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TEXTE 18

Hebt die Beschränkungen der Fischfangzone auf!

B’tselem  veröffentlichte am 24 März 2013
http://www.btselem.org/print/136794 

Die Reduzierung der Fischfangzone im Gazastreifen ist die Reaktion auf Raketenbeschuss des südlichen Israels; sie ist aber gleichzeitig eine Kollektivstrafe, denn sie bedeutet für die Fischer im Gazastreifen einen großen Verlust ihres Lebensunterhaltes.

Am letzten Donnerstag (21.3.)verkündete der IDF-Sprecher, dass das israelische Militär die genehmigte Fischfangzone wieder reduzieren werde, und zwar von  sechs auf drei nautische Meilen (ca 5,5 km). Dies sei die Antwort auf den Raketenbeschuss bewaffneter palästinensischer Gruppen in den Süden Israels. So wurden den Fischern wieder die strengen Beschränkungen von vor der Operation Wolkensäule auferlegt. Vorher verkündete das Militär, es wolle den Übergang Kerem Shalom nach Gaza schließen – als Antwort auf den Raketenbeschuss.

Nach den Oslo-Abkommen wurde die Fischfangzone auf 20 nautische Meilen (Ca 37 km) ausgedehnt. Doch im Laufe der Jahre reduzierte das israelische Militär nach und nach diese Zone und beschränkte damit den Lebensunterhalt von Tausenden von Familien und die Lieferung dieses billigen Lebensmittels auf dem Markt, das als wichtiges Nahrungsmittel dient. …

Hintergrund der Einschränkungen für die Fischer

Nach den Oslo-Abkommen hätten die Fischer fast 37km vor der Küste fischen können. Praktisch erlaubte das israelische Militär ihnen aber nur  ca. 20 km. Von Jahr zu Jahr reduzierte Israel diese Entfernung und nach Operation Cast Lead begrenzte es diese  auf  5km. 2011 platzierte Israel Bojen an die Grenze, um die 5km Linie zu markieren. Die Marine würde Warnschüsse gegen die Fischerboote abgeben, wenn sie sich den Bojen nähern. Fischer, die riskieren über die Linie zu fahren, werden festgenommen mittels der gefährlichen und demütigenden „Schwimm-Prozedur / sie müssen zum Marineboot schwimmen) und ihre Boote werden konfisziert. Seit 2000 sind vier Palästinenser, die an keinen Feindseligkeiten teilnahmen, getötet worden

Daten der UN-Agentur, OCHA, zeigen, dass zwischen 2000 und 2010  die Anzahlahl der Fischer im Gazastreifen von 10 000 auf weniger als 4000 gesunken ist. Im Gazastreifen, wo Arbeitslosigkeit hoch ist (z.Zt. 32%) kürzt dies bedeutsam den Lebensunterhalt von Tausenden von Familien als auch  die Lieferung eines Grundnahrungsmittels auf dem Markt. Fisch ist zu einem wichtigen Teil der Gaza-Diät geworden. Die Fischervereinigung im Gazahafen sagt, dass trotz der großen Abnahme der Anzahl von Fischern, das kleiner gewordene Fischfanggebiet nicht alle Fischer aufnehmen könne, versetzen sie ihre Abfahrtzeiten, und manchmal brechen sie das Verbot und segeln nach Ägypten, wo sie Fisch von ägyptischen Fischern kaufen . Diese kombinierten Schwierigkeiten  führen zu massiven Preissteigerungen von 10NIS /kg Sardinen 2008 zu 20 NIS  das Kilo 2012. Als Folge der Beschränkungen und dem kleinen Fischfanggebiet wurde das flache Wasser außerdem längst überfischt, verringert die Fischreserven  ja gefährdet die Zukunft von Fischreserven.

Während der letzten Jahre sammelte B’tselem Dutzende von Zeugnissen von Fischern, die mittels der gefährlichen „swimming-prozedur“ gefangen genommen wurden. Sie werden mit gezogener Waffe gezwungen, sich auszuziehen, und von ihrem Boot zu dem der Marine zu schwimmen, egal was für Wetter und Temperaturen herrscht. Die Fischer werden dann an Bord gebracht und zum Hafen von Ashdod, Israel. Die Fischerboote wurden weggenommen und weggezogen. Im Ashdoder Hafen werden den Fischern die Augen verbunden und die Hände gefesselt, verhört und später über den Erez-Übergang nach Gaza abgeschoben. Auf Grund von Zeugenaussagen der Fischer und Daten ihrer Boote, wurden einige auf diese Weise festgenommen, sogar ohne dass sie die vom Militär bestimmte Grenze überschritten hatten.

Seit der Operation Wolkensäule bis heute wurden 40 Fischer auf diese Weise festgenommen. Die meisten von ihnen innerhalb der  6 Meilenlinie. Zwei Fischer wurden von 5 scharfen Kugeln der israelischen Marine verletzt. 8 Boote und über 20 Netze wurden mitgenommen; keines davon wurde zurückgegeben. 2012 wurden ca. 40 Fischer verhaftet und 13 Boote konfisziert, nur 6 davon wurden den Besitzern wieder zurückgegeben. 2011 wurden 24 Boote konfisziert, 15 wurden über Keren Shalom wieder zurückgegeben. Fischer, denen Boote zurückgegeben wurden, mussten 500 NIS Schekel an die Umzugsfirma zahlen.

Nach der Operation Wolkensäule, die am 22. November 2012 endete, berichteten  die Medien, dass im Kontext der Feuerpause-Vereinbarungen  Israel und Hamas eine Vereinbarung erreichten, die die Beschränkungen für Bauern und Fischer im Gazastreifen abmilderte. Als Folge davon verdoppelte das Militär, die Fischfangzone von 3 auf 6 nautische Meilen. Eine Befragung von B’tselem der Fischer-Gesellschaft im Gazastreifen deckte   auf, dass die Beschränkungen tatsächlich bis 21.3.12  eingehalten wurden und die Situation der Fischindustrie verbesserte. Doch eine Fischfangzone von 6 nautischen Meilen ist weit davon entfernt, die Bedürfnisse der Bevölkerung zufrieden zu stellen und den Lebensunterhalt von denen zu garantieren, die von der Fischindustrie abhängig sind.

Nach  den Oslo-Abkommen war der Fischfangbereich auf 20 nautische Meilen   (37km) festgesetzt worden.

(dt. u. gekürzt: Ellen Rohlfs)

 

Kann eine palästinensische Familie vor israelischen Gerichten auf Gerechtigkeit hoffen?


Am 13. März 2013 ging die Witwe von Ziad Jilani zum dritten Mal vor ein israelisches Gericht, um Gerechtigkeit zu finden, nachdem ihr Mann vor drei Jahren von Maxim Vinogradov, einem israelischen Grenzpolizisten durch Kopfschüsse getötet wurde. Jilani lag nach Augenzeugenberichten bereits verletzt durch einen Schuss in den Rücken auf dem Boden, als Vinogradov seine Waffe auf Jilanis Kopf richtete und drei Mal abfeuerte. Ziad Jilani war unbewaffnet. Die Richter des Obersten Israelischen Gerichtes entschieden sich nach der Anhörung für eine erneute Überprüfung des gesamten Beweismaterials.


Der israelische Generalstaatsanwalt, der die Verantwortlichen bisher „aus Mangel an Beweisen“ nicht vor Gericht stellen wollte, muss nun das Beweismaterial bis zum 24. März an das Oberste Gericht übergeben. Ziad Jilanis Bruder Bilal kommentierte die Entscheidung am Mittwoch: „Wenn das Israelische Oberste Gericht das Beweismaterial in diesem Fall wirklich analysiert und wenn sie danach immer noch sagen, dass es keine Basis für eine Verfahrenseröffnung gegen die Offiziere gibt, die Ziad ermordeten, dann bedeutet das, dass Israel keinerlei Glaubwürdigkeit hat. Sie herrschen nach dem Gesetz des Jungels.“


Die Internationale Solidaritätsbewegung [ISM - International Solidarity Movement] berichtete am 9. März 2013:
Die Witwe von Ziad Jilani und seine Töchter suchen zum dritten Mal Gerechtigkeit, nachdem Jilani vom israelischen Grenzpolizisten Maxim Vinogradov getötet wurde. Am 13. März werden Moira Jilani und ihre drei Töchter dem Mörder ihres Mannes und ihres Vaters gegenüberstehen.


„Ich fürchte die Gegenüberstellung für meine Töchter“, sagt Moira. „Ich glaube dass ich ihm ins Gesicht sehen kann, aber ich fürchte, dass es mich zerstören wird, wenn ich den Schmerz in den Augen meiner Kinder sehe.“ Ihr Ehemann Ziad Jilani wurde vor drei Jahren von Maxim Vinogradov, einem israelischen Grenzpolizisten getötet, der sein Gewehr auf Ziads Kopf richtete und den Drücker drei Mal abfeuerte, während Ziad hilflos auf dem Boden lag, weil er bereits zweimal auf der Flucht vor der Polizei von einer Kugel getroffen wurde. Ziad wurde in einen Autounfall verwickelt, nachdem ein Stein sein Fahrzeug traf, worauf die israelischen Grenzpolizisten das Feuer auf ihn eröffneten.


Jetzt wendet sich die Familie zum dritten Mal an die israelischen Behörden, um ein Verfahren gegen die Mörder von Ziad zu fordern. Am 16. Januar 2011 wurde der Fall zum ersten Mal aus „Mangel an Beweisen“ von einer internen Polizeikommission [auch Machash genannt] geschlossen.


Einen Monat später legte die Familie am 15. Feburar 2011 Berufung beim israelischen Generalstaatsanwalt Menachem Mazuz ein. Trotz eines Geständnisses von Vinogradov, dass er Ziad direkt erschossen hatte, als er auf dem Boden lag, trotz eines Autopsieberichtes, der auf Schüsse aus grosser Nähe wies und trotz zahlreicher Augenzeugen, die an diesem Tag infolge des Vorfalls ebenfalls verletzt wurden und trotz sehr deutlicher Veränderungen in Vinogradovs Aussagen vor und nach der Autopsie, sah Mazuz keinen Anlass, die Entscheidung von Machash zur Schliessung des Falls zu ändern.


Mit der Unterstützung des Al-Mazaan Centers für Menschenrechte legte die Familie am 4. Januar 2012 zum zweiten Mal eine Beschwerde ein. Dieses Mal vor dem Obersten Israelischen Gericht mit der Forderung, dass der neue Generalstaatsanwalt Yehuda Weinstein ein Gerichtsverfahren gegen die Mörder von Ziad eröffnen solle.


„Weil Weinstein das ganze Beweismaterial vorliegen hatte, hofften wir dass er die Anklage gegen Ziads Mörder eröffen würde“, erinnert sich Moira, „aber nachdem er sich zum dritten Mal dagegen entschied, ist es schwer, die Hoffnung aufrechtzuerhalten, dass das Gericht eine gerechte Entscheidung treffen wird.“


Nach einem Berichte von Yesh Din für das Jahr 2012 erhielt die MPCID [MPCID - Military Police Criminal Investigations Division] 240 Beschwerden und verschiedene Berichte über mögliche Vergehen, die von israelischen Soldaten an Palästinensern und ihrem Eigentum in der Westbank und in Gaza begangen wurden. Von den vorliegenden Beschwerden wurden lediglich 102, weniger als die Hälfte, untersucht. Bis heute wurde in keinem der Fälle Anklage erhoben.


Yesh Din kommentiert dazu: „Die zahllosen Mängel in den Untersuchungen der MPCID von Vergehen gegen Palästinenser und in der Überwachung der Untersuchungen durch den militärischen Staatsanwalt führen zur Schliessung der grossen Mehrheit der Akten und in einer minimalen Zahl von Anklageerhebungen. Diese[Situation] führt zu einem Gefühl der Gesetzlosigkeit vor Ort, was ein zentraler Faktor im Anstieg der Zahl der Tötungen in den vergangenen Wochen sein kann.“
Moira beschreibt dieses Gefühl der Gesetzeslosigkeit. „Ich habe immer noch Hoffnung aber es ist schwer wenn wir all das sehen, das um uns herum vorsichgeht“, sagt sie. „Der Fall meines Mannes ist ein Beispiel dafür, wie Vorfälle von Gewalt von israelischen Soldaten gegen die palästinensische Bevölkerung unter ihrer Autorität systematisch unter den Teppich gekehrt werden. Wir gehen nicht nur für Ziad Jilani vor Gericht. Wir gehen vor Gericht für alle Palästinenser, die vor Ziad getötet wurden und die nach ihm getötet werden.“1)


Nora Lester Murad berichtete am 15. März in der Electronic Intifada:
Die israelische Grenzpolizei behauptete, dass Jilani am 11. Juni 2010 Grenzpolizisten in einem terroristischen Angriff im Jerusalemer Stadtteil Wadi al-Jiz überfahren wollte, und sie aus Furcht um ihr Leben und den Verfahrensregeln der Grenzpolizei folgend tödliche Gewalt anwandten. Der israelische Generalstaatsanwalt weigerte sich, Vinogradov und seinen Kollegen Shadi Har al-Din anzuklagen, die beide zugaben, auf Jilani gefeuert zu haben.


„Wenn dies ein Terroristenanschlag war, warum würde Ziad dann so langsam in die Gruppe von Polizeioffizieren fahren? Kein einziger Offizier musste wegen seiner Verletzungen die Nacht im Krankenhaus verbringen. Es war noch nicht einmal ein grösserer Unfall“, sagte Bilal Jilani.


„Sie wissen, dass sie [die Grenzpolizisten] nicht im Recht waren, weil die Regierung von Israel mein Haus zerstört hätte, wenn mein Mann ein Terrorist wäre, und sie würden mir keine Witwenpension auszahlen,“ sagte Moira Jilani, Ziads Frau. Aber die Frage ist ob die Offiziere nach vorliegenden Informationen korrekt handelten oder ob Fehlhandlungen vorliegen, die eine gerichtliche Verfolgung notwendig machen....


Der Antrag von Jilanis Familie vor dem Obersten Gericht betrifft nicht die Frage der Schuld oder Unschuld von Ziad Jilani oder der Polizeioffiziere, die ihn erschossen. Durch den Antrag will Jilanis Familie erreichen dass das Oberste Gericht den Generalstaatsanwalt beauftrag, ein Verfahren gegen die zwei Offiziere zu eröffnen, nachdem der israelische Generalstaatsanwalt den Fall zweimal aus „Mangel an Beweisen“ schloss.


Ein Bericht der israelischen Menschenrechtsorganisation Yesh Din stellte fest dass von 240 Beschwerden und Berichten zu Übergriffen von israelischen Soldaten in der Westbank und Gaza lediglich 103 zu Untersuchungen führten. Bisher wurde kein einziges Verfahren eröffnet. Yesh Din verwies auf den Fall von Bassem Abu Rahmah aus dem Westbankdorf Bil’in, der von einem israelischen Soldaten während einer Demonstration 2009 gegen die israelische Mauer getötet wurde. Obwohl der Vorfall mit Kameras aus drei verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen wurde, begann die Untersuchung erst drei Jahre später, was eine solide und glaubhafte Untersuchung erschwere.


Trotz des Mangels an Fakten von der polizeilichen Untersuchung sind viele Details von Zihad Jilanis Fall gut dokumentiert. „Killing without Consequence“, eine Webseite, die zur Unterstützung der Familie Jilani mobilisieren soll, präsentiert eine schockierende Folge von Ereignissen, die nach Augenzeugenberichten vom Rechtsanwalt der Familie zusammengestellt wurde.


Zur Zeit des Unfalls eröffnete die Polizei das Feuer, obwohl sie sich in einem dichtbevölkerten Wohngebiet befanden. Kugeln landeten in Autos und Mauern, und ein siebenjähriges Mädchen in einem geparkten Auto wurde am Hals getroffen. Jilani fuhr vom Schusswechsel weg und in eine Sackgasse, wo sein Onkel wohnt. Als Jilani anhielt und aus dem Auto stieg, erhielt er eine Kugel in den Rücken. Augenzeugen sahen Jilani blutend auf dem Boden liegen, als Maxim Vinogradov ihn erreichte und ihn zweimal in den Kopf schoss. Eine Ambulanz musste 20 Minuten warten, bevor sie Erste Hilfe leisten konnte, und Ziads Cousin wurde beim Versuch der Hilfeleistung von Vinogradov mit einem Schlagstock verletzt. Ziad wurde im Krankenhaus für tot erklärt und sofort begrabge,n obwohl in Terrorfällen eine Autopsie durchgeführt wird....


„Soweit wir das wissen, sind wir die erste moslemische Familie in Jerusalem, die je die Erlaubnis für die Exhumierung einer Leiche aus dem Grab gab“, sagte Ziads Frau Moira. „Aber als wir von Augenzeugen hörten, dass Ziad zwei Kopfschüsse erhielt, während er auf dem Boden lag, wussten wir, dass wir etwas unternehmen mussten, um zu beweisen, dass die Polizei log.“


Nachforschungen der Jilani-Familie – nicht von israelischen Untersuchungsbeamten- deckten Stellungnahmen von Vinogradov eine Woche vor der Erschiessung auf Facebook auf, dass er Araber töten wolle und die rassistischen und brutalen Kommentare auf seinem Profil auf der israelischen Webseite Mekusharim....


