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TEXTE 22

„Dies ist unser Israel – kein Palästinenser sollte nach Israel kommen“
Wie es einem palästinensischen Amerikaner am Ben Gurion-Flughafen geht
George Khoury,  Juli 2015
 

Ich wurde 1945 in West-Jerusalem geboren, wie die jüdische Hälfte von Jerusalem genannt wurde.  Unter einem Kugelschauer, der über unsere Köpfe flog , packte mein Vater  1948 mich und den Rest der Familie und floh am Vorabend  der Errichtung des Staates  in seine Geburtsstadt Nablus. Wir blieben in Rafidia-Nablus und zogen 1952  nach Ramallah, wo mein Vater eine Stelle bei der Post bekam. Ich ging in die Gemeindeschule und 1961 besuchte ich das Priesterseminar in Beit Jala, um Priester zu werden. 1968 verließ ich das Seminar, wo ich außer Philosophie und Theologie Französisch und Latein lernte. Ich kam im September 1969  in die USA und begann  mit dem Studium an Seton Hall-Universität in South Orange, New Jersey, wo ich meinen Hochschulabschluss in der französischen und spanischen Sprache ablegte. 1975  machte ich  an der Universität Montclair in New Jersey den Magister.

Ich zog im selben Jahr noch nach Kalifornien, wo ich Fremdsprachen auf Hochschulebene unterrichtete. Ich begann  1985 mit dem Doktorats-Programm in Theologie am Graduate Theological Union in Berkeley, Kalifornien und machte dort 1990 meinen Doktor. Ich schloss mich dem Dekanats-Programm an, da ich  in verschiedenen  Gemeinden als Diakon in der Erz-Diozöse von San Francisco arbeiten wollte.

Nach 21 Jahren Abwesenheit von meiner Heimat Palästina entschied ich mich, zurück zu gehen, diesmal als amerikanischer Bürger mit einem amerikanischen Pass, der mir 1975 gewährt wurde. Die Fahrt war mit Pater Bernard Poggi als Pilgerreise gedacht und als längst fälliger Besuch meiner Heimat, um Freunde und Familie nach Jahrzehnten wiederzusehen. Am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv angekommen, erlaubte man Pater Bernard einzureisen. Als ich kontrolliert wurde, wurde ich von einer jungen  Soldatin  in den „Grünen Raum“ begleitet, um dort ausgefragt zu werden. Das Gespräch mit dem Flughafen-Agenten (A) (Vermutlich einer vom Shin Bet)  begann:

„Oh, Sie kommen über den Ben-Gurion-Flughafen?“   Ich(Kh):  Ja, ist das falsch?“

A: Das geht nicht.“  Kh:  „Warum? Ich habe einen amerikanischen Pass. Ich kam mit Pater Bernard, um ein paar Wochen in Jerusalem zu verbringen. Wir sind auf einer Pilgerreise und besuchen einige Freunde und die Familie.“

A: „Nein, nein, Sie können so nicht nach  Israel kommen. Sie sollten über die Allenby-Brücke gehen.“   Kh:  „Warum das? Ich komme nicht als Palästinenser, ich komme als amerikanischer Bürger.“

A: Nein, Sie sind ein Palästinenser. Warum  verleugnen Sie, dass Sie ein Palästinenser sind?“ Kh:  Ich verleugne nicht, dass ich ein Palästinenser bin. Ich bin vom Kopf bis zu den Füßen  palästinensisch. Mein Vater ist Palästinenser. Meine Mutter ist Palästinenserin, auch meine Brüder und Schwestern. Mein Großvater war ein griechisch-orthodoxer Priester und ich kann die Wurzeln meiner Familie 500 Jahre  zurückverfolgen. Ich verleugne gar nichts“.

A: Nein, nein Sie gehören zum palästinensischen Volk. Dies ist unser Israel, es gehört den Juden. Kein Palästinenser sollte nach Israel kommen. Sie müssen über die Allenby-Brücke gehen.“

KH: „Warum  sagen Sie das? Hatte ich je einen palästinensischen Pass? Lebte ich je unter der  Palästinensischen Behörde. Nachdem die PA  eingesetzt wurde, war ich nicht in Palästina und ich habe nie einen palästinensischen Pass beantragt.“

A:  Sie haben aber eine israelische Identitätskarte“ (er bezieht sich auf eine israelische ID, die mir gegeben wurde, nachdem Israel  1967 die Westbank besetzte. Ich hatte diese ID bis ich 1969 in die US ging) 

Kh: Eine israelische ID ist kein palästinensischer Pass.  Eine israelische ID wurde mir gegeben, als ich in Beit Jala studierte. Juristisch gesprochen: ich war niemals Bürger eines Landes, das Palästina hieß. Ich komme mit einem amerikanischen Pass, und das sollten Sie anerkennen/ehren.“

A: „Wie soll ich Ihren amerikanischen Pass ehren? Soll ich ihn küssen, umarmen oder anbeten? Außerdem sind Sie unhöflich und haben schlechte Manieren. Sie sind ein Palästinenser  und unhöflich, mit schlechten Manieren.“

Kh:  Ich bin weder unhöflich, noch habe ich schlechte Manieren – ich habe nur die Fakten vorgebracht. Ich habe Ihnen nur erzählt, dass ich ein Amerikaner bin, der in den vergangenen 40 Jahren amerikanischer Bürger war und der seit 46 Jahren in Amerika lebt. Sie ignorieren also all diese legalen Fakten und konzentrieren sich nur auf meine palästinensische Vergangenheit.

A:  Sie werden nach Jordanien deportiert und kommen über die Allenby-Brücke, um ihren Besuch in der Westbank zu machen.“

Ich kehrte zu Pater Bernard zurück, der auf mich wartete. Ich erzählte ihm, was mit dem Shin Beth-Agenten geschehen war. Wir warteten. Der Mann kam mit Deportationspapieren zurück und ließ mich  in Gegenwart von Pater Bernard verstehen, dass ich nach Jordanien deportiert werde. Ich wartete auf zwei andere Sicherheitsleute, die mir sagten: „Sie werden nicht nach Jordanien deportiert: Sie müssen dorthin zurück, von wo Sie herkamen.“  (Fiumicimo Flughafen , Italien)  „Mir wurde aber eben gesagt, dass ich nach Jordanien deportiert werde“. Sie fragten: Wer hat das gesagt?“

Kh: „Ich weiß seinen Namen nicht. Glauben Sie, er habe mir seinen Namen gesagt? Es ist der Mann von der Sicherheit im Büro, der mich gerade die Deportations-Papiere unterschreiben ließ“. Sie sagten: Nein, sie müssen zuerst nach Italien zurück. Wenn Sie dann über Jordanien zurückkommen wollen, ist das Ihre Sache.“  Ich war sehr erschrocken, hatte aber keine Wahl. In Gegenwart der israelischen Beamten, gibt mir Pater Bernard seine jordanische Telefonnummer, und wir machen ab, dass wir uns am folgenden Tag in Jordanien treffen.

Bernards und meine Wege trennten sich: Ich ging mit dem israelischen Sicherheitsbeamten zurück. Sie hielten mich (und andere) am 21.Juli  auf dem Flughafen bis 1 Uhr 30 fest. Schließlich brachten sie uns  ein belegtes Brot. Einige der andern, die mit mir waren, waren eine palästinensische  Frau und ihre Tochter (Palästinenser, aber US-Bürger) Sie waren ursprünglich mit ihren beiden Söhnen gereist, die aber in Amerika geboren waren. Ihnen wurde erlaubt, nach Israel einzureisen.  Die Beamten sagten den beiden, dass sie in die USA deportiert würden – aber getrennt. Sie brachen in Tränen aus und baten  händeringend darum, wenigstens zusammen deportiert zu werden, aber ohne Erfolg. Eine junge Engländerin war auch dabei, die mir sagte, sie würde mit einer Menschenrechts-gruppe in Israel zusammen arbeiten, ein Koreaner und eine junge Russin; keiner von ihnen sprach viel Englisch.

Sie fuhren uns eine halbe Stunde lang vom Flughafen entfernt. Im Wagen saß noch der junge Koreaner, der kaum Englisch sprach, hungrig und ohne einen Pfennig; er fragte die beiden Wächter mit schwacher Stimme: „Werden wir heute Nacht sterben?“Wir wurden in einem Bully  mit Gitter  transportiert – der für Gefangene gedacht ist. Sie behandelten uns wie Kriminelle in einen Gefängnis, das sie Auswanderung nannten …

Sie sperrten uns ein, verbaten mir persönlich, mein Handy zu benützen,  verbaten mir, ein Buch in den schmutzigen Raum  mitzunehmen. Sie warfen mich zu einem Haufen armer, hungriger und unorientierter Männer mit verschiedenem nationalem und ethnischem Hintergrund.  Es war inzwischen 2 Uhr nachts.

Wir verbrachten den ganzen Dienstag im Haftzentrum und wussten nicht, wann wir es verlassen würden. Ein arabischer Wächter war vor der Zelle. Ich wagte ihn zu fragen: „Du kennst all unsre Namen und alles über uns. Wie heißt du?“ „George“. Seinem Akzent nach zu schließen, kam er aus Nazareth. Ich fragte ihn: „Warum behandelt man uns wie Gefangene?“  „Das ist nun mal so!“  Schließlich ließ er mich, meine Frau Nariman anrufen, um ihr zu sagen, wo ich bin. Die andern Wärter  blieben völlig anonym, sie beleidigten uns mit ausfälligen Ausdrücken und verbaten uns, mit denen in andern Räumen am langen Korridor zu reden. Ich schlief keinen Augenblick, weil die ganze Nacht helles Neonlicht brannte.

Um 4 am Morgen kam der Wärter und sagte mir, ich solle mich für meinen Flug fertig machen. Er hörte mich mit der palästinensischen Frau arabisch sprechen, die im gegenüber liegenden Raum festgehalten wurde. Als er am Morgen zurückkam, sagte Samars Mutter, dass sie uns vielleicht nur ein bisschen aufmischen, aber uns schließlich  nach Jordanien deportieren würden. Er war sehr ärgerlich und schrie: „Ich sagte euch, dass ihr nicht miteinander reden sollt. Ich versuche, euch zu respektieren … Geht weg von der Tür!“

Etwa um 8 Uhr kam er in den Raum und nahm mich wie wahnsinnig mit und sagte mein Flugzeug stünde fertig (zum Abflug) bereit. Wie ein Verrückter fuhr er zum Flughafen, nahm mich direkt zur Piste.

Als ich im Flugzeug war, fragte ich: „Wohin  deportiert ihr mich genau?“

„Nach Bogota“    Ich sagte: „nach Bogota? Warum?“ „ Bist du nicht Carlos?“

„Nein, ich bin George Kjoury! Bitte, zeigen Sie mir den Pass in Ihrer Hand!“ bat ich. Er gehörte einem Kolumbianer mit Namen Carlos.

Dem Wärter wurde sein Irrtum klar und er raste mit mir zurück ins Haftzentrum. Die rasende Fahrt verschlimmerte meine Ischias-Schmerzen. Ich wurde im Haftzentrum wieder in die Zelle gebracht. Er rief nach Carlos, der schlief und wachte auf: „Ich bin Carlos!“  Er wurde mitgenommen.

Ohne jetzt in jedes Detail zu gehen: am Mittwoch um 9Uhr30 kamen sie zurück und nahmen mich wieder mit zur Piste, wo wir lange Zeit warten mussten,  bis anscheinend  das Flugzeug besetzt und fertig war. Mir wurde gesagt, ich würde jetzt nach Italien fliegen, von dort könne ich dann nach Jordanien zurückfliegen. Im Moment, bevor ich das Flugzeug bestieg, hielt er eine Reihe Flugkarten in der Hand, mit denen ich über Italien zurück in die US , nach New York und dann nach San Franzisco fliegen sollte. Der italienische Agent sagte mir, dass mir der Pass dann zurück gegeben wird, wenn es sicher sei, dass ich im Flugzeug  nach den US sitze.  Genau das geschah. Als ich in Italien ankam und bevor ich ausstieg, bat ich die Stewardess um meinen Pass. Sie sagte mir, dass sich ein Mann darum kümmern würde, der draußen auf mich warten würde. Ein italienischer Offizier wartete am Fuß der Treppe auf mich. Er nahm mich in einem Jeep zu einem unbekannten Ort – so etwas wie eine Polizeistation. Er führte mich zu einem Raum  mit 5 oder 6 Leuten, wo unsere Bewegungsfreiheit eingeschränkt war. Nachmittags um fünf bekam ich einen Flug, der mich in die USA brachte. Dort wurde mir der Pass ausgehändigt.

Ich kam etwa um 8 Uhr abends an diesem Tag in New York an. Ich musste  bis zum nächsten Morgen im Flughafen bleiben, wo ich  um 6Uhr an Bord eines Flugzeuges ging. Die ganze Zeit hatte ich mein Tasche auf dem Schoß und versuchte, für Momente meine Augen zu schließen, während ich auf einer harten Bank saß und die Minuten und Stunden bis zum Abflug  um 6 Uhr morgens zählte und versuchte, durchzuhalten, da in meinem abgegebenen Gepäck mein Insulin, meine Brieftasche und mein iPhone waren . Ich bin Diabetiker und von meiner Medizin getrennt sein  würde fatal sein.

Ich kam schließlich völlig erschöpft am Donnerstag um 11Uh37 in S.F. an. Ich rief meinen Reise-Agenten an, ob er herausfinden könnte, ob ich für mein gestohlenes Gepäck und  die Rückflugkarte, die ich nicht benützt habe, entschädigt werden könnte. Er fand heraus, dass alles Geld  schon benutzt wurde, um die Deportation  zurück in die USA zu bezahlen.

Ich bin  jetzt also wieder zurück in San Franzisco. Sie nahmen mir, was für mich nach langer Arbeitszeit Ferien sein sollte, auch das Wiedersehen mit meiner Heimat und alten Freunden – und machten dies zu einem  höllischen Alptraum. Ich wurde  geringschätzig behandelt, erniedrigt und so behandelt, als ob ich ein Verbrechen begangen hätte. Ich erzähle meine Geschichte, um Leute. die Palästina besuchen  auf das rücksichtslose Vorgehen eines rassistischen Gebildes vorzubereiten. Das ist keine einzigartige Geschichte. Es gibt viele andere Beispiele von arabischen Amerikanern, die bei jedem  Grenzüberschritt nach Israel oder in die Westbank  rassistisch behandelt worden sind. Schikanen, Verhaftung und Verhöre sind wesentliche Bestandteile des israelischen Staates, um Palästinenser  aus Israel-Palästina fern zu halten, aber mehr Juden herein zu bringen. Es sind auch meine Steuer-Dollars – 3 Milliarden  für wirtschaftliche und militärische Hilfe – womit auch die Unterdrückung des palästinensischen Volkes finanziert wird. Ohne die blinde  und bedingungslose  finanzielle und politische Unterstützung des Staates Israel, könnte die Besatzung und all ihre Tragödien gegen die Palästinenser nicht fortgesetzt werden.  http://mondoweiss.net/2015/07/palestinian-americans-detained

(dt. Ellen Rohlfs)

Gestohlene Kindheit: eine palästinensische Geschichte - Die Welt ist unglaublich gleichgültig gegenüber dem palästinensischen Leiden und demonstriert täglich diese Politik der Gleichgültigkeit - Hatam Bazian -  2.8.15

Ismail, Zakaria, Ahed und Mohamrd sind vier Namen, die anscheinend zufällig sind und keine besondere Bedeutung für die durchschnittliche Person in der Welt hat.

