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Täglich neu - Nachrichten, Texte aus dem besetzen Palästina die in den deutschen Medien fehlen.

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Texte von Arn Strohmeyer

Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

 

Sieg der Spermien und Gebärmütter
 Leon de Winters gruseliger Roman über den Nahen Osten „Das Recht auf Rückkehr“ (Diogenes-Verlag Zürich, 2010)

 Arn Strohmeyer

 Leon de Winter ist ein sehr bekannter und viel gelesener Autor, aber auch solche Vertreter der schreibenden Zunft können schlichte, äußerst simple politische Weltbilder vertreten. Dafür ist der in den Niederlanden und Kalifornien lebende Schriftsteller, der aus einer jüdischen Familie stammt, die dem Holocaust in einem Versteck auf einem Bauernhof entging, ein gutes Beispiel. de Winter hat sich immer wieder in unzähligen Artikeln und Interviews zum Nahost-Konflikt zu Wort gemeldet. Seine Sicht der Dinge lässt sich – grob skizziert – etwa so beschreiben: Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten, der einzige Staat zugleich in der Region, der westliche Werte und „Moral“ vertritt. Ringsherum leben Barbaren, die einer Religion anhängen, die nur ein Gebot kennt: Judenhass. Diesen Hass gab es von Anfang an, seit die ersten Juden in Palästina einwanderten, und es gibt ihn unverändert noch heute, eher sogar in gesteigerter Form.

 

Israel, das den Arabern immer wieder vergeblich Friedensangebote unterbreitete, befindet sich – so de Winter – in einem permanenten Abwehr- und Verteidigungskrieg gegen diesen, natürlich völlig unbegründeten Hass: „Die Bedrohung ist konstant, der Untergang lauert hinter jeder Ecke.“ Westliche, vor allem europäische Medien schüren zudem unaufhörlich die Legende, dass Israel die Palästinenser unterdrücke, und ergreifen für diese Partei – weil sie glauben, auf diese Weise ihre Schuldgefühle wegen des Völkermords an den Juden vermindern zu können.

 

Dabei, meint der Autor, ging es den Palästinensern unter der israelischen Besatzung bis zu den beiden Intifadas ausgesprochen gut: Ökonomisch hätten sie einen höheren Lebensstandard gehabt als die meisten Araber in deren Staaten. Mit den Freiheitsrechten sei es ebenso gewesen: Die Palästinenser hätten nach den Verträgen von Oslo auch unter der fortdauernden israelischen Besatzung alle Chancen gehabt, eine eigene Demokratie aufzubauen. Stattdessen habe der „Räuberhauptmann“ Arafat einen „Banditenstaat“ errichtet. de Winters Fazit: „Die Besetzung des Westjordanlandes und Gazas war gar keine harte Besatzung.“ Insofern hat das gewalttätige palästinensische Verhalten auch gar nichts mit einem Bedürfnis nach Freiheit und Selbstbestimmung zu tun, denn die anderen Araber sind ja noch viel unfreier. Nein, die palästinensische Gewalt hat allein etwas „mit der Kultur, der Religion und den arabischen Verhältnissen zu tun: mit Scham. Scham, verursacht von einem Gefühl der Erniedrigung durch ein, notabene, in islamischen Augen zweitrangisge Volk, die Juden.“

 

Die Palästinenser führen – so de Winter weiter – auch keinen Befreiungskampf für ihre Selbstbestimmung, sondern „einen Aufstand gegen eine demokratische Gesellschaft, für die Israel von der Welt beneidet, aber auch gehasst wird.“ Kein Wunder also, dass die Palästinenser unter der israelischen Besatzung auch gar nicht leiden, weil zum Beispiel die im Westen so oft kritisierten Soldaten an den Checkpoints nur „gelangweilte und Todesangst empfindende israelische Lausbuben“ sind. Die Schikanen an diesen Grenzposten sind „unbedeutende Maßnahmen, verglichen mit der Art, wie sich Araber gegenseitig oder die arabischen Obrigkeiten ihre Untertanen behandeln“

 

Leon de Winter macht auch den neuen Hauptfeind Israels aus: die Hamas. Diese „Terrororganisation“ verfolgt nur ein Ziel: den Judenstaat zu vernichten. Aber Israel schlug an der Jahreswende 2008/2009 zurück – und zwar mit einem Bruchteil der Gewalt, die die Hamas gegen Israel anwenden würde, wenn sie denn die Möglichkeit dazu hätte. Wörtlich schreibt de Winter über den Gaza-Krieg: „Nun gab Israel den Bewohnern von Gaza das, was diese sich angeblich mehr als alles wünschen: eine Gelegenheit, heldenhaft Widerstand zu leisten und Juden zu töten. Doch statt ihre tiefe Befriedigung über die Chance zu äußern, schrieen die Palästinenser auf, sie würden mit unverhältnismäßiger Härte behandelt und den Juden müsse das Schießen auf Frauen und Kinder verboten werden. Dieselben Leute, die Gewalt und Krieg forderten, zeigten nun den Medien, wie brutal sie von den Juden angefasst wurden.“ (Anmerkung des Verfassers: Ist eine Steigerung des Zynismus angesichts dessen, was im Gaza-Streifen geschah, überhaupt möglich?)