Der Anwalt der Jilani-Familie vom Meezaan Zentrum für Menschenrechte in Nazareth sagte, dass Ziad starb, weil er ein Palästinenser war. Als Jilani angeschossen wurde und auf dem Boden lag, hätte die Polizei ihn festnehmen sollen. Es bestand kein Grund ihn zu töten....2)

1)http://palsolidarity.org/2013/03/is-there-hope-of-justice-for-a-palestinian-family-in-israels-courts/ 9./13. März 2013
2)Nora Lester Murad One week before killing Palestinian dad, Israeli policeman stated wish on Facebook to slay Arabs 15. März 2013 The Electronic Intifada (in Auszügen);
http://electronicintifada.net/content/one-week-killing-palestinian-dad-israeli-policeman-stated-wish-facebook-slay-arabs/12273

 

Palästinensische Frauen schreiben an Obama
Tent of Freedom and Dignity – Ramallah

State of Palestine

Date: 12/03/2013

Mr. Secretary General of the United Nations General Assembly, Mr.
Ban Ki-moon

His Excellency the President of the United States of America, Mr.
Barack Obama

Dear Sir,

We, the mothers, wives, sisters and daughters of the Palestinian and Arab
political prisoners and detainees in the Israeli jails, write this message to you
from inside the protest tent that we have established in front of the United
Nations headquarters in the city of Ramallah, and we hope that it will find
response first in your human and second in your political consciences as the
occupation has taken our beloved and children after it robbed our land and
the lives of many of our people over the years of this bitter and continued
conflict.

We write to you since more than (4500) prisoners are losing their health and
lives in the Israeli jails where some of them served more than three decades
and others are children who did not exceed thirteen-year-old, including
(320) children, 14 women, more than 60 sick prisoners from which 17 are
on deathbed. Other 10 7prisoners are still behind the prison bars since before
the understanding on the Declaration of Principles agreement in Oslo in
1993 and the signing of the 1994 Cairo Agreement.

His Excellency Secretary-General Ban Ki-moon and his Excellency U.S.
President Barack Obama,

Former U.S. President Bill Clinton has previously promised us when he
visited Palestine in (1998) to contribute to the release of our prisoners.
However, this promise has not been achieved because of Israeli
intransigence and lack of American seriousness which still have negative
psychological impacts on us up to this day. It also increased the gap of
existing mistrust between us and the United States at the grassroots level,

not to mention that the chances of real and lasting peace began dwindling
every day. if the peace process and the Palestinian engagement in the
political negotiations with all the accompanying international momentum
did not lead to the freedom our prisoners after all these years, while the
recent prisoner swap deal known as the "Shalit" deal that was only
accompanied by a pistol and a bullet succeeded in achieving what the peace
and American mediation and international efforts could not achieve over
more than 20 years! How can we and our people continue to believe that the
road to peace is the best way to achieve our goals for the freedom of our
children if it does not produce tangible results?! How can we trust that
strategic political solutions can be reached with this occupation on the final
status issues such as refugees, Jerusalem, settlements, borders, water, in
light of the failure to release prisoners who spent more than 30 years in the
Israeli jails? Where is the real role of the international community and
international organizations, particularly the United Nations to bring equity
to the Palestinian victim, even part of its right?!.

Mr. Secretary-General Ban Ki-moon, Mr. U.S. President Barack
Obama

There is no doubt that we are counting too much on you, and specifically on
the upcoming visit of President Obama to the State of Palestine and wait to
bring the smile back to faces of women and children of Palestine, joy to our
homes after being absent for many years. Celebrating the freedom of
prisoners will positively impact all Palestinian cities, villages and refugee
camps because peace would never meet with the continuation of oppression,
injustice and deprivation that are allies to extremism, because peace is a
friend of freedom, justice, humanity and moderation for which we call. We
will not accept peace at any price because the size of sacrifices we paid for it
equals our dignity, so we named the tent from which we launched our
campaign the "tent of freedom and dignity," which we invite you to visit.
We hope that we would be able to meet with President Obama during his
visit to our country in order to introduce him to the form of pain and
suffering and grief that we experience as a result of being away from our
beloved prisoners.

Mr. Secretary-General Ban Ki-moon, Mr. U.S President Barack
Obama

Imagine that most of the world’s women are celebrating the International
Women's Day, while we are sitting-in in a tent with much hope of deliver
our just message to the international community. We have colleague sisters
with us who are on hunger strike for three weeks waiting positive outcomes
regarding the Palestinian prisoners. The future is scary and there should be
pressure of the victimizer not on the victim, otherwise the situation could

explode at any minute. Israel should respond to the most basic elements of
peace advocated by our political leadership and you should bring the
balance back to the peace process through your substantial role as sponsors
to this process in order to change suspicion towards international politics,
especially the American foreign policy, not only at the Palestinian level but
also at the Arab and Islamic world levels based on your historic speech at
the Cairo University in 2009.

Mr. Secretary-General Ban Ki-moon, Mr. U.S President Barack
Obama

Israel is seeking through negotiations to fragment the prisoners’ file
prisoners based on the different Palestinian organizations. It tries to
differentiate between them on geographical basis (West Bank, Jerusalem,
Palestinians of 1948 areas, Gaza Strip, Arab prisoners and specifically the
prisoners from the occupied Syrian Golan). Therefore, we would like to
inform you that all forms of these criteria is rejected and unacceptable for
us, because the root of the problem is the same, namely, the occupation, and
the origin of the struggle of our people is the same as they are all freedom
fighters and rights defenders for their people and their fair and legitimate
issues. The terms of the Third and Fourth Geneva Conventions should apply
on our prisoners as prisoners of war and civilians under occupation. Each
prisoner has his family waiting for him impatiently and this tent in which we
sit represents all of these categories.

Mr. Secretary-General Ban Ki-moon, Mr. U.S President Barack
Obama

It is important for you to know how we wrote this letter to you inspired by
the eighth of March which will be followed by President Obama's visit to
the State of Palestine on 21/03/2013. This date is the Mothers’ Day and the
beginning of spring season. Therefore we hope and wish that spring brings
our sons, husbands, brothers and fathers free to their homes alive, healthy.
We are quite confident that you will allocate some time to meet part of us
and be sure that we love peace as much as we hate the occupation.

With respect and appreciation

Mothers, wives, sisters, daughters and relatives of prisoners and
Palestinians and Arabs political detainees in Israeli jails

Tent of freedom and dignity in front of the United Nations Office in
Ramallah

List signatures attached

Nasim Shaheen
Jerusalem- Palestine
Mobile #: +970599873712
 

Häuserzerstörungen, Vertreibungen und ethnische Säuberung in Ost-Jerusalem

 
Vor zwei Tagen gingen Bilder der Kinder von Familie Kiswani in den sozialen Netzwerken (aber natürlich nicht in den großen Massenmedien) um die Welt, die verzweifelt weinen und ihre ohnmächtige Wut den israelischen Soldaten entgegen schreien, die ihr Zuhause zerstört und sie in der Kälte des palästinensischen Winters auf der Straße gelassen haben.

Aber keiner der 138 Staaten, die am 29. November 2012 bei der UNO für Palästina gestimmt haben, wird etwas gegen die Besatzungsmacht Israel unternehmen, einen Staat, der täglich Kriegsverbrechen begeht (speziell nach der 4. Genfer Konvention und dem Statut von Rom des Internationalen Strafgerichtshofs), den jedoch keiner jener Staaten vor den Internationalen Strafgerichtshof bringen oder irgendwelche Sanktionen verhängen wird. Häuserzerstörungen wie auch Zwangsumsiedlungen werden weiter gehen, ebenso die Administrativhaft, die außergerichtlichen Tötungen, der Mauerbau, die Politik der Segregation und die Apartheidsgesetze. Bis die einfachen Menschen, die Völker, vereint mit dem palästinensischen Volk "BASTA" sagen und handeln, um ihre Regierungen unter Druck zu setzen. Wenn diese Regierungen merken, dass sie mit ihrer Unterstützung für Israel Stimmen verlieren, werden sie vielleicht beginnen, ernsthaft etwas zu verändern. Es liegt in unserer Hand.

Ohnmacht, Schmerz und Empörung sind so groß, dass ich, als ich die Nachricht erhielt, merkte, dass ich instinktiv und auf eine kindliche Weise egoistisch reagierte: "Wenigstens war ich nicht in Jerusalem und mußte das nicht sehen". Denn es gehört zu den  schlimmsten Erfahrungen jedes Augenzeugen auf dieser vergewaltigten Erde, bei einer Hauszerstörung dabei zu sein und nichts tun zu können, um sie zu verhindern; die straflose Gewalt, mit der Besitz zerstört wird, und die Hilflosigkeit der palästinensischen Familien zu erleben,  die sehen, wie ihr Haus innerhalb weniger Minuten zu Schutt wird. Und es ist noch unerträglicher, wenn sich dieser verbrecherische Staat vor der internationalen Gemeinschaft als "Opfer, das sich gegen den arabischen Terrorismus verteidigen muss" präsentiert und mit der Zustimmung (und sogar mit der Komplizenschaft und der bedingungslosen Unterstützung) der Regierungen dieser Welt rechnet.

Mit dem von Israel ins Treffen gebrachten bürokratischen Argument zur Rechtfertigung seiner kriminellen Praxis ("Es war ohne Genehmigung erbaut") wird die Scheinheiligkeit noch empörender. Abgesehen davon, dass das kein Grund ist, um ganze Familien und ihre Kinder des Rechts auf eine Wohnung zu berauben, weiß alle Welt, dass es für Palästinenser unmöglich ist, eine Baugenehmigung zu bekommen, vor allem in Jerusalem (aber auch im übrigen Westjordanland und sogar innerhalb des israelischen Staatsgebietes), weshalb es die einzige Möglichkeit ist, die ihnen bleibt, ohne Genehmgiung zu bauen und zu riskieren, dass ihre Wohnung irgendwann zerstört wird. Laut dem Israelischen Komitee gegen Häuserzerstörungen werden etwa 97% der Anträge auf Baugenehmigung abgelehnt. Die Organisation schätzt, dass die israelischen Behörden seit 1967 im Westjordanland etwa 27.000 Gebäude abgerissen haben. [...]

Wie die (Haus)Eigentümer berichteten, zerstörten Bulldozer der israelischen Stadtverwaltung von Ostjerusalem am Dienstag, den 5. Februar 2013 unter dem Vorwand, sie seien "ohne Genehmigung gebaut", zwei Wohnhäuser im Stadtviertel Al-Ashkariyeh im Gebiet von Beit Hanina im Norden von Jerusalem. Die Familien, die dort wohnten, hatten 50 Tage zuvor eine Benachrichtigung erhalten.

Ibrahim al-Kiswani sagte gegenüber der Agentur WAFA, die israelischen Bulldozer seien unter polizeilichem Schutz im Morgengrauen gekommen, hätten das Haus umstellt und der Familie zehn Minuten Zeit gegeben, vor der Zerstörung des Hauses samt Einrichtung ihre Habseligkeiten hinaus zu tragen.

Kiswani, ein kleiner Produzent, sagte, er habe 160.000 Dollar bezahlt, um von der Jerusalemer Stadtverwaltung eine Baugenehmigung für sein 170 qm großes Haus zu bekommen, in dem er mit seiner Frau und seinen vier Kindern im Alter zwischen 8 und 12 Jahren wohnt. Seine schwangere Frau fiel in Ohnmacht, als die Zerstörung begann.

Der 10-jährige Sohn der Familie Kiswani sagte: "Ich bin sehr traurig, dass die israelischen Soldaten unser Haus zerstört haben, in dem wir aufgewachsen sind, ohne uns Zeit zu geben, um unsere Sachen, unsere Kleider, die Computer, unsere Spielsachen und Schulsachen herauszutragen."

Kurze Zeit darauf am selben Tag und in derselben Gegend zerstörten die israelischen Streitkräfte einen Gebäudekomplex mit vier Wohnungen mit insges. 420qm Wohnfläche, der vor sechs Jahren gebaut worden war. Die vier Familien, die in dem Haus wohnten, hatten sich einen Anwalt genommen, um den Abriss zu stoppen, der 30 Menschen in der winterlichen Kälte obdachlos machte.

"Sie haben uns jetzt auf Straße stehen lassen, wir haben keinen Unterschlupf. Wohin sollen wir jetzt mit unseren Kindern und unseren Alten hingehen, wo unser Haus zerstört ist?", fragte der 52-j. Bewohner des Hauses, Muhamad Castero. "Das ist unser Grundstück und wir werden es nicht aufgeben, trotz aller Versuche der Besatzung(smacht), es uns zu wegzunehmen."

 Vergangene Woche brachte die Armee 200 palästinensischen Familien in Fuheidat, östlich von Anata im Norden Jerusalems die Benachrichtigung vom Abriss ihres Hauses.

Ziad Hamouri, Direktor des Jerusalemer Zentrums für soziale und Menschenrechte, sagte gegenüber WAFA, dass Jerusalem besonders jetzt einen "demografischen Krieg" durch die Besatzungsmacht erlebt, damit die Palästinenser zur Minderheit würden.

"Die Besatzung(smacht) steigert das Tempo der Häuserzerstörungen, des Landraubs, der Steuererhöhungen, der Verhaftungen von Kindern und der wirtschaftlichen Strangulierung", sagte er.

 ........................

Nicht sehr weit von dort zerstörten die israelischen Streitkräfte zwei Tage später, am 7. Februar ein Haus in al-Khas, einem Dorf östlich von Bethlehem, auch unter dem Vorwand, wie sie dem Hausbesitzer sagten, des "Bauens ohne Genehmigung".

Ahmad Sbatein sagte, dass die Arbeiter der Stadt, begleitet von israelischen Soldaten, sein 150qm großes Haus zerstört hätten. Er sagte, die Abrißorder, die er erhalten hatte, vor einem Monat vom israelischen Gericht in Beit El, der benachbarten illegalen jüdischen Siedlung bei Ramallah, anulliert worden ist. Sbatein versuchte die Zerstörung zu verhindern, indem er den Soldaten die Dokumentation zeigte, aber sie fuhren mit der Zerstörung fort.  

Das Haus von Sbatein lag in Zone B, die (theoretisch, nach den Osloverträgen) unter palästinensischer Zivilverwaltung und israelischer Überwachung der Sicherheit steht.

[Video von der Zerstörung des Hauses von Fam. Castero]

Das israelische Komitee gegen Häuserzerstörungen bestätigte in seinem Bericht "Die Judaisierung in Palästina: Tendenzen der Zwangsumsiedlung 2011":

"Die Häuserzerstörungen und die Zwangsumsiedlungen gehören zu den grausamsten Praktiken Israels in den besetzten palästinensischen Gebieten.

[...] Israel kontrolliert mehr als 40% des Westjordanlands über 149 Siedlungen und 102 "Außenposten" (die aber tatsächlich neue Siedlungen sind, ohne Genehmigung errichtet und deshalb sogar in Israel illegal) mit mehr als 500.000 israelischen  Siedlern sowie auch über "militärische Sperrgebiete" und "Naturschutzgebiete". Außerdem haben die palästinensischen Gemeinden durch die Häuserzerstörungen, die Zwangsumsiedlungen und die Enteignung von Land, noch verschärft durch die Angriffe der Siedler und die Auswirkungen der Mobilitätseinschränkungen auf die Wirtschaft große Probleme zu überleben. Die palästinensische Bevölkerung lebt in ständiger Angst vor Umsiedlung und Zerstreuung, während Israel  seine Herrschaft und Kontrolle behauptet.

Die Zerstörung von Häusern ist politisch motiviert und strategisch geplant.

Das Ziel ist, die 4 Millionen Einwohner von Westjordanland, Ost-Jerusalem und Gaza in kleine Enklaven zu sperren und damit einen zukünftigen Staat Palästina zu verhindern sowie die israelische Kontrolle (über diese Gebiete) sicherzustellen, um mit der Landenteignung, der ethnischen Vertreibung der Bevölkerung und der Judaisierung Palästinas fortzufahren."

In seinem neueren Bericht "Forced evictions, demolitions and displacements in the West Bank in 2012" (veröffentlicht 9.2.2013) stellt ICAHD fest: "Die Zwangsräumungen, Zerstörung und Umsiedlung sind 2012 im ganzen Westjordanland in ähnlichem Tempo wie im vorhergehenden Jahr weiter gegangen.

Es wurde die Zerstörung von insgesamt etwa 600 Gebäuden registriert, wovon mindestens 189 Wohngebäude waren. Den Zerstörungen gingen in vielen Fällen Zwangsräumungen voraus, gefolgt von der Umsiedlung von 880 Personen, mehr als die Hälfte (468) davon Kinder im Alter von wenigen Monaten bis 18 Jahren. 4.102 Personen wurden auf eine andere Weise getroffen, z.B. durch die Zerstörung der Unterstände für ihr Vieh, der Wasserzisternen und anderer Einrichtungen,  die ihrem Lebensunterhalt dienen, oder durch die Zerstörung von Infrastruktur einschl. der Straßen."

 Palestina en el corazon_07.02.2013

im Quellentext folgen:

3 kurze Videos über Zerstörungen in Beit Hanina  

Fotoreihe von Hauszerstörungen: erstes Foto zerstörtes Haus in al-Khas/Bethlehem, übrige Fotos aus Beit Hanina/Ost-Jerusalem.

 

Quelle: http://www.mariaenpalestina.wordpress.com/2013/02/07/demoliciones-desplazamiento-y-limpieza-etnica-en-jerusalen-este/

aus dem Spanischen übersetzt: K. Nebauer

 

Israel und Amerika: die „besondere Beziehung“, die es nicht gibt
Dr. Alan Sabrosky  (Teil 1)

Jetzt , wo sich der Staub über die Nominierung von Chuck Hagel zum Verteidigungsminister zu legen beginnt, ist es sinnvoll über den bitteren Disput, der ihn begleitete, nachzudenken und zu betrachten was er bedeutet und was er nicht bedeutet. Nicht viel ist von Hagels Opponenten gehört worden, während seine Unterstützer ihren Sieg hinaus posaunten. Aber Schweigen impliziert nicht Unterwerfung, speziell da sie die angebliche „Sonderbeziehung“ zwischen Israel und den US betreffen.

