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Texte von Arn Strohmeyer

Omri Boehm ein antisemitisches Buch?
Zionistenschreiben vor, wie an Holocaust zu erinnern.
Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE

 

„Das Ziel ist, eine Atmosphäre der Angst zu schaffen, die jede Kritik an Israel unmöglich macht“
Die Adorno-Preisträgerin Judith Butler hat sich schon 2004 ausführlich zum Antisemitismus-Vorwurf geäußert

 Arn Strohmeyer

 

Die amerikanisch-jüdische Philosophin Judith Butler wird am 11. September in der Frankfurter Paulskirche der Theodor-Adorno-Preis verliehen bekommen, der alle drei Jahre an Persönlichkeiten vergeben wird, die in der Nachfolge der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule stehen. Der Generalsekretär der Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, eröffnete daraufhin in gewohnter Manier eine verbale Schlammschlacht gegen die angesehene Wissenschaftlerin. Eine „Israelhasserin“ sei sie, die von „moralischer Verderbtheit“ geleitet sei. Dem Kuratorium, das die Preisverleihung beschlossen hatte, unterstellte Kramer, „moralisch nicht gefestigt“ zu sein. Man kennt den hasserfüllten Ton dieser Leute und man muss fragen: Schadet dieser Zentralrat nicht der Sache, der er eigentlich verpflichtet ist, nämlich die Interessen der Juden in Deutschland zu vertreten, wenn er sich zum so einseitigen, propagandistischen Sprachrohr Israels macht?

 

Natürlich durften auch die Hamas und die Hisbollah in Kramers Verbalattacke nicht fehlen. Butler hatte sie vor Jahren als „soziale Bewegungen“ bezeichnet, die wegen ihres Kampfes gegen Kolonialismus und Imperialismus im weitesten Sinne zur globalen Linken gehörten, ohne sich aber mit den Zielen dieser Organisationen zu identifizieren. Es reicht heute offenbar, in politischen Analysen die Worte Hamas und Hisbollah zu benutzen, um von Leuten wie Kramer gleich in die Nähe des Leibhaftigen gestellt zu werden. Dabei vergessen diese Ideologen oder sie übersehen es ganz bewusst, dass Israel es war, das diese Organisationen ins Leben gerufen und sie letzten Endes zu kleinen Machtfaktoren im Nahen Osten gemacht hat.



Israel hat die Hamas, die aus der Muslim-Bruderschaft im Gazastreifen hervorgegangen ist, zunächst sogar finanziell und politisch unterstützt, um sie als Konkurrenz zur PLO aufzubauen. Erst als die Hamas sich der ersten Intifada anschloss, trennten sich die Wege. Die Hisbollah ist als Widerstandsorganisation gegen die israelische Besatzung großer Teile des Libanon von 1982 bis zum Jahr 2000 hervorgegangen. Ohne Israels verhängnisvolle Politik gegenüber den Palästinensern und seinen anderen Nachbarn gäbe es beide Organisationen überhaupt nicht.

 

Was die verbalen Ausfälle gegen Judith Butler angeht, so hat diese nicht erst jetzt sehr klug und unpolemisch gegen solche Vorwürfe Stellung genommen, sondern ihre Position schon 2004 in dem Aufsatz „Der Antisemitismus-Vorwurf, Juden, Israel und die Risiken öffentlicher Kritik“ (in dem von Doron Rabinovici, Ulrich Speck und Natan Sznaider herausgegebenen Suhrkamp-Band „Neuer Antisemitismus? Eine globale Debatte“) dargelegt. In diesem Text setzt sie sich äußerst kritisch mit den Israel-Ideologen auseinander, die so schnell mit dem Antisemitismus-Vorwurf bei der Hand sind, und stellt deren wirkliche Absichten bloß. Man darf als sicher annehmen, dass es viel mehr Argumente dieser Art von Judith Butler sind, die den Zentralrat veranlassen, sich auf die jüdische Philosophin aus allen Rohren einzuschießen, als die inzwischen mehr als abgedroschenen Reizworte Hamas und Hisbollah.

 

Zunächst beschreibt Judith Butler ihre ethische Grundposition, die für sie der Ausgangspunkt ihres politischen Denkens und Handelns ist. Sie formuliert sie in Form einer Frage: „Werden wir schweigen (und ein Kollaborateur illegitimer gewalttätiger Macht sein), oder werden wir unsere Stimme erheben (und zu denen zählen, die taten, was in ihren Kräften stand, um illegitime Gewalt zu verhindern), selbst wenn das laute Aussprechen ein Risiko für uns darstellt?“ Die Kritik an Israel entspringe genau diesem ethischen Ansatz, der keineswegs unempfindlich für jüdisches Leiden in der Vergangenheit sei, sondern ganz im Gegenteil gerade aus der Erfahrung des Leidens hervorgehe und sich deshalb das Ziel setze, dass „das Leiden selbst vielleicht ein Ende hat, damit etwas, das wir zu Recht die Unantastbarkeit des Lebens nennen könnten, gerecht und wahrhaft gewürdigt werden kann. Die Tatsache großen Leidens rechtfertigt weder Rache noch legitime Gewalt, sondern muss im Sinne einer Politik mobilisiert werden, die das Leiden universell verringern will, einer Politik, der es darum geht, die Unantastbarkeit des Lebens aller Menschenleben anzuerkennen.“

 

