierungsstellen, diese Frauen dazu zu ermutigen, ihre
Stimme zu erheben. Marwa E. hatte sich dazu entschlossen, sich nicht
als ‚Terroristin‘ und ‚Islamistin‘ beleidigen zu lassen. In drei
Monaten wollte sie zusammen mit ihrem Mann zurück nach Ägypten
gehen.“
Das Gefühl des hilflosen Ausgeliefertseins gegenüber rassistischer
Hetze wird von salafitischen Strömungen ausgenutzt, um Muslime vor
der nicht-islamischen Umwelt zu warnen. Ähnlich wie bereits im
Zusammenhang mit den Protesten gegen den Pro-Köln-Kongress in Köln
im Mai versuchen Vertreter dieser Strömung nun erneut, unter
Muslimen das Bild einer durchweg feindseligen Umwelt zu schüren.
Angesichts der weitverbreiteten Hetze gegen den Islam, so lautet die
Botschaft, sei die Rückbesinnung auf die Gemeinschaft der Muslime
umso wichtiger. Während auf Webseiten wie einladungzumparadies.de
zum Protest aufgerufen wird, gehen andere Vertreter dieses Spektrums
weiter. Auf Youtube finden sich mittlerweile diverse Videos, in
denen zum Beispiel vor „jüdischen Hasspredigern“, die für den Mord
verantwortlich seien, gewarnt wird. In einem anderen Video heißt es:
„Das Blut unserer Schwester Marwa wird nicht umsonst geflossen
sein!!! INSHALLAH!!!“
Vor dem Hintergrund dieser Reaktionen mahnt Omar Abo-Namous auf
seinem Weblog toomuchcookies.de, trotz des Mordes doch bitte „nicht
durchzudrehen“. Es sei die Aufgabe von Predigern und muslimischen
Gemeindevorstehern, „klaren Verstand (zu) bewahren und eventuelle
Hitzköpfe (zu) beruhigen, statt sie noch weiter anzustacheln“, gibt
Abo-Namous zu bedenken. Aus seiner Sicht gehen die nun kursierenden
Demonstrationsaufrufe und die Youtube-Videos in eine falsche
Richtung. „Leider dienen sehr viele Ankündigungen und Berichte
oftmals dazu, Hass zu säen und Feindbilder zu schaffen. Auch jetzt
ist es der Fall. Seien es Russen, Medien, Deutsche,
Russlanddeutsche, Politiker, Christen oder sogar Juden – ein
Schuldiger wird gesucht und mit Verallgemeinerungen wird nicht
gespart. Ich lehne dies entschieden ab“, schreibt er. „Marwas Mörder
war offensichtlich von Hass gegenüber Muslimen geprägt und – ja –
das ist ein generelles Problem, was sich hier in einem Mord
niederschlägt. Falsch ist es allerdings Hass mit Hass zu erwidern
und sogar auszuweiten. Das hat keiner nötig. Beruhigt euch also und
arbeitet an eurer eigenen Einstellung bzw. eurem eigenen Hass
anderen Menschengruppen gegenüber.“ |