Die „besondere Beziehung“, die es nicht gab

Wann immer Israels Unterstützer heute von einer „besonderen Beziehung“ zu den US reden, die vermutlich in Stein graviert wurde, ist es sinnvoll, sich an etwas zu erinnern, das etwas sehr anderes existierte, als Israel 1948 auf dem am Boden zerstörten Rest von Palästina entstand. Die US erkannte Israel an  - aber das war es auch schon. Hollywood war (und bleibt) weithin ein jüdisches Ressort, aber sein Einfluss war woanders – in der Regierung, den Medien und Akademien – begrenzt. Prominente amerikanische Juden fühlten keine Verpflichtung, Israel oder israelische Führer zu unterstützen, egal was geschah. Dutzende (einschließlich Einstein) unterzeichneten einen Brief, der 1948 in der NYT veröffentlicht wurde und gegen die Ankunft von Menachim Begin protestierte und seine Aktionen verurteilte. Und die normale  amerikanische Öffentlichkeit verhielt sich weithin gleichgültig gegenüber dem, was im Nahen Osten geschah.

Die US-Regierung  reagierte in diesem Sinn. Die meiste militärische Hilfe für Israel kam in den 50er und auch in den 60er-Jahren  von einer Reihe anderer Staaten (Die israelische Luftwaffe, die das USS-Liberty-Schiff im Juni 1967 angriff, war von Frankreich besorgt worden) und nicht von den US - und amerikanische wirtschaftliche Hilfe für Israel während dieser Jahre war äußert begrenzt. Es ist bemerkenswert, dass in der Suez-Krise von 1956 Präsident Eisenhower --  der als General Eisenhower 1944 die Alliierten in den Westen führte und Nazi-Deutschland besiegte und mit der aktuellen Situation der europäischen Juden währen des 2. Weltkrieges genauer Bescheid wusste als jeder andere US-Präsident vorher und danach –  überhaupt keine Bedenken hatte, Israel ( zusammen mit Großbritannien und Frankreich) dazu aufzurufen mit den Operationen gegen Ägypten aufhören und sich zurückzuziehen. Auch Präsident Kennedy ( ein weiterer Veteran des 2. Weltkrieges, wenn auch jünger) zögerte nicht, den israelischen Führern absolut klar zu machen, dass er Israels Aneignung einer nationalen Atommacht nicht unterstützen oder stillschweigend darüber hinwegsehen würde – eine Position, die ihm womöglich das Leben kostete – aber auch eine Position, die mit seinen Vorgängern übereinstimmte, dass der israelische Schwanz nicht mit dem amerikanischen Hund wedelte. Und der Kongress war im Wesentlichen ohne israelischen Einfluss – tatsächlich erzählte mir ein israelischer Diplomat persönlich, dass während der Suezkrise (1956) Israel „zu nur zwei unbedeutenden Kongressleuten Zugang hatten.“

Eine „besondere Beziehung“ entwickeln

Davon kann heute nicht die Rede sein. Beides die verfassungsmäßige Ordnung und der politische Prozess in den USA sind unterwandert worden. Die Folge davon ist, dass die US-Regierung in der Praxis mehr oder weniger Israel untergeordnet ist – eine  de facto koloniale Verwaltung eines Landes ist, die großzügig beiden Stammesgruppen ( sie werden „Republikaner“ und „Demokraten“ genannt)  erlaubt, Wahlen abzuhalten, um zu bestimmen, wer anständige Loyalisten nach Washington schicken wird. Wie alle sensiblen Kolonialmächte lässt Israel Washington weithin sich um seine interne Politik kümmern, wie es sie wünscht (gewöhnlich nicht gut). Aber auf der Weltbühne bekommt Israel von den US das, was es gewöhnlich wünscht: die am weitesten entwickelte militärische Technologie, jährlich Milliarden wirtschaftlicher Hilfe und besonderen diplomatischen Schutz – die US belegte eine Menge von UN-Sicherheitsresolutionen, die Israel ungünstig betroffen hätten, mit einem Veto – mehr als die anderen vier permanenten Mitglieder des Sicherheitsrates  zusammen, meisten mit 14 zu einer  Stimme. Seltene Versuche, Dinge zu ändern, wie Präsident Obama die Situation der Palästinenser „unerträglich“ nannte und darum zu einem Stopp des jüdischen Siedlungsbaus in den illegal besetzten palästinensischen Gebieten aufrief, wird von Israel ignoriert – und zwar völlig unbestraft.

Diese Situation tauchte in den 60erJahren auf, als AIPAC (das amerikanisch israelische Komitee für öffentliche Angelegenheiten) gemeinsam mit anderen größeren und kleineren jüdischen Organisationen begann, die öffentliche Meinung und die Regierungsunterstützung zu Israels Gunsten zu verändern, und zwar zusammen mit der amerikanisch jüdischen Gemeinde, die dabei eine Schlüsselrolle spielt. Sie nahm verschiedene Richtungen ein, baute zuerst eine jüdische Vorherrschaft in der Filmindustrie aus (die eine Geschichte vom 2. Weltkrieg und dem Nahen Osten erzählte, wie sie nur von Israel erzählt werden konnte und wollte) aber dehnte sich weit über dieses Gebiet aus: ins Fernsehen, in die Mainstream-Medien und das Verlagswesen. Deshalb ist das, was Amerikaner über die Weltereignisse zu wissen glauben, wie eine Fiktion und ein Drama gestaltet ist, keine Fakten und Dokumentationen, und nun ist fast vier Generationen lang die Botschaft konstant geblieben: indem sie an Umfang und Stärke als jüdisches Druckmittel auf den eben genannten Gebieten wächst: Die Nazis und der Holocaust (wie sie beide definieren) spielen eine große Rolle; Israel ist eine Insel der westlichen Demokratie, die sich selbst gegen barbarische Muslime, die die neuen Nazis sind, verteidigt und das Land Israel (das, was es hat und was es noch wünscht) ist ein göttliches, den Juden gegebenes Mandat von Gott, den Juden und Christen (wenigstens teilweise) gemeinsam  verehren und das einzige Refugium von und für Juden in der sonst feindseligen und „existentiell bedrohenden“ Welt.

 

Es ist faszinierend zu beobachten, wie diese Bilder sich entwickelt haben  und wie sie Jahrzehnte lang ausgebeutet wurden. Abgesehen von ausländischen Filmen kann ich mich nur an zwei Filme erinnern, in denen Araber in den US von bekannten Schauspielern in einem etwas positiveren Licht in einem Hollywoodfilm dargestellt wurden: Omar Sharif in Lawrence von Arabien und San Connery in Der Wind und der Löwe - und in diesen beiden traten sie als mörderische Barbaren auf, später mit Deutschlands türkischen Verbündeten als Kämpfende in erster Instanz und (merkwürdigerweise)  mit deutschen und französischen Soldaten zusammen in  zweiter Instanz ( ich frage mich, was Frankreich tat, um sie so zu erregen). Aber Nazis allein oder zusammen mit Arabern und Araber als stumpfsinnige Terroristen tauchten überall auf. Es ist eine Botschaft, die sich immer wiederholt und einen unauslöschlichen Eindruck bei den  Zuschauern hinterlässt, der sich verstärkt und über Generationen hinweg festigt. Wir hatten zu Anfang den Film Exodus mit seinem sich leicht einprägenden Themengesang, aber wir hatten keinen Film und werden auch keinen Film haben, der in den USA  „Nakba“ heißt. Einer der Hollywoodfilme, der sich (mir) besonders  einprägte, war „Death Before Dishonor“, in dem  US-Marinesoldaten und Mossad zusammen gegen arabische „Terroristen“ den Kampf aufnehmen. Letzterem stehen Neo-Nazis ganz in Schwarz und mit deutschem Accent bei - nur für den Fall, dass jemand die Analogie und die Verbindung zwischen Nazis und Arabern vermisst. Von so etwas werden anhaltende öffentliche Meinungen gestaltet.

Der Einfluss  auf die Mainstream-Medien, elektronisch und gedruckt, und die Verlage sind während Jahrzehnten gewachsen: der zionistische Besitz umfasst jetzt alle größeren Netzwerke, alle größeren Nationalzeitungen, alle drei wöchentlichen Magazine, die meisten größeren politischen Journale und viele der größeren Verlagshäuser.  Dieser Einfluss zeigt und verstärkt die Tatsache und die Fiktion, was die gebildete und die allgemeine Öffentlichkeit über Politik, Geschichte und besonders über den Nahen Osten und Israel sieht, hört und liest. Die Wirkung ist bedeutend und zunehmend, da besonders gegensätzliche Meinungen und Bilder selten erscheinen – und selbst wenn sie es tun, werden sie zahlenmäßig von Meinungen und Bildern überspielt, die Israels Positionen begünstigen. Man beobachte nur Schilderungen von irgendetwas aus dem Nahen Osten zum Beispiel in Fox-News oder CNN und denke über das Schicksal von Journalisten nach, die Israel offen kritisieren oder die jemanden unterstützen, den Israel nicht mag – und man versteht die Verwicklungen.

  

Teil 2.

Ein drittes Gebiet, das selten voll verstanden wird, ist Israels kalkulierte Verbindung zu evangelikalen protestantischen Pastoren in den USA, die sich auf die Anerkennung gründet, dass wo der Pastor führt, seine Gemeinde folgen würde - und mit beiden auch Geld für Israel und Stimmen in Israels Interesse.  Hier erhebt sich der Hydra-Kopf der jüdischen Lobby (hauptsächlich die „Konferenz der Präsidenten“  von bedeutenden jüdischen Organisationen, von denen die zuvor erwähnte AIPAC nur eines von 49 Mitgliedern ist) die außergewöhnlich erfolgreich geworden ist. Geld, Materielles, Ehren, Auszeichnungen und  die kostenlosen Trips ins Heilig Land für Pastoren und ihre Ehegatten haben extrem hohe Unterstützung bekommen, die mit den Millionenstarken CUFI- Mitgliedern(Vereinigte Christen für Israel)gipfelte und der fast einmütigen Unterstützung der fast evangelikalen Protestanten für Israel und seine Sache, eine große Kraft innerhalb der USA allgemein und eine bedeutende Kraft im Staat  und  speziell in der nationalen Republikanischen Partei, die gewählten Politikern auf ihre eigene Gefahr hin

http://www.veteransnewsnow.com/2013/03/222181-israel-and-america-the-special-relationship-that-isnt

 

Jüdische Siedler warten auf die Zerstörung eines Beduinendorfes  in der  Negev.
 

Nadia Ben-Youssef 

 

Jüdische Siedler  müssen seit 2,5 Jahren in einer illegalen Siedlung im Negev-Wald  Yativ  zelten und darauf warten, dass das nicht anerkannte Beduinendorf Umm al-Hieran  zerstört wird und sie auf seinem Grund und Boden und seinen Ruinen eine exklusive jüdische Siedlung bauen können.

Tief im Yatirwald in der Negev  - auf „dieser Seite“ der grünen Linie -  liegt eine  vorübergehende Siedlung, in der 30 Siedlerfamilien warten. Sie warten auf den versprochenen Moment, dass das Beduinendorf  von Umm al-Hieran zerstört ist; sie warten bis seine etwa 500 Bewohner zwangsweise verdrängt wurden.

Währen der letzten 2,5 Jahre, in denen ich in Israel gelebt habe, habe ich einen großen Teil meiner Zeit auf Straßen verbracht, die nach offiziellen israelischen Karten nicht existieren. Ich kenne die Namen historischer Dörfer, die Israel „illegal“ nennt und ich habe mit zahllosen israelischen Bürgern, den Beduinen, gesprochen, die der Staat als „kriminelle Eindringlinge“  bezeichnet, weil sie auf dem Land ihrer Vorfahren leben.  Mir ist die andere Welt der Negev  vertraut, ja ich habe mich daran gewöhnt, mir täglich in Erinnerung zu rufen, das zu glauben, was ich sehe.  Doch letzte Woche fand ich  mich in einem Zustand  äußerster Verwirrung.

Es hatte Gerüchte gegeben, dass solch ein Zeltlager bestand. Aber als vorläufige  Siedlung – nennen wir sie Außenposten – wurde sie als Verstoß des Regionalen Flächennutzungsplanes errichtet, und nicht einmal die Bewohner von Umm al-Hieran  waren in der Lage,  sie ausfindig zu machen. Ihre Errichtung ist auch der öffentlich legalen Infragestellung  entgangen, was die Zerstörung und Vertreibung von Umm al-Hieran  und  die Regierungspläne betrifft, nach denen Hieran auf dessen Ruinen  aufgebaut werden soll. Tatsächlich  sind selbst in den letzten zwei Wochen die Jahrzehnte langen Rechtsverfahren in scheinbar demokratischer Weise weitergegangen, während die gewünschten Tatsachen schon vor Ort etabliert wurden.

Vor israelischen Gerichten haben die Leute von Umm al-Hieran, die von Adala – dem  juristischen Zentrum für arabische Minderheitsrechte in Israel -- vertreten werden, ermittelt, dass das Dorf 1956 durch eine Militärorder geschaffen wurde. Der Staat  erkannte an, dass  die israelische Militärregierung am 28. August 1956 dem Abu al-Qian-Stamm 7000 dunum Land zum Wohnen, für Landwirtschaft und als Weide verpachtet hat. Nachdem der Staatsanwalt die Fakten zugegeben hat, behauptete er, da sie ja Beduinen seien, würde der Staat von ihnen erwarten, dass sie,  die „unter den Sternen leben“ keine Wohngebäude aus Ziegeln und Zement bauen würden. Am letzten Donnerstag nannte der Anwalt von Adalah diese Zumutung als „unmenschlich“.

Während der letzten 57 Jahre haben die Leute von Umm al-Hieran tatsächlich Häuser gebaut, Straßen gepflastert, Zisternen gegraben, um das Regenwasser zu sammeln und  das Land bearbeitet, das ihnen Israel verpachtet hat. Aber als eines der 35 „nicht anerkannten“ Beduinendörfer, hat der Staat  den Leuten von Umm al-Hieran absichtlich den Zugang zu allen wesentlichen Dienstleistungen  wie Wasser, Strom und Abwässerbeseitigung verweigert, um sie  dahin zu bringen, das Land zu verlassen. ihr ländliches Leben aufzugeben und in die von der Regierung geplante Stadtgemeinde von Hura zu ziehen.

Wie Scheich Farhoud Abu al-Qian in einer Aussage vor einem der Planungskomitees angab ist „das Leben sehr anstrengend gewesen, aber ich arbeitete hart, um mit der Situation fertig zu werden. Die Bewohner haben diesen Ort in ein wunderschönes Dorf verwandelt.“

Nach Shmuel, dem Sprecher der Hiran-Siedler, hätten sie sich darauf vorbereitet, nach vier Jahre auf das Land von Umm A-Hieram zu ziehen und haben deshalb im Außenposten des Waldes gelebt, das für 2,5 Jahre mit Wasser und Strom verbunden war und sogar  von staatlichen  Recycling-Diensten Nutzen zog.  Shmuel glaubt und erzählt jedem, der fragt, dass die  „illegalen Beduinen erst seit kurzem dort siedeln“. Dies ist sicher ein zweckmäßiges Narrativ und eines,  das ein phantastisches Märchen für den Hiran Kinder-Kanal ist, eine kreative Außenposten-Initiative auf You Tube.

Mit seiner angeblichen Gabe der Prophezeiung sagt uns Shmuel, dass die Hiran-Pioniere innerhalb eines Jahres auf ihrem  verheißenen Land leben werden.  Egal was eine israelische Gerichtssitzung im September 2013 verfassungsgemäß  zu der Vertreibung der einen Gruppe  entscheidet, um sie durch eine andere Gruppe zu ersetzen. „Es ist  ideologisch“,  sagt Shmuel.

Und es scheint, dass der Rest dieser Geschichte, ein beunruhigender Mikrokosmos der zionistischen ethnokratischen Pläne für das ganze historische Palästina ist, ein weiteres Detail, das bald wieder vergessen  - oder besser noch nie gehört wird.

(de. Ellen Rohlfs)

Nadia Ben-Youssef ist  Menschenrechtsanwältin, die in der Negev wohnt und als internationale Fachberaterin für Adalah arbeitet – für das Juristische Zentrum für arabische Minderheitsrechte in Israel.

 http://972mag.com/watch-jewish-settlers-await-destruction-of-beduin-village-in

 

Das internationale jüdisch-antizionistische Netzwerk (IJAN):
Israels weltweite Rolle der Unterdrückung/ Verdrängung

Das von Mitgliedern der IJAN untersuchte, geschriebene und herausgegebene  neue Exposé  „Israels weltweite Rolle der Unterdrückung und  Verdrängung“  konzentriert sich auf die Rolle  von Israels Regierung, Militär und damit verbundenen Gesellschaften und Organisationen in einer globalen Industrie von Gewalt und Unterdrückung.

IJANS 28 seitige Broschüre wurde offiziell beim Weltsozialforum Freies Palästina in Porto Alegre, Brasilien, veröffentlicht. Es hat in den letzten Wochen große Aufmerksamkeit erhalten. Das Projekt wurde in Al Jazeera, Jacobin, LaRebelion und Jadaliyya und anderen Publikationen gebracht.

Das Pamphlet  ist als Teil eines weiter organisierten Projektes mit der Malcolm X  Grassroot-Bewegung, dem US-palästinensischen Gemeindenetzwerk, der palästinensischen Jugendbewegung und der Nationalen Anwaltsgildeverwendet worden, um auf die Rolle Israels in der Rüstungs-industrie und  der politischen Unterdrückung rund um den Globus ein Licht zu werfen. Die Information dieses Pamphletes ist kaum bekannt. Wir versuchen, das Bewusstsein darüber aufzubauen und sammeln Zeugnisse, die zu einem Volkstribunal  an verschiedenen Orten führen, die von der Arbeit Israels und mit ihm verbundenen Gesellschaften und Organisationen betroffen sind. Angesichts der Staatsgeheimnisses,  der Zensur und begrenzten  Ressourcen ist die Information, die wir bis jetzt  gesammelt haben,  nur die Spitze des Eisberges beim Drängen nach Verantwortlichkeit.

Das Pamphlet ist on-line zu bekommen und gedruckte Kopien können auf Englisch, Spanisch und Portugiesisch bestellt werden. Wie sind froh um jede Übersetzung in andere Sprachen. Wir drängen auch zum Organisieren von Aktionen, Kampagnen oder Volkstribunalen überall an den Orten, wo Israel mit den USA und anderen Regierungen eine Rolle bei der Unterdrückung unserer Bewegungen oder Angriffen auf Gemeinden spielt.

