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Texte von Arn Strohmeyer

Omri Boehm ein antisemitisches Buch?
Zionistenschreiben vor, wie an Holocaust zu erinnern.
Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

 


TRANSLATE
 

 

„Unkritische Unterstützung Israels behindert den Friedensprozess nur“

Die deutsche Nahost-Politik in der Sackgasse / Einige Anmerkungen zum deutsch-israelischen Regierungstreffen in Jerusalem

Arn Strohmeyer


Im Juni 1980 – also vor 34 Jahren ! – haben die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft in Venedig eine Nahost-Erklärung beschlossen, die die Selbstbestimmung des palästinensischen Volkes verlangte. Die Gemeinschaft bot sich gleichzeitig als Garantiemacht einer umfassenden Friedenslösung an. Was ist seitdem passiert? Auf Seiten der EU außer neuen Mahnungen, Appellen und Leitlinien so gut wie nichts. Die letzte Leitlinie von Juli letzten Jahres erklärte die israelischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten wie vorher schon der Internationale Gerichtshof in Den Haag und etliche UNO-Resolutionen für völkerrechtswidrig. Auf Seiten Israels geschah allerdings eine ganze Menge: Der Staat hat neue palästinensische Gebiete in Besitz genommen, neue Dörfer und Städte dort gebaut und hunderttausende Juden dort illegal angesiedelt. Und die brutale Besatzungspolitik der Israelis gegen die Menschen in den besetzten Gebieten geht weiter: tägliche Razzien, Ausgangssperren, Verhaftungen (sogar von Kindern), Zerstörung von Eigentum (Häusern, Feldern, Olivenbäumen und Brunnen), Behinderung der Bewegungsfreiheit und Tötung missliebiger Personen. Mit einem Wort: Siedlerkolonialismus in Reinkultur!

Diese ständigen Menschenrechtsverletzungen waren bei den deutsch-israelischen Regierungskonsultationen in Jerusalem natürlich kein Thema. Dafür gab es auf deutscher Seite wieder viel moralisches Pathos in den Reden und Verlautbarungen: die „Verantwortung aus der deutschen Geschichte“ usw. Je öfter man sie wiederholt desto inhaltsleerer werden diese Rituale, was nicht heißen soll, dass es keine Verantwortung aus der deutschen Geschichte gibt. Aber die Begriffe, die in dem Verhältnis zwischen Deutschen und Israelis dauernd im Munde geführt werden, zeichnen sich dadurch aus, dass sie äußerst unkonkret und vage sind und politisch nicht weiterführen. Was bedeutet eigentlich die „Staatsräson“, für die einzutreten Kanzlerin Angela Merkel 2008 in ihrer Knesset-Rede zur deutschen Pflicht erhoben hat und die sie ständig wiederholt? Heißt das, dass Deutschland in jedem Fall Israels abenteuerliche und friedensfeindliche Kriegspolitik unterstützen und auch für diesen Staat einstehen muss, wenn er durch seine eigenes riskantes Vorgehen in Bedrängnis gerät – wie etwa durch einen (völkerrechtswidrigen) Angriffskrieg gegen den Iran, der ja in Jerusalem immer noch im Gespräch ist? Dann wäre die Staatsräson Merkels nichts weiter als ein Freibrief für Israels aggressive Staatsräson.

Hier sei nur angemerkt, dass der renommierte israelische Militärhistoriker Zeev Maoz in seinem Buch „Defending the Holy Land“ nachgewiesen hat, dass Israel alle bisher von ihm geführten Kriege auch selbst angezettelt hat. Nur beim Krieg von 1948 gegen die Araber meldete er Zweifel an, worauf ihm sofort einige andere israelische Historiker widersprachen: Nein, auch diesen Krieg hat Israel begonnen. Wenn Israel seine Gewaltaktionen als „Selbstverteidigung“ rechtfertigt, dann ist das blanker Zynismus, denn über 20 arabische Friedensangebote seit 1948 blieben unbeachtet und unbeantwortet – das letzte von 2002, das die Anerkennung Israels durch alle arabischen Staaten vorsah, wenn Israel sich bereit erklärte, in den besetzten Gebieten die Gründung eines palästinensischen Staates zuzulassen.

