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Texte von Arn Strohmeyer

Omri Boehm ein antisemitisches Buch?
Zionistenschreiben vor, wie an Holocaust zu erinnern.
Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

 


TRANSLATE
 

  

„Es geht um das nackte Überleben der Palästinenser“

Die Politologin Helga Baumgarten beschreibt in ihrem neuen Buch die unabdingbare Notwendigkeit der Aussöhnung zwischen Hamas und Fatah


Arn Strohmeyer

 

In die Nachricht vom Ende der sogenannten „Friedensgespräche“ unter amerikanischer Leitung zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) in Ramallah platzte – Zufall oder nicht – die Nachricht, dass Hamas und Fatah sich ausgesöhnt hätten. Erstere übt unter der scharfen Besatzungskontrolle Israels die Herrschaft im Westjordanland aus, die zweite im von Israel vollständig abgeriegelten Gaza-Streifen. Ein Abkommen über die Verständigung soll in Kürze unterzeichnet werden. Nachrichten dieser Art hat es schon des Öfteren gegeben, aber alle Initiativen waren letzten Endes dann doch gescheitert. Sollten sie dieses Mal der Realität entsprechen? Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu reagierte wie üblich und drohte: Die Palästinenser müssten sich entscheiden, ob sie mit Israel oder mit den „Hamas-Terroristen“ Frieden schließen wollten, die Israels Vernichtung anstrebten und einen neuen Holocaust planten. Im Falle einer Versöhnung von Hamas und Fatah sehe sich Israel zu einseitigen Schritten gezwungen.

Ähnliche Signale kommen bei solchen Gelegenheiten stets auch von der US-Regierung. Wenn die Vertreter Washingtons dann immer noch hinzufügen, dass nur Verhandlungen mit der jeweiligen israelischen Regierung unter US-Vermittlung (natürlich ohne die Hamas) zum Erfolg, d.h. zur Zwei-Staaten-Lösung, führen könnten, so konnte man sich dieses Argument in Washington jetzt sparen, denn solche Verhandlungen waren ja gerade eben erst an Israels kompromissloser Haltung in der Land- und Siedlungsfrage gescheitert. Der Präsident der Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, steht also mächtig unter Druck von Israel und den USA, was sicher einer der Gründe dafür war, dass es bisher nicht zur Aussöhnung der palästinensischen Konkurrenzorganisationen gekommen ist. Aber Abbas und seine Leute in Ramallah scheinen über alternative Strategien nachzudenken, nachdem die schon über Jahrzehnte sich hinziehenden Verhandlungen mit Israel alle zu nichts geführt haben. Beleg ist der Aufnahmeantrag Palästinas in die UNO vom Herbst 2012 und jetzt die Unterschrift von Abbas zum Beitritt in mehrere UNO-Verträge.

Israel hat in den letzten Jahren alles getan, um die Trennung und Teilung zwischen den Palästinensern – nicht nur zwischen denen in der Westbank und im Gazastreifen, sondern auch zwischen denen in Jerusalem und ihren Brüdern in Israel selbst – bürokratisch und logistisch zu vertiefen, immer nach dem alten zynischen Motto „Teile und herrsche!“ Palästinenser, die man zwingt, in vielen kleinen Enklaven zu leben, kann Israel besser unter Kontrolle halten. Alles ordnet Israel dem Ziel unter, eine „Friedenslösung“ auf Grund seiner militärischen Überlegenheit ohne Rücksicht auf die Palästinenser durchzusetzen und nicht eine Lösung auf der Basis des Völkerrechts und internationaler Beschlüsse anzustreben, etwa von UNO-Resolutionen. Israels Strategie scheint vorerst aufzugehen: Die internationale Gemeinschaft (also vornehmlich der Westen) akzeptiert zunehmend die israelische Besatzung und reduziert das Nahost-Problem auf ein einfaches Grenzproblem. Was Israel zu neuem Landraub antreibt und zu der Sprachregelung: Die Westbank gehört uns, deshalb müssen die Siedlungen auch ein Teil unseres Staates bleiben. Die offizielle Annexion ist also nur noch eine Frage der Zeit. Mit anderen Worten: In der israelischen Sichtweise gibt es überhaupt keine Besatzung – der Westen scheint inzwischen bereit zu sein, das so hinzunehmen.