Aus der Einführung:

Israels einzigartige Fähigkeit bei der Kontrolle von Volksmengen, erzwungener Vertreibung, Überwachung und militärischer Besatzung hat es an die vorderste Stelle einer globalen Industrie der Unterdrückung gesetzt: es entwickelt, fabriziert und vermarktet Technologien, die von Armeen und der Polizei rund um die Welt benützt wird – zum Zwecke der Unterdrückung.

Israels Rolle in diesem Industriezweig begann mit Israels Militär, das als erstes diese Kriegswaffen gegen das palästinensische Volk im historischen Palästina und benachbarte Länder anwandte. In den letzten Jahren, als das Interesse für Überwachungstechnologie  und Techniken  bei allen Regierungen rund um die Welt gewachsen ist, baute eine israelische  private  „Homeland-Sicherheitsindustrie“  diese vor Ort  getesteten Instrumente und exportiert sie.

Diese Industrie schließt Regierungsagenturen, das israelische Militär und ein Netzwerk privater  Gesellschaften ein, die 2008  über 2,7 Milliarden US-Dollar  verdiente. Diese Industrie beträgt nahezu 7%  der israelischen Wirtschaft. Das israelische Ministerium für Industrie, Handel und Arbeit schreibt auf seiner Website: ….

Kein anderes Land hat so viele erfahrene frühere Sicherheitsleute und militärisches und Polizeipersonal. Und kein anderes Land ist in der Lage gewesen, seine Systeme und Lösungen  vor Ort  in Echtzeit-Situationen zu testen.

Zusätzlich zur israelischen Regierung, dem Militär und Gesellschaften liefert ein Netzwerk zionistischer Organisationen dem Staat Israel politische und wirtschaftliche Unterstützung. Zum Beispiel nehmen diese Organisationen in den US an der Überwachung teil und erleichtert den Austausch zwischen dem israelischen Militär und den US-Polizeikräften, den FBI-Agenten und den bewaffneten Kräften.

Dieses Netzwerk von staatlichen Körperschaften, Gesellschaften und  non-profits teilen die Geheimdienstinformationen, koordinieren Strategien zur Überwachung und Unterdrückung und kollaborieren um des Profites wegen. Die genaue Funktion eines jeden ändert sich je nach seiner Rolle.

Israel hat Waffen geliefert, Miliz trainiert, auch militärische und zivile Polizei, entwickelte und lieferte Überwachungstechnologie  und Unterdrückungs-strategie und versorgt  die Mittel für eine lange Reihe von Kontrolltechniken „nicht-tödlicher“ Waffen bis zur Grenztechnologie. Israel hat eine Rolle beim Bewaffnen und Trainieren der Apartheidregime von Südafrika und Rhodesien, kolonialen Regimen im Nahen Osten und Nordafrika (sonst als Südwestasien und Nordafrika oder SWANA bekannt) und Diktatoren in Zentral- und Südamerika und Asien gespielt.

Die israelische Regierung hat eine große weltweite Rolle übernommen beim Durchsetzen von Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, bei der Kontrolle von Gemeinden, beim Schwächen des Volkskampfes für Gerechtigkeit. Obwohl dies gut dokumentiert ist, wird dies selten - wenn überhaupt  - erwähnt oder diskutiert und noch seltener in Frage gestellt.

Unsere Bewegungen – die in Solidarität mit dem palästinensischen Volk gegen Krieg, Armut, und eine ungerechte globale Wirtschaft sind– müssen  die sehr realen Wege des  Staates Israel in Betracht ziehen, mit denen es sich an Gewalt und Unterdrückung  in aller Welt beteiligt.

Israel verkauft seine Waffen, Technologien, Training und Technik von Gewalt an jene, die es als Verbündete betrachtet und sogar an jene, die es als Feinde ansieht. Israel verkauft oder hat an Islamisten, Kommunisten, Kapitalisten, an diktatorische und sozialdemokratische Staaten verkauft. Die treibende Kraft hinter dem Waffenexport ist außer dem Profit, die Notwendigkeit enge und starke Bündnisse mit großen imperialistischen Mächten zu haben, die ihm mit andauernder militärischer und diplomatischer Unterstützung, Wirtschaftsmärkten und Zugang zur  Macht liefern.  Deshalb hat Israel bevorzugt Waffen an die Verbündeten und Agenten der Macht verkauft.

Israel Shahaks Buch (1982): Israels globale Rolle: Waffen zur Unterdrückung“ dokumentiert, dass von Rhodesien bis zum  Apartheidstaat Südafrika und  den Golfemiraten Israel seine Interessen nicht mit den Massen verknüpft, die um Freiheit kämpfen, sondern mit deren Gefängniswärtern. Trotz Konkurrenz und andern Konflikten zwischen Regierungen und Regimen, die auf Unterdrückung beruhen, haben dieselben Regierungen und Regime keine Bedenken mit einander  gegen Volksbewegungen  zu kooperieren.

(dt. Ellen Rohlfs)

 

Die einzige Musikschule im Gazastreifen  soll schließen
Asmaa  al-Ghoul  21,2.13  ( Journalist und Schriftsteller aus dem Rafa-Flüchtlingslager)
 

Während Proben in einer Musikschule in Gaza spielten Firas al-Sharafi,10, und sein Freund Abdel Azis, 11, ein Lied  der libanesischen Sängerin Faruz. Die beiden Jungen spielten Dulcima (Hackbrett), lernten Noten lesen und  gelegentlich   schauten sie sich mit leuchtenden Augen und einem Lächeln an.  Sie träumen davon, sich einer großen  Musikgruppe anzuschließen, die auf östlichen und westlichen Musikinstrumenten spielt. Ihr Traum näherte sich der Realität, als sie sich vor fünf Jahren in der einzigen Musikschule  im Gazastreifen anmeldeten. Sie gehen dreimal in der Woche  in die Musikschule, sie haben inzwischen Noten lesen gelernt und spielen beide Dulcima und  Schlaginstrument.

Firas und Abdel Azis wissen, dass ihre Schule vor großen Problemen steht: mit den finanziellen Problemen steht sie fast vor der Schließung. Die Schule war zunächst  kostenfrei, aber jetzt müssen sie  $600 im Jahr zahlen.

„Wenn die Schule schließt, würden wir sehr traurig sein,“ sagt Abdel Aziz zu  Al-Monitor.“ Was werden wir tun, wenn sie schließt? Wo können wir dann Musik lernen?  Wir werden weiter endlos Emails an Leute schreiben, die unserer Schule helfen können.  Ich will auch einen Film  über die Schule drehen , damit Leute dazu angeregt werden, für sie zu spenden.“

„Ja wir könnten auch Saft verkaufen, um das Schulgeld für die Schüler zusammen zu bekommen,“ fügte Firas hinzu.  „Wir wollen es nicht hinnehmen, dass die Schule geschlossen wird.“

Die Musikschule hat schon einige schwere Zeiten hinter sich, seitdem sie eröffnet wurde. Sie wurde bombardiert und  währen des Krieges 2008/09 zerstört, als israelische Kampfflugzeuge das Rote-Kreuz-Theater  bombardierte, als die Musikschule am Anfang  ihren Sitz dort hatte.

Ibrahim Najjar, der Schulleiter, sammelte die Reste der zerstörten Musikinstrumente auf einschließlich einer Gitarre, eines Klaviers und einer Laute.  „ Die Schule  wurde nur drei Monate nach ihrer Eröffnung  getroffen“,  sagt er, “alles war zerstört, alle Instrumente.  Ich erinnere mich, wie  Studenten sich mit ihren Instrumenten auf die Trümmer setzten  und ganz traurige Musik spielten und um ihre Schule trauerten. Danach zogen wir mit der Schule hierher und fingen mit einer Spendenaufruf-Kampagne an. Die Musikstiftung sandte uns über  die ägyptische Grenze  viele Instrumente – die zwar alt aber noch in guter Verfassung waren . Israel  hat es nicht erlaubt, Instrumente über den Erez-Übergang  zu transportieren.

Aber die Schwierigkeiten endeten nicht hier. Es war  fünf Jahre lang ein  karikatives Projekt, das mit der A.M.-Qattan-Stiftung verbunden war. Im April 2012 übernahm das Edward Said-Konservatorium  die Schule, da sie immer größere Probleme hatte. Das Konservatorium  verlangte Schulgeld für den Musikunterricht.

„Am Anfang  verlangten wir $28“ sagt Najjar. „Viele konnten das Schulgeld nicht zahlen und viele hörten deshalb auf und kamen nicht mehr, weil sie glaubten, wenn sie nicht zahlen können,  können sie auch nicht zurückkommen. Wir riefen sie an und drängten sie, zurückzukommen. Diese Kinder sind sehr begabt und das Lernen eines Instrumentes hat ihr Leben verändert.“

Mahmoud Kahil ist jetzt 11 Jahre alt. Als die Schule anfing, war er gerade sieben Jahre alt und er gewann den 1. Preis in der Kategorie Orientalische Musikinstrumente bei einem nationalen Musikwettbewerb, das vom Edward Said-National-Konservatorium organisiert wurde.

Mahmoud  kommt noch immer  zur Musikschule, aber er kommt spät in seine Klasse, weil er auch  die normale Schule noch am Abend besucht. Sobald sein regulärer Unterricht endet, nimmt er ein Taxi und eilt   zu seinen Klassenkameraden Firas und Abdel Azis in die Dulcima-Klasse,

Mahmoud war  sehr scheu, als Al-Monitor sich ihm näherte, um mit ihm zu reden.  Als er mit dem Spielen auf der Dulcima zu spielen anfing, wich alle Scheu und  überwand  sie mit einer perfekten musikalischen  Aufführung. Aber Mahmoud  wird wohl  mit dem Musikunterricht aufhören, da er sechs Geschwister hat und seine Eltern es sich nicht leisten können, das Schulgeld zu zahlen.

Sein Vater Imad Kahil sagte zu Al-Monitor:  „Ich schätze das Talent meines Sohnes und ich bin der Schule dankbar,  dass mein Sohn in Musik so weit gekommen ist. Doch wird es für mich schwierig sein, das jährliche Schulgeld zu zahlen; denn mein anderer Sohn will nächstes Jahr zur Universität.

 Er sagte noch: „Nachdem er in dem Wettbewerb  gewonnen hatte, kaufte ich ihm eine Dulzima – doch mehr kann ich nicht tun, trotz meiner Liebe zur Musik. Ich will versuchen, sein Talent zu Hause zu pflegen, da ich auch musiziere. Wir sind eine  Familie, die Musik liebt, auch wenn dies von der Gesellschaft nicht so ernst genommen wird.

 An der Musikschule Gaza mit ihren 180 Schülern  Schulgeld  zu verlangen, ist die einzige  Möglichkeit, die Schließung der Schule zu verhindern,  solange die Schule  nicht von außerhalb gesponsert wird, sagte Najjar.  Die Ausgaben schließen die Gehälter der 16 Lehrer der Schule ein als auch die Miete, den Strom, Wasser und die Erhaltung der  Musikinstrumente der Schüler.

Wenn mehr Schulgeld erhoben wird,  werden auch Maria und ihre Schwester Maram al-Ashkar nicht mehr in diese  Schule gehen können. Im besten Falle müsste die jüngere Schwester Mariam,8, mit dem Geigenunterricht aufhören, damit die ältere Schwester,12, ihren Unterricht fortsetzen kann. Ihre Mutter  Mayssa, 39, sagt, die Eltern können es sich nicht leisten, für zwei Kinder Schulgeld zu zahlen. Maria will weiter Geige spielen und leiht sie sich gelegentlich von der Schule aus, um vor Nachbarn zu spielen.

Najjar kommentierte die Geschichte der Mädchen. Er sagt, dass jeder hohe Erwartungen hat und hofft, weiter an der Musikschule lernen zu können und dass die Schule eine Institution für Kinder  bis zum Alter von 16 wird. Er drückt auch seine Hoffnung aus, dass  eine Audio-Bibliothek errichtet werden könnte, was natürlich vom Zuschuss abhängt.

Aber nicht alle Spender sind . aus vielen Gründen bereit, nach Gaza etwas zu spenden. Der wichtigste Grund ist Gazas politischer Ruf, sagt Mohamed Al-Awar, Chef der Spenden und  Zuschuss-Abteilung des Edward Said-Konservatoriums, zu Al-Monitor.

Er fügte noch hinzu, dass die Schule  der  A.M.Qattam-Stiftung  angegliedert sei, einer  Stiftung , die Geld für Stipendien   sammelt; die Qattar-Familie deckt zuweilen zusätzliche Ausgaben, wenn die Schule zu wenig Spenden bekommt. Da die Stiftung ein non-Profit-Institut ist , hängt sie von externer Unterstützung ab. Die Folge ist, dass wenn die Spenden vom Ausland  ausbleiben, Schulgeld erhoben werden muss ( und das bei einer sehr großen Arbeitslosigkeit im Gazastreifen !!!  ER)

Er betont auch, die letzte Option sei , dass die Schule geschlossen werden müsse. Dieses Jahr  würde die palästinensische  Musikschule ihren 20. Geburtstag  haben. Das Edward Said-National-Konservatorium wurde 1993  gegründet, mit Ablegern in Jerusalem (1996), Bethlehem 1997, Nablus 2010 und  schließlich im Gazastreifen 2012.

Es sind nahezu 1000 Schüler und Schülerinnen in allen  Zweigstellen, 60% von ihnen haben ein Stipendium. Awar meinte noch, dass sie versuchen, andere Quellen der Finanzierung zu finden, indem sie  Institutionen , arabische Banken und  Stiftungen um Unterstützung anfragen . Doch Gazas  Problem bleibt bestehen, solange die Spender zögerlich  bleiben, eine Musikschule im Gazastreifen zu unterstützen.

(dt. Ellen Rohlfs)
 http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2013/02/music-school-may-close

 

Palästinensische Chuzpe.
 

Was - ihr demonstriert? Wir haben euch doch längst wissen lassen, dass uns euer Schicksal egal ist.

Gideon Levy

 

 

Meine lieben palästinensischen Brüder (nur zur Information: heutzutage ist eben einfach jeder ein „Bruder“) - schämt ihr euch nicht? Wie könnt ihr es wagen zu protestieren und Steine zu werfen? Wie könnt ihr den Frieden stören, „illegale“ Vorposten  auf eurem eigenen privaten Grund einrichten, Hungerstreiks anfangen, Solidarität  mit Gefangenen zeigen, die Öffnung der Shuhadastraße fordern und gegen die erneute Arrestierung von schon freigelassenen Gefangenen protestieren? Auch noch verstohlen in Israel nach Arbeit suchen, euch gegen die Vertreibung von Leuten aus ihren Häusern wehren, euch beschweren, dass ihr nicht auf eure Äcker gelangen könnt,  protestieren gegen die Sperrzäune, die auf eurem Gebiet gezogen wurden, mit einer dritten Intifada drohen?

Seid ihr verrückt? Woher nehmt ihr diese Chuzpe?

 

Jetzt demonstriert ihr? Wir haben euch doch schon gesagt: Wir scheren uns nicht länger um das, was mit euch passiert. Von der Rechten und der Linken: alle haben es euch laut und klar gesagt Sogar dieser Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, MK Shelly Yacimovich, hat euch wissen lassen, dass Israelis sich nicht um euch scheren – und ihr versteht das einfach nicht! Seht ihr denn nicht, dass wir zu tun haben? Wir haben wichtige Fragen zu klären – die Militärlasten bewältigen, die Anzahl der Minister, das Pistazieneis von Benjamin Netanyahu, dem designierten Premierminister, die Jungfernrede von MK Ruth Calderon (Yesh Atid ) in der Knesset, das mutmaßliche Liebesleben des Bildungsministers Gideon Sa’ar.

Also wer kann da an euch denken? Israel versucht eine Koalition zusammen zu bringen. Es ist überhaupt nicht geklärt, ob die ewige Alliance zwischen Yair Lapid von Yesh Atid und Naftali Bennett von Habayit Hayehudi Bestand haben wird – und ihr wagt es, uns mit eurem Pipifax zu behelligen?

Lapid mag die „Hanin Zuabis“ nicht; Bennet die „Abus“ nicht – und ihr kapiert das nicht! Seht ihr nicht, wie sie sich Sorgen machen über die Leute in Israel, so dass sie absolut keine Zeit für euch haben – also wie kommt ihr dazu, sie an eure Existenz zu erinnern?

 

Besatzung – pah! Menschen- und Bürgerrechte, Vertreibung und Landraub, Selbstbestimmungsrecht, zwei Staaten für zwei Völker, die Apartheitsmauer, 5000 Gefangene – ihr macht einen Wind wie herumschwirrende Moskitos. Haut ab, ihr nervt uns!

 

Wie lange noch wollt ihr uns auf den Geist gehen mit euren kleinen Problemchen?

Wie lang wollt ihr denn die ganze Welt nerven?

Könnt ihr nicht sehen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, dabei ist, uns einen Erpressungsbesuch zu machen, sich verbeugen vor den Gräbern von Yitzhak Rabin und Theodor Herzl und in Yad Vashem – also wieso wollt ihr ihn auch noch behelligen? Entspannt euch, meine Brüder. In Syrien steht es viel schlimmer!

 

Entspannt euch: die Besatzung ist erst 46 Jahre alt. Seid zufrieden mit dem, was ihr habt. Ihr befindet euch in guten Händen – den Händen der einzigen Demokratie im Nahen Osten. Regt euch nicht auf und haltet das Aufblühen nicht auf!

Israels ehemalige Politik hat sich nicht für euch interessiert und die neue noch viel weniger. Fragt doch die Protagonisten der neuen Politik, Lapid und Bennett, über die Israel gerade in Enthusiasmus ausbricht. Keiner von denen hat wahrscheinlich jemals einen (lebenden) Palästinenser getroffen, und das wollen sie auch gar nicht. Ihr werdet noch Netanyahu vermissen, Shimon Peres und Ehud Barak von der alten Garde. Sie haben wenigstens mit euch gesprochen. Also seid doch zufrieden mit dem, was ihr habt!