 

Ausgleich und Frieden im Nahen Osten? Hoffen auf die Vermittlung eines Barack Obama? Für de Winter ist das alles Unsinn, naives humanistisches Gefasel. Obama mag es gut meinen, aber er sieht die brutalen Fakten in der internationalen Politik nicht. Nachgeben und Sanftheit führen nur zu mehr Aggression. Frieden kann es nur geben, wenn die bösen Araber sich politisch ändern, so demokratisch, liberal und  moralisch wie die Israelis werden, die, eben weil sie so moralisch sind, sich zurückhalten und nie die Gewalt einsetzen, über die sie verfügen. de Winter appelliert an die Welt, Israel in seinem „Kampf gegen das Böse“ beizustehen.

 

Leon de Winter ist ein Meister der politischen Einseitigkeit und der Geschichtsklitterung. Sein nahöstliches Legenden- und Klischee-Szenario hat der niederländische Autor nun in Romanform gegossen. Erste Kritiker sprachen von „israelischer Kampfprosa“ und einem „Manifest der Anti-Aufklärung“. Gleich wenn man de Winters Buch aufschlägt, weist eine Landkarte darauf hin, was den Leser erwartet: eine völlig veränderte Lage im Nahen Osten im Jahr 2024. Israel besteht nur noch aus Tel Aviv und einem bisschen Hinterland – einem Sandkasten aus Wüste. Den Rest des einstigen Staates haben die Palästinenser erobert und „islamisiert“.

 

Nur noch zwei Millionen Israelis leben hinter hohen High-Tech-Grenzanlagen. An den wenigen Durchgängen durch die Mauer müssen die Passanten Wattestäbchen mit Speichel in kleine Schleusen mit DNA-Scannern stecken, die sofort durch einen Chromosonen-Test erkennen, ob es sich um einen Juden handelt oder nicht. Über Tel Aviv kreisen Hubschrauber mit Erkennungsgeräten an Bord, die Alarm schlagen, wenn sich Palästinenser in die jüdische Gemeinschaft eingeschlichen haben. Auf der „anderen Seite“ herrscht ein düsteres Bild: nur tief verschleierte Frauen und Männer mit langen Bärten. Das Leben ist trostlos dort: „keine Arbeit, keine Zukunft, keine Hybridautos“. Für Israelis ist es gefährlich dorthin zu gehen. Man muss damit rechnen, dass diese fanatisierten Moslems einem den „Kopf abreißen“ und „auf Stangen spießen“. Die Araber sind nur darauf aus, die Juden „auszurotten“. So sagen es wenigstens de Winters Protagonisten in dem Roman.

 

Niemand glaubt bei diesen Zuständen noch an einen Frieden, deshalb gibt es auch keine Verhandlungen mehr. Die Israelis haben im Jahr 2024 ein ganz anderes Problem: Auf unerklärliche Weise verschwinden ständig jüdische Kinder – und man geht nicht falsch in der Annahme, dass es die Palästinenser sind, die sie entführen. Im Roman erfährt man das aber erst auf den letzten Seiten. Und so betreibt de Winters Held Abraham Mannheim, genannt „Bram“, der eigentlich Historiker für die Geschichte des Nahen Osten ist, mit einem Freund eine „Bank“ genannte Agentur zur Ermittlung verschwundener Kinder.

 

Wie es der Lauf der Handlung will, wird auch Brams eigener vierjähriger Sohn Ben entführt. Der Vater, der inzwischen Professor an der Universität von Princeton (USA) ist, wird fast verrückt wegen dieses Verlustes, seine Ehe scheitert, er reist ruhe- und kopflos durch die Welt, um das geliebte Kind wieder zu finden. Er begeht sogar einen Mord an einem Päderasten, den er für den Entführer und Mörder seines Sohnes hält. Nach Jahren findet er mit Hilfe seiner Agentur und des israelischen Inland-Geheimdienstes Schabak eine Spur des verlorenen Sohnes. Nicht der umgebrachte Päderast war der Übeltäter, sondern – man hatte es lange vermutet – ein islamischer Fundamentalist. Dieser Dossaji Israilow ist ein genialer und nobelpreisverdächtiger Naturwissenschaftler, der aus Kasachstan stammt und eine internationale Karriere gemacht hat, sich dann aber immer mehr den religiösen Fanatikern anschloss. In Afghanistan wurde er in den achtziger Jahren Leibarzt des Muhadschedin-Führers Mullah Omar, der heute die Taliban befehligt. Natürlich, auch die Taliban dürfen nicht fehlen!