Das ist für die Palästinenser natürlich eine ungeheure Herausforderung, weil es hier um ihre nackte Existenz und ihr Existenzrecht überhaupt geht. Denn genau zum jetzigen Zeitpunkt stecken die beiden größten nationalen Bewegungen der Palästinenser – Fatah und Hamas – in einer großen Krise, weil es ihnen an Erfolgen beim Erreichen ihres Zieles, ihr Land und ihre Gesellschaft von der Besatzung zu befreien, fehlt und weil es ihnen deshalb an Popularität und Legitimation in der eigenen Bevölkerung mangelt. Die deutsche Politologin Helga Baumgarten, die an der Universität von Birzeit in Palästina lehrt, hat in ihrem neuen Buch alle diesen komplizierten Prozesse gründlich untersucht, beschrieben und analysiert. Sie kommt zu dem Ergebnis: Es ist fünf Minuten vor Zwölf für die Palästinenser. Sie haben also nicht mehr viel Zeit. Ihre Situation ist äußerst bedrohlich, die Krise fast unüberwindlich. Es geht um ihr Überleben als nationales Kollektiv. Ein weiteres gegenseitiges Zerfleischen der beiden großen Nationalbewegungen können sie sich nicht mehr leisten, wenn sie nicht ganz von der Bühne des Nahen Ostens verschwinden wollen.

Helga Baumgarten schreibt: „Beide Bewegungen sind sich inzwischen wohl bewusst, dass die palästinensische Nationalbewegung vor einer historischen Wende steht: entweder der drohende Zusammenbruch und das Ende oder aber eine neue gemeinsame Strategie für alle Palästinenser, die von beiden Bewegungen getragen wird, sollten sie sich nicht selbst aufgeben wollen. Die Zeichen der Zeit deuten in Richtung einer erneuten Mobilisierung der Gesellschaft für einen neuen Massenwiderstand gegen die Besatzung, die die Palästinenser immer noch als solche Tag für Tag erleben und die sie endlich beenden wollen. Dieser erneute Massenwiderstand, auch da scheint sich nach und nach ein Konsens herauszubilden, hat die besten Chancen, wenn er als gewaltloser Widerstand organisiert und geleistet wird.“ Diese neue Strategie muss natürlich auch international akzeptiert werden.

Die Aussöhnung zwischen Fatah und Hamas muss also – so Helga Baumgarten – der erste und unabdingbare Schritt sein, wenn der unhaltbare Zustand des Status quo sich nicht in alle Zukunft fortsetzen soll, d.h. wenn Israels Behauptung der Nichtexistenz der Besatzung, sein Ziel der vollständigen Annexion des Westjordanlandes und die totale Entpolitisierung des Palästinenserproblems nicht aufgehen soll. Dazu gehört dann aber auch, dass Präsident Abbas sich von seiner Rolle löst, der brave und gehorsame Diener der USA und Israels zu sein. Was nicht so einfach ist, denn die beiden übermächtigen Staaten können der Autonomiebehörde in Ramallah jederzeit den Geldhahn zudrehen.

Helga Baumgarten, die in Ihrem Buch ausführlich die Geschichte des Bruderkampfes zwischen Fatah und Hamas beschreibt, geht auch auf die Dämonisierung der Hamas ein, die in der westlichen Öffentlichkeit durchgesetzt zu haben, vor allem ein großer Erfolg der israelischen Propaganda ist. Der Leser vernimmt erstaunt, mit welch vernünftigem und absolut demokratischem Reformprogramm diese nationalreligiöse Bewegung in die palästinensischen Parlamentswahlen 2006 gegangen ist. Dieser Urnengang fand auf Druck des Westens statt. Er hatte seine Durchführung sogar gegen den Widerstand Israels durchgesetzt, und bestand auf der Teilnahme der Hamas, um so den freien Charakter der Wahlen zu garantieren.