 

Denkt nach vorn. Nicht mehr lange, und ihr werdet hier in der Überzahl sein. Die Welt wird es nicht tolerieren, dass ihr weiter ohne Rechte leben sollt. Die Schuldgefühle wegen des Holocaust werden sich legen. Die jüdische Lobby – ja, die gibt’s – wird möglicherweise einiges an Macht verlieren. Und außerdem: natürlich ist die Gerechtigkeit und die Geschichte auf eurer Seite.

 

Morsche Tyranneien wie die israelische Besatzung haben sich nie ewig gehalten. Also entspannt euch, meine Brüder, und wartet ab. Wenn‘s nicht zu euren Lebzeiten klappt, dann ja vielleicht für eure Enkel. Stimmt, ihr habt genug erduldet. Aber Menschen sind wie Bäume: Im Sturm beugen sie sich unterwürfig. Ihr habt ja alles probiert: Verhandlungen und Terror, Anerkennung und Kompromisse, die erste, die zweite Intifada ...

 Das hat  alles nichts gebracht. Die Siedler haben sich verdreifacht, die Knesset ist voll von ihren Vertretern, und Israel hat absolut aufgehör,t mit euch zu verhandeln. Stimmt: Wenn ihr still abwartet, vergisst man euch. Wenn ihr protestiert, werden sie euch des Terrorismus bezichtigen. Aber das ist das Wichtigste: Nicht jetzt! Nicht wenn Israel so beschäftigt ist, wenn Israel die Nase voll hat von eurem Jammern und Klagen und euren Forderungen.

Ja, es ist hart, ein Palästinenser zu sein. Aber wisst ihr: ein Jude zu sein ist schlimmer. Juden sind immer die Opfer, die einzigen Opfer weit und breit!

 

Deutsch E. Meyer zu Uptrup - Quelle

 

Im Namen der Unterdrückung: Zwei palӓstinensische Babies am israelischen Kontrollpunkt - Als Mitglied der israelischen Gruppe Machsomwatch steht Tamar Fleishman jede Woche an den israelischen Checkpunkten zwischen Jerusalem und Ramallah und dokumentiert das Verhalten der israelischen Soldaten gegenüber den Palӓstinensern. Kürzlich beobachtete sie, wie der dringende Transport von zwei palästinensische Babies von der Westbank in ein Jerusalemer Krankenhaus am Checkpunkt stecken bleibt:
Zwei Ambulanzwechsel zur gleichen Zeit und am gleichen Ort. Es war kalt, die Luft verschmutzt. Aber die schädlichen und grausamen Regeln waren eine grӧssere Umweltbelastung. Die Opfer: zwei Babies...
Innerhalb weniger Minuten kamen zwei Ambulanzen aus der Westbank am Eingang des Kontrollpunktes an und erhielten den Befehl zu warten.
Zuerst kam ein zehn Tage altes Baby aus Qalqilya an, dessen Atemschwierigkeiten sich auf der Fahrt verschlechtert hatten. Der Fahrer berichtete, dass die Fahrt von Qalqilya eineinhalb Stunden dauerte. Die Prüfung der Dokumente, die Inspektion des Gepäcks der Mutter und der Transfer von der Bahre aus der Westbank auf die Bahre des Krankenwagens aus Jerusalem, der das Baby in das Mukased-Krankenhaus bringen wird, dauerten zwanzig Minuten.
Unmittelbar nach dem ersten Baby kam das zweite an, ein vier Monate alter Junge aus Gaza, der an einer Nierenkrankheit leidet. Dieses Baby war in Ramallah behandelt worden, als sich sein Zustand verschlechterte und die Ärzte eine Überweisung in das besser ausgerüstete Augusta Victoria anordneten.
Der Krankenwagen wurde am Eingang des Checkpunktes festgehalten. „Keine Koordinierung wurde getroffen,“ sagten die Soldaten. Am Augusta- Victoria-Krankenhaus, wo sie auf das Kind warteten, sagten sie, dass alle Koordinierungen abgesprochen wurden. Die Soldaten wiederholten: „Nein, haben sie nicht.“ Augusta Victoria wiederholte: „Doch, haben sie.“
Die Zeit kroch langsam voran, aber niemand konnte das Problem lösen.
Ein Wachmann von der Sicherheitsfirma sagte: „Ich bin zwar in Uniform, aber ich habe ein Herz.“ Er wollte helfen, sprach mit den Soldaten, mit den Sanitätern und lief ruhelos von einer Seite zur anderen, aber er konnte nichts erreichen.
Die Zeit kroch weiter, Minuten vergingen, und die palästinensischen Sanitäter, die im Umgang mit der Besatzungsmacht Erfahrung haben, wussten, dass sie weder mit den anwesenden jungen Männern der Armee sprechen konnten, noch mit den Offizieren per Telefon. Sie riefen die Notfallnummer der Krankentransportfirma und des Krankenhauses immer wieder an.
Vor zwei Tagen hatten das Baby und seine Mutter die Reise von Gaza durch das Territorium des israelischen Staates über den Kontrollpunkt Qalandia zum Krankenhaus in Ramallah gemacht. Alle notwendigen bürokratischen Forderungen waren erfüllt, kein Fehler wurde in ihren Papieren gefunden und niemand vermutete, dass die beiden eine Bedrohung für die Sicherheit des Landes darstellten. Und jetzt, im Notfall, muss dieser Prozess von vorne anlaufen: noch einmal wird eine Genehmigung gefordert, werden Papiere, Ausweise und Dokumente hingehalten und noch einmal kommt die Furcht vor der Ablehnung auf.
Erst nach 55 Minuten kam ein Offizier, wahrscheinlich vom DCO, aus dem Nichts an und plötzlich hatte die Koordinierung stattgefunden, war adequat und war genehmigt.
Tamar Fleishman kommentiert: Zwei Babies ohne sonstige Verbindung ausser ihrem Gesundheitszustand, der einen Transport in ein Ost-Jerusalemer Krankenhaus erforderte , und ihrer gemeinsamen Zugehörigkeit zu einer Gruppe, den Palästinensern, weshalb ihnen bereits vor dem vollen Eintreten in die Welt die grundlegenden Rechte verweigert wurden.
Man konnte die Gesichter der Babies nicht sehen. Wie kleine Bündel waren beide bis über den Kopf in warme, bunte Decken gewickelt, und lagen still. Man hörte kein Weinen, sah keine Bewegung. Es war, als ob sie wussten, dass über Leben oder Tod entschieden wurde. Nur ein schwarzer, ungebärdiger kleiner Haarbüschel blickte aus einer der Decken heraus….
Alles wird getan im Heiligen Namen der Unterdrückung und der Herrschaft über eine andere Gruppe und jedes einzelne Mitglied dieser Gruppe.
Originalartikel: Tamar Fleishman, In the Name of Oppression:Two Babies at Checkpoint, übersetzt ins Englische von Ruth Fleishman, 19. Februar 2013, Palestine Chronicle; http://palestinechronicle.com/in-the-name-of-oppression-two-babies-at-checkpoint/

 


Israel: 0, Abu Jamals Kuh:1 - Wenn koloniale Diktatur und Rassenhass in einem perversen Tanz der Narren zusammenkommen, dann ist selbst eine Kuh nicht lӓnger sicher. Gestern nacht versuchten israelische Siedler, die einzige Kuh des palӓstinensischen Bauern Khalid Draghmeh zu vergiften. Es war nicht der erste Angriff auf seine Tiere. Bereits vor einem Jahr wurde sein Pferd von der gleichen Sorte von Siedlern vergiftet.
Eine Kuh kann wohl kaum als "Bedrohung der nationalen Sicherheit des Staates Israel" angesehen werden. Aber sie ist eine der wenigen Einkommensquellen für Khalid Draghmeh und sein Festhalten an seinem Land ist ein Hindernis für Israels strategische Besiedlungsplӓne in der Westbank.
In Fortsetzung einer Reihe von Angriffen gegen ihn, seine Familie und sein Eigentum wurde Khaled Dragmeh " Abu-Jamal" beim Betreten seines Hauses von Siedlern angegriffen. Wӓhrend er sein Haus verteidigte, brach eine zweite Siedlergruppe die Stalltüre auf, wo seine einzige Kuh untergebracht ist, und legte Gift in ihr Futter. Kurze Zeit nach dem Angriff bemerkte Abu Jamal, dass die Kuh die gleichen Symptome zeigte, wie sein Pferd kurz vor dem Verenden vor einem Jahr. Er rief sofort einen Tierarzt und konnte das Tier in diesem bizarren Kampf zwischen David und Goliath retten. Abu Jamals Kuh war eine Spende von einem Freund, um Abu Jamals Lebensunterhalt zu garantieren, wӓhrend der Bauer die jahrelangen fortgesetzten Angriffe der Siedler aushӓlt.
Abu Jamal lebt mit seiner sieben Mitglieder zӓhlenden Familie auf einem 22 Quadratkilometer grossen Grundstück an der Hauptverbindungsstrasse zwischen Ramallah und Nablus. Er hat die Dokumente, um seinen Besitz des Lands zu prüfen. Seit sieben Jahren versuchen die Siedler aus Israels Kolonien Ma'aleh Labuneh, Shilo und Eli, Abu Jamals Familie mit zunehmender Aggression zu vertreiben, weil sein Landstück den Anschluss von Ma'aleh Labuneh mit den übrigen Siedlungen blockiert.
Israel versus Abu Jamal's cow; http://www.stopthewall.org/2013/02/18/israel-versus-abu-jamal-s-cow
StoptheWall, 15. Februar 2013, http://stopthewall.org/khalid-draghmeh-and-khan-al-laban-thorn-settler-s...

Zusammenstellung und Übersetzung Martina Lauer
 

Palästina

Jahrhunderte lang

lebten hier Menschen

friedlich beisammen,

Moslems, Juden und Christen,

bearbeiteten den Boden,

bauten Häuser, Dörfer und Städte,

ertrugen verschiedene Herrscher,

bis eines Tages

religiöse  Fanatiker

und Politiker kamen,

die sagten,

dies Land

wurde uns

vor langer Zeit

von Gott gegeben,

mit allem,

was sich darauf befindet.

 

Deshalb habt ihr,

die ihr seit Jahrhunderten

hier friedlich lebt,

keine Rechte mehr

und müßt verschwinden.

 

Sie taten ihnen an,

was ihnen

und ihren Vorfahren

angetan wurde,

in Spanien, Rußland, Polen

und später in fast ganz Europa:

gewaltsame Vertreibung

mit Mord und vielfältigen Schikanen.

Sie raubten das Land,

die Häuser, den Hausrat

und die Bankkonten.

Sie vernichteten

die Spuren

der Existenz

der früheren Bewohner

und pflanzten Bäume

über die Ruinen

ihrer Dörfer.

 

 

 Aber selbst beanspruchen sie

volle Entschädigung

oder Rückgabe

für das ihnen

oder ihren Vorfahren

in Europa Geraubte.

Recht und Gerechtigkeit

beanspruchen sie

nur für sich.

 

Und Tag für Tag

setzen sie noch immer

das Werk der Vertreibung

eines Volkes

aus dessen ursprünglicher Heimat

mit immer neuen

und brutaleren Methoden fort,

ungeachtet der Rechte und Gesetze,

die sich die Völker dieser Erde

gegeben haben,

um ein friedliches Miteinander

zu ermöglichen.

 

Wie soll das enden?

Durch eine friedliche Lösung,

wie von allen arabischen Staaten,

schon zweimal angeboten?

Oder durch ein Inferno,

das nicht nur den Nahen Osten

erfassen könnte?

 

Schon viele Staaten gingen zugrunde,

deren Führer glaubten,

andere Völker

besiegen und beherrschen zu können.

Sie übersahen die Zeichen

an der Wand

und rissen sich selbst

und andere

in den Abgrund.

 G.S.U.  November 2012  

 

 

 

Welches Israel wollen wir unterstützen?

Israel ist auch das Land

der Israelis,

die Recht von Unrecht

unterscheiden können

und sich für Recht

und Gerechtigkeit einsetzen:

der Machsom Watch Frauen

an den Checkpoints der Besatzungsarmee,

der Frauen in Schwarz,

der Männer und Frauen,

die in Ni'lin und Bi'lin,

gemeinsam mit Palästinesern

gewaltlos demonstrieren,

ungeachtet des Tränengases und der Schüsse,

 

sowie der Friedensaktivisten,

die bei der Zerstörung beduinischer Dörfer

und palästinensischer Häuser

sich den Bulldozern entgegenstellen,

die ihre Stimme erheben

gegen Folter,

willkürliche Verhaftung

oder Mord,

der jetzt gezielte Tötung genannt wird,

ohne Anklage und Urteil,

oder die gegen die völkerrechtswidrige Mauer,

die Landenteignung

und Rechtsbeugung,

die Blockade des Gazastreifens

demonstrieren,

obwohl sie selbst bedroht sind

von Verhaftung und Gefängnis,

sowie beruflichen Nachteilen

und sozialer Ausgrenzung.

 

Es ist auch das Land derer,

die den Wehrdienst verweigern,

um nicht selbst schuldig zu werden

und aus Solidarität

mit den Unterdrückten,

oder der Soldatinnen und Soldaten,

die nach dem Militärdienst erkennen,

was sie getan haben

auf Befehl ihrer Politiker und Offiziere

und dann ihr Schweigen brachen,

um zu berichten,

was sie sahen und taten

an Unmenschlichem,

sowie der Rabbiner für Menschenrechte,

die den Zweig des Ölbaums hochhalten

nach Rabbi Arik Ascherman’s Worten:

als ein Symbol der Identifizierung

mit jenen Israelis und Palästinensern,

die alles in ihrer Macht stehende tun,

um aus Feinden Freunde zu machen.

 

 

 

Diesen jüdischen Israelis

gebührt meine Achtung und Solidarität.

Es ist nicht möglich,

all ihre Namen zu kennen

und zu benennen.

Sie sind die wahren Helden

und Heldinnen eines Israels,

das ich achte und unterstütze.

Leider finden diese Israelis

In Deutschland und weltweit

nur wenig Unterstützung und Gehör.

Chinesische Dissidenten

und Menschenrechtsaktivisten

werden von deutschen Politikern

gerne empfangen,

aber keine israelischen.

 

Doch auch das andere Israel,

jenes der religiösen Fanatiker,

brutalen Besatzer

und rassistischen Ideologen

kann ich nicht hassen,

sondern will darauf hoffen,

daß es eines Tages

den Weg der Gerechtigkeit findet,

ohne den es keinen Frieden

zwischen den Menschen,

und den Staaten geben kann.

Denn, wie Immanuel Kant einmal sagte:

Wenn die Gerechtigkeit untergeht,

so hat es keinen Wert mehr,

daß Menschen auf Erden leben.

 

Aber ohne Druck wird es nicht gehen.

Selbst jüdische Menschen

wie der frühere Sprecher der Knesset

Avraham Burg,

haben gefordert,

die exportierten Produkte der Siedler,

- den wahren Feinden Israels -

zu boykottieren.

Und Rolf Verleger,

Sohn eines Holocaust- Überlebenden,

sagt uns:

"Kauft nicht bei Netanjahu

und nicht bei Lieberman!",

dem israelischen Außenminister,

der - wie Ehud Barak -

in einer Siedlung

auf gestohlenem Land lebt

und gefordert hatte

Palästinenser im Toten Meer zu ertränken,

den Assuan-Staudamm zu bombardieren,

um mit einer Flutwelle

Ägypten zu vernichten,

                                                           b.w.

 

 

                                              


 

aber auch den Gazastreifen

mit seinen 1,7 Millionen

Männern, Frauen und Kindern

plattzuwalzen wie ein Fußballfeld.

 

Es geht also nicht darum:

"Kauft nicht beim Juden",

was die Nazis wollten,

sondern kauft nicht

bei Land- und Wasserdieben

und den Peinigern eines anderen Volkes,

sonst werdet Ihr zu Hehlern

und mitschuldig an den Verbrechen.

 

Wahrscheinlich wird es aber notwendig sein,

den Druck zu erhöhen,

wirtschaftlich und diplomatisch,

um das Israel des Netanjahu,

Lieberman und Barak

sowie der radikal-zionistischen Siedler,

und des Rabbiners Ovadia Yossef,

dem geistlichen Oberhaupt der Schas-Partei,

für den ein jüdischer Fingernagel

mehr wert ist,

als eine Million Araber

und der die Ansicht vertritt,

die Gojim (Nichtjuden) seien von Gott

nur geschaffen worden,

um den Juden zu dienen.

 

Um dieses Israel

von seinem verhängnisvollen Weg abzubringen,

wird ein umfassender Boykott gefordert,

wie gegen den früheren Apartheidsstaat Südafrika,

oder andere Staaten,

die, genauso wie Israel,

UN-Resolutionen und die Menschenrechte

mißachten.

 

Auf diese Weise soll erreicht werden,

daß Israel eines Tages

als demokratischer Rechtsstaat

ein geachtetes Mitglied

der Weltgemeinschaft wird,

in dem seine Bürger,

genauso wie die Bürger in den Nachbarstaaten 

in Frieden, Freiheit und Sicherheit leben können.

 

G.S.U.                         November 2012

 

 

Die Mauer in Cremisan – Sicherheit als Entschuldigung für Landraub

Society of St. Yves, Katholisches Zentrum für Menschenrechte, Jerusalem
 

Rund 450 Kinder – Jungen und Mädchen, Muslime und Christen aus den umliegenden Städten und Dörfern (Bethlehem, Beit Jala, Beit Sahour, Al-Walasjeh) erfreuen sich an den Hilfsdiensten, die von dem  Salesianer Schwesternkloster und der Schule in Cremisan ausgehen. Da das Kloster den Armen und Bedürftigen helfen will, nehmen sie nur geringes Schulgeld. Sie folgen der Pädagogik des Don Bosco-Schulsystems, wie es in 1500 Bildungseinrichtungen in aller Welt geschieht; sie lehren die Werte der Wahrheit, des gerechten Friedens und Ko-Existenz zwischen  verschiedenen Völkern und Religionen.

