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Texte von Arn Strohmeyer

Omri Boehm ein antisemitisches Buch?
Zionistenschreiben vor, wie an Holocaust zu erinnern.
Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE

 

„Ein infernalisches High-Tech-Massaker“

 Norman Finkelstein beleuchtet in seinem neuen Buch die Hintergründe des Gaza-Krieges 2008/09

 Arn Strohmeyer

 

Eine „infernalisches High-Tech-Massaker“ und einen „Rückfall in die Barbarei“ nennt Norman Finkelstein in seinem neuen Buch „Israels Invasion in Gaza“ den Überfall auf das dicht besiedelte  palästinensische Gebiet unter Hamas-Kontrolle. Die „Wertegemeinschaft“ der westlichen Staaten und auch die meisten führenden Intellektuellen (ganz besonders die Israels!) sahen dem Morden schweigend zu und fanden sogar rechtfertigende Worte, weil Israel ja schließlich von den Raketen der Hamas bedroht worden sei. Die Zahlen sind bekannt, aber Finkelstein nennt sie noch einmal für alle, die es nicht wissen oder nicht wissen wollen: In den fast zehn Jahren von 2001 bis zum Beginn des Krieges im Dezember 2008 sind nicht einmal zwanzig Tote auf israelischer Seite durch Qasam-Raketen zu beklagen gewesen, auf palästinensischer Seite in Gaza haben die immer wieder stattfindenden militärischen Überfälle und Liquidierungsaktionen Israels Hunderte von Menschenleben gefordert. Im Krieg kamen dann noch 1400 Tote hinzu. Wie viele Menschen ihr Leben inzwischen aufgrund der israelischen Abriegelungs- und Blockadepolitik wegen schlechter Versorgung und fehlender Medikamente verloren haben, lässt sich gar nicht ermitteln. Und wer kennt die Zahl der Krüppel und Traumatisierten?

 

Der Beschuss mit den selbst gebastelten Qassam-Raketen, der ja mehr ein symbolischer Akt des verzweifelten Sich-Wehrens in einer hoffnungslosen Belagerungssituation ist (sollten die eingeschlossenen und auf „Diät“ gesetzten und zum Elend verurteilten Palästinenser Dankesbriefe und Blumensträuße nach Israel schicken?), kann also das auschlaggebende Kriegsmotiv für die Israelis nicht gewesen sein. Was war es dann? Finkelstein nennt als erstes Motiv Israels radikale Ablehnung jeglicher Verhandlungsbereitschaft mit der Hamas. Sie hatte 2006 freie Wahlen gewonnen und wäre ein legitimer Gesprächspartner gewesen. Diesem „Friedensdruck“ wollte das militärische und politische Establishment in Jerusalem sich unter keinen Umständen beugen.

 

Finkelstein schreibt: „Eine lang anhaltende Waffenruhe würde die Aufmerksamkeit auf den in Worten und Taten zum Ausdruck gekommenen Pragmatismus der Hamas lenken, den internationalen Druck auf das verhandlungsunwillige Israel ansteigen lassen und somit das strategische Ziel Israels untergraben, sich die wertvollen Teile des Westjordanlandes einzuverleiben. Der Angriff auf die Hamas war bereits im März 2007 beschlossene Sache. Der Waffenruhe vom Juni 2008 stimmte Israel nur zu, weil die israelische Armee Zeit zur Vorbereitung brauchte.“ Letzteres hat der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak zugegeben.

 

An anderer Stelle schreibt Finkelstein: „Aus der Sicht Israels galt es in jedem Fall, die Hamas zu einer Wiederaufnahme ihrer Angriffe [mit Qassam] zu verleiten und sie anschließend zu radikalisieren oder zu vernichten, um sich so die legitime Verhandlungspartnerin vom Hals zu schaffen beziehungsweise den Weg frei zu machen für eine Konfliktbereinigung nach israelischem Geschmack.“ Die Hamas musste also mit allen Mitteln ausgeschaltet werden.

 

Das zweite Kriegsmotiv wurde von den Israelis freimütig zugegeben: die „Wiederherstellung ihrer Abschreckungsfähigkeit“. Damit war und ist nicht gemeint, dass Israel in der Lage sein soll, sich gegen die Bedrohungen von außen zu wehren, was ja nachvollziehbar wäre. Ariel Sharon hat warnend ausgesprochen, was mit „Abschreckungsfähigkeit“ gemeint ist: „Israel verliert seine Fähigkeit zur Abschreckung (...) unsere wichtigste Waffe - die Angst vor uns!“ Die Nachbarn Israels müssen also ständig Angst vor diesem Staat haben - das ist es! Denn es bestand aus israelischer Sicht nach der militärischen Schlappe gegen die Hisbollah im Libanon-Krieg 2006 die Gefahr, dass Israels Feinde keine Angst mehr vor ihm haben!

