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Texte von Arn Strohmeyer

Omri Boehm ein antisemitisches Buch?
Zionistenschreiben vor, wie an Holocaust zu erinnern.
Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE

 

Daniel Barenboim:„Nur ein Psychiater kann da noch helfen!“

 Der israelische Dirigent ist nicht der erste, der therapeutische Hilfe bei der Lösung des Nahost-Problems fordert

Arn Strohmeyer

 

Die Hilfe eines Psychiaters hat der israelische Dirigent Daniel Barenboim mit Blick auf die Politik Israels für die Lösung des Nahost-Problems gefordert. Wörtlich sagte er in einem Interview in der neuesten Ausgabe des SPIEGEL: „Wir brauchen kein Nahost-Quartett aus UNO, Russen, Europäern und Amerikanern. Wir brauchen einen Psychiater. Ich bin sicher, dass es viele Israelis gibt, die davon träumen, dass sie eines Tages aufwachen und die Palästinenser sind weg. Und viele Palästinenser träumen davon, dass sie abends ins Bett gehen und am Morgen sind die Israelis weg.“ Der Gedanke, dass nur noch ein Psychotherapeut das offensichtlich unlösbare Knäuel des Nahostkonflikts entwirren kann, ist nicht neu. Ein anderer Israeli, der Psychoanalytiker Ofer Grosbard, hatte schon 2001 in seinem Buch „Israel auf der Couch. Zur Psychologie des Nahostkonflikts“ Ähnliches gefordert und mit seinem Text eine glänzende tiefenpsychologische Analyse des Problems vorgelegt. Sein Buch hat seitdem nichts von seiner Aktualität verloren.

 

Zunächst aber: Wer hat die psychotherapeutische Hilfe nötiger: Der Eroberer, Besatzer, Landbesetzer, Unterdrücker und Zerstörer einen ganzen uralten Kultur und Gesellschaft oder der Besetzte, Vertriebene und Unterdrückte? Auf diese Frage geht Barenboim leider nicht ein, obwohl er keineswegs die wegen ihrer Asymmetrie völlig verfehlte Zweiseitentheorie vertritt. Er weiß sehr wohl, zwischen Tätern und Opfern im Palästina-Konflikt zu unterscheiden und konstatiert in dem Interview auch mehrmals, dass es keine Verbindung zwischen dem europäischen Antisemitismus - und damit natürlich auch dem Holocaust - und dem Palästina-Problem gibt.

 

Der Holocaust ist auch in Grosbards Analyse der Ausgangspunkt. Als Grundbefindlichkeit der Israelis (auch und gerade ihrer Politiker) konstatiert er eine tief sitzende Angst, die bis zur Paranoia geht. Dass sie aus politischen Gründen auch künstlich geschürt und manipuliert, also instrumentalisiert wird und ein Teil der zionistischen Ideologie geworden ist, erkennt Grosbard durchaus an. Angst führt aber beim Individuum und beim Kollektiv dazu, dass die Realität verzerrt wahrgenommen wird, weil man die eigene Erinnerung ständig in die äußere Realität hineinprojiziert. Grosbard schreibt: „Die Angst macht es schwer, zwischen einer realen, die Existenz bedrohenden Gefahr und unserer verzerrten Wahrnehmung unterscheiden zu können. Wir weigern uns, Dinge in einem anderen Licht zu sehen als in dem unserer Vergangenheit.“ Mit anderen Worten: Die Angst betrachtet alles durch die Brille der Bedrohung, auch wenn diese gar nicht existiert.

 

Die alles bestimmende Angst als Lebenshaltung hat für Grosbard gravierende Folgen: Die paranoide Einstellung ist extrem egoistischer und narzistischer Natur mit Überheblichkeit in ihrem Gefolge und macht unfähig, den „Anderen“ - in diesem Fall die Palästinenser oder Araber - als Menschen überhaupt wahrzunehmen. Die Gefühle und Bedürfnisse des „Anderen“ werden nur als Bedrohung wahrgenommen. Wenn aber Angst und Überheblichkeit Hand in Hand gehen - so Großbard - , dann verstärken sie die seelische Spaltung, was bedeutet, dass auf der einen Seite die Guten und auf der anderen die Bösen sind. Die Angst hat denn auch zur Bildung eines dicken seelischen Schutzpanzers geführt, den abzubauen sehr mühevoll ist: „Es fällt schwer, einen Schutzmechanismus aufzugeben. Es ist hart einzusehen, dass wir nichts Besonderes sind und dass nicht jeder gegen uns ist.“

 

Grosbard leitet aus der Grundbefindlichkeit der Angst auch die Unfähigkeit ab, normale Beziehungen zu dem „Anderen“ aufzunehmen. Der unter Angst Leidende befindet sich ständig in einer Abwehrhaltung. Denn auch sein ständiger vermeintlicher „Kampf ums Überleben“ setzt ihn außerstande, den“Anderen“ zu sehen und ihm einen Platz in seinem Bewusstsein einzuräumen. „Sicherheit“ ist deshalb sein Zauberwort, das über allem steht. Der Angstbestimmte kann aber so viel Sicherheit anstreben wie er will, er wird sich niemals sicher fühlen. Es gibt keine letzte Sicherheit für ihn. Grosbard: „Er wird bei seiner Umgebung stets das Gegenteil provozieren. Das ist ein grausames Paradox der menschlichen Existenz.“

 