Das Kloster liegt am Rande von Beit Jala; ganz in seiner Nähe liegen ein paar Häuser, die zu Beit Jala gehören und das Salesianische Mönchskloster von Cremisan, das auch von der geplanten Mauer betroffen ist. Cremisan selbst liegt zwischen zwei illegalen israelischen Siedlungen Har Gilo und Gilo.

Das Nonnenkloster gibt es seit 1960 und schließt eine sich  entwickelnde Primarschule (jetzt bis 5. Klasse und jedes Jahr eine Klasse mehr), ein Kindergarten, eine Schule für Kinder mit Lernschwierigkeiten ein, als auch außerschulische Aktivitäten und drei Sommerlager für die Kinder.

Der Rechtsfall

2006 veröffentlichte der israelische Kommandeur der Westbank eine Militärorder, um Land für den Zweck zu nehmen, um einen Teil der (Apartheid)Mauer rund um Beit Jala  und die Siedlung Har Gilo-Siedlung zu bauen .

Entsprechend der Order als auch nach den Landkarten und detaillierten Plänen, die daran hängen, soll die Mauer auf eine der beiden vorgeschlagenen Routen gebaut werden. Beide Routen schaden dem Kloster und dem landwirtschaftlich bearbeiteten Land drum herum. Während der Anhörungen vor Gericht schlug die Armee eine 3. Route vor, die fast identisch ist mit der 1., wo die Mauer auf der 1. Terrasse des Olivenhains entlangläuft, der das Kloster umgibt, anstelle über der Schulmauer.

Seit 2006 sind die Salesianer Nonnen in Kontakt mit  israelischen Offiziellen gewesen, um ihre Position deutlich zu machen, dass sie die Mauer total zurückweisen. 2010 nachdem ihnen klar wurde, dass ihre Position vor dem Militärgericht von der Armee falsch dargestellt wurde, schlossen sie sich der Gerichtsberufung ihres Nachbarn gegen die Mauer an. Außer den Nonnen werden auch das Männerkloster und 54 hauptsächlich christliche Familien von dem geplanten Verlauf der Mauer beeinträchtigt.

Die vorgeschlagenen Verlaufsrouten

1.       Die Mauer wird auf Klosterland gebaut werden und lässt das Kloster und die Schule auf der palästinensischen Seite der Mauer. Als Folge davon wird das Kloster von seinem Land abgeschnitten; es wird einen Zugang dazu durch ein landwirtschaftliches Tor haben. Dies wird aber nur während gewisser Perioden im Jahr geöffnet haben. Die sechs (- 8m) hohe Mauer wird um den augenblicklichen Zaun des Schulgrundstückes laufen und die Aussicht blockieren und eine Art Gefängnisatmosphäre schaffen. Als weitere Konsequenz dieser Mauer ergibt sich, dass sie eine weitere  Erweiterung der Schule nicht zulässt und das Land für schulische Zwecke für Jahre blockiert sein wird, da die Nonnen 75% ihres Landes verlieren.

2.       Die Mauer wird vor dem Kloster verlaufen und wird den schulischen Bereich auf der israelischen Seite der Mauer lassen, während die Gemeinde, der es dient, auf der palästinensischen Seite liegt. Die Mauer wird  am Eingang des Grundstückes ein bewachtes Tor haben, das zu speziellen Zeiten, den Kindern, Lehrern und den Klostermitarbeitern den  Durchgang erlaubt. Alle müssen einen Antrag stellen, um durch das Tor in der Mauer in ihre Schule und zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Die Eltern der Kinder haben schon klar gemacht, dass sie ihre Kinder nicht mehr in die Schule schicken, wenn sie ein vom Militär bewachtes Tor passieren müssen.

3.       Auswirkungen

Cremisan ist eine der letzten verbliebenen Erholungszonen im Bethlehemer Gebiet. Es wird von Leuten der ganzen Region für ihre Familien-Trips benützt – am Wochenende spielen die Kinder in den Olivenhainen und die Familien treffen sich, um Zeit in der Natur zu verbringen. Die lokalen Landbesitzer pflanzen Olivenbäume, Obstbäume und Weintrauben für den lokalen Cremisan-Wein im Tal an. Das Land ist gut kultiviert und die alten Terrassen sind gut gepflegt. Außer den praktischen Argumenten hat das Tal eine atemberaubende Schönheit. Nach dem Bau der israelischen Trennungsmauer wird das Tal von der Gemeinde abgeschnitten sein. Mehr als 50 hauptsächlich christliche Familien und zwei Salesianer Klöster werden ihr Land verlieren. Außerdem werden das Salesianer Schwestern Kloster und die Schule, die mehr als 450 Kinder der Umgebung betreuen, in einem Militärgebiet leben.

 

 A)  Nach dem Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshof ist die Trennungsmauer im Allgemeinen im Gegensatz zum Internationalen Völkerrecht. Cremisan liegt hinter der Grünen Linie von 1967 und ist hauptsächlich privater Besitz, der palästinensischen Christen gehört. Nach Experten des Council for Peace and Security, einer Vereinigung hochrangiger israelischer Sicherheitsexperten, sei die jetzt geplante Route weder notwendig noch logisch, um den israelischen Sicherheitsbedürfnissen zu dienen. Der Hauptzweck der Mauer in Cremisan scheint die Annektierung von Land zu sein, um den Siedlungen Gilo und Har Gilo die Möglichkeit der Erweiterung zu geben.

B )  Das Recht auf Bildung ist ein grundsätzliches Menschenrecht. Der geplante Mauerverlauf setzt der Bildungsarbeit der Salesianer in Cremisan ein Ende. Die Schule wird von schwerer militärischer Präsenz umgeben sein, was die Schule  - deren Motto „Brücken statt Mauern“ ist – in ein Gefängnis verwandeln wird. 450 Kinder- Mädchen und Jungs, Muslims und Christen vor allem aus armen Familien – werden entweder von der militärischen Präsenz gefährdet sein oder müssen die Schule verlassen.

C)   Hauptsächlich christliches Land zu konfiszieren, ist ein Angriff auf eine religiöse Minderheit, was besonders vom Internationalen Völkerrecht verboten ist. Staaten sollten die Existenz  der Minderheiten schützen und nicht ihr Land und ihre Ressourcen konfiszieren; da dies sie zur Auswanderung, ins Exil  zwingt und vertreibt. Auch wenn die Emigration ein normaler Prozess in allen Nationen ist, so ist die christliche Emigration aus den Heiligen Land eine Besonderheit. Die Auswanderung aus solch kleiner Gemeinde stellt eine der größeren Einschränkungen dar, die das Bevölkerungswachstum beeinflussen und die zukünftige Existenz der Christen im Heiligen Land gefährden.

 

(dt. Ellen Rohlfs)

 

The Separation Barrier in Cremisan - Security as an excuse for land grabbing
 

Around 450 children – girls and boys, Muslims and Christians alike - from the surrounding towns and villages (e.g. Bethlehem, Beit Jala, Beit Sahour, Al Walajeh) enjoy the services provided by the Salesian Sisters Convent and School in Cremisan. As the convent wants to serve the needy they charge just minimal fees. Following the educational method of the Don Bosco school systems, the convent is one of 1,500 educational facilities around the world teaching values of truth, just peace and co-existence between different people and religions.

The convent lies at the outskirts of Beit Jala, next to it are a few houses belonging to Beit Jala and the Salesians Monks Convent of Cremisan which are affected by the planned wall as well. Cremisan itself is situated between two illegal Israeli settlements: Har Gilo and Gilo.

The nuns’ convent has been present since 1960 and includes a developing primary school (today until 5th grade, expanding each year), a kindergarten, a school for children with learning disabilities, as well as extracurricular activities and three summer camps for children.

The legal case

In 2006 the Israeli commander of the West Bank issued a military order[1] seizing land for the purposes of building a fragment of the separation wall around the Beit Jala area and Har Gilo settlement.

According to the order as well as to the maps and detailed plans annexed to it – the separation wall is to be built in one of two suggested routes. Both routes highly affect the Convent and the agricultural land surrounding it. During the procedures in court the army suggested a third route which is mainly identically to the 1st, where the wall will run along the first terrace of the olive grove surrounding the convent instead of on top of the school wall.

Since 2006 the Salesian nuns have been in contact with Israeli army officials to make their position clear that they reject the wall in total. In 2010, after they realized that their position was wrongly presented in court by the army, they joined their neighbors’ court appeal against the wall. Beside the nuns, also the men monastery and 54 mainly Christian families are affected by the planned course of the wall.

The suggested routes

1.    The wall is to be built on the convent land and leaves convent and school on the Palestinian side of the wall. As a consequence the convent is cut off from its land and will have access to it through an agricultural gate. This will be opened only during certain periods of the year. The six meter high wall will be built around the current fence of the educational compound, blocking the view and creating a kind of prison like atmosphere. Also, as a consequence any possibility for expanding the school and using the land for educational activities is blocked for years to come, as the nun will lose 75% of their land (blue line on the map).

2.    The wall will pass in front of the convent, leaving the educational compound on the Israeli side of the wall, while the community it serves is left on the Palestinian side. The wall would have a guarded gate at the entrance of the compound, to be opened at specific times to allow the passage of children, teachers and convent staff, who will also have to apply for permits in order to be able to cross the wall into their school and work place. The parents of the children have already made clear, that they will not send their children to the school anymore if they have to pass a military guarded gate (dotted yellow line on the map).

Map of the Cremisan valley

Implications

Cremisan is one of the last remaining recreational sides for the Bethlehem area. It is used by people from the whole surrounding area for their family outings - on the weekends children play in the olive groves and families meet to spend time in the nature. The local landowners grow olives, fruit trees and grapes for the local Cremisan whine in the valley, the land is cultivated well and the old terraces are carefully kept. Beside all practical arguments, the valley has a breath taking beauty.

After the construction of the Israeli separation wall the valley will be cut off from the community. More than 50 mainly Christian families and two Salesian convents will lose their lands. Further, the Salesian Sisters Convent and School, which is giving education to more than 450 children of the surrounding villages, will be situated in a military area.

A        According to the advisory opinion of the International Court of Justice, the separation barrier in general is contrary to international law. Cremisan lies behind the green line of 1967 and is mainly privately owned Palestinian Christian land. According to experts from The Council for Peace and Security, an association of high-ranking Israeli security experts, the now planned route is neither necessary nor logical for serving the Israeli security needs.

Main purpose of the wall in Cremisan seems the annexation of land to give the settlements Gilo and Har Gilo the possibility to grow together.

B        The right to education is a basic human right. The planned route of the wall will set an end to the educational compound of the Salesian sisters in Cremisan. The school will be surrounded by heavy military presence, turning the school – with is serving under the motto “bridges, not walls” – into a prison. 450 Palestinian children – girls and boys, Muslims and Christians alike, mainly from needy families – will either be endangered by this military presence or will have to leave their school.

C        Seizing mainly Christian land is an attack on a religious minority which is specifically forbidden by international law. States should protect the existence of minorities and not confiscate their land and source of living as this forces them into migration, exile and displacement. Although emigration is a normal process among all nations, Christian emigration from the Holy Land is a unique one. Emigration from such a small community represents one of the major constraints, affecting population growth and threatening the future existence of Christians in the Holy Land.

 

[1] Military orders #62-06 and 75-07

 

Palästinensische Schulbücher diffamieren Juden nicht, sagt neue Studie
 

Eine vom US- Aussenministerium finanzierte Studie über das brisante Thema der Darstellung der anderen Seite in israelischen und palästinensischen Schulbüchern findet, dass eine Dämonisierung des anderen nur selten vorkommt. Die Palästinensische Autorität hiess die Resultate willkommen, die israelische Regierung boykottierte das Projekt.

Israelis und Palästinenser dämonisieren einander nur selten in ihren Schulbüchern, aber Texte auf beiden Seiten geben Kindern eine einseitige Sicht ihres Konfliktes, berichtete eine am Montag herausgegebene gemeinsame Studie.

“Entmenschlichende und dämoninisierende Charakterisierungen der anderen sind sowohl in israelischen wie in palästinensischen Büchern selten,” sagt eine vom US- Aussenministerium finanzierte Studie, die von palästinensischen, israelischen und amerikanischen Akademikern durchgeführt wurde, berichtete AFP am 4. Februar 2013.

“Israelische und palästinensische Bücher präsentieren unilaterale nationale Erzählmuster,” schrieben die Autoren aus Universitäten in Bethlehem, Tel Aviv und von Yale University .

“Historische Ereignisse werden selektiv präsentiert, um die entsprechende nationale Sichtweise zu verdeutlichen,” berichtete die Studie, die mehr als 3000 Texte in den Schulbüchern analysierte, die 2011 von den Erziehungsministerien auf beiden Seiten anerkannt wurden oder von der ultra-orthodoxen Gemeinde verteilt wurden, die ihr eigenes Erziehungssystem hat.

Was das umstrittene Thema der Landkarten angeht, so zeigen nur vier Prozent der palästinensischen und 13 Prozent der israelischen Schulbücher Grenzen und Beschriftungen, die die andere Seite anerkennen.

Der israelisch besetzten Westbank wird oft die biblische Bezeichnung Judäa und Samaria gegeben, vor allem in ultra-orthodoxen Schulen.

“Der Mangel und die Abwesenheit von Informationen über die anderen dienen der Diskreditierung der Gegenwart der anderen,” stellt die Studie fest. (AFP)

Das erste und vielleicht überraschendste Ergebnis der Studie besagt, dass weder palästinensische noch israelische Schulbücher die andere Gruppe dämonisieren oder sie als Untermenschen bezeichnen, berichtete Naomi Zeveloff.

Das Thema der Beschreibung von Juden in palästinensischen Textbüchern wurde seit Jahren bitter diskutiert. Vor mehr als zehn Jahren erwog die Europäische Union das Zurückhalten von Geldern für die Palästinensische Autorität aufgrund der negative Charakterisierung von Israelis in den Schulbüchern. Erst im letzten Jahr berichtete die Washington Jewish Week über einen Disput, ob palästinensische Schulbücher Israelis als Schweine und Schlangen bezeichnen. In den letzten zehn Jahren gaben die israelische Regierung, das State Department und unabhängige Gruppen Berichte über palästinensische Schulbücher heraus, mit den unterschiedlichsten Resultaten.

Die neue Studie beruht auf 94 palästinensischen Bücherns uas Gaza und der Westbank und 74 Büchern aus Israels säkularem und religiösem Schulsystem. 20 Beispiele von “extrem negativen Charakterisierungen” von Palästinensern wurden in israelischen säkularen Textbüchern gefunden und sieben in Büchern der Ultra-Orthodoxen. Zum Beispiel wurde ein zerstörtes palästinensisches Dorf, auf dem jetzt eine israelische Siedlung steht, als “ein Nest von Mördern” bezeichnet.

In palästinensischen Büchern gab es sechs Beispiele dieser “extrem negativen Charakterisierung.” So wurde ein israelischer Verhörraum als “Schlachthaus” bezeichnet.

58 Prozent der Landkarten in palästinensischen Schulbüchern beschreiben das Land vom Mittelmeer zum Jordanfluss nach 1967 als “Palästina”; Israel wird nicht genannt.

76 Prozent der israelischen Bücher zeigen Israel nach 1967 auf dem Gebiet zwischen dem Meer und dem Jordan ohne die PA zu erwähnen; die Grüne Linie, die Israel von den besetzten palästinensischen Territorien trennt, wurde nicht gezogen.(Forward)

Die unabhӓngige Studie, die eine erste empirische und quantitative Analyse von Textbüchern von beiden Seiten erstellen wollte, wurde vom israelischen Erziegungsministerium boykottiert, das eine Zusammenarbeit verweigerte, schreibt die Washington Post.

Die Studie wurde vom "Council of Religious Institutions of the Holy Land", einem interkonfessionellen Rat mit Vertretern des jüdischen, moslemischen und christlichen Glaubens initiiert. Aber das israelische Chief Rabbinate, das im Rat vertreten ist und zuvor die Studie unterstützte, zog in der vergangenen Woche seine Unterstützung für die Studie  in einer Stellungnahme zurück und sprach von schwerwiegenden methodischen Fehlern. Von den 19 Mitgliedern des  wissenschaftlichen Beirates zur Studie stimmten zwei israelische Mitglieder nicht mit den Folgerungen der Studie überein, die dem israelischen und dem palӓstinensischen Erziehungsministerium jeweils vorgelegt wurden. Das palӓstinensische Ministerium hatte keine Einwendungen gegen das Projekt und eine Sprecherin der PA sagte, dass man gegenüber den Resultaten der Studie "offen" sei. 

Professor Sami Adwan von der Universitӓt Bethlehem, der leitende Forscher von der palӓstinensischen Seite, sagte, dass die Unterschiede zwischen den Schulbüchern eine "Assymmetrie" zwischen den Bedingungen in Israel und den palӓstinensischen Gebieten reflektieren, wo die Palӓstinenser die Hӓrte der israelischen Besatzung erleben und wenig Aussicht auf Verӓnderung haben.