Judith Butler analysiert dann, wie der Antisemitismus-Vorwurf in sehr vielen Fällen (natürlich gibt es auch wirklichen Antisemitismus, der bekämpft werden muss) zustande kommt: indem dem Sprechenden oder Schreibenden Absichten unterstellt werden, die er gar nicht geäußert hat: „Der ‚So-und-So‘ hat eine wirkliche Erklärung gegenüber der israelischen Besatzung der palästinensischen Gebiete abgegeben, und das muss bedeuten, dass ‚So-und-So‘ in Wirklichkeit Juden hasst oder diejenigen anfeuern will, die das tun.“ Der Trick beim Vorbringen des Antisemitismus-Vorwurfes besteht also darin, wie Judith Butler schreibt, auf die vorgebrachte kritische Aussage gar nicht einzugehen, sondern ihr eine versteckte Bedeutung zu unterstellen, die mit der ursprünglichen Aussage gar nichts zu tun hat: „Auf diese Weise muss die ausdrückliche Behauptung gar nicht mehr gehört werden, denn das, was man hört, ist die versteckte Behauptung, die verborgen unter der ausdrücklichen mitgeteilt wird.“ Der Antisemitismus wird von demjenigen, der die Kritik an Israel vernimmt, dem Sprechenden oder Schreibenden also erst später zugeschrieben, ist eine nachträgliche Interpretation, die vom Inhalt der ursprünglichen Aussage gar nicht gedeckt ist.

 

Die gewollte und beabsichtigte Folge eines solchen Vorgehens ist die Schaffung einer Atmosphäre der Angst vor dem Antisemitismus-Vorwurf, die eine offene Diskussion über die Politik Israels nicht mehr zulässt. Die Gesellschaft und jedes Individuum soll Zensur üben, was bedeuten würde: „Man könnte auf der Grundlage des Wunsches, antisemitische Ansichten und Einstellungen nicht weiter stärken zu wollen, zu dem Schluss kommen, dass bestimmte Vorgehensweisen des israelischen Staates - Gewalttätigkeiten und Mord an Kindern und Zivilisten - nicht missbilligt werden dürfen, sondern unkommentiert und unbeanstandet hingenommen werden müssen, und dass auch die Fortsetzung dieser Gewalttätigkeiten unbehelligt vom Protest und der Empörung der Öffentlichkeit geduldet werden muss, aus Angst, irgendein Protest gegen sie würde auf Antisemitismus hinauslaufen, wenn nicht gar selbst Antisemitismus sein.“ Was auf eine vollständige Immunisierung der israelischen Politik hinausliefe, sei sie auch noch so gewalttätig.

 

An anderer Stelle führt Judith Butler diesen Gedanken weiter aus und beschreibt die Gefahr, die die Drohung mit dem Antisemitismus-Vorwurf und die Angst der Menschen davor, als Antisemiten angeprangert zu werden, bedeutet: Letzten Endes Einschüchterung, Kontrolle und Überwachung, welche Inhalte in Bezug auf Israel in der Öffentlichkeit verbreitet werden dürfen und welche nicht. Es bedeutet aber auch: „Wenn wir aus Angst davor, als antisemitisch etikettiert zu werden, unsere Kritik begraben, überlassen wir denen die Macht, die den freien Ausdruck politischer Überzeugungen beschneiden wollen.“

 

Der Antisemitismus-Vorwurf verfolgt also vor allem die Absicht, die politische Debatte mundtot zu machen: „Die Drohung, ‚antisemitisch‘ genannt zu werden, zielt darauf ab, auf der Ebene des Subjekts zu kontrollieren, was man laut auszusprechen bereit ist, und auf der Ebene der Gesellschaft im ganzen einzugrenzen, was in der Öffentlichkeit zulässigerweise laut ausgesprochen werden darf und was nicht. Dramatischer ist, dass diese Drohungen die definierenden Grenzen der Öffentlichkeit bestimmen, weil sie die Grenzen des Sagbaren festlegen (...) Der Ausschluss solcher Kritik wird praktisch die Grenzen des Öffentlichen selbst verankern, und die Öffentlichkeit wird sich selbst als eine verstehen, die sich angesichts unübersehbarer und illegitimer Gewalt nicht offen und kritisch ausspricht - es denn natürlich, eine gewisse Zivilcourage setzt sich durch.“

 

Judith Butler weist auch immer wieder darauf hin, dass Judentum und Zionismus eben nicht dasselbe sind und dass nicht alle Juden ihre jüdische Identität mit Israel verbinden. Angesichts der „außergewöhnlichen Bandbreite der Zerrissenheit“ bei diesem Thema unter Juden fragt sie: „Und was nun, wenn man die Kritik am israelischen Staat im Namen seines Judentums vorbringt, im Namen der Gerechtigkeit, und zwar gerade weil eine derartige Kritik ‚für Juden am besten‘ zu sein scheint?“ Und sie folgert daraus: „Aus Angst vor einer möglichen Aneignung zu schweigen, heißt gerade, die Gleichsetzung von Zionismus und Judentum intakt zu lassen, während es eben die Trennung von Zionismus und Judentum ist, die die Bedingungen für kritisches Denken in dieser Frage garantiert. Den Mund zu halten aus Angst, vor einer antisemitischen Aneignung, die man für gewiss hält, heißt sich der Möglichkeit begeben, den Antisemitismus mit anderen Mitteln zu schlagen.“

 

Das ist eine große Stimme der Vernunft und der Humanität. Die Aussagen Judith Butlers enthüllen das Vorgehen des Zentralrates in aufklärerischer Weise, obwohl sie 2004 sicher noch nicht an diese Konfrontation gedacht hat. Aber die Methoden und das Vorgehen der Verfechter einer aggressiven Israel-Ideologie sind ja nicht neu.

 

Judith Butler ist eine sehr würdige Trägerin des Adorno-Preises.

 

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