Der Angst, dem Streben nach Schutzmechanismen und Sicherheit sowie dem Bauen von seelischen Mauern (die dann zu realen Mauern aus Beton werden) - allen diesen seelischen Abwehrmaßnahmen liegen als Ursache unterdrückte Schuldgefühle zu Grunde. Sie hindern die Israelis daran, die Tiefe des anhaltenden Leids der Palästinenser wahrzunehmen, das sie selbst verursacht haben. Eine Trauer kann nicht stattfinden. Grosbard: „Es ist nicht einfach, den Palästinensern in die Augen zu schauen, dazu müssen wir erst sie und ihren Schmerz anerkennen ... Es fällt nicht leicht , ihre Erfahrung zu verstehen, dass wir sie aus ihren Häusern getrieben haben und jetzt dort glücklich leben, während sie zuschauen müssen, wie wir ihr Land bebauen.“

 

Bekanntlich tut Israel in der politischen Praxis genau das Gegenteil eines solchen „Mitempfindens“, indem es das offizielle Gedenken der Palästinenser an ihre Katastrophe von 1948/49 (Nakba) unter Strafe stellt - also Verdrängung und Verleugnung als offizielle Politik des Staates. Aber Grosbard weist immer wieder auf die Notwendigkeit der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit hin: „Wir haben die Pflicht, uns Gedanken zu machen, was den Palästinensern zugestoßen ist, die von hier geflohen sind. Es ist eine Reise zu den eigenen Wurzeln. Denn nur, wenn wir uns mit dem Schicksal der Palästinenser befassen, die einst hier gelebt haben, werden wir in der Lage sein, unser Trauma zu verarbeiten, was wir ihnen angetan haben.“

 

Die Folge der Angst, der ständigen Abwehrhaltung und des Strebens nach totaler Sicherheit ist aber auch die ständige Bereitschaft zur Gewaltausübung. „Angst und Gewalt sind zwei Seiten einer Medaille und wir ignorieren beide“, schreibt Grosbard. Und an anderer Stelle: „Wir verstehen nur die Sprache der Gewalt, weil wir - auf Grund der Angst - die Sprache des Friedens nicht verstehen.“ Gewalt ist auch das - natürlich völlig falsche - Mittel, die Angst zu verdrängen: „In uns hat sich die Überzeugung festgesetzt, dass wir nur durch ständigen Kampf und die Anwendung von Gewalt überleben können. Wir haben wirklich Angst davor, wieder ein kleines Land zu werden. Das ist das schwere psychische Problem eines Landes, das sich klein und schwach fühlt, wenn es nicht kämpft. Die Suche nach Konfrontation und das Spielenlassen der Muskeln sind ein wohlbekanntes Mittel, um tiefe Ängste abzumildern - ein ungeeignetes natürlich. Wenn wir kämpfen, dann spüren wir die Angst nicht so sehr.“. Die endlose Kette von Kriegen, die Israel seit seiner Gründung geführt hat und die ihm keineswegs von außen aufgezwungen wurden, sind der Beweis für diese Feststellung.

 

Aus dieser Sicht heraus kommt Grosbard zu einer ganz anderen Einschätzung des palästinensischen Terrorismus ( den es ja ganz offensichtlich seit einiger Zeit nicht mehr gibt). Auch hier sieht der Autor eine „gestörte Wahrnehmung der Realität“ am Werk. Israel nehme den Terrorismus der Palästinenser losgelöst von seinen Wurzeln, ihren Leiden, wahr. Man betrachte immer nur das Phänomen, aber nicht seine Ursachen, man behandle mit Gewalt die Symptome und nicht die Krankheit - und müsse deshalb scheitern.

 

Nach dieser Analyse verwundert es nicht, wenn Grosbard Israel und seine Zukunft in höchster Gefahr sieht. Er schreibt: „Was ist es also, dass wir so stark verdrängen? Wir unterdrücken, dass unsere gesamte Existenz nur ein Schwindel ist, dass wir von geborgter Zeit leben, dass unser Traum mit uns verschwinden wird, dass unsere eigentliche Schwäche ans Tageslicht kommt und dass das unser Ende sein wird.“

 

Wie kann Israel diesem Schicksal entgehen? Grosbard sieht nur einen Weg, wie Israel sein Überleben sichern kann: „Es gibt keinen anderen Weg, wir müssen uns unserer Ängste bewusst werden, und auch der großen Macht, die sie über uns haben. Nur dieses Bewusstsein kann unserem Lebensweg eine andere Richtung geben: hin zu einer friedliebenden Nation, die mit ihren Nachbarn in Eintracht leben kann. Es gibt noch eine andere Sache, die einem Paranoiden schwerfällt und fast unmöglich ist: dem anderen gegenüber Verständnis zeigen. Wie kann man für jemanden Verständnis haben, den er als Bedrohung für seine Existenz ansieht? Das ist ein Paradox. Wenn er es aber vermag, werden sich alle seine Beziehungen mit der Welt vollständig verändern. Die Frage ist: Sind wir dazu wirklich nicht in der Lage?“

 

Die Analyse Grosbards hat eine großen Nähe zur Wirklichkeit, die israelische Politik liefert dafür täglich die Belege. Grundlage dieser Politik wäre dann eine vollständig auf Angst aufgebaute Ideologie. Die Frage, die dann gerade die deutsche Politik anginge, müsste lauten: Warum steht sie so rückhaltlos hinter einer so „neurotischen“, fragilen und nicht überlebensfähigen Politik, ohne dabei zu sehen, wie gefährlich diese Politik für Israel selbst und seine Zukunft ist? Auch das ist ein sehr denkwürdiges Paradox.

 

Ofer Grosbard: Israel auf der Couch. Zur Psychologie des Nahostkonfliktes. Mit einem Geleitwort von Yoram Kaniuk, Patmos-Verlag Düsseldorf 2001

 

 

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