Aber Yossi Kuperwasser, Generaldirektor des Israeli Strategic Affairs Ministry und Leiter eines Teams, das palӓstinensische Stellungnahmen folgt, die Israel als aufwieglerisch sieht, sagte, dass die Studie auf einer verzerrten Voraussetzung basiere. "Zu vergleichen, wie jede Seite die andere darstellt, ist absurd, weil wir den Frieden lehren und sie den Hass auf Israel und die Fortsetzung des Konfliktes," sagte er. "Es ist ein Unterschied zwischen Tag und Nacht."  (The Washington Post)

Israeli, Palestinian textbooks give kids slanted view: study, AFP, 4. Februar 2013; http://www.france24.com/en/20130204-israeli-palestinian-textbooks-give-kids-slanted-view-study

Naomi Zeveloff,Palestinian Textbooks Don't Vilify Jews, New Study Reveals, 4. Febraur 2013; http://forward.com/articles/170451/palestinian-textbooks-dont-vilify-jews-new-study-r/?p=all#ixzz2Jy0GQCYX

Joel Greenberg, Israelis unhappy with study of their textbooks and Palestinians’; 4. Februar 2013,The Washington Post; http://www.washingtonpost.com/world/middle_east/israelis-unhappy-with-study-of-their-textbooks-and-palestinians/2013/02/03/f471e042-6e3d-11e2-ac36-3d8d9dcaa2e2_story_1.html

Siehe auch:http://www.reuters.com/article/2013/02/04/us-israel-palestinians-school-idUSBRE9130M920130204

Both Israel and Palestinians demonize other side in school textbooks, study finds; Haaretz, 3. Januar 2013; http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/both-israel-and-palestinians-demonize-other-side-in-school-textbooks-study-finds.premium-1.501166

Übersetzung und Zusammenfassung: M. Lauer

 


Rassistische Fussballfans – ein Spiegelbild Israels?

In einer überraschend scharfen Kritik des geläufigen Rassismus in Israel berichtete die New York Times diese Woche über die Fans von Beitar, dem Fussballteam aus Jerusalem, die bei ihrer Forderung nach rassischer Reinheit diesmal zu weit gingen.

Das Fussballspiel am vergangenen Dienstag abend zwischen Beitar Jerusalem und den Besuchern aus der Stadt Umm al-Fahm, einem der Zentren des palästinensischen Lebens in Israel, fand in einer besonders gespannten Atmosphäre statt. Drei Tage zuvor waren etwa 150 Fussballfans zum Training des Teams gekommen, um gegen die Aufnahme von zwei  moslemischen Spielern aus  Tschetschenien   zu protestieren.  Gibril Kadiyev und Zaur Sadayev wurden beschimpft und angespuckt und mussten das Training schliesslich unter dem Schutz einer Polizeieskorte verlassen.  Am Dienstag hatten die Fans zusӓzlich zu den religiösen Liedern und nationalistischen Parolen einen neuen vulgären Sprechchor, in dem der Besitzer des Teams, der russisch-israelische Oligarch Arcadi Gaydamak als „Hurensohn“ beschimpft wurde. In Reaktion auf die Neuen aus Tschetschnien hatten einige junge Zuschauer beim letzten Fussballspiel einen Banner gezeigt, ‚Beitar für immer rein‘, was eine landesweite Diskussion über den Rassismus auf dem Rasen und draussen auslöste. Jodi Rudoren berichtet:

„Araber sind unreine Leute,“ sagte Shlomo Buchbut, ein 17-jähriger Student. „Wir mögen Muslims nicht.“ Lindy Mizrahi, eine der wenigen Frauen in den jungen, Testosteron-gefüllten Reihen, sagte, dass sie nicht mit dem bei einem vorhergehenden Spiel gezeigten Reinheitsbanner übereinstimme, wollte aber trotzdem nur Juden im charakteristischen Gelb- schwarz des  Teams sehen. „Beitar ist eine Gruppe von zionistischen Juden, die glauben, dass Jerusalem den Juden gehört,“ erklärte sie. „Wir sind für den Frieden – aber nicht in Beitar.”...

Die Reakion auf den Reinheitsbanner, einem besonders kontroversen Vorfall in Beitars Geschichte von Kontroversen, kam schnell. Einer der Hersteller des Banners wurde festgenommen und für eine Saison von den Spielen verbannt. 50 Fans und veschiedene Banner wurden vom Spiel am Dienstag gesperrt und das Team musste eine Strafe von 13 5oo Dollar bezahlen, angesichts von Bedenken in  Israel, dass diese Episode Israels Gastgeberrolle für die U-21-Fußball-Europameisterschaft im Juni gefährden könnte. Präsident Shimon Peres protestierte in einem Brief an den Fussballverein und der frühere Premierminister Ehud Olmert, einer der grössten Sponsoren von Beitar, schrieb einen vieldiskutierten Artikel für die Zeitung Yediot Aharanot, in dem er ankündigte, dass er nicht mehr zu den Spielen erscheinen werde....

Beitar ist das einzige Team unter Israels 30 professionellen Fussballteams, das bisher keinen einzigen arabischen Spieler hatte. Beitars Fans haben in der Vergangenheit oft ihren Rassismus demonstriert. Im letzten März stürmten Hunderte ein Einkaufszentrum in Stadiumsnähe und verprügelten mehrere arabische Arbeiter. Ein moslemischer Fussballspieler aus Nigeria verliess das Team 2005 nach einem Jahr der ständigen Schikanierung. Solche Provokationen sind nicht nur auf die Welt des Fussballs beschränkt. Im vergangenen Sommer wurde ein palästinensischer Jugendlicher von einem Mob von jüdischen Teenagers beinahe gelyncht. Während die Resultate der israelischen Wahlen im Januar weithin als Verlangsamung des israelischen Trends nach Rechts gesehen wurden, sagte Yair Lapid, dessen Partei der Mitte einen soliden zweiten Platz gewann, dass er keine Kolaition mit „Zoabis“ eingehen werde. [Haneen Zoabi nahm als arabisch-israelisches Mitglied der Knesset an der Free Gaza Flotilla 2010 teil und wird seitdem von rechtsgerichteten Kollegen als Verräterin und Terroristin beschimft.]

Die Spannungen bestehen nicht nur zwischen Israels eineinhalb Millionen arabischen Staatsbürgern und seinen sechs Millionen Juden. Ein linksgerichteter Parlamentarier reichte diesen Monat eine Beschwerde bei der Wahlkommission ein gegen eine Anzeigenkampagne, in der einer blonden russischen Frau ein Zertifikat der Konversion unter dem Hochzeitsbaldachin per Fax überreicht wird – anstatt den umfassenden religiösen Prozess zu durchlaufen, wie jetzt erforderlich- und beschrieb sie als „rassistisch und macht sich über die Bevölkerung der Immigranten lustig.“ [ Es gibt keine standesamtlichen Eheschliessungen in Israel] Im vergangenen Frühling benutzten israelische Knessetabgeordnete bei Protesten gegen die Einwanderung von Fremdarbeitern aus Afrika rassistische Beschimpfungen; ein MK musste sich schliesslich dafür entschuldigen, dass er sie „einen Krebs in unserem Körper“ genannt hatte. ...

Adalah, eine Rechtsgruppe für die Palästinenser in Israel, berichtet von 20 diskriminierenden Gesetzen, die vom derzeitigen Parlament verabschiedet wurden. Nidal Othman, Direktor der Koalition gegen Rassismus in Israel, sagte, dass rassistische Vorfälle in den vergangenen zwei Jahren  um 20 bis 30 Prozent zunahmen.

„Wenn man von Beitar spricht, wird tatsächlich ein Spiegelbild der israelischen Gesellschaft gezeigt,“ sagte Herr Othman. „Die politischen Führer und die religiösen Führer der Gemeinschaft füttern die Gesellschaft mit verschiedenen rassistischen Reizbildern – gegen Araber im allgemeinen, gegen alle Moslems und gegen verschiedene Gruppen in Israel.“...

Siehe: Jodi Rudoren, Some Fear a Soccer Team’s Racist Fans Hold a Mirror Up to Israel, 30. Januar 2013, New York Times; www.nytimes.com/2013/.../some-fear-a-soccer-teams-racist-fans-mirr...
 

Pressemitteilung (22.1.2013) der Autoren des Films „Wir weigern uns Feinde zu sein – Den Nahostkonflikt verstehen lernen“ - Terramedia Corp. Stefanie Landgraf & Johannes Gulde, Bunzlauerstr. 42a, 80992 München, Tel.: 089/3543118 Mail: info@terramedia-online.de, Internet: www.terramedia-online.de

„Antisemiten“ und Kirche und ein politischer Deal - Ohne Not hat sich die Ev.-Luth. Landeskirche in Bayern (ELBK) zum Komplizen der Kritiker unseres Films gemacht, die in einer Diffamierungskampagne u.a. behaupten, er fördere den „Antisemitismus und Anti-Isrealismus“ und „die Neo-Nazi-Szene und andere israelfeindliche Gruppierungen mit vorhandenem Gewaltpotential“. Bekanntlich setzen wir uns dagegen mit einer Klage auf Unterlassung gegen den freikirchlichen Pastor Hansjürgen Kitzinger und den Nürnberger Schulbürgermeister Dr. Klemens Gsell zur Wehr (anwaltschaftlich vertreten durch Dr. Günther Beckstein). Die erste Verhandlung findet vor dem Landgericht Nürnberg am 28. Januar 2013 statt – (siehe Pressemitteilung vom 17. 1. 2013).

Was ist geschehen? Vor zwei Tagen erfahren wir aus der Presse - Nürnberger Nachrichten vom 19. Januar 2013 mit der Überschrift: „Kirche bessert beim Nahost–Film nach“, dass die ELKB (vertreten durch Oberkirchenrat Detlef Bierbaum) mit einem politischen Deal das Wohlwollen ausgerechnet der Kritiker zurückgewinnen will, die diese ungeheuerlichen Behauptungen über unseren Film in die Welt gesetzt haben.

Anstatt einem Projekt zur Seite zu stehen, in dem ausschließlich Israelis und Palästinenser zu Wort kommen, die sich auf der Grundlage eines gemeinsamen Verständnisses von Menschen – und Völkerrecht für ein gewaltfreies und friedliches Miteinander zwischen den Konfliktparteien einsetzen, fügt sie dem Verleih des Films (Ev.Medienzentrale Nürnberg) ab sofort einen Drei-Seiten „Beipackzettel“ bei. Sehen wir einmal davon ab, dass dieser Texteinleger vor allem daran krankt, im Film bereits behandelte Positionen zu wiederholen oder zu relativieren oder zu konterkarieren, so ist er als „Polit–Papier“, pädagogisch und didaktisch gesehen, völlig wertlos. Er übernimmt an mehreren Stellen ausschließlich die israelische Position und steht damit im Widerspruch zum ganzen Projekt, das die Sichtweise beider Seiten – Israelis und Palästinenser – erzählt.
Zudem wird er einem Film beigepackt, der vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg bereits explizit für den Einsatz im Unterricht (Prädikat "Gelber Daumen") empfohlen wurde und sich dort schon bewährt hat.

Festhalten wollen wir: Die ELKB kann lhre Meinung zum Film verbreiten, wo immer sie will. Aber nicht dort, wo sie im Zuge eines politischen Entgegenkommens jetzt von ihr verbreitet wird: Als „Beipackzettel“ beim Verleih von Film und Medienpaket. Denn sie verletzt damit unser Urheberrecht und ebenso das ihr übertragene Recht für den Verleih.

Die ELBK hat sich mit ihrer Haltung einen Bärendienst erwiesen. Denn ihr Versuch, mit diesem „Beipackzettel“ den israelisch-jüdischen Interessensgruppen entgegen zu kommen, wurde nicht honoriert. Zum ersten Mal sah sich jetzt auch die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) in Nürnberg dazu ermutigt, in den Nürnberger Nachrichten vom 19.1.2013 öffentlich zu verbreiten, was ihr Vorsitzender Arno Hamburger von Film und Medienpaket hält: Ein „verheerendes Machwerk“. So die Aussage eines „aggressiven, militanten Juden“, wie sich Arno Hamburger selbst bezeichnet.

Arno Hamburger zählt wie sein Gesinnungsfreund Pastor Kitzinger („Israel ist ein unerklärliches Mysterium – ein Geheimnis, die einzige Nation in der Geschichte der Menschheit, die nach zweitausend Jahren wieder erstanden ist“) zu den Menschen, die jeden Versuch, die Leiden der palästinensischen Seite auch nur zu erwähnen, als Angriff gegen den Staat Israel bewerten und jede Kritik an der Politik der Israelischen Regierung als gegen das Judentum gerichtet deuten.

So hat Hamburger auch Prof. Rolf Verleger (Autor von "Israels Irrweg. Eine jüdische Sicht“), der die Vorführung unseres Films in Berlin mit getragen hat, ob seiner Israel–Kritik „das jüdische Alibi der NPD“ genannt und einen „Volksschädling“ Schon 2009 gab Hamburger empört sein Bundesverdienstkreuz zurück, weil er nicht in einem Atemzug mit der deutsch-israelischen Friedens- und Menschenrechtsaktivistin Felicia Langer genannt werden wollte, die ebenfalls diese Auszeichnung erhielt. Über sein Büro in der IKG wurden die Diffamierungen von Pastor Kitzinger gegen uns Filmautoren per Fax an den Schulbürgermeister Dr. Gsell weitergeleitet.

Lotty Camermann, die israelische Reiseleiterin im Film „Wir weigern uns Feinde zu sein“, die uns von der ELBK für die Durchführung des Medienprojekts zur Seite gestellt wurde, sagt im Schlussgespräch des Films zu den deutschen Jugendlichen:

„Ich bin ein Enkelkind und eine Tochter von Holocaust-Überlebenden. Ich persönlich sehe mich nicht als Opfer – ich weiß, dass meine Familie es war. Ich sehe mich als verantwortliche Israelin, da ich eine Bürgerin des Staates Israel bin, für das Leid der Palästinenser, ich finde keine Ausrede dazu.

Keiner von uns ist mehr Opfer. Wir haben ein Land, wir haben einen jüdischen Staat bekommen. Ich würde gern einen demokratischen Staat haben, der ist mir wichtiger als der jüdische Staat. Und ich finde vieles, was wir hier machen, ist grauenhaft. Und wir müssen ein moralisches Israel haben, das auf jüdischen Werten beruht. Das, was wir heute haben, hat nichts mit jüdischen Werten zu tun.“

Solche Äußerungen in unserem Film sind es, die in Nürnberg Diffamierung und Boykott ausgelöst haben. Nichts anderes.

Ob die ELKB angemessen auf den Vorwurf aus Nürnberg reagieren wird, ein „verheerendes Machwerk“ mit gefördert zu haben? Uns scheint eher, dass sie im Moment auf dem besten Weg ist, Glaubwürdigkeit und Vertrauen, ihr einziges Kapital, in dieser Sache zu verspielen.

Gefördert wurde das Projekt „Wir weigern uns Feinde zu sein“ nicht nur von der ELBK – unter der Schirmherrschaft von Landesbischof a.D. Dr. Johannes Friedrich - sondern auch von der Robert Bosch Stiftung und dem Auswärtigen Amt . Ihnen gegegenüber sehen wir uns verpflichtet, Angriffe gegen den Film zurückzuweisen, die ihn als „antisemitisch“ und „die Neo-Nazi-Szene fördernd“ zu diffamieren suchen. Diese Verpflichtung haben wir auch gegenüber den Jugendlichen, ihren Eltern und allen Mitwirkenden, die diesen Film getragen und ermöglicht haben. Zur Seite steht uns dabei Pfarrer Eckart Bruchner, Direktor der Interfilm-Akademie München/Antwerpen, der mit uns gemeinsam das Projekt verantwortet.

Weitere Informationen:
Evangelische Medienzentrale Nürnberg, ua die Schreiben von Dr. Manfred Kock und Prof. Dr. Reinhold Mokrosch
http://www.emzbayern.de/cms/index.php?id=73&tx_ttnews[tt_news]=637&tx_ttnews[backPid]=12&cHash=d054a3ef
24
Terramedia Corp. Landgraf & Gulde, ua. Synopse und Pressestimmen zum Film
http://www.terramedia-online.de/aktuelles/filme-palaestina/wir-weigern-uns-feinde-zu-sein.html
Thomas Immanuel Steinberg / Diffamierung / Gemischtkonfessionelle Spießgesellen)
http://www.steinbergrecherche.com/10diffamierung.htm

München, 22. Januar 2013
Stefanie Landgraf und Johannes Gulde

Terra Media Corp. Landgraf & Gulde GbR Bunzlauerstr. 42a 80992 München
Tel. 089 3543118 E-Mail: info(at)terramedia-online.de www.terramedia-online.de
 

 

Am 19.1.2013  findet in Esslingen eine Protestkundgebung gegen das dortige Benefizkonzert für den "Jüdischen" Nationalfonds (JNF/KKL) und gegen die Spendensammlung der SPD für den JNF/KKL statt. Über 700 Unterschriften gingen bislang unter einen Protestbrief des Palästinakomitees Stuttgart ein. Hierzu: http://palaestinakomitee-stuttgart.de/
 

Zusätzlich peinlich für diejenigen in der SPD, die für die Spendensammlung für den "Jüdischen" Nationalfonds/KKL verantwortlich sind (das dürfte längst nicht die gesamte Partei sein):

Die Verstrickung der Organisation auch in die Kolonisation  der seit 1967 vom israelischen Staat besetzten palästinensischen Gebiete ist inzwischen sehr gut dokumentiert, z.B. in dem folgenden Artikel am Beispiel des Jordantals. Der Artikel stammt von der "arabisch-jüdischen Bewegung für sozialen und politischen Wandel" Tarabut-Hithrabut und ist auf der Intersetseite bds-kampagne.de zu finden:

http://bds-kampagne.de/stop-the-jnf-campaign/aufrufe-und-artikel/aufrufe-und-artikel-2013/der-jdische-nationalfonds-jnf-im-jordantal-kolonisierung-heute/

Auch zuvor gab es bereits sehr gute Analysen. Zur besseren Übersichtlichkeit hier zunächst in der Mail der Abschnitt über die Rolle des JNF, und dann noch einmal der gesamte Artikel "Der Jüdische Nationalfonds (JNF) im Jordantal: Kolonisierung heute".

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Die Rolle des JNF

Laut eigener Angaben auf seiner Internetseite, befasst sich der JNF mit Sicherheitsprojekten in ganz Israel:“Die Arbeit umfasst Erdarbeiten, Kanalisation, Fundamentierung, Straßenbau und Landschaftsplanung.” Das Jordantal ist Teil der besetzten palästinensischen West Bank. Infrastruktur für die Siedlungen hat nichts mit “Sicherheit” zu tun; sie stellt einen Teil der illegalen Kolonisierung durch Israel dar.