Doch diese vier Namen sind  im Gedächtnis der Palästinenser sehr bekannt und eingeprägt. Sie sind die Kinder der Bakr-Familie – sie waren zwischen neun und elf Jahre alt. Ich nehme es euch nicht übel, wenn ihr euch nicht an diese Namen erinnert.

Die Wahrheit ist, palästinensische Namen, Familien und Gesichter werden in einer Welt nicht erinnert, deren allgemeine Meinung vom Bewusstsein  eines  Nachrichtenzirkels bestimmt wird.  Ihre Geschichte wurde nicht verbreitet. Ihrem Verlust wurde keine persönliche Note gegeben und mit ihren Lieben wurde kein Interview gemacht.

Vor einem Jahr wurde der 16jährige palästinensische Junge Mohammed Abu Khdeir von  jüdischen  Extremisten in Jerusalem als Racheakt lebendig verbrannt.

Am letzten Freitag markiert das Verbrennen des 18 Monate alten Baby Ali Saad Dawabsheh  durch einen Brandanschlag von Siedlern auf die Wohnung der Familie in Duma  den Jahrestag von Abus  KhdeirsTod.

Die Wahrheit ist, dass wir den Verlust  von palästinensischem Leben nicht betrauern. Wie erinnern uns nicht an die Familien, die Häuser und Schulen, die systematisch ausgelöscht werden oder an die Krankenhäuser und Ambulanzen, die chirurgisch gezielt angegriffen werden oder die unzähligen ermordeten Individuen, die nur ihr Leben leben wollten.

Der Mord an Cecil dem Löwen hat mehr globale Aufmerksamkeit und Aufrufe zu genauen Untersuchungen erfahren, als die Bakr-Kinder,  Abu und Ali.

Systematisches Auslöschen

Doch wie können wir dies tun? Wie können wir – unser globales Bewusstsein -  ja, unsere Augen von dem ständigen und systematisch  zugefügten palästinensischen Leid  abwenden?

Wie entschuldigen wir Israels das Festhalten von 6000 palästinensischen politischen Gefangenen – einige erst 11 Jahre alt -  und das Eingesperrt sein von  gewählten palästinensischen Parlamentsmitgliedern?

Wie erklären wir die unverhältnismäßige Antwort von Diplomaten, die nach Gaza strömen, auf der Suche nach einem einzigen Soldaten, der nach Israels Sommerangriff  auf den Gazastreifen gefangen genommen wurde.

Wo sind die  Delegationen, die versuchen, die 1,4 Millionen Palästinenser aus dem Open-Air-KZ-ähnlichem Gefängnis des Gazastreifens zu befreien?  Frustriert wende ich mich ab. Die Bakr-Kinder verdienen einen Moment des Gedenkens.

Sie spielten an einem sonnigen Tag am Strand Fußball – eine kurze Atempause einer Kindheit in Gaza, die imminent von der Unterdrückung, Angst und Gewalt gekennzeichnet ist – als eine israelische Rakete in ihr Spiel fiel.  Journalisten, die kurz vorher mit den Kindern Fußball spielten, waren Zeugen dieses Blutbades.  Sie bezeugten, dass es in dem Gebiet keine militärischen Aktivitäten gab,  aber trotzdem hielt das israelische Militär palästinensische Kämpfer für diesen Vorfall verantwortlich – sie seien das beabsichtigte Ziel gewesen.

Nicht das erste, noch das letzte Mal

Dies ist nicht der erste, noch der letzte Mord, der vom israelischen Militär bei vollem Tageslicht bei laufender Kamera durchgeführt wurde. Doch waren sie nie für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen worden.

Der gewalttätige Verlust dieser vier Kinder belastet weiter mein eigenes Gewissen. Auch ich spielte in meiner Jugend Fußball. An jedem freien Ort, der Hof, das Treppenhaus  waren mein Fußballfeld. Für mich und meine Freunde in der Kindheit wurde jede freie Zeit vor und nach der Schule  zu einem erholsamen  Spiel, mit einer metaphorischen Halbzeit, die  für Gebete in der nahen Moschee benützt wurde.

Der Fußball machte jeden auf dem Feld ebenbürtig  und verband alle Kinder der Nachbarschaft. Wir legten oft  unsere Pfennige zusammen, um zusammen einen neuen Ball zu kaufen.

Als Kinder, die im Krieg aufwuchsen, hielten uns Proteste und politische Unruhen nicht vom Spielen  ab.  Für jene Augenblicke des Spiels, waren wir in der Lage,  die gewaltsame Welt um uns  zu vergessen  und frei hinter dem Ball her zu rennen.

Perioden von Feuerpausen waren immer eine Gelegenheit, um ein schnelles Spiel zu beginnen und etwas von unserer angespannten Kindheitsenergie nach langen Stunden, in denen  wir hinter geschlossenen Türen uns im Keller verbargen, während die Kämpfe tobten.

Erschreckende Wahrheit

Die erschreckende Wahrheit ist, dass die Bakr-Kinder hätten meine Freunde sein können. Sie hätten meine Familie sein können. Auch ich hätte tragischer Weise mein Leben verlieren können, während ich lachend und rennend  an einem ruhigen und sonnigen Tag am Strand spielte.

Der Verlust der Bakr-Kinder ist wirklich nur ein weiterer Tropfen im Meer israelischer Ungerechtigkeit.  Ihr Fall wird in der Menge der Beweise gegen Israel  und seiner illegalen Besatzung vergessen werden. Aber während die Welt die Bakr-Kinder vergessen mag, Palästina wird sie nicht vergessen.

Die Fakten sind klar. Der letzte Angriff auf Gaza war der dritte in acht Jahren – 1,4 Millionen Palästinenser wurden belagert. Innerhalb von 50 Tagen während des Sommers 2014 führte Israel mehr als 6000 Luftschläge aus, die  gezielte Angriffe  auf Wohn- und andere Gebäude waren.

Nach dem OCHA –Bericht (UN-Office zur Koordinierung  humanitärer Angelegenheiten)  hatten 142 Familien drei oder mehr Mitglieder bei der Zerstörung von Wohngebäuden verloren. Im Ganzen gab es 742 Todesfälle.

Nach dem UN-Ocha-Bericht war die palästinensische Todesrate bei 2220,  1492 von ihnen  waren Zivilisten, einschließlich 551 Kinder und 200 Frauen.

Es ist kaum zu verstehen

Der Anteil der zivilen Todesfälle liegt bei 70%.  Ich kann es kaum verstehen, wie ein Regime mit solchen Brutalitäten ungestraft davon kommen kann. Wer macht Israel dafür verantwortlich?

Zusätzlich zum Töten und Verstümmeln von Palästinensern, beschädigten die Israelis  im Gazastreifen 9644  Häuser schwer  und rund 90 000 teilweise.

Gegenwärtig leben noch 100 000 Gazaner als Flüchtlinge auf ihrem eigenen Land oder  in ihren gefährlich beschädigten Häusern  - um wenigsten ein wenig Schutz zu haben. Kein Wiederaufbau oder Hilfe  ist erlaubt worden. Jeder Versuch des Wiederaufbaus und der Erholung wurde gestoppt, bevor er begann.

Wenn Kinder zum Ziel und getötet werden, um eines politischen Vorteils willen, muss eine entschiedene und kühne Aktion unternommen werden. Wir können nicht einfach dabei stehen und  zusehen, wie Ungerechtigkeit weitergeht.

Da wir den ersten Jahrestag von Israels letztem Angriff in Gaza begehen, müsste die Welt mehr denn je die Bemühungen wie Boykott, Divestment und Sanktionen (BDS) unterstützen. Verfahren müssten aufgenommen werden, um Israel für das Leiden von Millionen verantwortlich zu machen.

Internationale  Aufmerksamkeit  müsste auf die Notlage der Palästinenser gelenkt werden. Doch noch einfacher: Kindern muss erlaubt werden, Kinder zu sein. Sie sollten niemals mit Ängsten leben, in Kellern kauern, um sich vor Geschützfeuern zu schützen, verstört Fußball spielen …

Die Bakr-Kinder-Geschichte steht wie ein Denkmal für die Gleichgültigkeit der Welt gegenüber dem palästinensischen Leiden. Die Kinder und das ganze palästinensische Volk verdienen Gerechtigkeit.

Der Autor ist Mitherausgeber und Gründer des Islamophobia Studies Journal und ist Direktor  des Islamophobia Research and Dokumentation Project und Seniordozent  in der Abteilung für Nahöstliche und Ethnische Studien an der Universität von Kalifornien, Berkeley.  (dt. Ellen Rohlfs)

Für Israel erscheint Goliath als Opfer
Ein israelisches Knessetmitglied sagt, der Philister-Riese hatte das Recht, sich gegen David zu verteidigen …
Amira Hass, 27. Juli 15
 

Goliath hatte auch das Recht, sich gegen David zu verteidigen. Das ist es, was wir unter den Worten des MK Nissan Slomansky , Vorsitzender des Knesset-Verfassung-, Gesetz- und Gerechtigkeits-Komitees, verstehen, als er die Gesetzesvorlage über strengere Bestrafung für Steinewerfer  vorstellte. „David tötete Goliath, den stärksten Philister, mit einem Stein“, sagte Slomansky. „Mit andern Worten, ein Stein kann töten“.

Seit Beginn unseres Staates beanspruchten wir biblische Bilder, um unsern Einfluss zu stärken. Wenn ich mich recht erinnere, rühmten sich unsere Lehrer in der Schule immer damit, dass wir David wären, und dass nicht nur eine Steinschleuder nötig war, um Goliath zu töten, sondern auch Verstand und Agilität.

Wie groß war unsere Schadenfreude vor dem riesigen, schwerfälligen Goliath, auch wenn wir gegenüber den Palästinensern vorgeben, niemals „David“ zu sein. Slomansky gab diesen Vorwand auf und seine Offenheit ist lobenswert. Er konnte die Statistiken des Steine-Werfens zitieren und ihren Misserfolg in Yeshastan. Er fand es schwierig, die Gründungsmythen aufzugeben. Er kehrte ihre Verwendung um und bewies, wer wir wirklich sind: Goliath. Goliath, das Opfer.

Das berichtigte Gesetz, das die Strafen für diejenigen strenger macht, die  wegen Steine -Werfens angeklagt sind, ist nicht außergewöhnlich. Es ist nur ein Ausdruck der 48 Jahre langen  traditionellen Behandlung jener, die wir besetzen.

Wir weigern uns, auf ihren Widerspruch gegen unsere Regeln zu hören und auf die pure Logik ihres Widerstandes. Stattdessen antworten wir mit härteren Maßnahmen. Wir reagieren auf palästinensische Gewalt (die immer, immer eine Antwort auf unsere grundsätzliche Gewalt ist) mit vielfach größerer Grausamkeit. Und wir nennen diejenigen, die Widerstand leisten, Kriminelle.

Die Palästinenser sind nicht die ersten, die mit Gewalt auf institutionelle Gewalt – militärische und bürokratische  -  antworten. Und wir haben kein Copyright auf die Kriminalisierung des Kampfes für Unabhängigkeit. Gefängnisse in andern unterdrückerischen Ländern waren und sind auch mit Gefangenen – Widerständlern-- gefüllt genau wie hier; ihre Gesetzgeber und Richter fanden und finden wissenschaftliche Argumente, jeden Protest gegen die Ungerechtigkeit zu kriminalisieren.

Seit 1967 hat Israel etwa 800 000 Palästinenser  verhaftet (nach Schätzungen des palästinensischen Ministeriums für Gefangene) Nach palästinensischen Schätzungen haben etwa 70% palästinensischer Familien ein oder mehr Familienmitglieder wegen Aktionen gegen die Besatzung in einem israelischen Gefängnis gehabt. Der natürliche Beschluss unserer weisen Führer ist, dass dies nicht genug ist und wir 105 Prozent der Familien erreichen müssen.

Wir erklärten die palästinensische Befreiungsorganisation für eine verbotene Organisation und unterdrückten alle ihre Aktivitäten – und der islamische Jihad  und die Hamas gediehen. Wir beantworteten die Steine derjenigen, die in der ersten Intifada aufstanden mit Felsen brechenden Maschinen und gebrochenen Gliedern, mit dem Töten von Demonstranten und  mit Ausgangssperren. So bereiteten wir den Boden für die populäre Unterstützung, für die Militarisierung des Aufstandes.

Die Volkskomitees und Führerschaften beantworteten wir mit Massen-verhaftungslagern. 400 Hamas-Aktivisten wurden in den Libanon deportiert – eine günstige Gelegenheit für eine politische, militärische und patriotische  Gemeinschaft, für die die islamische Bewegung bis zum heutigen Tag dankbar sein sollte.

Wir fanden eine glänzende Antwort auf die Bereitschaft der PLO auf ein Abkommen:  den Oslo-Schwindel. Ihr Palästinenser werdet weiter in euren Enklaven leben; wir werden Yeshastan (einschließlich Ostjerusalem) erweitern, und die Welt wird dieses Friedensprozess nennen.

Wir fanden auch eine passende Antwort auf das Baruch Goldstein Massaker 1994 in Hebron.  Eine Ausgangssperre  und die Zerstörung des alten palästinensischen Hebron. Selbstmordangriffe dienten nachträglich dazu, alle Unterdrückung und das Töten davor zu rechtfertigen. Die Unterdrückung wirkt gewisse Perioden lang  - und dann kommt eine nächste Explosion.

Die unmittelbare Antwort der Israelischen Verteidigungskräfte (IDF) auf Demonstrationen während der zweiten Intifada war das Töten von Demonstranten. Sie erfanden die kollektive Strafe auf isoliertes palästinensisches Schießen neu. Die Antwort auf Selbstmordattentate waren Invasionen und Massenmord, auf  Qassem-Raketen  - die Zerstörung von ganzen Stadtteilen;  auf Grad-Raketen sogar noch größere Zerstörung. Und auf eventuelle iranische Raketen – die Zerstörung des ganzen Gazastreifens. Und wir halten immer an der Waffe des jüngsten Gerichtes fest:  der größte Landraub in der Westbank und in Ost-Jerusalem.

Unsere Gesetzesgeber und Führer erzählen uns immer wieder, dass dies alles die Schuld der Palästinenser sei. Diese dummen Kriminellen verstehen einfach nicht die Sprache der Unterdrückung. Sie verstehen den armen Goliath und seine Fähigkeiten nicht. Schau, ein paar mehr Tote,  noch mehr Gefangene und Verletzte – dann werden sie verstehen.

Von der Erklärung der Dummheit der Palästinenser befriedigt, fragt sich die neu gegründete Nation nicht: Vielleicht wirken diese von unsern Führern benützten Methoden einfach nicht? Die Generation des sozialen Protestes. Befriedigt von seiner Kritik an den Pensionen ihrer stehenden Armee, unterstützt das Konzept der Eskalation weiter. So weit, wie es Yeshastan betrifft, die Nation der Hochtechnik und des sozialen Protestes weigert sich, die Schlussfolgerung zu ziehen, dass das, was völlig falsch lief, die Besatzung ist.

(dt. Ellen Rohlfs)

 

Internationale nukleare Heuchelei
Elias Akleh,  MWC News, 21.7.15

Der Nuclear Non Proliferation  Treaty ( NPT) (Nicht-Verbreitungsvertrag von  Atomwaffen) und der Nuclear watchdog International Atomic Energy Agency (IAEA) sind zu unterdrückerischen  Mitteln geworden, um die Verbreitung sicherer Nuklear-Technologie zu begrenzen, und um zu verhindern, dass außer den fünf Atomstaaten (die fünf permanenten Mitglieder des UN-Sicherheitsrates US,UK, Frankreich, Russland und China) keine anderen Staaten Nuklearwaffen produzieren. Diese  Nuklearstaaten wollen ihre Waffen-Überlegenheit und -Vorherrschaft behalten.