 

Man sprach in der israelischen Regierung sogar von der „völligen Zerstörung Gazas“. Es sollte „möglich“ sein, „Gaza zu vernichten, damit sie kapieren, dass sie sich besser nicht mit uns anlegen“, sagte der stellvertretende israelische Ministerpräsident Eli Jaschai drohend. Und weil das Libanon-Desaster sich nicht wiederholen sollte, musste es diesmal ein Ziel sein, das kein Risiko darstellte - eben die wehrlose Zivilbevölkerung Gazas und die militärisch völlig bedeutungslose Hamas, die im Krieg dann auch so gut wie keinen Widerstand geleistet hat. Es ist so etwas wie ein ehernes Gesetz der israelischen Politik: Alle Akteure, die sich der regionalen Hegemonie Israels nicht unterordnen wollen, müssen in die Knie gezwungen werden. Opfer spielen da keine Rolle. Um die Nachbarn in Angst und Schrecken zu versetzen und Israels Nationalstolz - in der Sprache der Militärs und Politiker: „Abschreckungsfähigkeit" - wieder herzustellen, wurde in Gaza „eine ganze Zivilisation vernichtet“, so die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Mary Robinson.

 

Man kennt die Einzelheiten dessen, was in den schrecklichen 22 Kriegstagen an der Jahreswende 2008/2009 geschah, in denen Gaza „von Tod und Verwüstung“ heimgesucht wurde (Amnesty International) -  eben ein „infernalisches High-Tech-Massaker“ stattfand. Man muss die Details des Grauens hier nicht wiederholen, sie sind hinlänglich bekannt. Die anschließende Arbeit der von der UNO eingesetzten Goldstone-Kommission war exzellent, indem sie klar konstatierte: Israel hat vielfach vorsätzlich gehandelt, als es in Gaza Zivilisten tötete und die zivile Infrastruktur zum größten Teil zerstörte. Und: Die unverhältnismäßige Zerstörung und die gegen die Zivilisten gerichtete Gewalt sei politisch gewollt gewesen ebenso wie die Demütigung und Dehumanisierung des palästinensischen Volkes. Dass Israel wieder keine Verantwortung für sein Tun übernehmen musste, verwundert nicht. Die internationale Gemeinschaft hat das Morden schweigend oder sogar zustimmend zur Kenntnis genommen und keine Konsequenzen gefordert und Israel nicht zur Rechenschaft gezogen - das ist der eigentliche Skandal.

 

Wenn Israel  und seine Anhänger bisher durch das Beschwören des Holocaust und des „neuen Antisemitismus“ jede Kritik am kriegerischen Verhalten des Landes abwehren konnten, indem sie behaupten, dass Israel nach dem Leiden der Juden unter den Nazis nicht nach gängigen moralisch-rechtlichen Normen beurteilt werden dürfe, dass ihm - mit anderen Worten - alles erlaubt sei, so meint Finkelstein, dass diese Argumentation durch ihre gebetsmühlenartige Wiederholung an Überzeugungskraft verliere. Außerdem sieht er im Gaza-Krieg eine Zäsur für die Entwicklung innerhalb des Judentums - vor allem in den USA. Die Zustimmung zu Israels Politik nehme dort rapide ab und die Kritik und der Widerstand dagegen wüchsen an. Man kann nur hoffen, dass er mit dieser Beurteilung richtig liegt.

 

Einzelne jüdische Stimmen weisen jedenfalls in diese Richtung. Wie etwa die des prominenten britischen Politikers Gerald Kaufmann, der im Unterhaus erklärte: „Meine Großmutter, die in Polen von einem deutschen Soldaten in ihrem Bett erschossen wurde, ist nicht gestorben, um israelischen Soldaten, die palästinensische Großmütter in Gaza ermorden, als Alibi zu dienen.“ Er warf der israelischen Regierung vor, sie habe „die anhaltenden Schuldgefühle der Nichtjuden über das Abschlachten der Juden während des Holocaust zynisch und schamlos ausgenutzt, um ihre Morde an Palästinensern zu rechtfertigen.“ In Frankreich forderte der populäre jüdische Autor Jean Moise Braitberg den israelischen Präsidenten auf, den Namen seines Großvaters aus der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem zu entfernen, „damit er nicht länger zur Rechtfertigung des entsetzlichen Leids missbraucht werden kann, das den Palästinensern angetan wird.“

 

Finkelstein hat - wie man es von ihm gewohnt ist - ein brillantes Buch geschrieben. Sein größter Wert liegt darin, die ideologischen Hintergründe und die direkten Mechanismen der israelischen Politik offenzulegen, die in Deutschland immer noch mit Tabus belegt sind.

 

Finkelstein, Norman: Israels Invasion in Gaza, Edition Nautilus, Hamburg 2011, ISBN 978-3-89401-737-8, 14,80 Euro


					

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