 

Dieser Mann hatte Brams Sohn entführt, in einem Waisenhaus in Kasachstan untergebracht, in dem vornehmlich geraubte jüdische Kinder einer Gehirnwäsche für die Sache Allahs unterzogen werden, um sie dann – Gipfel der muslimischen Infamie! – als Selbstmordattentäter gegen Israel einzusetzen. Denn nur Juden können ja die DNA-Sperren überwinden. Vorbild sind Israilow dabei die Mamelucken und Janitscharen, auch geraubte Kinder, die man einst zu fanatisierten Moslems und Mördern erzog.

 

Brams Sohn Ben – inzwischen ein junger Mann geworden – arbeitet in einem türkischen Lebensmittelladen in Amsterdam, als stille Selbstmörderreserve sozusagen, die jederzeit zu ihrer Märtyrer-Mission abberufen werden kann. Der Vater entdeckt ihn dort, beide erkennen sich. Aber in diesem Augenblick greift schon der Mossad in einer vorher abgesprochenen Aktion zu, kidnappt den Sohn und bringt ihn nach Israel zum Verhör. Der Vater ist dennoch glücklich über den Ablauf der Ereignisse, denn nun kann er hoffen, dass Ben doch noch von dem ihm aufgezwungenen Glauben lässt und zu ihm zurückkehrt...

 

Mit diesem Ausgang will de Winter den Titel seines Romans rechtfertigen: das „Recht auf Rückkehr“ in die jüdische Gemeinschaf nach Israel, das jedem Juden zusteht und habe er sich auch unter noch so teuflischen Einflüssen von seinen Ursprüngen entfernt. Der Autor braucht 550 lange Seiten, um das zu erklären. Aber auf dem Weg dahin gibt er seinen handelnden Personen viele Gelegenheiten, ihren Hass auf Araber im allgemeinen und auf Palästinenser im besonderen freien Lauf zu lassen, denn radikale Muslime sind sie für ihn alle.

 

Brams Vater, ein Nobelpreisträger für Biochemie, ist ein unverbesserlicher Hardliner: Frieden? „Unsinn“, sagt er zu seinem Sohn. „Man schließt keinen Frieden mit seinen Feinden. Man zerschmettert sie. Das macht man mit seinen Feinden. Wo holst Du den hirnverbrannten Gedanken her, man könne mit Arabern Frieden schließen? Frieden mit Arabern ist nichts als eine Galgenfrist.“ Und als der Sohn nachfragt, was man denn politisch tun solle, ist die Antwort des Nobelpreisträgers: „Zehn Busse mit Arabern in die Schlucht schieben.“ Und er bedauert zutiefst, dass die Israelis sie 1948 nicht endgültig vertrieben hätten. „Diese Leute werden uns noch eines Tages die Köpfe abhacken“, ist er überzeugt.

 

Und warum hatten die Palästinenser Israel besiegt und es auf einen schmalen Wüstenstreifen hinter Tel Aviv zusammen gedrängt? de Winter hat auch dafür eine Antwort: „Die palästinensischen Araber hatten die Juden mit ihren Gebärmüttern besiegt. Die mächtigen Waffen der Juden waren machtlos gegen die palästinensischen Spermien, die sich fruchtbarer Eizellen bemächtigten. Auch die Eizellen kleiner Jüdinnen konnten Muslime hervorbringen – hin und wieder verschwand ein Mädchen im Meer...“

 

Leon de Winter verteidigt sein Buch. Es soll ein Text sein, in dem es um Verlust, Trauer, Abschied und Hoffnung geht. Wirklich? Aber diese eigentlich universellen ur-menschlichen Gefühle gibt es offensichtlich nur auf der einen Seite der Mauer. Die Menschen auf anderen Seite dehumanisiert er mit seinen hasserfüllten Klischees. Alle Moslems sind für ihn offenbar nur abgefeimte Entführer, Terroristen und Mörder, die die Juden „ausrotten“ wollen. Das Wort fällt mehrere Male. Wenn man de Winter wohl gesonnen ist, könnte man die Gründe für solche Hasstiraden in der ewigen Angst der Juden vor Bedrohung sehen, die durch den Holocaust noch gesteigert und zur Paranoia wurde.

 

Aber hat ein weltweit geachteter Autor wie de Winter nicht die Pflicht und die Verantwortung, die aus der Psychologie her bekannte Übertragung Araber (Palästinenser) = Nazis = Mörder zu erkennen und der Versuchung, dieses Klischee weiter zu verbreiten und zu popularisieren, im Namen einer besseren Zukunft der Juden im Nahen Osten und anderswo zu widerstehen? Leon de Winter hat das in seinem Roman nicht getan. Für ihn besteht die Welt nur aus den Guten diesseits und den Bösen jenseits der Mauer. Annäherung, Ausgleich und Versöhnung kann es nicht geben. Sein gruseliger Roman kann so nur neuen Hass säen. Man stelle sich vor, ein Nicht-Jude hätte ein solches oder ähnliches Buch über Juden geschrieben, der empörte Aufschrei wäre weltweit zu Recht zu hören. Warum gilt ein solcher intellektueller und humaner Maßstab umgekehrt nicht auch für Leon den Winter?

 

 

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