Das iranische Nuklearprogramm ist ein typisches Beispiel. Der Iran begann mit seinem Nuklearprogramm 1957 unter Mohammad Reza Shah Pahlavi mit dem Abkommen und in Zusammenarbeit mit den US unter dem „Atoms for Peace Program“ . 1960 verkauften die US Iran einen kleinen Forschungsreaktor, der im Teheraner Nuklear-Forschungszentrum steht. Der Reaktor begann 1967  seine Arbeit mit dem  von den US gelieferten angereicherten Uran-Brennmaterial, etwa 10 Pfund hoch angereichertem Uran für die ersten Jahre der Reaktorarbeit. 1968 unterzeichnete der Iran das NPT.

1974 errichtete der Shah die Atomenergie-Organisation des Iran (AEO)und verkündigte Pläne über den Bau von 20 Nuklearenergie-Reaktoren. Die US, Frankreich und Westdeutschland beeilten sich, die lukrativen Kontrakte zu erhalten, um die Reaktoren zu bauen. Der Iran unterzeichnete einen Kontrakt mit der deutschen Firma  Kraftwerk-Union, eine Tochtergesellschaft von Siemens, um zwei Reaktoren in Bushehr zu bauen. Er hatte auch fast 600 t  Yellowcake-Uran aus Südafrika  erworben.

Irans Nuklearprogramm wurde nach der 1979-Revolution  eingestellt. Um den Iran zu strafen, stachelten die US, Kuweit, Saudi Arabien und Israel den Irak an , finanzierten und bewaffneten ihn und begannen den 8 Jahre langen Krieg (1980-88) gegen den Iran. Der Krieg zerstörte den Iran  und beeinflusste die Entscheidung seiner Führer, eine nukleare Abschreckung zu bauen, besonders nach zunehmenden Anzeichen von Iraks geheimem Nuklearwaffenprogramm.

1990 unterzeichnete der Iran  ein Abkommen  über nukleare Zusammenarbeit mit China und 1991 importierte der Iran aus China eine metrische Tonne von Uran-Hexafluorid, vergaß aber, dies dem IAEA  zu berichten. Damit begann Irans Konfrontation mit dem Westen. Die US übte politischen Druck  auf Irans Nuklear-Partner aus, die Kontrakte aufzulösen. China zog sich aus dem Vertrag zurück, eine Uran-Umwandlungsanlage  zu bauen. Argentinien beendete seine nukleare Zusammenarbeit  mit dem Iran. Russland begann 1995 mit dem Wiederaufbau des Reaktors  in Bushehr, der  im Irak-Irankrieg schwer beschädigt  wurde. Doch nach Jahren der Verzögerung auf Grund des amerikanischen Druckes begann der Reaktor  nicht vor 2010 und blieb unter der Kontrolle von IAEA.

Iranische Funktionäre versichern, dass Irans Nuklearprogramm friedlich ist. Sie öffneten ihre Nuklear-Anlagen für die strengsten Inspektionen durch IAEA, wie es sonst bei keinem andern Land durchgeführt wird, einschließlich zusätzlicher Protokolle von NPT. In seiner Rede bei der UN am 17. September 2005  schlug Präsident Ahmadinejad  vor, dass Irans Anreicherungsprogramm von einem internationalen  Konsortium geleitet werden könnte, mit  dem Iran, das den Besitz mit andern Ländern teilen könnte. Im Juni 2009 stimmte der Iran einem Deal zu, auf seinen Vorrat von wenig angereichertem Uran zu verzichten  und zwar gegen  Brennstoff für einen  medizinischen Forschungsreaktor. Der Iran hat sich ständig für die Schaffung einer nuklear-waffenfreie Zone im Nahen Osten eingesetzt. Der Shah von Iran hat offiziell und wiederholt dieses Konzept  in einer gemeinsamen Resolution der UN-Vollversammlung ausgesprochen, bekam aber keine internationale Unterstützung. 2006 wiederholte Irans Präsident Ahmadinejad diesen Vorschlag und Irans Außenminister Mottaki  wiederholte dies 2008 noch einmal, aber die Idee wurde ignoriert und von den westlichen Nuklearmächten zurückgewiesen.

Irans Funktionäre erklärten, dass sie keine Nuklearwaffen anstreben, weil ihre Religion, der Islam, Massenzerstörungswaffen verbietet. Sie glauben, dass solche Waffen in der Region einen nuklearen Waffen-Wettlauf verursachen würden, bei dem sie mit den schon vorhandenen Nuklearstaaten  nicht mithalten könnten und dass sie schon genug konventionelle Abschreckungswaffen zur Selbstverteidigung hätten.

Doch die US und besonders Israel wiederholen das Mantra, dass der Iran  nur ein Jahr davon entfernt wäre, eine Atombombe  zu entwickeln – trotz all der Beweise und der Berichte des Geheimdienstes, die anderes aussagen. Nach einer Studie, die 2004  bei einer internationalen Atomkonferenz in Frankreich, dargestellt wurde, wären iranische Wissenschaftler und ihre Mitarbeiter mangelhaft trainiert und hätten ein schwaches Verständnis der grundsätzlichen  und einfachsten Prinzipien der Physik und Mathematik. Nachdem die IAEA 1992 alle erfragten iranischen Orte  untersucht hatte, berichtete der Generaldirektor  Blix, dass alle Aktivitäten, die sie beobachteten, konsequent der friedlichen Nutzung von Atomenergie dienen. Tatsächlich haben alle Inspektionsberichte der IAEA festgestellt, es gebe keinen Beweis, dass der Iran ein nukleares Waffenprogramm verfolge.

Das amerikanische Nationale Intelligence Estimate berichtete 2007, dass der Iran  sein nukleares Waffenprogramm  2003 abgebrochen habe. Dies wurde noch einmal von  US Intelligence Agenturmitarbeitern bestätigt, die von der New York Times im März 2012 interviewt wurden; sie bestätigen dass der Iran sein Uranwaffen-Programm nicht wieder aufgenommen habe. Selbst der israelische Mossad teilt diese Ansicht, die von ihrem Präsidenten Netanjahu widersprochen wird, der nicht müde wird, vor der angeblichen iranischen Atombombe zu warnen.

Die ganze Welt weiß, dass der Iran kein Nuklearwaffenprogramm hat. Doch der westliche Druck geht dank der Tatsache weiter, weil der Iran gegen das zionistische Projekt im Nahen Osten ist, und die Hamas und die Hisbollah in ihrem Kampf gegen die israelische Besatzung unterstützt. Im Mai 2003  - kurz nach dem amerikanischen Überfall auf den Irak, verbreitete sich ein Gerücht, dass die Bush-Regierung dem Iran ein „Großes Geschäft“ anbot – durch Schweizer diplomatische Kanäle. Das Angebot schloss Zusicherungen der US ein: Normalisierung der diplomatischen Beziehungen und nukleare Zusammenarbeit, falls der Iran die Unterstützung von Hamas und Hisbollah beenden würde. Der Iran hat das Angebot zurückgewiesen.

Nachdem der iranische Präsident Ahmadinejad am 11.4. 2008 bei einer Fernseh-Sendung  aus der Stadt Mashhad verkündet hat, dass der Iran erfolgreich Uran um 3,5% angereichert hat, antwortete der UN-Sicherheitsrat  am 28.Dezember desselben Jahres mit Resolution 1737, die eine Reihe von Sanktionen auf den Iran legt. Die UNSC hat acht  Resolutionen gegen den Iran  verabschiedet (Resolution 1686, 1737,1747,1803 und 1929) Das wirkliche Ziel dieser Resolutionen ist die nukleare  Fähigkeit des Iran zu begrenzen und seine Wirtschaft zu schwächen, indem der Iran kein Öl ausführen darf, was den Ölpreis erhöhte.

UNSC-Resolutionen, wirtschaftliches Embargo und die Pfändung von iranischem Geld und internationalen Bank-Investments waren für die US und Israel nicht genug. Sabotage und Morde waren auch auf Irans Nuklear-Einrichtungen und Atomwissenschaftler gezielt ausgerichtet. Mindestens fünf iranische Atomwissenschaftler wurden 2010 und 2011 höchst wahrscheinlich  von israelischen Mossadagenten ermordet. Sabotage an elektrischen Stromquellen zu den Nuklear-Einrichtungen wurde versucht. Der hoch entwickelte Stuxnet Electronic Virus, der von  CIA  bezahlten Cyber-Programmierern entwickelt wurde, hat Irans Zentrifugen-System zum Ziel und infiziert. All dies und andere ungeklärte Angriffe dienten nur der Stärkung des Iran und macht seine Wirtschaft unabhängiger.

Schließlich suchten die westlichen Nuklearländer ihre Zuflucht  bei dem, was  als P5+1-Marathon für Nuklear-Verhandlungen bekannt wurde und das 2009 anfing; diese Auf-und-Ab-Verhandlungen beschlossen am 14.Juli 2015 mit Irans Einverständnis die Nukleareinrichtungen zu öffnen, was von einigen als ein außerordentlicher Grad aufdringlicher Inspektion beschrieben wird und bedeutende nukleare Elemente die nächsten 15 Jahre hemmt im Austausch für ein unmittelbares Ende von Sanktionen und Embargos.

Viele feierten diesen Vertrag als einen iranischen Sieg. Doch muss man tiefer blicken, um festzustellen, dass ein Vertrag von zionistisch amerikanischen Juden wie US- Außenminister  John Kerry, dem jüdischen Staatssekretär für politische Angelegenheiten Wendy Sherman und Frankreichs jüdischer Laurent Fabius wirklich ein guter Vertrag für den moslemischen Iran ist. Top-Zionisten verstehen, dass ein Krieg gegen den Iran ein verheerender Krieg sein würde, der die ganze Welt, besonders die Golfstaaten schädigen würde, wo die amerikanischen Militärbasen so leichte Ziele für iranische Raketen sind; Israel würde von Raketen der Hamas, der Hisbollah, von Syrien und dem Iran getroffen; die ganze nahöstliche Region würde  in Flammen stehen und die Weltwirtschaft auf Grund einer Öl-Krise kollabieren.

Der Atom-Vertrag ist der erste zionistische Schritt, um den Iran ohne einen zerstörenden Krieg  zu besiegen. Das Ziel der Zionisten ist, die iranische Wirtschaft verdeckt zu kontrollieren und schließlich auch die iranische Regierung durch die zionistisch kontrollierte westliche Gesellschaft, deren Vertreter schon in den Iran wegen angeblicher wirtschaftlicher und industrieller Investments ins Land  geeilt sind. Auf diese Weise kontrollieren sie die US.

Die fünf großen Atommächte (US, Russland, UK, Frankreich und China), die begeistert den NPT unterstützen, sind selbst die größten Übertreter des NPT. Nach außen geben sie vor, ihre eigenen Atombomben zu reduzieren, indem sie die sperrigen, unsicheren, alten Bomben  beseitigen, doch im Geheimen neue kleinere, taktische  und zerstörerischere  Mini-Atombomben  entwickeln. Diese Mini-Nukes sind ein Teil des US-Nato-Arsenals und wurden  zur Anwendung im konventionellen Kriegstheater 2002 vom US-Senat freigegeben. Die US, die (1945) Japan mit Atombomben angegriffen hat, hat auch  nukleare Waffen in Form von abgereichertem Uran (DU) im Irak verwendet, als es 2003  den irakischen Boden und sein Wasser  kontaminierte und alle Arten von Krebs und Geburtsfehler bei irakischen Kindern und solchen von amerikanischen Veteranen verursachte.

Seit kurzem sehen wir einen Nuklearwaffenwettlauf zwischen den US und Russland. Als die US ihre Absicht erklärten, eine größere Truppenstärke in der Nähe der russischen Grenze zu legen, entgegnete Russland im letzten Monat (Juni), es wolle dieses Jahr sein nukleares Arsenal mit mehr als 40  neuen interkontinentalen Raketen aufstocken. In diesem Monat enthüllten die US, dass US-Militär eine nukleare  Schwerkraftbombe B51-12 verbessert habe, die vier alte  Versionen ersetzen werden. Die hippokratische  Regierung Obamas bessert ihre Atomwaffen auf, während sie gleichzeitig  den NPT benützt, um Irans friedliches Nuklearprogramm zu begrenzen

Die US- und europäischen Atomstaaten haben nicht die leiseste echte Absicht, dem NPT-Vertrag  Geltung zu verschaffen, es sei denn, es diene der Kontrolle  und Strafe  anderer entwickelten Länder. 2010  strich die Obama-Regierung  die NPT-Konferenz, die vorhatte, über die nuklearfreie  Zone im Nahen Osten zu diskutieren. Im letzten Mai 2015 stoppte die Obama-Regierung wieder die UN-Bemühung, den Nahen Osten zur nuklearfreien Zone zu machen. Der Grund ist natürlich das nukleare Israel.

Die meisten Geheimagenturen, einschließlich CIA und FBI wissen, dass Israel  schon  1960 Atomwaffen entwickelt hat, was durch die Berichte des  israelischen  „Whistleblower“  und NuklearTechniker Mordechai Vanunu bestätigt wurde. Anfangs gab das UK Israel das schwere Wasser, während Frankreich Israels Dimona-Nuklear-Reaktor baute, als Dank für Israels Teilnahme an der Dreiparteien-Aggression 1956 gegen Ägypten  nach der Nationalisierung des Suez-Kanals. Später haben die US  Israel  beliefert oder seinen Agenten  erlaubt, US-Regierungseigenes weit genug angereichertes Nuklearmaterial vom Nuklear-Material- und Ausrüstungs-Korporation (NUMEC), einer nuklearen Veredlungseinrichtung in Apollo, Pensylvania,  zu stehlen. Das Institut zur Erforschung:  Nahost-Politik (Rmep) veröffentlichte seinen investigativen Bericht über den Diebstahl. 1966 eröffnete der FBI eine Untersuchung mit dem Codenamen  Project DIVERT und entdeckte, dass 587 Pfund von  hoch angereichertem Uran als vermisst  geheim gehalten wurde. Die zionistisch kontrollierte US hatte tatsächlich Israel geholfen, seine Wasserstoffbombe zu bauen – man lese auch den 386 Seiten –Bericht „ Kritische Technologie-Bewertung in Israel und Nato-Nationen“, das von Obamas Regierung frei gegeben wurde.

In den frühen 1980erJahren hatte Israel mit der vollen Unterstützung der amerikanischen Gesellschaft Milco International inc. irreführend und illegal  nahezu 800 Röhren geschmuggelt;  nukleare Waffen-Explosionssysteme aus den US.  Grant Smith, Forschungsdirektor für IRmep diskutierte diesen Diebstahl im Corbett-Bericht-Radio. Netanjahu war ein Mitglied des Schmugglerrings, entsprechend zu einigen frei gegebenen Regierungsdokumenten, IRmep setzte viele Dokumente auf seine Website, die beweisen, dass Israel in den US spioniert hat  und seine nukleare Technologie und nukleares Material  seit den 60er Jahren gestohlen hat.

Israel hat auch Atombomben verkauft. Der Fall  von Israels Verkauf von Atombomben an den Apartheidstaat Südafrika ist nur ein Beispiel. Der Guardian veröffentlichte die Gesprächsnotizen und Protokolle zwischen  Shimon Perez, dem damaligen israelischen Verteidigungsminister und Pieter Willem Botha, dem südafrikanischen Verteidigungsminister,  bekannt als „das große Krokodil“  während eines Verkaufsgeschäftes 1975. Man fragt sich, wem Israel noch Atombomben verkauft hat.