Der Jüdische Nationalfonds (oder KKL, wie seine hebräische Abkürzung lautet) stellt die notwendige Infrastruktur für die Erweiterung der nur-für-Juden Siedlungen im Jordantal zur Verfügung. In der Tat, der JNF leistete schon Anfang der 1970iger Jahre Pionierarbeit für Siedlungsprojekte, zu einer Zeit, als die israelische Regierung noch zögerte, seine Kolonisierungspläne offen zu verwirklichen. 1972 baute etwa der JNF die Straße zur Siedlung Gittit und 1974 bereitete er 540 Hektar Land für 8 Siedlungen vor.6 Er leistete einen bedeutenden Beitrag für den Bau der Allon-Straße, die in den Annexionsplänen eine Schlüsselrolle spielt (siehe unten). Heute engagiert sich der JNF in dem Ausbau der Siedlungen mit einer ganzen Reihe von Projekten, von Infrastruktur für die Wasserwirtschaft einer ganzen Region bis hin zu Freizeitzentren für die Siedler.

Ausbau der Siedlungen

Im September 2012 berichteten Freiwillige der Jordan Valley Solidarity Campaign vom Siedlungsausbau zwischen dem palästinensischen Dorf Al-Jiftlik und der Siedlung Yafit. Der JNF unterstützt dieses Projekt durch Finanzierung für die Firmen, die mit der Bereitstellung von Wasser-, Strom- und Straßeninfrastruktur für das neue Siedlungsgebiet beauftragt wurden.

Wasser

►Das schon dokumentierte Tirza Reservoir, das vom JNF zwischen 1997 und 2003 erbaut wurde, sammelt Hochwasserfluten des größten Flusses in der West Bank, Wadi al-Far’a, bevor sie den Jordan erreichen. Siedlungen in der Region nutzen das Wasser aus diesem Reservoir zur Bewässerung von Nutzpflanzen und zur Fischzucht.

►Freiwillige haben nun das OG-2 Reservoir mit einem Fassungsraum von 1.500.000 Kubikmeter Wasser dokumentiert. Sie hatten in seiner Umgebung absinkenden Boden entdeckt (Löcher von weichem Sand auf Grund des niedrigen Wasserspiegels).

Straßen

Der JNF spielte eine große Rolle beim Bau der Allon-Straße, die nur Siedlungen untereinander verbindet. Es gibt keine Abzweigungen, die in palästinensische Dörfer führen. Die Allon Road, deren Bau fast heimlich 1972 begann und 1980 beendet wurde, war auch dazu bestimmt, das östlich gelegene Gebiet abzugrenzen, das Israel praktisch annektieren wollte. Dadurch wurde die von Palästinensern dichter besiedelten Bergregion im Herzen der West Bank isoliert. 7 Als die New York Times einen Bericht über das Projekt veröffentlichte, kam es zum internationalen Eklat. Es war der JNF gewesen, dem der Beginn dieses Projekts anvertraut worden war.

Aber der JNF sorgt immer noch für den Straßenbau für die Siedler im Jordantal:

►Der JNF spendierte einen Feldweg, der den Zugang zu dem Land ermöglicht, das vom palästinensischen Bardala konfisziert wurde.
►Der JNF baut eine Hauptstraße innerhalb der Mehola Siedlung.
►Der JNF bezahlt eine Farm (Mehola farm) auf zu Bardala gehörigem Land in der Nähe von El-Beida.
►Der JNF stiftete eine Straße, die zur Farm der Mehola Siedlung führt.

Infrastruktur Projekte in den Siedlungen

►Dem JNF ist die gesamte Infrastruktur in Argaman zu verdanken
►Der Bau eines Festsaales in der Shadmot Mehola Siedlung
►Der Bau einer Jeschiwa in der Shadmot Mehola Siedlung
►Der JNF ist der wichtigste finanzielle Förderer des Regionalrates der Siedler der Region

Freizeitzentren

►Jordan Valley Meeting Point (wurde bereits im Corporate Watch report dokumentiert)
►JNF Freizeitzentrum Ein Farrah

Diese Auflistung ist nicht vollständig. Der JNF macht der breiten Öffentlichkeit keine Berichte über seine Investitionen und Aktivitäten zugänglich. Der JNF erfüllt lediglich seine erklärte Mission – die Kolonisierung. Seid Ihr bereit, Euch damit abzufinden?

Der Bericht basiert auf den jüngsten Daten, die die Freiwilligen der Jordan Valley Solidarity Campaign gesammelt haben. Ihnen sei hier herzlich gedankt.
Unterstützt diese Kampagne!

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Der Jüdische Nationalfonds (JNF) im Jordantal: Kolonisierung heute

Im Jordantal basiert die israelische Kolonisierung auf der Ausbeutung von knappen Ressourcen, wie Wasser, zum Wohle der Siedlungen, die sich auf den Export landwirtschaftlicher Produkte spezialisiert haben. Über mehrere Jahre war das Gebiet bis in jüngste Zeit vom Rest der West Bank völlig abgeschnitten.

Derzeit sind die palästinensischen Gemeinden, die an ihrem Land festhalten, von Vertreibung bedroht. Der Jüdische Nationalfonds spielt eine wichtige Rolle in der Kolonisierung des Jordantals. Tarabut veröffentlichte (Januar 2013) nun einen aktualisierten Bericht, der sich auf neue, von Aktivist/innen gesammelte Materialien stützt.

Das Jordantal umfasst 30 Prozent der West Bank entlang seiner östlichen Grenze. Hier wohnen etwa 65.000 Palästinenser (Stand 2009). Die Kolonisierung des Jordantals begann bereits Ende der sechziger Jahre. Heute leben zirka 10.000 Siedler in 37 Siedlungen, deren wirtschaftlicher Schwerpunkt auf landwirtschaftlichem Export liegt. Die Siedler, die heute etwa 15 Prozent der Bevölkerung der Region ausmachen, kontrollieren 86.000 Hektar Land – fast 50 Prozent des Jordantals.1

Wasser und Ausbeutung

Ein Blick auf den Zugang zu Wasser hilft, um zu verstehen, welche Auswirkung die landwirtschaftlichen Siedlungen im trockenen Jordantal auf die Ausbeutung natürlicher Ressourcen haben. Die israelischen Siedlungen im Jordantal verbrauchen ein Viertel der jährlichen Wassermenge der gesamten palästinensischen Bevölkerung in der West Bank, etwa 2,5 Millionen Menschen.

Seit 1967 hat Israel die Kontrolle über den Großteil der Wasserquellen im Jordantal an sich gerissen und sie der fast exklusiven Nutzung durch die Siedler überlassen. Die Übernutzung des Wassers durch Siedler und die diskriminierende Verteilung von Wasserquellen in der nördlichen West Bank haben zum Mangel an Trinkwasser und einem Rückgang kultivierbaren Landes für Palästinenser geführt.

Wasserknappheit betrifft viele Teile der West Bank, aber im trockenen Jordantal ist die Wasserversorgung besonders gefährdet und vom jährlichen Niederschlag abhängig. Viele palästinensische Familien, meist Beduinen, haben keinen Zugang zu Wasserleitungen und sind gezwungen, Wasser in Kanistern von Tankfahrzeugen zu kaufen. Dafür zahlen sie durchschnittlich den dreifachen Preis, den jüdische Siedler für Wasser bezahlen.

Die Lage des Jordantals macht es auch für israelische Militärstrategen interessant: Es liegt zwischen den bevölkerungsreichsten Gebieten der West Bank und der jordanischen Grenze. Der fruchtbare Boden und die vergleichsweise geringe Bevölkerungsdichte bieten wiederum israelischen Siedlern viele Möglichkeiten. Auch für unternehmerisch tätige Siedler ist das Jordantal verlockend: Sie kolonisieren das Gebiet und nutzen dabei das Land und seine Ressourcen, aber auch palästinensische Arbeitskräfte, die von ihrer vorwiegend landwirtschaftlichen Existenzgrundlage „befreit“ wurden. Steinbrüche und Plantagen, die von israelischen Konzernen und lokalen Siedlungen betrieben werden, sind Musterbeispiele für die Ausbeutung der Menschen und des Landes im Jordantal durch israelische Siedler-Unternehmer. Sie profitieren von der billigen palästinensischen Arbeitskraft.2

Der Wasserbehörde zufolge, wurden jedem Siedler im Jordantal 487 Liter Wasser am Tag zugemessen, im Gebiet nördlich des Toten Meers 727 Liter. 97,5% des Wassers wird für Landwirtschaft genutzt.

Im Bezirk Jericho, der wasserreichsten Region der West Bank, betrug der tägliche Verbrauch pro Person im Jahr 2009 161 Liter. „In den nördlich gelegenen Dörfern des Jordantals – Bardala und Cardala – betrug der tägliche pro-Kopf-Verbrauch 209 Liter und in Ein al-Beida 117 Liter.“

Das ist zwar viel weniger als das, was den Siedlern zugestanden wird, aber immer noch über dem festgelegten Mindestbedarf. Viel schlimmer noch ist es in anderen Gebieten des Jordantals, in denen den Palästinensern 100 Liter weniger als das Minimum an Wasserverbrauch, das von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen wird, zur Verfügung stehen. In der Umgebung von Wadi al Far’a im zentralen Jordantal und im nördlichen Jordantal betrug der pro-Kopf-Verbrauch 61 und 61,8 Liter, fast 40% unter den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation.3

Das ist eine klassisch koloniale Plantagenwirtschaft: Das Land von den palästinensischen Bewohnern nehmen, sie ihrer Wasserversorgung berauben und Plantagen errichten. Diese Plantagen sind wasserreich, stark subventioniert und bringen ansehnliche Profite, indem sie von den örtlichen klimatischen Bedingungen profitieren und dabei die Nachhaltigkeit vollkommen vernachlässigen.

Schleichende Vertreibung und Häuserzerstörungen

Das führt unter anderem zur “indirekten ethnischen Säuberung”, wie palästinensische Aktivisten es bezeichnen: “Die Schwierigkeit Wasser zu bekommen und sein maßlos überhöhter Preis zwingen viele Familien das Gebiet um Jiftlik zu verlassen um nach Jericho und in andere Dörfer zu gehen. Dies geschieht vor allem im Sommer, und während einige Familien im Winter nach Hause zurückkehren, tun es viele andere nicht.”4

Das Jordantal liegt vor allem im „C“ Gebiet, das heißt, es befindet sich unter der Kontrolle des israelischen Militärs und der israelischen Zivilverwaltung. Palästinenser erhalten keine Baugenehmigungen; alle ihre Bauaktivitäten sind daher illegal. In den vergangenen 15 Jahren hat die Zivilverwaltung Häuser in palästinensischen Dörfern, wie Tubas, Beit Furik, Beit Dajan und Tamun im Jordantal, demoliert. Palästinenser berichten, dass Familien die Region verlassen müssen, wegen des immer schlechteren Zugangs zu lebenswichtigen Ressourcen, der Isolierung, der Häuserzerstörungen und der Schikanen seitens des Militärs.5

Die Rolle des JNF

Laut eigener Angaben auf seiner Internetseite, befasst sich der JNF mit Sicherheitsprojekten in ganz Israel:“Die Arbeit umfasst Erdarbeiten, Kanalisation, Fundamentierung, Straßenbau und Landschaftsplanung.” Das Jordantal ist Teil der besetzten palästinensischen West Bank. Infrastruktur für die Siedlungen hat nichts mit “Sicherheit” zu tun; sie stellt einen Teil der illegalen Kolonisierung durch Israel dar.

Der Jüdische Nationalfonds (oder KKL, wie seine hebräische Abkürzung lautet) stellt die notwendige Infrastruktur für die Erweiterung der nur-für-Juden Siedlungen im Jordantal zur Verfügung. In der Tat, der JNF leistete schon Anfang der 1970iger Jahre Pionierarbeit für Siedlungsprojekte, zu einer Zeit, als die israelische Regierung noch zögerte, seine Kolonisierungspläne offen zu verwirklichen. 1972 baute etwa der JNF die Straße zur Siedlung Gittit und 1974 bereitete er 540 Hektar Land für 8 Siedlungen vor.6 Er leistete einen bedeutenden Beitrag für den Bau der Allon-Straße, die in den Annexionsplänen eine Schlüsselrolle spielt (siehe unten). Heute engagiert sich der JNF in dem Ausbau der Siedlungen mit einer ganzen Reihe von Projekten, von Infrastruktur für die Wasserwirtschaft einer ganzen Region bis hin zu Freizeitzentren für die Siedler.

Ausbau der Siedlungen

Im September 2012 berichteten Freiwillige der Jordan Valley Solidarity Campaign vom Siedlungsausbau zwischen dem palästinensischen Dorf Al-Jiftlik und der Siedlung Yafit. Der JNF unterstützt dieses Projekt durch Finanzierung für die Firmen, die mit der Bereitstellung von Wasser-, Strom- und Straßeninfrastruktur für das neue Siedlungsgebiet beauftragt wurden.

Wasser

►Das schon dokumentierte Tirza Reservoir, das vom JNF zwischen 1997 und 2003 erbaut wurde, sammelt Hochwasserfluten des größten Flusses in der West Bank, Wadi al-Far’a, bevor sie den Jordan erreichen. Siedlungen in der Region nutzen das Wasser aus diesem Reservoir zur Bewässerung von Nutzpflanzen und zur Fischzucht.

►Freiwillige haben nun das OG-2 Reservoir mit einem Fassungsraum von 1.500.000 Kubikmeter Wasser dokumentiert. Sie hatten in seiner Umgebung absinkenden Boden entdeckt (Löcher von weichem Sand auf Grund des niedrigen Wasserspiegels).

Straßen

Der JNF spielte eine große Rolle beim Bau der Allon-Straße, die nur Siedlungen untereinander verbindet. Es gibt keine Abzweigungen, die in palästinensische Dörfer führen. Die Allon Road, deren Bau fast heimlich 1972 begann und 1980 beendet wurde, war auch dazu bestimmt, das östlich gelegene Gebiet abzugrenzen, das Israel praktisch annektieren wollte. Dadurch wurde die von Palästinensern dichter besiedelten Bergregion im Herzen der West Bank isoliert. 7 Als die New York Times einen Bericht über das Projekt veröffentlichte, kam es zum internationalen Eklat. Es war der JNF gewesen, dem der Beginn dieses Projekts anvertraut worden war.

Aber der JNF sorgt immer noch für den Straßenbau für die Siedler im Jordantal:

►Der JNF spendierte einen Feldweg, der den Zugang zu dem Land ermöglicht, das vom palästinensischen Bardala konfisziert wurde.
►Der JNF baut eine Hauptstraße innerhalb der Mehola Siedlung.
►Der JNF bezahlt eine Farm (Mehola farm) auf zu Bardala gehörigem Land in der Nähe von El-Beida.
►Der JNF stiftete eine Straße, die zur Farm der Mehola Siedlung führt.

Infrastruktur Projekte in den Siedlungen

►Dem JNF ist die gesamte Infrastruktur in Argaman zu verdanken
►Der Bau eines Festsaales in der Shadmot Mehola Siedlung
►Der Bau einer Jeschiwa in der Shadmot Mehola Siedlung
►Der JNF ist der wichtigste finanzielle Förderer des Regionalrates der Siedler der Region

Freizeitzentren

►Jordan Valley Meeting Point (wurde bereits im Corporate Watch report dokumentiert)
►JNF Freizeitzentrum Ein Farrah

Diese Auflistung ist nicht vollständig. Der JNF macht der breiten Öffentlichkeit keine Berichte über seine Investitionen und Aktivitäten zugänglich. Der JNF erfüllt lediglich seine erklärte Mission – die Kolonisierung. Seid Ihr bereit, Euch damit abzufinden?

Der Bericht basiert auf den jüngsten Daten, die die Freiwilligen der Jordan Valley Solidarity Campaign gesammelt haben. Ihnen sei hier herzlich gedankt.
Unterstützt diese Kampagne!

REFERENCES

1 Neben den Gebieten, die von Siedlern kontrolliert werden, gibt es abgeschirmte Militärzonen (von der israelischen Armee als “Schießübungsplätze” oder “Truppenübungsplätze” beansprucht) und Naturschutzgebiete. Diese umfassen zusammen weitere 44% des Jordantals, so dass den palästinensischen Gemeinden weniger als 10 % des ganzen Gebietes zur Verfügung steht. Human Rights Watch, Separate but Unequal: Israel’s Discriminatory Treatment of Palestinians in the Occupied Palestinian Territories (2010), S. 65.
2 B’tselem, Dispossession and Exploitation: Israel’s Policy in the Jordan Valley and Northern Dead Sea (Mai 2011), S. 36-39.
3 B’Tselem, Dispossession and Exploitation, S. 24.
4 Uri Blau and Yotam Feldman, “Thirsty Land”, Haaretz, 13.8.2009.
5 Amira Hass, “Otherwise occupied / How green is my valley,” Haaretz, 4.3.2010.
6 Davar, 22.12.1972; 4.4.1974 [auf Hebräisch].
7 Maariv, 20.2.1973 [auf Hebräisch].

Weiterführende Literatur:

• Earlier report on the JNF in the Jordan Valley by CorporateWatch:
MA’AN Development Center report on the settlements and their main products
MA’AN Development Center
• Who Profits report on “Made in Israel”: Agricultural Export from Occupied Territories (May 2012)
• B’tselem Report, Dispossession and Exploitation: Israel’s Policy in the Jordan Valley and Northern Dead Sea (May 2011).
• UN OCHA special report on settlers’ takeover of springs in the West Bank (see references to JNF involvement)
• Oxfam report: On the Brink: Israeli settlements and their impact on Palestinians in the Jordan Valley (July 2012)

Quelle: http://www.tarabut.info/en/articles/article/JNF-in-the-Jordan-Valley/

www.bds-kampagne.de / Deutsche Übersetzung

 

 

 

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