Auch „Existenz“ und „Sicherheit“ sind äußerst schwammige und vage Begriffe. Die Anerkennung der Existenz eines Staates gibt es im Völkerrecht überhaupt nicht. Wenn ein Staat einen anderen anerkennt, dann erkennt er automatisch auch dessen Existenz an. Frühere israelische Regierungen – wie etwa die von Menachem Begin – lehnten es ab, irgendjemanden darum zu ersuchen, Israels Existenz anzuerkennen, weil sie dieses Recht durch den UNO-Teilungsbeschluss von 1947 als gegeben ansahen, als etwas, das völlig außer Zweifel steht. Dieser Meinung war auch Israels früherer Außenminister Aba Eban. Erst die Regierung Netanjahu hat die Anerkennung des Existenzrechtes als Propagandatrick wieder aus dem Zylinder hervorgezaubert, wohl weil sie weiß, dass niemand auf diese Absurdität eingeht, aber Israel durch diese Forderung Zeit gewinnt, neue Siedlungsfakten in den besetzten palästinensischen Gebieten zu schaffen. Außerdem will Israel mit dem Begriff „Existenz“ an seinen Opferstatus gemahnen, aber die vermeintliche Bedrohung nimmt dem Besatzungs- und Atomwaffenstaat kaum noch jemand ab.

Genauso steht es mit dem Begriff „Sicherheit“. Einmal abgesehen davon, dass auch die anderen Staaten und Völker in der nahöstlichen Region ein Recht auf Sicherheit haben und nicht nur Israel – Sicherheit kann überhaupt nur durch das Zusammenwirken mehrerer oder aller Beteiligten zu einem Sicherheitssystem entstehen. Israel schafft durch seine Landraubpolitik aber sein Sicherheits- beziehungsweise Unsicherheitsproblem selbst. Denn je mehr Land es annektiert und seine Grenzen in fremdes, ihm nicht gehörendes Gebiet ausdehnt, desto größer wird sein Sicherheitsanspruch, dieses geraubte Land auch zu behalten. Hat Angela Merkel einmal Benjamin Netanjahu gefragt, warum Israel auch nach 66 Jahren staatlicher Existenz noch keine festen und international anerkannten Grenzen hat?

Was man bei den Regierungskonsultationen in Jerusalem auch vermisst hat, ist ein klares Bekenntnis dazu, dass Deutschland auch eine Verantwortung für die Palästinenser hat, die sich auch aus der deutschen Geschichte ergibt, denn sie sind die „Opfer der Opfer“. Helmut Schmidt hat das übrigens mehrmals in seiner Amtszeit als Kanzler getan. Angela Merkel hätte in Israel einmal unmissverständlich aussprechen müssen: „Die Besatzung ist unmenschlich und völkerrechtswidrig und muss umgehend beendet werden!“ Ansonsten sind ihre permanenten Berufungen auf die „gemeinsamen Werte mit Israel“ völlig unsinnig und wertlos.

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In ihrem Beraterkreis ist man da schon viel weiter. So hat der Völkerrechtler Christian Tomuschat, der auch Vorsitzender der Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen war und die Bundesregierung mehrmals vor internationalen Gerichten vertreten hat, konstatiert: „Die israelische Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten ist illegal. Israel steht also mit seiner Ansicht, dass seine Siedlungspolitik nicht zu beanstanden ist, völlig allein. Die von Angela Merkel formulierte Staatsräson für die Sicherheit Israels bedeutet auch, eine besondere Verantwortung für das Schicksal der Palästinenser zu übernehmen, weil beide Gemeinwesen untrennbar miteinander verknüpft sind. Die Sicherheit Israels lässt sich nicht durch Rechtsbrüche zulasten der Palästinenser gewährleisten.“