Israel hat auch nukleare Waffen gegen seine arabischen Feinde angewandt und gegen seinen loyalen Sponsor, die US selbst. Während der letzten Tage seines Angriffskrieges gegen den Libanon 2008 kaufte Israel von den US mehr als 100 vergiftete GBU-28 5000 Pfund Bombenmaterial mit abgereichertem Uran (DU). Das Gift  zielt auf menschliche Reproduktiv-Organe und macht sie steril und deformiert sie. Israel ließ über 400 000 Pfund dieses radioaktiven Giftes auf seine Grenze zum Libanon fallen und kontaminierte so das ganze  landwirtschaftlich genützte Gebiet. Die kontaminierten Früchte und das Gemüse aus diesen Gebieten wurden letztlich   in der EU, in Israel, dem Libanon und andern Handelspartnern verkauft und konsumiert. Dies ist ein weiterer Grund, dass Israels Agrarprodukte  boykottiert werden sollten.

Es wurde wissenschaftlich bewiesen, dass der 9/11-Angriff  nuklear  von Israels Mossad  begangen wurde, wie  aus russischen Geheimdienstquellen berichtet wurde, um Islamophobie zu verbreiten, um die US dahin zu bringen, dass Israel einen Stellvertreter-Krieg gegen die muslimischen Länder des Nahen Ostens  wie den Irak, Syrien und den Iran anfängt. Dimitri Khalezov, ein früherer sowjetischer Nuklear-Geheimdienstoffizier bestätigte während eines Brunch-Treffens in Bangkok mit dem Mossad-Chef  Mike Harari und andern israelischen Geheimdienstleuten, dass die Israelis das Verdienst für die Planung und Ausführung  des 9/11-Anschlages für sich in Anspruch nahmen.

Im letzten  Mai nütze Israel den Angriff der Saudis auf den Jemen aus und sandte  zwei seiner F16-Kampfflugzeuge, getarnt als Saudi-arabische Kampfflugzeuge, und ließ Israels experimentelle Neutron-Bomben auf den Jemen fallen.

Der israelische Staat ist der globale freilaufende, nuklear wahnsinnige Hund, der (das wird bestätigt) schon viele Länder heimgesucht hat: Irak, Libanon, Syrien, einschließlich des Landes, das ihn nährt, die US (9/11). Während eines ganzen Jahrzehnts haben Israelis den Iran mit Atombomben bedroht und ihre von Deutschland geschenkten  U-Boote, mit Atombomben ausgerüstet, im Persischen Golf stationiert. Tatsächlich erpresst Israel die Welt mit nuklearer Zerstörung wie der israelische Militärhistoriker van Clefeld prahlt:

„Wir  besitzen mehrere Hundert nuklearer Sprengköpfe und Raketen und können sie auf Ziele in alle Richtungen schicken, vielleicht auch auf Rom. Die meisten europäischen Hauptstädte sind Ziele für unser Militär … Wir haben die Fähigkeit, die Welt mit uns in den Abgrund zu nehmen. Und ich kann versichern, dass dies geschieht, bevor Israel untergeht“.

Diese globale Bedrohung wird von israelischen Funktionären als die  „Samson-Option“ bezeichnet, wie  ausführlich von vielen Schriftstellern wie Seymour Hersh’s „The Samson Option“, Avner Cohens „Israel  and the Bomb“ und „The Worst-kept Secret:  Israel’s Bargain with the Bomb“. Michael Karpins  „Die Bombe im Keller“ u.a.

Das mit Atomwaffen bewaffnete Israel, das den NPT-Vertrag nicht unterzeichnet hat, ist eine globale Bedrohung. Sollte die Welt nicht auf Israel härtere finanzielle und wirtschaftliche Sanktionen, Boykott und politische Isolierung legen als sie  auf den Iran legen, der den NPT unterzeichnet hat und die Atomkraft friedlich nützt ???

http://mwcnews.net/focus/editorial/53079-international-nuclear-hypocrisy.html?utm-source=feedbumer&utm_medium=email&utm_campain=Feed%3A+mwcnews%2Fxrew+%28mwc+News+Alert%29

(dt. Ellen Rohlfs)

Wir haben keine Worte mehr, um die Menge des Leids in Gaza zu teilen - Laura Grant,  27.7.15 The Guardian - Heute kam ich zum ersten Mal  nach dem Krieg von 2014 nach Gaza. Obwohl ich seit  fast einem Jahr als Menschenrechtsaktivistin in den besetzten Gebieten gearbeitet habe, haben die israelischen  Einschränkungen  und eine prekäre Sicherheits-Situation mich daran gehindert, bis jetzt meine Kollegen hier zu besuchen.

Meine Freunde warnten mich, dass ich Schwierigkeiten haben werde, nachts zu schlafen, aber ich fühlte mich so überwältigt, so erschöpft, dass ich sicher war, ich würde zusammenbrechen, sobald ich mich in das Hotelzimmer zurückziehen würde. Es stellte sich heraus, dass sie Recht hatten: mir das Trauma der andern noch einmal vorzustellen, ist ein Gebiet, auf dem sie schon unerwünschte Erfahrungen hatten.

Wie die meisten Palästinenser von Gaza hatte keiner meiner Kollegen den 45km langen  blockierten Gazastreifen seit dem Ende des letzten Krieges vor einem Jahr verlassen. Nachdem sie  diesen brutalen  51-Tage langen Krieg durchlebt und durch-gearbeitet hatten, begannen sie damit, ihr eigenes Leben wieder zusammen zu setzen und das ihrer zerstörten Städte – alles  mit der wohl begründeten Furcht, dass der nächste Krieg  nur eine Frage der Zeit ist.

Wie Menschen dies aushalten, während der Krieg wütete, liegt außerhalb meines Fassungsvermögen. Von der Vernunft her verstehe ich, dass es gezwungenermaßen eine Sache des Überlebens ist, aber die Realität ist so weit von menschlicher Erfahrung  entfernt, dass ich nicht in der Lage bin, es mir vorzustellen. Noch viel weniger kann ich mir vorstellen, woher die Menschen die Kraft finden, mitten im Krieg  zur Arbeit zu kommen und Lebensmittelpakete Notfallausrüstung an die Obdachlosen zu verteilen, während sie sich um die Sicherheit ihrer Familien zu Hause Sorgen machen.

Heute ist der erste Tag, dass meine Kollegen in der Lage sind, zu jemandem, der von außen kommt, über das zu reden, was sie vor einem Jahr durch gemacht haben. Ich bin ihre Verbindung zur Außenwelt; die einzige Person, mit der sie reden können, die sich nicht mit eigenen Schrecken auseinandersetzen muss.

Einer nach dem anderen teilt seine Geschichte mit mir. Ich kenne die Fakten und die Zahlen. Ich habe mich auf schiere Menge von zerstörten Gebäuden vorbereitet, aber auf dies hier war ich nicht vorbereitet. Geschichten von Eltern, die mit den Kindern im Arm ihre Wohnungen verlassen und nicht wissen, wohin sie gehen sollen. Von  andern, die ihre Lieben  verlieren, weil sie nicht zur richtigen medizinischen Behandlung ausreisen konnten. Von einem 28-Jährigen (mein Alter), der sein Leben nach Intifadas und Kriegen aufzeichnen kann. Von einer 31 Jährigen Frau, die von ihrer Familie getrennt, zum 1. Mal in diesem 3. Krieg in sechs Jahren allein ist..

Nachdem ich jedem einzelnen zugehört habe, sage ich ihnen, dass ich keine Worte habe, um ihnen darauf zu antworten. Weil die Leute nicht damit gerechnet haben, solchen Horror durchzustehen. Ihre Dankbarkeit für meinen simplen Akt, Zeugnis abzulegen, ist kaum zu ertragen.

Nachts liege ich  im Bett und frage mich, was ich mit all dem tun soll. Meine übliche Folge von Emotionen – Zorn, Angst, Trauer – passen nicht. Ich fühle mich wie betäubt, treibe zwischen  Bewusstsein und Schlaf hin und her. Selbst die Alpträume, die meine  Psyche als Reaktion auf die heute gehörten Horrorgeschichten produziert, können sich nicht dem nähern, was diese Menschen  durchgemacht haben.

Wir haben keinen emotionalen Sprachschatz oder eine emotionale Antwort, mit diesem menschlichen Leiden fertig zu werden. In den nächsten Tagen spreche ich mit Freunden und mit der Familie zu Hause und versuche, ihnen etwas von dem  mitzuteilen, was ich verstanden habe. Ich spreche mit andern Humanitarians/ Vertretern/ Sozialarbeitern und stelle fest, dass es auch ihnen an Wortschatz und Hilfsmitteln  fehlt.

Wie gehen wir mit der Ungerechtigkeit  um, die solch ein Leiden verursacht?

Diese Erfahrung ist für Sozialarbeiter, die in Palästina arbeiten,  keineswegs ungewöhnlich. Die  Quote von Post-Traumatic Stress und totaler Erschöpfung steht als mächtiger Beweis, dass wir als Gemeinde, keine wirksamen Strategien haben, um mit dieser emotionalen Belastung fertig zu werden.
http://www.theguardian.com/global-development-professionals-network/2015/jul/23/aid-in-gaza

(dt. und stark gekürzt,  E.Rohlfs)

 

Mit dem Iran-Abkommen macht Israel aus einem Festtag einen Trauertag

Gideon Levy, Information Clearing House 16. Juli

 

Ein intelligentes Israel, das nicht gehirn-gewaschen und von Angst erfüllt ist, sollte in dieser Woche glücklich sein. Der Tag, an dem das Abkommen mit dem Iran erreicht wurde, sollte ein Feiertag sein, an dem  die Verhinderung des nächsten Krieges, des schlimmsten von allen, gefeiert werden sollte. Wenn ein Land behauptet, der Bedrohung seines Überlebens gegenüber zu stehen, was sollte es glücklicher machen, als eine Chance, den Krieg zu verhindern?

Aber es stellt sich heraus, dass in Israel allein die Chance, einen Krieg zu verhindern, eine Katastrophe ist – ein weiterer Holocaust. Eine Apokalypse ist verhütet worden, gewiss um ein Jahrzehnt verzögert - und Israel erklärte eine Notlage. Hilfe, es gibt keinen Angriff auf den Iran. Unsre klugen Pläne sind dazu verdammt, im Papierkorb zu landen.

Wie Israel sich danach sehnt, Flugzeuge zu sehen, die in der Dämmerung abheben und bombardieren und bombardieren, wie sie es jahrelang praktiziert haben. Wie Benjamin Netanjahu und seine Medien-Sprachrohre  danach lechzen, dies zu sehen – vor allem amerikanische Bomber, aber auch israelische würden ok sein.

Was für ein berauschendes Bombardieren würde das gewesen sein. Was für einen Empfang würden wir unsern  Jungs bei ihrer Rückkehr von der gewagten Operation über Bushehr gegeben haben! Und was für ein Desaster könnte sich ergeben haben? Aber die Verhütung von all diesem ist in Israel eine Katastrophe.

Die Kollaborateure Isaak Herzog und Yair Lapid sind schon mobilisiert worden. Die israelische Antwort auf das Nuklear-Abkommen mit dem Iran enthüllt, wie die israelische Seele reagiert. Israel ist über Jahre hinaus so schlimm korrumpiert worden, die Leute von so viel einschüchternder Propaganda gehirngewaschen worden, dass jedes Abkommen, dass durch gewaltfreie diplomatische Bemühungen erreicht wird, als rechtswidrig angesehen wird.

Wir sind im Denken so gut trainiert worden, dass Alles mit Gewalt, und zwar nur mit Gewalt getan werden muss, dass wir vergessen haben, dass es noch andere Wege gibt, um etwas zu erreichen. Aber diese Wege gibt es in Israels Wortschatz nicht mehr.

Das geschieht, wenn ein Land mit dem Schwert lebt und  davon überzeugt ist, es gibt keine anderen Möglichkeiten, etwas zu tun. Das geschieht, wenn irgendeiner Gefahr – einer wirklichen oder eingebildeten -  sofort mit Gewalt begegnet wird.

Ein Brigadekommandeur, der einen Steinwerfer zu Tode schießt und ein Israel, das begierig ist, den Iran zu bombardieren, sprechen genau dieselbe Sprache. Wenn diese Sprache die einzige ist, die hier gesprochen wird, und Israel sich weigert, andere anzuhören – geschweige denn versucht, sie zu lernen – dann hat Israel ein Problem. Vielleicht ist dies die Drohung für sein Überleben – in der Geschichte hat kein Land lang überlebt, das nur mit dem Schwert gelebt hat-

Israel, das plötzlich in die Katastrophe fiel, zittert nicht wegen Details des Iran-Abkommen, das wenige gelesen haben. Es handelt in dieser Weise, allein weil das Abkommen erreicht wurde. Jedes Abkommen, selbst wenn Irans Kapitulation vertraglich festgelegt wurde, würde eine ähnliche israelische Antwort haben.

Man versucht zu behaupten, dass Irans Rückkehr in die Familie der Nationen und sein wirtschaftliches Wachstum viel besser sei, als an die Wand gedrückt und isoliert zu werden.

Diese Meinungen werden in Israel als Wahn angesehen. Schließlich ist hier jeder ein Experte, der weiß, dass der Iran  – übrigens anders als Israel – sich über internationale Resolutionen hinwegsetzt und sich nicht an Abkommen hält.

Der Name unseres Spiels ist immer „Verdacht, dass jeder schuldig ist, bis seine Unschuld bewiesen ist“. Wenn wir nichts haben als endlose Verdächtigungen – dann wird die ganze Welt im Geheimen unsere Zerstörung planen und hat nichts weiter, mit dem es sich befasst – dann haben wir mit einer Paranoia/Verfolgungswahn zu tun, und zwar mit einem fortgeschrittenen und alarmierenden Zustand. Frage irgendeinen Rucksacktouristen, der vom Ende der Welt kommt. Man kann wetten: er hat Antisemitismus gesehen.

Die Dinge sind besonders ernst, wenn die Antwort zu einem Chor wird, der keinen anderen Stimmen Raum gibt. Ob es gegen den Iran oder gegen Gaza geht. Es ist ein Lied, das nie endet – Lasst uns sie bombardieren.

(dt. Ellen Rohlfs)

 

Der „schwarze Freitag“ - Gideon Levy, 9.7.15  - Der „schwarze Freitag“ sollte vor allem als solcher angesehen werden, weil  sich die IDF-Soldaten so verrückt wie nie benahmen und Dutzende Unschuldige töteten. Die IDF-Quellen gaben zu diesem Zeitpunkt zu, dass „es die aggressivste Hannibal-Prozedur  war, die die IDF jemals durchführte“; die bezieht sich auf ein Protokoll, als man glaubte, ein IDF-Soldat sei gefangen genommen worden.

Nach palästinensischen Quellen wurden 150 Menschen an jenem  verfluchten Tag getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Die IDF gibt das Töten von 41 zu. Die Soldaten  bombardierten jeden sich bewegenden Wagen  und jedes  Gebäude im Stadtteil Rafah in der am meisten zerstörten Stadt des Gazastreifens. Der 1. August 2014 war tatsächlich ein Tag, der schwärzer als schwarz war.

Jener Tag war auch deshalb schwarz, weil es der Tag war, an dem drei IDF Soldaten Maj. Benaya Sarel, Stabsunteroffizier Liel Gidoni und  Leutnant Hadar Goldin getötet wurden.  Der Herausgeber  der israelischen Medien für Militär- und Sicherheitsangelegenheiten, der IDF-Sprecher  Brigadegeneral Moti Almoz entschied, dass ihr Tod das Herzstück des ersten Jahrestages des Krieges sein würde. Und wenn der Armeesprecher entscheidet, wer würde es wagen, nicht zu gehorchen?

