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"Keinen vernünftigen Menschen wird es einfallen Tinte mit Tinte wegzuwischen aber Blut versucht man noch immer mit Blut zu entfernen." - B. v. Suttner |
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Update: 17-02-12 |
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Palmensonntag. Der Einzug Jesu in Jerusalem.
Freudig streuen die Jünger und zahlreiche Festpilger Palmenzweige auf den Weg und breiten ihre Mäntel aus. Das Volk jubelt: „Hosanna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!“ Ein Triumphzug Christi zu Lebzeiten, wie er schon in der frühchristlichen Kunst mit Vorliebe abgebildet wird. Nicht in dieser Darstellung. Der palästinensische Ikonenschreiber verlässt die strengen Regeln des Ikonenschreibens und vergegenwärtigt dem Betrachter auf unverfälschte Weise die missliche Lage seines Landes. Des “Heiligen“ Landes. In dieser Ikone wird Jesus zum Sinnbild der Unfreiheit der palästinensischen Menschen, insbesondere der palästinensischen Christen. Nicht auf Palmenzweigen und Mänteln reitet Jesus, sondern auf Olivenbaumzweigen und arabischen Kefijen, den traditionellen Kopfbedeckungen der bäuerlichen Bevölkerung. Beides Allegorien arabisch-palästinensischer Identität. Ebenso wie seine Jünger trägt Jesus eine Kefija als Kopfbedeckung, um seiner Zugehörigkeit zum palästinensischen Volk Ausdruck zu verleihen. Ein Jude, der, zum Christ geworden, das Schicksal der Palästinenser teilt. Er hält einen Genehmigungsschein in seiner linken Hand. Dieser wird ihm jedoch den erwünschten Einzug in die Stadt Jerusalem nicht erleichtern. Denn die Tore Jerusalems sind mit Stacheldraht versperrt. Kein Weg führt mehr in die heilige Stadt. Wie für viele Palästinenser bleibt Jerusalem auch Jesus verschlossen. Zumindest sinnbildlich. Seit Jahren stehen viele der heiligen Stätten des Heiligen Landes mehr oder weniger leer. Mangel an Bewegungsfreiheit, Kontrollpunkte und Ausgangssperren lassen einen Besuch nur selten zu. Die Ikone schildert also eine für Palästinenser alltägliche Situation. Doch damit nicht genug. Auch der beengte Lebensraum der Palästinenser ist gefährdet. Traditionellen Darstellungen zufolge müsste der Mann im Hintergrund der Ikone den Zöllner Zachäus abbilden, der Jesus von einem Baum aus genauer betrachten will. Statt dessen scheint es sich eher um jemanden zu handeln, der die Äste eines, für die palästinensische Landwirtschaft so wichtigen, Olivenbaumes, rücksichtslos abschlägt. Eine Anspielung auf die zahlreichen Kahlschlagaktionen israelischer Soldaten? Die schleichende Zerstörung palästinensischen Lebensraums? Die Jesusdarstellung dieser Ikone zeigt die Gefährdung christlichen Lebens im Heiligen Land auf. Die palästinensischen Christen sind in doppelter Hinsicht eine Minderheit im Heiligen Land. Sie sind Palästinenser und stehen damit unter Verdacht, potentielle Terroristen zu sein. Das Recht auf Menschenwürde und Respekt wird ihnen abgesprochen. Ihr wahres Schicksal geht langsam in den Vorurteilen der Weltöffentlichkeit unter. Sie sind Christen palästinensischer Herkunft und gelten damit im Staat Israel als minderwertig. Sie sind die Nachkommen der Mutterkirche im Heiligen Land. Sie haben seit eh und je seine Kultur und sein Schicksal geteilt. Und sie tragen Jesus’ besonderes und für alle Menschen dieser Welt gültiges Gebot weiter: „Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn so ihr liebet, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Und so ihr euch nur zu euren Brüdern freundlich tut, was tut ihr Sonderliches? Tun nicht die Zöllner auch also? Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“
Rechte bei Janina
Achtmann
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