In den Vorausberichten zu dem Treffen in Jerusalem hieß es: Berlin halte die Regierung Netanjahu für unfähig und unwillig. Der Konflikt zwischen beiden Regierungen gehe inzwischen so weit, dass das durch den Holocaust begründete Sonderverhältnis in Frage gestellt sei. Im Pathos der Reden in Jerusalem hat man davon nichts gemerkt. Es ist die alte Doppelmoral, die die Beziehungen seit langem kennzeichnet: Kritik wird nur im stillen Kämmerlein geübt, aber nicht im politischen Alltag. Geschweige denn, dass etwa zusammen mit der EU politischer Druck auf Israel ausgeübt wird – das einzige Mittel, das die Regierung in Jerusalem wirklich verstehen würde. Aber es läuft andersherum: Wenn Israel U-Boote mit atomaren Trägerwaffen wünscht, die Deutschen liefern und bezahlen auch den größten Anteil. Ein Kommentator hat das „Beihilfe zum Massenmord“ genannt. Folgt eine solche Politik wirklich aus der deutschen Geschichte? Wenn die „besonderen Beziehungen“ zwischen Deutschland und Israel lediglich dafür herhalten müssen, eine zutiefst unmoralische und völkerrechtswidrige Politik aufrechtzuerhalten, dann ist es höchste Zeit, sie zu überdenken und nach Alternativen zu suchen.

Einer, der auch die deutsche Politik immer wieder genau dazu mahnt, ist der amerikanisch-jüdische Wissenschaftler und Publizist Henry Siegman, der früher Direktor des American Jewish Congress war und heute Leiter des US/Middle EAST Project ist. Er schreibt: „Der eigentliche Skandal ist, dass die Völkergemeinschaft zwar genau weiß, wo die Probleme liegen, aber nicht genug Mut aufbringt, sie zu benennen, geschweige denn sie zu lösen.“ Und besonders an die Europäer und speziell an die Deutschen sendet er den Appell: „Wenn westliche Länder vor dem Hintergrund ihrer Schuld am Holocaust glauben, ihre Hinnahme eines solchen Ergebnisses sei ein Akt der Freundschaft mit dem jüdischen Volk, so kann es keinen größeren Irrtum geben. Die Palästinenser aufzugeben, kann keine Sühne dafür sein, die Juden Europas aufgegeben zu haben. Und es würde auch nicht der Sicherheit Israels dienen. Die Erwartung, unkritische Unterstützung werde zu einer größeren Bereitschaft Israels führen, für den Frieden Risiken auf sich zu nehmen, steht im Widerspruch zur Geschichte dieses Konflikts. Je kleiner der Widerspruch ist, den Israel von seinen Freunden im Westen erhält desto kompromissloser wird sein Verhalten gegenüber den Palästinensern.“

Ein bisschen von diesen Worten sollte sich die Regierung der Großen Koalition in ihrer Nahost-Politik zu Herzen nehmen. Aber die Chancen dafür sind nicht groß, was auch mit der Person der deutschen Kanzlerin zu tun hat, die sich ja stets als große Israel-Freundin outet. Als der israelische Historiker Tom Segev nach Merkels Staatsräson-Rede in der Knesset 2008 gefragt wurde, was er davon halte, sagte er in einem Interview: „ Das kam mir so vor wie aus den 50er Jahren. Für Frau Merkel ist das Thema relativ neu, weil sie aus der DDR kommt, wo man Israel überhaupt nicht behandelt hat. Ihre Rede ging völlig an der Realität vorbei. Sie hat die Regierung Israels total kritiklos gewürdigt. Dabei bedient sie alle diese [zionistischen] mythologischen Klischees. Das hört sich dann an, als wäre es von der Internetseite des Auswärtigen Amtes abgelesen.“

Diese Sätze Tom Segevs aus dem Jahr 2008 gelten auch nach dem Treffen in Jerusalem in Jahr 2014 uneingeschränkt.

25.02.2014

 

 

 

 

 

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