IDF-Video-Clips von sentimentaler und militärischer Bedeutung, aber ohne  Relevanz zu aktuellen Ereignissen, wurden an Redaktionen geschickt – und die Medien haben wie gewöhnlich treu nachgegeben. Der Artikel eröffnete die Hauptnachrichten und aktuellen Tagesschauen und stellte die  Hauptschlagzeile in einem täglichen Massenblatt dar. Die Botschaft war grob vereinfachend und klar: Die Operation Protective Edge (Krieg im Sommer 2014) war noch immer ein heroischer Krieg. Gut gemacht!/ weiter so IDF! ( und ihr Sprecher).

Drei in der Schlacht getötete Soldaten sind natürlich für deren Familien eine schreckliche Tragödie. Sie sind es auch wert, zu einem nationalen  Mythos von Heldentum und Opfer gemacht zu werden – wie in jedem Krieg. Es ist auch natürlich, dass eine Nation zuerst um ihre Söhne und Kämpfer trauert.

Was allerdings nicht toleriert werden kann, was unerträglich und monströs ist, ist die vollständige und hartherzige Nichtbeachtung  der Morde an Dutzenden palästinensischer Zivilisten an jenem Tag und jedem folgenden Tag des Krieges.

Diese Todesfälle werden in den israelischen Medien, die sich mit der Sache befassen,  vollständig verschwiegen. Sie wurden nicht während des Krieges  und nicht im vergangenen Jahr erwähnt . Jeder, der fernsieht, dem Radio lauscht oder die Zeitung liest, hat den Eindruck, dass am „schwarzen Freitag“ drei Soldaten getötet wurden und das war es denn auch. Nichts anderes geschah an diesem Tag, sicherlich nichts Bedeutendes, Wesentliches oder  sogar Nennenswertes.

So arbeiten die Medien im Dienst der Gehirnwäsche; so arbeitet das System der Entmenschlichung, vielleicht das effizienteste System hier. Drei Soldaten getötet – ein nationales Ereignis; 150 getötete Palästinenser  - das ist keine Geschichte. Ihr Leben und Tod sind nichts. Leere Luft.

Dies ist auch die Vorbereitung  für die Herzen und den Verstand – falls so etwas  nötig ist – für die neue Doktrin der IDF, die im letzten Krieg erfüllt wurde: Für das Leben eines israelischen Soldaten kann die IDF alles tun.  Hundert  Palästinenser tot oder tausend, vielleicht zehntausend -  fragt den Autor des  aktualisierten ethischen Code der IDF, die Medienpersönlichkeit Avri Gilad.

Hannibals  Yahrzeit , die in dieser Woche begangen wurde, ist auch  der Jahrestag der neuen israelischen Moral – nicht dass sie sich sehr von der vorausgegangenen unterscheidet. Aber nun ist es offiziell:  erlaubt ist, was gefällt.

Das Leben von Palästinensern ist sogar weniger als wertlos. Das entsetzliche Zahlenverhältnis der Operation Protective Edge – 2104 getötete Palästinenser  gegenüber 72 Israelis; 1462  getötete palästinensische Zivilisten gegen  5 Israelis; 552 getötete palästinensische  Kinder  gegen ein israelisches Kind – sind nicht nur legitim, es ist sogar wünschenswert (alles zusammen:  wünscht man vielleicht, dass mehr Israelis getötet werden?)

Dies war also der „schwarze Freitag“. Der Tag, an dem sich Israel schließlich vom Rest seiner Humanität trennte. Der Tag, an dem Israel sich nur an seine drei Söhne erinnerte und aus seinem Bewusstsein die Dutzenden seiner unschuldigen Opfer vollkommen tilgt, wie hoch auch ihre Zahl, was ihre Geschichte und ihr Schicksal ist. - (dt. Ellen Rohlfs) >>>

Die palästinensischen Tragödien machen Israels Verlust an Moral deutlich. -  Dan Goldberg, 10.7. 15   - 

Vielleicht seufzt man. Vielleicht. Aber wahrscheinlich schreckt man nicht einmal zurück. Höchstwahrscheinlich erscheint es nicht im TV. Schließlich war es nur die Nachricht, dass ein Soldat der IDF nur noch einen Palästinenser getötet hat. Mohammed al Kasbeh  wurde letzten Freitagmorgen in der Nähe des Qalandia-Checkpoint  in den Kopf und Rücken geschossen. Das ist für die meisten Leute  nur noch eine Sache der Statistik. Aber nicht für mich.

Auch wenn ich Mohammed nie persönlich gekannt hatte, so ist sein Bruder Thaer mein Freund. Er ist ein sehr wichtiger Kerl, er war während der letzten 5 Monate der Kit-Mann (?) für die palästinensische Fußballmannschaft, mit der ich im April einen Dokumentarbericht  für die australische Rundfunk-Gesellschaft drehte.  Die vom Krieg zerrüttete Mannschaft trotzte allen Widrigkeiten – ganz zu schweigen von der Besatzung – und qualifizierte sich für die Endrunde  beim  Asian Cup - , das im Januar in Australien  gespielt wurde , also in einem Land, das Palästina noch nicht offiziell  anerkannt hat.

Ich filmte ein paar Mitglieder der Mannschaft, einschließlich ihren Medien-Offizier, einen der wenigen Palästinenser, der Englisch sprach. Gewöhnlich konnte man ihn  mit Thaer Zigaretten rauchend  finden. Er war allen als Abu Yasser bekannt. Es war während der Filmaufnahmen am Sidney-Hafen an einem leuchtenden Sommertag im Januar, als Abu Yasser mir erzählte, dass zwei seiner jüngeren Brüder, Yasser und Samer, beides Teenagers , 2001 und 2002 von IDF-Kugeln getötet wurden  - nur 40 Tage auseinander.

Einer starb während der Belagerung von Arafats Compound in Ramallah;  der andere bei Zusammenstößen von Stein werfenden palästinensischen Kindern und  schießwütigen Soldaten am Qalandia-Kontrollpunkt. Als wir über den Hafen fuhren, zeigte mir Abu Yasser Fotos von seinen beiden Söhnen – und erzählte mir, dass er sie nach seinen beiden gefallenen Brüdern genannt  hat, Yasser und Samer. Das erklärt auch, warum er „Abu Yasser“ genannt wurde. Es erklärt auch die Melancholie in seinem Gesicht – die Trauer ist auch noch nach Jahren der Beerdigung seiner jüngeren Brüder sichtbar. 

Ein paar Tage später in Canberra erzählt er mir, dass die Zwei-Staaten-Lösung keine  Lösung wäre. Er wünscht sich, nach Hause zu gehen, dorthin, wo seine Familie ihr Haus in einem Dorf nahe Lod hat. Er könne nicht akzeptieren, dass während mein israelischer Kameramann und ich nach Ramallah kommen könnten, er aber im Flüchtlingslager Qalandia gefangen sei und nicht einmal das Recht habe, zur Al-Aksa-Moschee zu gehen.

In der letzten Woche brachten Abu Yasser und sein Bruder es fertig, den Apartheidwall zu überwinden und wegen Ramadan die Al-Aksa-Moschee zu erreichen. Mohammed wollte dies anscheinend am letzten Freitag noch einmal. Er schaffte es nicht. Warum Abu Yassers 17jähriger Bruder  nahe Qalandia  von dem Kommandeur der Benjamin-Brigade Yisrael Shomer erschossen und  getötet wurde, bleibt strittig.

Einige israelische Medien berichteten, er hätte Steine gegen ein Militärjeep geworfen, als er niedergeschossen wurde; einige palästinensische Medien berichten,  er wäre von dort geflohen, als er erschossen wurde. Israelische Funktionäre verteidigten das Töten als „Selbstverteidigung“; die IDF verbreitete ein Foto von Shomers Jeep mit zersplitterter Windschutzscheibe als Beweis und wies auf die Tatsache hin, dass er vorher Warnschüsse abgegeben hätte.

„ Genau so sollte ein Kommandeur der IDF handeln,“ prahlte Naftali Bennett auf Facebook. „ Das Volk von Israel steht hinter dir!“ Der Vertreter des Verteidigungsminister Eli Ben Dahan plärrte in Solidarität: „ Steine-werfen ist Terrorismus. Steine töten. Der Kommandeur der Benyamin-Brigade hat in Selbst-Verteidigung gehandelt.“

Aber wenn du – wie ich- am Qalandia-Kontrollpunkt gestanden hättest und Zeuge der von Menschen gemachten Hölle gewesen (und von Tränengas getroffen worden) wärst  dann bringe ich respektvoll vor, dass du – wie ich – wahrscheinlich  beschließt, auch Steine zu werfen. Ehud Barak hat einmal zugegeben, wenn er als Palästinenser geboren worden wäre, dann würde er zur selben Schlussfolgerung kommen.

Genau, die Palästinenser können für dieses Chaos nicht verantwortlich gemacht werden: Steine-werfen oder Kinder, die über die Mauer klettern, sind auch nicht schuldlos -  Mohammed war vorher bei Zusammenstößen mit der IDF verletzt worden. Aber wir ( Israelis) sind so besessen davon, ihnen die Schuld zu geben, und so von der Richtigkeit unserer Sache überzeugt, dass wir keinen Knacks sehen, wenn wir in den Spiegel schauen.

Und dann gibt es noch die Hybris unserer Hasbarah (Propaganda). Wir posaunen immer noch, die IDF als die „moralischste Armee der Welt“. Vielleicht waren wir einmal in der Lage ernsthaft zu sagen, dass wir unsere Moral in Ehren hielten, selbst im Nebel des Krieges. Nun scheinen wir, unsere Moral auf dem Altar der Sicherheit geopfert zu haben.

Die Folge davon ist, dass wir jetzt weder Frieden noch Sicherheit haben; stattdessen haben wir eine nicht endende Besatzung, deren Geschichte weder auf schwarz noch auf weiß geschrieben wird, sondern auf rot – rotes Blut.

Abu Yasser hat drei seiner Brüder beerdigt. Seine Tragödie ist herz-zerbrechend;  die unsrige ist, dass wir langsam unsere Humanität verlieren. Am schlimmsten ist, dass die meisten von uns unfähig – oder nicht bereit – scheinen, dies zuzugeben.

Dan Goldberg lebt in Australien; er hat als dokumentarischer Regisseur schon  Preise gewonnen. Er ist der australischer Korrespondent von Haaretz, die Jewish Telegraphic Agency und die Jewish Chronicle

(dt. Ellen Rohlfs)

Die Fischer von Gaza
Independent , 4.7. 15

Die Hafenmauern sind mit Schuttsteinen der von Israels Bombardements zerstörten Gebäude geflickt worden. Palästinensische Flaggen  flattern im Wind. Die Fischer bereiten sich auf ihre nächste Fahrt aufs Meer vor.

Der kleine Fischerhafen, in dem nun viele  Schiffe  liegen und nichts  tun, war in dieser Woche das Ziel  einer humanitären  Flotilla, die hoffte, an israelischen Kriegsschiffen vorbei  in die Küsten-Enklave fahren zu können .Statt den Plan, die achtjährige Blockade  des Gazastreifens zu brechen , wurde dies  von einem Akt der Staats-Piraterie in internationalen Gewässern des Mittelmeers vereitelt.

Die Flotilla Marianne mit 20 Passagieren an Bord wurde „ friedlich“ von israelischem Kommando gekapert. Gazaner Fischerboote, die über die 6Meilen Zone zum Fischen fahren, werden nicht so freundlich empfangen. Sie werden beschossen, ihre Netze zerstört.

Israel verbietet Gaza, abgesehen von dem kleinen Fischerhafen, einen Hafen und einen Flughafen.  Der Fischmarkt ist ein Trümmerhaufen. Gazas Fischer dürfen nicht weiter als 6 Meilen von der Küste entfernt segeln. Sie sagen, dass Trawlers so nicht in der Lage sind, ihre Netze auszuwerfen, weil das tiefere Wasser weiter weg ist.

Einer der Fischer ist Zyad. Sein Boot, eines der kleineren im Hafen ist blau. Ziad flickt seine grünen Netze. Das Fischen liegt dem 47Jährigen im Blut. Sein Vater und Großvater fischten hier schon Sardinen. Sie machten gute Fischfänge. Inzwischen sind 60-70 Schiffe von Gazas Fischerflotte  bei Israels Bombenangriffen zerstört worden. Hinter dem Hafen ist der Strand, wo vier palästinensische Kinder zwischen 9 und 11 Jahren im letzten Sommer( 2014) getötet wurden.

Diejenigen, die nicht von diesem maroden Hafen raus aufs Meer können, sitzen in den Trümmern des Fischmarktes und reparieren  die Netze für andere  - gegen einen kleinen Lohn.

„Seit ich zehn Jahre alt war, habe ich gefischt,“ sagt Zyad. Die Situation ist schrecklich. Vor der 1. Intifada war es gut. Wir konnten hinausfahren bis über 20 Seemeilen weit. Seitdem haben die Israelis das Gebiet, in dem wir fischen können  immer weiter reduziert. Wir kämpfen darum, etwas zu fangen. Aber wir können kaum  die Kosten für den Treibstoff aufbringen.

Er sagt noch: „Manchmal verlieren die Fischer die Kontrolle über ihre Netze und sie  geraten über die 6Seemeilengrenze. Dann werden sie zerstört. Einige sind ganz verzweifelt, um etwas zu fangen, und versuchen, in tieferes Wasser zukommen. Die Israelis schießen dann auf sie. Auch ich bin angeschossen worden. Wir alle wurden schon angeschossen. Wir sind alle verzweifelt. 2005 wurde ich mit meinem Sohn verhaftet. Sie ließen mich mit meinem Boot frei – das ist ungewöhnlich. Sie sagten mir, es sei ihr Fehler gewesen; ich hätte die 6Meilen Grenze nicht überfahren. Sie hätten mir sonst nicht das Boot zurückgegeben.

Ein anderer Fischer sagt, sie hätten schon den Befehl bekommen, sich auszuziehen  und zum israelischen Schiff zu schwimmen, bevor ihnen ihr Boot genommen wurde..

Israel sagt, die Gazaküste  und die Schiffe könnten  zum Schmuggeln  von Waffen und Raketen  benützt werden. Aber davon  war nicht die Rede, während Zyad seine Netze flickte. „Ein Fischer in Gaza ist wie ein Fisch im Wasser. Es liegt mir einfach im Blut. Es ist das einzige, was ich kann. . Ich kenne Leute, die aufgegeben haben. Aber ich will nicht aufgeben. .

Er sagt, er müsse ein neues Boot kaufen, nachdem sein letztes von der israelischen Marine 2014 zerstört wurde. Aber es kostet 20 000 Schekel.  Das neue Boot ist schon sehr abgenützt. Gestern  erarbeiteten wir für unsern Fang 500 Schekel, der Treibstoff kostete aber allein schon 700,“ sagte er. „Es scheint sinnlos zu sein, dorthin zu gehen. Das Meer ist leer.  Wie müssten wenigstens  9 Seemeilen hinausfahren können, um etwas zu fangen. Es gibt zu viele Leute hier, die etwas fangen wollen. Ich möchte Israel bitten, das Meer für uns zu öffnen. Wir wollen den Zugang zu tieferem Wasser. Es ist unser Recht.

(dt. und geringfügig gekürzt: Ellen Rohlfs) 

Palästinensische Kinder  werden ohne Warnung verhaftet - Jan Marlowe, 2.juli  2015 - Im letzten Jahr wurden 1560 palästinensische  Kinder verhaftet und viele waren in Isolierhaft.