Die Hamas gewann die Wahlen überraschend mit absoluter Mehrheit und legte auch ein moderates, pragmatisches und akzeptables Regierungsprogramm vor. Darin bot sie u. a. an: die Weiterführung des Waffenstillstandes mit Israel, also Gewaltlosigkeit bzw. Verzicht auf Gewalt; Ende der Besatzung und die Akzeptanz einer Zweistaatenlösung; dieser Staat müsste in der Westbank und im Gazastreifen mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt entstehen; außerdem sollten alle internationalen Verträge anerkannt werden, soweit die nicht zum ausdrücklichen Nachteil des palästinensischen Volkes sind. Trotz all dieser positiven Signale widerrief der Westen seine eigene Befürwortung der Wahlen, weil die Falschen gewonnen hatten. Die Hamas wurde zur „Terrororganisation“ erklärt, viele ihrer frei gewählten Abgeordneten sitzen heute noch in israelischen Gefängnissen. Dass der Westen mit einem solchen Umgang der Hamas und der israelischen Totalabriegelung des Gazastreifens diese Bewegung zusätzlich radikalisierte – dieser einfache Vorgang von Ursache und Wirkung scheint westlichen Politikern nicht klar zu sein.

Natürlich hat die nationalreligiöse Hamas immer darauf bestanden, was ihr gutes Recht ist, die Besatzung zu bekämpfen, soweit sich der Widerstand gegen militärische Ziele richtet. Die Lösung der Palästina-Frage ist für sie nur durch das Festhalten an den religiösen Geboten des Islam möglich. Ob es dabei um ganz Palästina oder Teile davon geht – in diesem Punkt ist die Organisation durchaus pragmatisch und hat in letzter Zeit immer wieder Kompromissbereitschaft angedeutet. Der Anspruch auf Palästina aus religiösen Gründen – auch das ist eine Aussage, die der Hamas im Westen immer wieder den Vorwurf des „Terrorismus“ und des „Israel Vernichten-Wollens“ eingebracht hat – ist aber kein Monopol der Hamas. Helga Baumgarten zeigt auf, wie ähnlich, ja fast identisch die Argumentation der  Hamas mit der der nationalreligiösen jüdischen Siedler ist: „Die Hamas entwickelte ein Programm, in dem das Programm und die Ideologie der religiös-nationalistischen israelischen Siedler unter umgekehrten Vorzeichen fast spiegelbildlich reflektiert waren: War dort Erez Israel den Juden von ihrem Gott Jahwe anvertraut worden, so war es hier Palästina, das deren Gott Allah den Muslimen als Trust, als religiöse Stiftung (waqf auf Arabisch), übergeben hatte.“

Auf beiden Seiten hat der Konflikt zum Teil also eine starke religiöse Dimension. Helga Baumgarten konstatiert aber: „Festzuhalten bleibt, dass die Hamas, im Unterschied zu den extremistischen und fanatischen Siedlern, eine stark pragmatische Ausrichtung zeigte, die sie in die Lage versetzte, Kompromisse zu machen und Maximalforderungen wenn nicht aufzugeben, so doch in den Hintergrund zu stellen. Die Siedler waren dazu weder bereit noch wurden sie von irgendeiner Seite zu Kompromissen gezwungen.“

Die Autorin räumt in ihrem Buch mit vielen gängigen Vorurteilen über die Palästinenser und besonders die Hamas auf. Bei der Lektüre ihres Textes wird klar, wie oft man in Deutschland Opfer einer einseitigen oder sogar falschen Medienberichterstattung werden kann. Infolge der letzten Annäherung zwischen Fatah und Hamas hat ihr Buch allerhöchste Aktualität. Es ist eine große Bereicherung für den Diskurs über den Nahen Osten.

Baumgarten, Helga: Kampf um Palästina – Was wollen Hamas und Fatah?, Herder Verlag Freiburg 2013, 9,99 Euro

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