Yazan Al-Jundi, ein schlanker 16Jähriger Palästinenser aus der Altstadt Jerusalem, liebt, im Facebook  zu quatschen und spielt gern Fußball. In vielfacher Weise ein typischer Teenager. Für sein Alter ist er auch besonders aufmerksam. Im vergangenen Jahr wurde er dreimal von israelischen Sicherheitskräften verhaftet.

Al-Jundi ist einer von mindestens 700 palästinensischen Minderjährigen, die nach UNICEF-Büro 2014  in Jerusalem verhaftet  wurden.  (In der Westbank 860 in derselben Zeit).

Al-Jundi wurde das erste Mal im letzten Juni verhaftet, als er die Al-Aqsa-Moschee nach dem Nachmittagsgebet in der Altstadt verließ. Er und 5 Freunde wurden gezwungen, zwei Stunden lang in der Sonne zu stehen, bevor sie  auf eine Polizeistation gebracht wurden. Sie wurden an Händen und Füßen gefesselt und einzeln verhört. Ich wurde von einer Drusin verhört. Sie versuchte, mich dahin zu bringen, dass ich eingestehe, Steine geworfen zu haben. Sie schrie mich an, aber ich gab nicht nach. Also drohte sie damit, mich zu einem hochrangigen Offizier zu bringen, dass er mich schlägt.

Um 1 Uhr nachts wurde Al-Jundi  auf die Polizeistation im Jerusalemer Russian Compound gebracht, musste sich dort nackt ausziehen. Nachdem er sich wieder anziehen durfte, wurde er in eine schmutzige  Zelle mit drei andern gesteckt. „Die Decken stanken entsetzlich“ sagte er.

Al-Jundi wurde  ohne Anklage entlassen; man verbot ihm aber, 15 Tage  nicht die Al-Aqsa-Moschee zu besuchen.

Palästinensische Kinder in Jerusalem fallen unter das israelische Zivilgesetz und sind eigentlich durch Israels Jugendgesetz geschützt, das dafür ist, dass das Wohlergehen der Minderjährigen gewährleiste ist. Zivile Rechtsorganisationen jedoch  behaupten, dass das Gesetz oft diskriminierend angewendet wird, „Im Jugendgesetz gibt es  vermutlich allgemeine Normen mit in extremen Fällen gewissen Ausnahmen“, sagt Farah Bayadsi, ein Anwalt für Addameer, einer Organisation, die sich um Gefangene kümmert. „ Aber mit palästinensischen Minderjährigen werden die Ausnahmen zur Norm.“

Das Jugendgesetz sagt z.B., dass Eltern während des Verhörs ihrer Kinder anwesend sein sollen. Doch nach der Gesellschaft für Zivile Rechte in Israel wird  palästinensischen Eltern routinemäßig der Zugang verwehrt. Außerdem  werden  israelische Minderjährige zum Verhör zur Polizeistation bestellt, während palästinensische Kinder in Jerusalem oft ohne Warnung manchmal in ihren Wohnungen mitten in der Nacht geholt werden. Nach Daten, die von  Defence for Children International (DCIP) 2014 gesammelt wurden, geschehen in Jerusalem nächtliche Verhaftungen in 30% der Fälle.

Die  Statistik von DCIP zeigt, dass die Kindern selten über ihre Rechte  beraten wurden. Bei 94,4% der WB-Fälle war kein Anwalt  dabei. Die israelischen Kinder von einer Siedlung oder aus Israel und Jerusalem selbst fallen unter das israelische zivile Gesetzsystem und  haben deshalb einen völlig anderen Prozess als palästinensische Kinder in der West Bank.

In Haft genommen

In einer Nacht im letzten Februar gegen 3 Uhr betraten 10  mit Sturmkappen bekleidete Soldaten  die WB-Wohnung des 17Jähigen Abdurrahman An Najjar. Er sagte, dass einer der Soldaten ihn ergriff, ihn ins Gesicht schlug und gegen die Wand stieß. Sie fesselten ihn, verbanden ihm die Augen und führten ihn zu einem Jeep, ohne ihn zu informieren, warum er verhaftet wurde und wo sie ihn hinbrachten….

Im letzten Juli wurde der 16jährige Thabet Edaily in seinem Dorf bei Nablus von lauten Schlägen  an der Haustür wach. Er wurde aus dem Haus geführt, die Hände wurden schmerzvoll  mit Plastikfesseln gebunden und die Augen verbunden. Ein Militärjeep brachte ihn in ein Verhörzentrum. Er  musste sich bis auf die Unterwäsche ausziehen. Sie befahlen mir viele Male aufzustehen und mich hinzusetzen. Sie hatten ihren Spaß daran.

 Edailys  Verhörbeamter, mit Namen Jackson, ließ den Jungen auf einem niedrigen Metallstuhl stundenlang sitzen , die Hände hinten am Stuhl und die Füße an die Stuhlbeine gefesselt „Es war sehr schmerzhaft, so zu sitzen“ sagte Edaily, der mehrmals so sitzen musste.

25 Tage lang allein in einer kleinen, fensterlosen  Zelle. Einmal  trat er mit einem andern Gefängniswärter in seine Zelle, fesselten ihn an Händen und Füßen, legten ihn auf den Boden  und schlugen ihn brutal.  ….

„Sie versuchen, uns Angst einzuflößen, damit wir unser Heimatland nicht verteidigen, wenn wir groß sind“, sagte  Edaily.

Karakashian sagt: es geht um die Kontrolle:  „Das israelische Militär kontrolliert die Bevölkerung von Tausenden, und brauchen so kaum Hunderte von Soldaten. Man kann nicht jeden verhaften, also verhaftet man die, die ein leichtes Ziel sind, die Verletzlichsten, die Kinder – und  die andern richten sich danach.“

„Wenn man auf das System schaut, so ist es  extrem misshandelnd,“  sagt Karakashian.

Al Jundis zweite Verhaftung war am 23. September, als  eine Sondereinheit von Soldaten  ihn außerhalb der Schule in Jerusalem packte. Dieses Mal  wurde es Al-Jundis Vater Sami erlaubt, beim Verhör Zeuge zu sein. Der Verhörende wollte, dass Yazan sagt, er hätte Steine aus dem Fenster des Klassenzimmers geworfen. Sami sagte: „Ich sagte dem Offizier, Sie wollen ja nur, dass er sich zu etwas bekennt, das er nicht getan hat. Dieser reagierte mit: Sie stören nur das Verhör und warf mich hinaus.“ Al-Jundi wurde ohne konkrete Anklage entlassen d.h. mit 5 Tage Hausarrest.

Ein paar Wochen später wurde A-Jundi von Soldaten, die vor seinem Haus standen, wieder verhaftet. Der Verhörende wollte Informationen über Klassenkameraden und seine Cousins hören.

„Die dritte Haft war wirklich schrecklich“, erinnerte sich seine Mutter. Nachdem ihr Sohn  zur Polizeistation gebracht worden war, kamen sieben Geheimpolizisten und durchsuchten die Wohnung. Als sie die Wohnung verließen, fing ich an zu weinen … Ich hatte Angst, dass man ihn ins Gefängnissteckt …

Vier Tage hinter einander wurde ich vor Gericht gebracht. Nach fünf Tagen wurde er schuldlos entlassen. Sein Gesicht war eingefallen und verhärmt. Er begrüßte seine Mutter: „Ich hab dich so ermisst“ 

Dies war vor acht Monaten. Die Unsicherheit besteht weiter „Sie können mich jeden Moment wieder mitnehmen,“ sagt Al-Jundi  …..  (Dt. und stark gekürzt: Ellen  Rohlfs)
http://america.aljazeera.com/articles/2015/7/2/youth-arrests-among-palestinians.html 

Neve Shalom: die Höhen und Tiefen  überleben: Israels erste arabisch-jüdische Schule wird 30

Sama Salaime , +972 - Seit drei Jahrzehnten  hat die Schule in Neve Shalom/Wahat al-Salam unsere Kinder  gelehrt, wie man mit einer zusammenhaltenden nationalen und humanen Identität erwachsen wird und  zwar ohne Angst vor einander. Heute jedoch sieht die Zukunft so unsicher/ ungewiss wie immer aus.

Auf einem Hügel bei Latrun liegt das Dorf, das wir auswählten, um eine kleine Familie zu gründen. Es liegt zwischen Tel Aviv und Jerusalem.

Vor ein paar Wochen gab es hier ein wunderschönes Fest: das 30jährige Bestehen der Dorfschule.  Wir alle, Eltern und Kinder feierten im Schulhof, um diese enorme Leistung zu ehren: die erste dieser Art, nämlich eine bi-nationale und zweisprachige Schule. Es waren auch  Mitglieder der Gründergeneration unter uns, diejenigen, die als erste Araber und Juden in einem Klassenzimmer vereinten. Diese ersten Klassen hatten zwei Lehrer, Abed und Eti, ein Araber und eine Jüdin.

Damals gab es keinen Zeitplan, kein Kurrikulum  oder ein pädagogische s Leitbild. Genehmigungen waren nicht nötig, auch keine extra Überwachung, nur zwei tapfere Lehrer und die Dorfbewohner, die aus mehreren Familien bestand, die sich entschlossen hatten, die Reise des Lebens gemeinsam anzutreten. Sie waren von ihrer Gutherzigkeit und Gleichheit überzeugt, dass sie gute Nachbarn sein würden, auch wenn sie zwei Sprachen sprechen, und dass sie mit einander über alles reden könnten. Was den Rest betrifft, so hatten sie keine Ahnung, was geschehen wird…Jedes Problem hat eine Lösung und jene, die beabsichtigten zu lehren, wie man Frieden erreichen kann, wissen, dass es keine Abkürzung gibt. Sie müssen nur mit einander leben.

Vor 30 Jahren berichtete die HaMishmar-Zeitung, dass die erste arabisch-jüdische Schule in der Welt in Neve Shalom  eröffnet würde und zwar auf Land, das seinen Gründern vom nahe gelegenen Kloster Latrun gegeben wurde. Dieses Land gehörte nicht  einem enteigneten zerstörten arabischen Dorf. Es war auch kein Staatsland mit einer schmerzlichen Geschichte. Vielmehr war es ein Stück Land, frei von Ungerechtigkeit und Schuld. Und darauf bauten wir einen Raum nach dem anderen auf Hoffnung.

 Nach Lust und Laune des Bildungsministeriums

Heute hat die Schule, die mitten im Dorf liegt, fast 180 Schüler, vom Kindergarten bis zur 7. Klasse. Während des Unterrichts ist die Hauptstraße des Dorfes für den Verkehr gesperrt, damit die Kinder sich ohne Gefahr frei bewegen können.  Vorkurzem drückte einer meiner Freunde sein Erstaunen aus, wie seltsam es doch sei, dass die Hauptstraße 8 Stunden pro Tag gesperrt sei. Da wurde mir klar, welche Priorität die Schule im Dorf hat.

Die  meisten Schüler kommen aus den umliegenden Orten wie Abu Gosh, Ein Rafa, Beit Nekofa, Jerusalem, Kibbuz Gezer, Modiin, Ramla, Lod u.a.  Der Transport  stellt ein kompliziertes  Budget und eine logistische Herausforderung dar. Zuweilen geht es über die finanziellen Möglichkeiten einer Familie; dann müssen die Kinder die Schule  wechseln. Leider haben israelische Bürger nicht das Recht der Auswahl, wo ihre Kinder zur Schule gehen.

Drei Jahrzehnte unermüdlicher pädagogischer Praxis fassen auch die Geschichte des arabisch-jüdischen Konfliktes  in der Fotoausstellung der Schule zusammen, um zu verstehen , was sich außerhalb zugetragen hat, doch auch in die Schule hinein sickert. Die politische Situation geht nicht an uns vorüber. Die Schüler hören die Flugzeuge, die nach Gaza fliegen. Die letzten 30 Jahre haben zwei Intifadas gesehen, die Oslo-Abkommen, einen Besuch von Präsident Clinton … Angriffe und viele  Höhen und Tiefen.

Es gab Zeiten, in denen die Regierung uns anerkannt und finanziell unterstützt hat und Zeiten in denen wir mit dem Bildungsministerium nichts zu tun haben wollten. Die frühere Ministerin  Limor Livnat zwang uns einen Direktor auf, der überhaupt  nicht an Frieden interessiert war und der uns ohne Geld ließ.

Es gab gute und auch dunkle Tage. Manchmal sprachen wir von  ideologisch und politisch motivierten Morden, wie den von Rabin  oder Arafat und Naji Al-Ali, dem berühmten palästinensischen Karikaturisten….

Was tun wir am Gedächtnistag?

In einem Land, wo Israelis und Palästinenser zusammen leben und arbeiten und sich auf dem Supermarkt treffen  - aber zusammen erzogen werden, wird als verboten angesehen. Selbst heute  sind die Beziehungen unsicher.

Wenn jeder außerhalb (unsres Dorfes)  über Frieden redet, werden wir als  populär und klug angesehen und das Bildungsministerium schickt freundliche Leute, um  Fotos von uns  unter dem Friedensbogen zu machen. Wenn Frieden  aus der Mode kommt und dasselbe Bildungsmodell Frieden, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit betont, wird die „Demokratie  beiseitegeschoben zugunsten des jüdischen Erbes und des Zionismus“ …

Wie begehen wir die nationalen Feiertage: den Tag der Unabhängigkeit und der Nakba, den „Tag des Bodens“ und den Volkstrauertag (Holocausttag). Man wird erstaunt sein, dass  es selbst auf diesem Feld verschiedene Trends gibt. Während dieser schwierigen Tage gibt es mehrere Gruppen.

Ich habe während der Jahre erfahren, dass wir auch schon mehr wagten. Das waren die Zeiten, als unsere Kinder zu Demonstrationen gingen  und mit ihren Eltern offen gegen den Krieg demonstrierten. Wir riefen nach einem Ende der Besatzung und nach einem Friedensabkommen …

Die jetzige Aufgabe ist, die militärischen Operationen, Kriege und Manifestationen von Hass und Rassismus zu überleben. Es ist eine schwierige Aufgabe  unter dieser Regierung, die alles tut, was sie kann , um zu enteignen, zu kolonisieren und zu trennen – und zu herrschen; und Millionen von  Palästinensern  zu verbittern und sie im Namen des jüdischen Staates  und seiner Sicherheit zu kontrollieren. Wir sprechen nicht mehr über den Friedensprozess, der  miserabel und desolat ist. Es scheint, dass die Botschaft des Friedens, der Gerechtigkeit und Gleichheit unter Menschen bald als antisemitisch denunziert wird, geschweige denn  als Hetze gegen den Staat selbst.

Habt Erbarmen mit unsern Kindern

Eti Edlund, unsere Gründungslehrerin,  jetzt quasi die  Oma der Schüler  von heute, ist allein, nachdem ihr Mitgründer  Abed Islam vor ein paar Jahren  verstorben ist. „Wir trafen  viele Leute auf unsrer pädagogischen Reise: Akademiker , die  ein Licht von unsrer Institution ausgehen sahen und  andere , die in uns eine Generation von  Sündern sah, die  - Gott behüte  - ihre Kinder unter einander heiraten lassen würden… Wir trafen  sog. Experten, die glaubten, wenn in zwei Sprachen gleichzeitig gelehrt würde, dann würde das den Kindern in ihrer Entwicklung schaden.  … Die Ziele, die wir uns setzten, waren klar und konkret:  die beiden Kulturen zusammenbringen, beide Sprachen lehren und eine Schule schaffen, in der die Schüler mit Freude lernen.

 Während der Feier traf ich eine  Mutter aus Abu Gosh, eine frühere Schülerin der Schule, deren Sohn jetzt in der 3. Klasse ist. Mit Tränen in den Augen ging sie durch die Foto-Ausstellung und erzählte ihrem Sohn, wie viel Liebe, Wärme und Freude sie in der Schule erlebt hat und wie sehr sie wünscht, die Schule würde nach der 7. Klasse mit der Oberstufe weitergehen ….

http://972mag.com/surviving-the-ups-and-downs-israels-first-arab-jewish-school-turn

(dt. und gekürzt: Ellen Rohlfs)

Hassan Diabs kafkaesker Alptraum

Seit sieben Monaten sitzt der Kanadier Hassan Diab in Untersuchungshaft in Frankreich, wo er wegen der angeblichen Beteiligung an einem tӧdlichen Anschlag auf eine Synagoge vor 35 Jahren vor Gericht gestellt werden soll. Die kanadische Regierung hatte der Auslieferung des in Ottawa wohnhaften Soziologieprofessors zugestimmt, obwohl die Behӧrden in Paris nur dubiose Beweise für ihre schwerwiegenden Anklagen vorlegten. Herr Diab sagte von Anfang an, dass er das Opfer einer Verwechslung sei.

Die Bombe wurde vermutlich von einem Mitglied der Volksfront für die Befreiung Palӓstinas in der Satteltasche eines vor der Pariser Synagoge geparkten Motorrades gelegt. Auf der Basis von Finger- und Handabdrücken, einer Unterschrift des mutmasslichen Bombenlegers auf einem Hotelformular und Informationen eines ungenannten Geheimdienstes hat die franzӧsische Staatsanwaltschaft den Professor an der Carleton Universitӓt in Kanadas Hauptstadt  als mӧglichen Attentӓter identifiziert. Hassan Diab kӓmpfte sechs Jahre vor den kanadischen Gerichten gegen seine Auslieferung nach Frankreich, wo er als angeklagter Terrorist nach Meinung seines Rechtsanwaltes kein faires Verfahren erwarten kann. Der vorsitzende Richter des Berufungsgerichtes, Robert Maranger,  betonte bei seiner Entscheidung für die Auslieferung von Herrn Diab, dass die von Frankreich vorgelegten Beweise vor einem kanadischen Gericht nicht zu einem Schuldspruch führen würden. In anderen Worten: Kanadas Gesetze zur Auslieferung entsprechen nicht dem Standard der kanadischen Gesetzgebung in anderen Bereichen. In den vergangenen 15 Jahren haben die Richter in Kanada jӓhrlich jedes Jahr etwa 100 Auslieferungen beurteilt und nur sechs Antrӓge zurückgewiesen.  Übrigens liefert Frankreich seine Staatsbürger nicht an Kanada aus.

Hassan Diab wiederholte vor Gericht,  dass er am Tag des Anschlages nicht in Frankreich war, nie Mitglied in einer palӓstinensischen Organisation war und das Opfer einer Verwechslung sei – Hassan Diabs kommen im Libanon hӓufiger vor als die John Smiths im englischsprachigen Teil der Welt.

Nach seiner Ankunft in Paris im November 2014 wurde Hassan Diab in Untersuchungshaft genommen. Eine Freilassung auf Kaution wurde bisher abgelehnt, obwohl Herr Diab sechs Jahre lang die von einem kanadischen Gericht auferlegten Kautionsbedigungen gewissenhaft befolgte. Die franzӧsische Staatsanwaltschaft hat jetzt zwei Jahre Zeit, um die jahrzehntelange Suche nach dem Bombenleger fortzusetzen, bevor die Verantwortlichen eine Entscheidung fӓllen, ob Herr Diab vor Gericht gestellt wird.

Die Untersuchung des Bombenanschlages in Paris machte jahrzehntelang keine Fortschritte und wurde erst 1999 wiedererӧffnet, nachdem – wie einige Beobachter spekulieren-  in Stasiakten Informationen über die Attentӓter gefunden wurden.

Die franzӧsische Staatsanwaltschaft wurde erst 2006 aktiv, nachdem Marc Trevidic die Leitung übernahm. Der neue franzӧsische Staatsanwalt war ein prominenter Mitstreiter im sogenannten Krieg gegen den Terror. Auf seine Initiative beantragte Paris 2008 die Auslieferung von Hassan Diab.

Am 13. November 2008 wurde der Universitӓtsprofessor von einer Spezialeinheit der kanadischen Polizei in seiner Wohnung in Ottawa festgenommen. Nach eigenen Angaben überlebte er die folgenden 140 Tage in Untersuchungshaft, weil er einen lebanesischen Mitgefangenen mit Beziehungen um Schutz bat. Nachdem er Mithӓftlingen beim Ausfüllen ihrer Gerichtsformulare half, erhielt er den Spitznamen “der Professor”. Fünf Monate später konnte er nach Hinterlegung einer Kaution von 250 000 Dollar das Gefӓngnis verlassen und lebte die nӓchsten sechs Jahre unter strengen Auflagen. Er stand unter Hausarrest, konnte nicht mehr unterrichten und bezahlte monatlich 2000 Dollar aus eigener Tasche für einen GPS-Tracker am Bein.

Im Verlauf der Anfechtung der Auslieferung vor den Gerichten in der kanadischen Provinz Ontario wurden die von Frankreich vorgelegten Beweise mehrmals als unzureichend entlarvt. Die physische Beschreibung des Verdӓchtigen, die Finger- und Handabdrücke und die Handschrift passen nicht auf Hassan Diab. Die franzӧsische Polizei fand fünf in Druckschrift geschriebene Wӧrter, die vom angeblichen Attentӓter in das Gӓstebuch eines Pariser Hotels geschrieben wurden. Franzӧsische Handschriftexperten verglichen dieses Material mit den in Schreibschrift ausgefüllten Formularen für Diabs Doktorarbeit an der amerikanischen Universitӓt Syracuse im Bundesstaat New York. Die Experten kamen zur Schlussfolgerung, dass die Handschriftbeispiele von der gleichen Person geschrieben wurden. Diabs Verteidigung argumentierte, dass Druck-und Schreibschrift für führende Handschriftexperten nicht vergleichbar sind. Die Anklagen gegen Herrn Diab verloren noch mehr an Glaubwürdigkeit, als die Verteidigung aufzeigen konnte, dass die Formulare in Syracuse nicht von Hassan Diab selbst ausgefüllt wurden, sondern von seiner damaligen Ehefrau.

Darauf zogen die franzӧsischen Behӧrden den ersten Bericht zurück und legten einen zweiten Bericht vor, der von Experten der Verteidigung auseinandergenommen und als methodologisch nicht akzeptabel verurteilt wurde. Ein dritter Bericht aus Paris wurde vom kanadischen Gericht schliesslich akzeptiert, obwohl der vorsitzende Richter Robert Maranger ihn als “unlogisch…verworren, sehr konfus, mit zweifelhaften Schulssfolgerungen” beschrieb. Robert Maranger wies die von Frankreich benutzte Geheimdienstinformation zurück, weil sie unter Folter zustandegekommen sein kӧnnte und damit die in der kanadischen Charter of Rights and Freedoms garantierten Rechte von Hassan Diab verletzen würde. Amnesty International in Kanada meldete sich bei den Anhӧrungen ebenfalls zu Wort. Ohne auf die Schuldfrage einzugehen, sprach sich die Menschenrechtsorganisation gegen die Auslieferung nach Frankreich aus, weil nicht sichergestellt sei, dass dort die unter mysteriösen  Umstӓnden gesammelte geheime Information nicht gegen den kanadischen Staatsbürger eingesetzt würde. Am 6. Juni 2011 entschied sich Robert Maranger für die Auslieferung von Hassan Diab und ein Jahr spӓter befahl der kanadische Justizminister seine Auslieferung. Maranger schrieb in seinem Urteil, dass er gemӓss der Auslegung des kanadischen Auslieferungsrechtes in Ontario keine Wahl habe und Hassan Diab nach Frankreich schicken werde, obwohl die Beweise der franzӧsischen Behӧrden schwach und unter dem Niveau seien, nach dem eine Verurteilung in einem kanadischen Gericht zustande kӓme. Herr Diab Kommentar: “Ich habe seit sechs Jahren in einem kafkaesken Alptraum gelebt, gegen falsche Anschuldigungen gekӓmpft  und musste meine Inhaftierung, strikte Bedingungen für meine Freilassung auf Kaution, Verlust der Arbeit und enormen Stress für meine Familie ertragen.”

 

Hassan Diab wurde am 20. November 1953 im Libanon geboren und studierte an der Universitӓt Beirut. Seine sechs Geschwister leben dort. Seine Eltern hatten keinen Schulabschluss und setzten alles daran, dass ihren Kindern die Türen zu einer guten Ausbildung und zum Studium offen standen. 1987 erhielt er ein Stipendium für ein Doktoratsstudium an der Universitӓt Syracuse im Staat New York. Dort traf er seine erste Frau, Nawal Copty, mit der er ein Kind hat. Er unterrichtete an mehreren Instituten und Universitӓten in Kanada und im Ausland und erhielt 1993 die kanadische Staatsbürgerschaft. Mit seiner zweiten Frau Rania Tfaily hat er zwei Kinder; sein Sohn kam zwei Monate nach seiner Auslieferung zur Welt. Die Reisen des Soziologieprofessors zu Konferenzen und für Lehrauftrӓge wurden von der franzӧsischen Staastanwaltschaft benutzt, um ihn als zweifelhafte Figur und Fluchtrisiko darzustellen. Hassan Diab sagte, dass er Wochen vor seiner Festnahme von einem franzӧsischen  Journalisten erfuhr, dass Paris gegen ihn im Fall des Anschlages auf die Synagoge in der Kopnernikusstrasse ermittle. Er hӓtte relativ einfach aus Kanada entfliehen kӧnnen.

Seit seiner Inhaftierung in Frankreich kann Hassan Diab als gute Nachricht verbuchen, dass vier Fingerabdruckberichte mit negative Resultaten zurückkamen. Fingerabdrücke von Hassan Diab von der amerikanischen Einwanderungsbehӧrde, von der kanadischen Polizei, von der Ankunft in Paris im November 2014 und im Gefӓngnis genommene Abdrücke stimmen nicht mit den Abdrücken in den Akten der franzӧsischen Polizei überein. Diabs Mitgefangene fragten, warum er immer noch festgehalten werde. “Ich sagte, fragt Kafka. Ich hoffe, dass die Vernunft bei denen einen Besuch abstattet, die die Entscheidungen treffen.”

Im Bericht “Preempting Justice” hat Human Rights Watch die französische Antiterrorgesetzgebung kritisiert und bemängelt, dass die Entscheidung zur Inhaftierung während einer formellen Untersuchung im Fall eines terroristischen Anschlages oft auf der Basis von schwachen Beweisen getroffen wird. Die amerikanische Menschenrechtsorganisation kritisierte auch, dass häufig von Geheimdienstinformationen Gebrauch gemacht wird, die möglicherweise unter Folter zustande kam, was das Recht des Angeklagten auf eine effektive Verteidigung untergrabe. In Norwegen werden solche Bedenken nicht so leicht ignoriert wie in Kanada:

Ein franzӧsisches Ersuchen zur Auslieferung eines norwegischen Staatsbürgers wegen der mutmasslichen Beteiligung an einem 1982 ausgeführten Anschlag auf ein jüdisches Restaurant in Paris wurde von Oslo zurückgewiesen. Die Ehefrau des von Pairs gesuchten Mannes sagte, dass er noch nie in Frabkreich war und dass eine Verwechslung vorlӓge.

Etwa 100 Auslieferungsantrӓge werden jedes Jahr von kanadischen Gerichten angehӧrt, in der Mehrheit geht es um Kanadier, die in den USA vor Gericht gestellt werden. Die Entscheidung wird zumeist innerhalb von wenigen Tagen gefӓllt, und in den vergangenen 15 Jahren wurden nur sechs Auslieferungsantrӓge zurückgewiesen.

Die kanadischen Unterstützer von Hassan Diab haben eine Kampagne begonnen, um Hassan Diab nach Hause zu bringen. Die Organisation Justice for Hassan Diab ruft zur Beteiligung an der “Bring Hassan Diab Home” Kampagne auf, durch das Schreiben von Briefen, die offizielle Unterstützung von Gruppen in Frankreich und Europa für die Beendigung des Verfahrens gegen Diab und Spenden zur Finanzierung von Hassan Diabs Verteidigung in Frankreich.

 

Kontakt: diabsupport@gmail.com

http://www.justiceforhassandiab.org

http://www.globalresearch.ca/canadian-academic-dr-diab-hassan-deported-to-france-on-trumped-up-terror-charges/5445878

Chris Cobb vom Ottawa Citizen berichtet regelmӓssig über die neuesten Entwicklungen im Fall Hassan Diab. http://ottawacitizen.com/news/local-news/canadas-extradition-law-a-legal-condundrum

http://www.alaraby.co.uk/english/comment/2015/5/27/civil-society-must-prevent-hassan-diabs-wrongful-conviction#sthash.Q1eFT4FS.dpuf

http://smithforensic.blogspot.ca/2011/08/hassan-diab-ottawa-citizen-reporter.html

http://rabble.ca/news/2012/02/canadas-extradition-act-and-case-hassan-diab

http://www.amnesty.ca/news/public-statements/canada-amnesty-international-and-the-hassan-diab-case-appeal,

http://www.thelocal.fr/20150306/norway-refuses-to-extradite-paris-bombing-suspectr

https://en.wikipedia.org/wiki/Hassan_Diab

(Übersetzt und zusammengestellt v. M.Lauer)

 

In Israel  gehen wir unter Killern und Folterern – Diplomatie und Verteidigung
Amira Hass, Haaretz, 23.6. 15

In unsern Häusern, Straßen, Arbeitsplätzen und Unterhaltungsorten gibt es tausende von Leuten, die Tausende andere Leute getötet oder gefoltert  oder dies  beaufsichtigt haben. Ich schreibe „Tausende“ anstelle  des ungenauen „viele“ – ein Ausdruck für  etwas, das nicht gezählt/ gemessen werden kann.

Die große Mehrheit derjenigen, die töteten und folterten, sind stolz auf ihre Taten und ihre Gesellschaft  und ihre Familien sind stolz auf ihre Taten – obwohl es gewöhnlich unmöglich ist, die direkte Verbindung zwischen den Namen der Toten und Gefolterten und denen, die töten und foltern herauszufinden. Und wenn es möglich ist, dann ist es verboten „Mörder“ zu sagen. Und es ist verboten  „zwielichtig“ oder „grausame Leute“ zu sagen.

Ich,  grausam? Schließlich sind unsere Hände nicht voller Blut, wenn wir auf den Knopf drücken, was eine Bombe auf ein Haus fallen lässt, in dem 30 Leute einer einzigen Familie leben. „Zwielichtig“ Wie können wir dieses Wort für jemanden benützen, um einen 19Jährigen zu beschreiben, der einen 14Jährigen Jungen tötet, der draußen essbares Grünzeug sucht.

Die jüdischen Mörder und Folterer und ihre direkten Vorgesetzten handeln mit offizieller Genehmigung. Die palästinensischen Toten und Gefolterten, die sie im Laufe der letzten 67 Jahre hinter sich gelassen haben, haben auch  trauernde Familien, für die die Trauer ständige Gegenwart ist. In den Universitätsgängen, in den Geschäftsstraßen, Bussen, Tankstellen und Regierungsministerien wissen die Palästinenser nicht, wer von denen, denen sie dort begegnen, ihre Familien-angehörigen getötet hat.

Was aber klar ist: die Mörder und Folterer laufen frei herum – als Helden.

Bei dieser grauenhaften Auseinandersetzung mit den Palästinensern über Trauer und Schmerz können wir israelischen Juden nicht gewinnen. Mit unsrer Luftwaffe und unsren gepanzerten Truppen, unsrer Givati-Brigade und unsern  berüchtigten  Elite-Kommando-Einheiten sind wir bei dieser Auseinandersetzung die Verlierer. Aber da wir die unbestrittenen Herrscher sind, fälschen wir die Ergebnisse der Auseinandersetzungen und weisen die Verluste uns zu.

Wir sind nicht mit dem Land, den Häusern und der direkten Verbindung zu dem Ort  zufrieden, den wir von ihnen gestohlen, uns angeeignet  und zerstört haben. Wir zerstören, enteignen und stehlen  weiter. Nein, Wir leugnen auch die Gründe, den ganzen historischen und sozialen Kontext der Vertreibung, Enteignung und Diskriminierung, die zu einer sehr kleinen Gruppe von Palästinensern führte, die zu Bürgern Israels wurden, die uns nachzuahmen versuchen, in dem sie zu den Waffen greifen. Sie täuschen sich selbst, wenn sie daran denken,  dass Waffen die geeigneten Mittel für den Widerstand sind oder ein Wutausbruch und Hilflosigkeit sie entscheiden lässt, Leben zu nehmen.

Ob sie es bedauern oder nicht, ihre Täuschung hebt die Tatsache nicht auf,  dass sie jeden Grund haben bzw. hatten, gegen die Unterdrückung, die Diskriminierung und die Boshaftigkeit zu sein, die  ein Teil von Israels Herrschaft über sie ist. Sie als Mörder zu überführen, macht uns nicht zum kollektiven Opfer in der Gleichung. Statt die Gründe für Widerstand zu reduzieren, intensivieren wir nur die Mittel der Unterdrückung. Und dies bedeutet:  Unterdrückung ist unersättliche Rachsucht.

Der Angriff auf das Al-Midan-Theater und das Stück „Eine parallele Zeit“ ist ein Teil dieser Rachsucht. Es liegt auch eine Menge Neid darin. Neid auf die Fähigkeit der Unterdrückten, die Unterdrückung und den Schmerz zu überwinden, zu denken und zum Trotz unsres Bildes von ihnen  als den Untermenschen. Sie tanzen nicht nach unserer Flöte wie elende Schwächlinge.

Und wie in einer antisemitischen Karikatur zielt alles auf das Feld. Wir bringen die Leute nicht zum Schweigen, wir prahlen. Wir sind die Erleuchteten, wir beschneiden nur ihre Finanzmittel. Wir machen sie zu einer Minderheit in unserm Land, wenn wir sie vertreiben und ihnen nicht erlauben, zurückzukehren. Und die  20%, die jetzt noch hier leben, sollten Danke sagen und ihre Steuern für Spiele zahlen, die den Staat und seine Politik loben. Das ist Demokratie.

Das ist kein Kulturkrieg oder ein Krieg über Kultur. Es ist nicht  eine weitere Schlacht – wahrscheinlich eine verlorene Sache, wie die vorausgegangenen Schlachten – über eine  vernünftige Zukunft für dieses Land. Die palästinensischen Bürger Israels waren eine Art Versicherungspolitik für die Möglichkeit einer gesunden Zukunft. Nenne sie eine Brücke, zweisprachig, pragmatisch, selbst gegen ihren eigenen Willen. Aber wir müssen  Veränderungen  machen, und wir müssen wissen, wie wir ihnen  zuhören sollten, damit diese Sicherheitspolitik auch gültig wird. Doch wir, die unbestrittenen Herrscher planen, nicht zuzuhören und erkennen die Bedeutung des Wandels nicht.

Noch eine Schlussbemerkung: Berichte über den Mord an dem  Bewohner von Lod, Danny Gonen bei der Ein-Bubin-Quelle in der Nähe des Dir Ibizis-Dorfes waren begleitet von  Verbindungen von Angriffen vor kurzer Zeit: verletzte Leute bei einem Terroranschlag in einem Tunnel nahe der Alon Shvut-Siedlung; der Grenzpolizist, der  nahe der Patriarchen-Moschee in Hebron mit einem Messer verletzt wurde. Und was nicht  erwähnt wurde:  Natürlich zwei junge Palästinenser, die kürzlich von IDF-Soldaten getötet wurden: Izz al-Din Gharra, 21, der am 10. Juni im Flüchtlingslager Jenin erschossen wurde und Abdullah Ghneimat 22, der am 14. Juni in Kafr Malik von einem IDF-Jeep  überfahren wurde.

Im Durchschnitt führen die IDF in jeder Nacht 12 Routine-Überfälle durch. Für die Palästinenser ist jeder nächtliche Überfall, bei dem Betäubungs- und Gasgranaten verwendet werden und geschossen wird, ein Miniterrorangriff.

(dt. Ellen Rohlfs)

 

Im Juni  denken drei weitere US  Kirchen an das Ende finanzieller Unterstützung der israelischen Besatzung.

Ryan Rodrick Belle  -   5. Juni 2015.

Internationale christliche Aktivisten (Foto) schließen sich  in einem Westbank-Olivenhain zu  gewaltfreiem Widerstand gegen die Trennungsmauer zusammen, die  damit droht, das der Stadt gehörende Land von Beit Jala am 14. Mai zu teilen.

Glaube im Friedensprozess ist nach der Wiederwahl des israelischen Ministerpräsident B.Netanjahu. und dem Extremismus seiner neuer Regierung ein absoluter Tiefpunkt. Sogar Präsident Obama gibt zu, dass die Tür zu Verhandlungen so gut wie zu ist. Christliche Aktivisten öffnen neue Fenster, um den unterdrückten  Palästinensern neue Möglichkeiten zu geben.

 Netanjahus Absicht  und Politik zu verstehen, ist keineswegs ein Rätsel; es steht im Einklang mit der historischen Erfahrung für jeden, der sich darum bemüht, zu sehen,“ sagte Rev.  Dr Jeffrey De Yoe, Moderator des israelisch-palästinensischen Missions-Netzwerks (IPNM) der Presbyterianischen Kirche der USA ( PCUSA).“ Die Rede von einer Zwei-Staatenlösung, selbst mit Netanjahu, der diese Redensart wieder aufgenommen hat, nachdem er  wieder gewählt wurde, ist eine zynische, verzögernde Taktik.“

Netanyahu ist dabei, uns Palästinensern einen gewaltigen Berg des Leidens aufzuerlegen und mehr Gräueltaten und Politik der Unterdrückung“, sagt Bisan Mitri  aus Beit Sahour. „Aber dies bedeutet auch, dass die Maske gefallen ist.“

Mitri ist einer der 3000 palästinensischen Christen, einschließlich der 13 Kirchenhäupter, die das  Kairos-Palästina-Dokument  unterzeichneten, das zu „Boykott, Divestment  und  Gewaltlosigkeit aufrief, um Gerechtigkeit, Frieden und  Sicherheit zu erlangen.“

Die Chance auf Erfolg

Die Resolution gründet sich auf unsern biblischen Ruf als Nachfolger  des Christus, Friedensmacher zu sein, um für das Wohlergehen von allen Gotteskindern zu sorgen, besonders  jener, die Opfer  von Gewalt, Unterdrückung und Ungerechtigkeit sind,“ sagte Tom Harder des mennonitisch palästinensisch-israelischen Netzwerks (Menno PIN). „Und Delegierten mit einem besser informierten Verständnis des Konfliktes zu Hilfe zu kommen, das der Schlüssel für die Resolution sein wird.“

Weil MennoPIN’s Resolution zusammen in Konsultation mit vielen Sektionen von Kirchenführern und Agenturen  erarbeitet wurde,  wird es von bedeutenden Institutionen unterstützt. Eine Reihe von  „Komm und sieh!“-Touren, die von MCUSA und  seiner humanitären Agentur  des  Mennoniten  Zentral Komitee gesponsert wurden, haben  wichtige konfessionelle Führer Verständnis der Besatzung aus erster Hand  gegeben.

Dulin weist auch auf die positiven Zeichen der UCC-Resolution hin: „ Es ist noch unmöglich zu wissen, ob wir die zwei-Drittel-Mehrheit  gewinnen werden, die wir benötigen, aber wir wissen jetzt, dass die Resolution bei jeder regionalen Konferenz, an die wir dachten, von Hand zu Hand ging.

Nach den Angriffen auf Gaza im letzten Sommer und Netanjahus  rhetorischer Kampagne hat Donna Hicks, die Einladende des Episkopalen Netzwerks der Palästina-Israel Mitgliedschaft noch größere  Sorge um die israelische Politik unter einer weiteren Reihe Episkopaler Sprecher  gehabt. Indem sie mit persönlicher Kapazität sprach, gab sie dem noch größere Bewertung: „Es ist schwer zu sagen, ob dies genug sein wird,  dass die Resolutionen, die sich mit der Desinvestition befassen, durchkommen,“ sagte sie

Auf den knappen Sieg des letzten Jahres von PCUSA gegründet, bot IPMN  Chair Robert Trawick folgende strategische  Bewertung: „Das Problem der jüdisch –presbiterianischen Beziehungen in den US wäre  öfter zitiert worden,  wenn es nicht den Grund der Desinvestition gegeben hätte. Der einzige Weg, den ich gesehen hätte, wäre eine bedeutende Bewegung, die von der Masse der Anti-Desinvestition-Kräfte ausgehen würde, wenn eine große Anzahl jüdischer  Mainstream- Organisationen anfangen würde, kräftiger gegen die israelische Politik sprechen und die Möglichkeit der Desinvestition  als akzeptierte Strategie öffnen würde.

Im letzten Jahr trennte sich die Presbyterianische Kirche USS (PCUSA) und die Vereinigte Methodistische Kirche (UMC) von mehreren US-Gesellschaften, die mit der Besatzung zu tun haben. Mehrere Quäkerkörperschaften taten dasselbe.

„Verhandlungen sind nicht produktiv. Andere Wege müssen  versucht werden,“ sagte eine Kairos-Erklärung der Vereinigten Methodistischen Kirche als Antwort, eine Graswurzelgruppe innerhalb der UMC.  Die  empfohlenen Wege unserer Glaubensgemeinschaft im Heiligen Land, den palästinensischen Christen, schließen Boykott, Desinvestition und Sanktionen ein.

In diesem Juni schließen sich drei weitere US-Kirchen der wachsenden Liste an: die Episkopale, die United Church of Christ und die Mennonitische Kirche-USA.  Sie hören auf den Kairos-Palästina-Aufruf und denken über die Resolutionen nach, um die finanzielle Unterstützung  für die Besatzung einzustellen

Was sie tun und nicht sagen

Da die Erkenntnis – und die Fehlinformation über BDS – sich stark vermehrt, sind diese Kirchenresolutionen und ihre entsprechenden Strategien  sorgfältig erarbeitet worden.

„Die Kirche muss ihre geeignete Form von BDS  erkennen, entsprechend den Werten von Gewaltlosigkeit und der Verpflichtung gegenüber der Gerechtigkeit und im  Angesicht einer  gemeinsamen Zusammenarbeit  bei der andauernden Besatzung,“ erklärt die Einführung der episkopalen Resolution. Für die episkopale Kirche ist BDS letztlich eine Strategie, um Druck auf die gemeinsamen Entscheidungsträger auszuüben, deren Ziel es ist, die Besatzung zu beenden.

Dazu hat die Resolution den Auftrag, eine jährlich neue Liste der Gesellschaften aufzustellen, die die Infrastruktur von Israels Besatzung unterstützen. „Eine Phase gemeinsamen Engagements“, einschließlich Aktionär-Resolutionen würden  von Desinvestition von Gesellschaften folgen, die sich weigern, den Kurs zu ändern. Solche Gesellschaften würden dann  nicht auf  „Einkauf-Listen“ mit andern Gesellschaften gesetzt, die die Besatzung unterstützen. Dies schließt auch Maßnahmen ein, Siedlungsprodukte zu boykottieren und /oder zu machen, die unter internationalem Gesetz illegal sind. Im Hintergrund seiner Resolution listet das UCC-Palestine-Israel-Netzwerk (UCCPIN) die drei Forderungen des palästinensischen Zivilgesellschaft BDS-Aufrufs:

„Ende der Besatzung, Gleichheit für die Palästinenser, die jetzt in Israel leben und die Anerkennung  des Rückkehrrechts der palästinensischen Flüchtlinge“, betonen, dass die  „UCCPIN“, den Hauptpunkt besonders  auf das erste  dieser Ziele wählt , weil es glaubt, dass  ein Ende der Besatzung ein wesentlicher Bestrandteil für einen gerechten Frieden ist.“

Nach  Rev. Diane Dulin von UCCPIN schließt ihre Resolution  den Boykott der Siedlungsprodukte ein, indem sie kirchenweit das Studium des Kairos-Palästina-Dokuments empfiehlt, und die Möglichkeit des Kongresses versucht wird,  illegal militärische US-Hilfe  zu geben  und der Dialog unter den Religionen fortgesetzt wird.

Der UCCPIN  ruft speziell zur Desinvestition von Caterpillar, Motorola, Hewlett , G4S und Veolia  und Packard und Aufträge  auf, die Standards  entwickeln und veröffentlichen, durch die Investments, Desinvestition und neue Investitions-Entscheidungen in der Zukunft gemacht werden.

Die MCUSA-Resolution nimmt nicht direkt Bezug auf BDS oder nennt spezielle Firmen, stattdessen ruft sie aber zur jährlichen  Überprüfung der Kirchen-Investments auf, um Investments aus  Betrieben zu ziehen , von denen bekannt ist, dass sie von der Besatzung profitieren und/oder an Zerstörung von Leben und Besitz in Israel-Palästinas beteiligt sind.“ Außerdem ruft sie Individuen und Gemeinschaften auf, Produkte anzuschaffen, die die vermeidet, dass die, militärische Besatzung fortdauert, einschließlich  Produkten aus israelischen Siedlungen anschafft.

Während die Kirchen in ihrer Kritik gegenüber der israelischen Regierung einen klaren Standpunkt einnehmen, bekennt jede dieser Kirchen mit ihren Resolutionen und ihren unterstützenden Dokumenten die schändliche Geschichte des christlichen Antisemitismus‘  und bestätigen die Notwendigkeit eines anhaltenden Dialogs mit der jüdischen Gemeinde.

Die Jüdische Stimme für Frieden  (JVP) ist die einzige  größere aktive jüdische Organisation, die  diese Bemühungen unterstützt, und die Leute an beide  (UCC) und die Episkopal-Gemeinden schickt. Das amerikanische Friend Service Komitee, Freunde von Sabeel Nord-Amerika, die palästinensisch-christliche Allianz für Frieden und die US-Kampagne fürs Ende der Besatzung sind auch aktiv und unterstützen die kirchlichen Desinvestition Bemühungen.

„Die Ereignisses des letzten Jahres“, sagte JVP’s Naomi Damm, „einschließlich Israels brutalem Angriff auf Gaza, der Kollaps des Friedensprozesses und des eklatanter werdenden Rassismus in Israel und der Opposition gegen den palästinensischen Staat hat eine wachsende Anzahl  progressiver Juden  dazu getrieben , dass der Status Quo nicht aufrecht zu halten ist und deren Überzeugung sich der JVP anschließt, jenem Druck von außen, durch Taktiken wie Boykott und Desinvestition. Dies ist nötig, damit eine Änderung  geschieht. In seiner Befürwortung der episkopalen Resolution, erteilt Erzbischof Desmond Tutu eine Bestätigung und Aufforderung, die all diese Bemühungen  inspirieren sollte. (dt. Ellen Rohlfs)

 

http://mondweiss.net/2015/06/churches-financial-occupation?utm_source=Mondoweiss+List&

 

 

 

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